Katmar5-
(Lesezeit 15 Min.)
Die
Krise der Industriegesellschaft verfestigt sich. Kein nachhaltiger
Ausweg scheint in Sicht. Plädoyer für eine grundsätzlich
neue Debatte unter Missachtung politisch-ökonomischer Dogmen.
(von
Carl Christian Rheinländer)
Eine Frage beschäftigt uns immer drängender: Wie kann
die Krise der Industriegesellschaft und der Wirtschaft beendet werden?
Oder etwas alltagssprachlicher: Wie kommt der Karren dauerhaft aus
dem Dreck?
Langsam aber sicher gelangen immer mehr Menschen zu der Überzeugung,
dass unsere Volksvertreter überhaupt nicht in der Lage sind,
dieses Problem zu lösen, dass ihr ständiges, plakatives
Bemühen, ihre offensichtliche Unfähigkeit nachhaltige
Lösungsansätze zu entwickeln, ihr eifriges Herumkurieren
an allerlei Symptomen, nichts anderes ist, als die schlichte Verwaltung
eines scheinbar unaufhaltsamen Niedergangs.
Allmählich beginnen wir zu ahnen, dass die berühmte Antwort
auf obige Frage, die da lautet. - "Durch mehr Wirtschaftswachstum!"
- eigentlich nicht richtig sein kann, dass diese Äußerung
eigentlich nichts anderes darstellt, als das berühmte Pfeifen
des kleinen Jungen beim Gang durch den dunklen Wald.
Immer drückender werden die Indizien für die provozierende
Annahme, dass die große Phalanx der Wachstumsbefürworter
aus Ökonomiewissenschaft, Politik und Wirtschaft sich tatsächlich
irren muss.
Doch wenn diese berühmte Antwort, über die immer noch
weltweit, entweder kleinlaut oder aber auch trotzig Konsens herrscht,
in die Sackgasse führt, wie kann eine realistische Antwort
denn aussehen? Kann es vielleicht sogar sein, dass das Streben nach
quantitativem Wachstum, dass die ökonomisch-politischen Maßnahmen,
welche zu mehr Wachstum herkömmlicher Art führen sollen,
der eigentliche Grund für die anwachsende Krise sind?
Fest steht: Wirtschaftswachstum herkömmlichen Verständnisses
führt nur sehr eingeschränkt zu qualitativem Wohlstand,
geschweige denn zu mehr Lebensqualität. Durch Wirtschaftswachstum,
bzw. durch das vorangehende Wirtschaftsgeschehen werden große
soziale und ökologische Schäden verursacht, und dies mit
zunehmender Tendenz. Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität,
laut ökonomischem Lehrbuch die erste Voraussetzung zur Steigerung
von Wirtschaftswachstum, schönen auf der einen Seite die Statistik,
sind auf der andern Seite aber auch verbunden mit höherem Energieverbrauch,
erhöhter Abgaserzeugung, höherem Rohstoff- und Materialbedarf,
intensiverem Naturflächenverbrauch, Abbau regionaler Versorgungsstrukturen,
Erhöhung des allgemeinen Transportbedarfs, Verringerung der
physischen und psychischen Bevölkerungsgesundheit also höheren
Gesundheitskosten, Verringerung der Leistungsfähigkeit der
einzelnen Menschen, ungebremste Müllproduktion, Reduzierung
der Rentabilität von Reparatur und Verwertung, Herabwürdigung
privater Eigeninitiative und regionaler Eigenversorgung, usw.
Zumindest die ökologischen Schäden unseres Wirtschaftens
lassen sich immer genauer beziffern. Es existieren etliche Studien
dazu etwa vom Umwelt- und Prognoseinstitut Heidelberg, vom Fraunhofer-Institut
für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlruhe,
von der Prognos AG, Basel, usw.
Rechnet man die letzten davon auf die Gegenwart hoch, so muss man
von einer jährlichen Schadenssumme nur für Deutschland
in Höhe von derzeit mindestens 400 Milliarden Euro ausgehen.
Hiermit gerät die Verklärung des Wirtschaftswachstums
schon erheblich ins Wanken.
Die sozialen Kosten unseres Wirtschaftens lassen sich sehr viel
schwieriger erfassen. Der größte Posten davon, die Massenarbeitslosigkeit
mit ihren subtilen Folgeerscheinungen, ist bei genauem Hinsehen
eng mit einem Großteil der ökologischen Schäden
verbunden und lässt sich darüber besser fassbar machen:
Im Grunde gibt es eigentlich nur zwei relevante Arten von Arbeitsenergie,
mit denen eine Produktion betrieben werden kann: Die menschliche
und die technische Arbeitsenergie. Erstere, im Überfluss vorhanden,
sehr umweltfreundlich und nahezu überall einsetzbar, wird einerseits
gespeist aus Nahrung, also aus regenerativer Quelle, andererseits
natürlich auch durch eine gute Ausbildung der Individuen.
Ihr direkter Konkurrent, die technische Arbeitsenergie, bereitgestellt
durch die Energieerzeugung aus Erdöl, Gas, Kohle, Radioaktivität
und regenerativen Quellen in Kraftwerken, Motoren und Fahrzeugen,
ist aber mit Abstand die größte Ursache für Schäden
an den natürlichen Lebensgrundlagen.
Diese werden ganz und gar nicht von den Verursachern, von den Verbrauchern
dieser Energie übernommen, sondern sie werden auf die Allgemeinheit
und vor Allem auf die nachfolgenden Generationen abgewälzt.
Der Wettbewerb zwischen technischer und menschlicher Arbeitsenergie
mündet heutzutage immer wieder in die gleiche Schlussfolgerung:
"Die menschliche Arbeitskraft ist zu teuer!"
Nach diesem Satz bleibt der Politik nur noch die finanziell auf
Dauer verhängnisvolle Maßnahme übrig, die menschliche
Arbeitskraft zu bezuschussen. Diese Aussage aber ist genauso falsch
wie der Glaubenssatz, dass Wachstum Arbeit schafft.
Warum heißt es nicht: "Der direkte Konkurrent zur menschlichen
Arbeitskraft, die technische Arbeitsenergie, ist zu billig!"?
So herum interpretiert ergäbe sich ein völlig neuer politischer
Handlungsspielraum. Die Plausibilität dieser neuen Betrachtung
ist verblüffend.
Würde man alle Folgekosten und -schäden durch Bereitstellung
und Verbrauch von Energie anteilig auf jede Energieeinheit addieren,
würde man den direkten Verursachern, also letztendlich den
Energieverbrauchern die gesamten, bis heute größtenteils
externalisierten Kosten auferlegen, bekämen wir völlig
neue Bedingungen im Wettbewerb zwischen menschlicher und technischer
Arbeitsenergie.
Die Preise für die Energieträger Kohle, Erdöl und
Erdgas stiegen um 300%, die Strompreise würden sich verzwölffachen,
Strom aus Kernkraft wäre fast unbezahlbar.
Für die menschliche Arbeitskraft würde dies bedeuten:
Die individuelle kalkulatorische Grenze innerhalb jeder wirtschaftlichen
Sparte, jenseits welcher sich die Beschäftigung einer Arbeitskraft
für den Betrieb nicht mehr lohnt und der Technikeinsatz billiger
kommt, würde sich zu Gunsten der Menschenenergie deutlich verschieben.
Die Menschen würden einen angeborenen Wert, den ihnen der technische
Fortschritt ungerechterweise genommen hat, ihre Schaffenskraft,
ihre Bereitschaft, für die Gesellschaft nützlich zu sein,
zurückerhalten.
Die Experten aus der Wirtschaftswissenschaft können über
solcherlei Thesen natürlich nicht begeistert sein.
Eigentlich dafür zuständig, eine realistische ökonomische
Analyse vorzulegen, wenn nicht gar Lösungsvorschläge auf
den Tisch zu bringen, verzetteln sich die angesagten Institute lediglich
in wüste Orakeleien über die voraussichtlichen Wachstumszahlen
und äußern sich widersprechende Empfehlungen aus der
ökonomischen Mottenkiste.
Gegenwärtig bricht die beunruhigende Lage lediglich einen neuen
Streit zwischen den beiden Hauptströmungen der Wirtschaftswissenschaft,
der angebotsorientierten und der nachfrageorientierten Wirtschaftstheorie
vom Zaune. Doch auch hier wird sich keine Lösung finden lassen,
ist doch das Wirtschaftswachstum bei allen Unterschieden, in beiden
Glaubensrichtungen der wichtigste Faktor, das erklärte Ziel.
So werden auf diesem längst abhanden gekommenen Fundament immer
noch jedes Frühjahr dicke Expertisen erstellt, mit welchen
die Politiker zwar pflichtgemäß vor die Presse treten,
von denen sie aber nur, wenn überhaupt, die Zusammenfassung
der Zusammenfassung lesen. So verhindern die sogenannten Wirtschaftsweisen
und ihre Auftraggeber jede Erkenntnis, die über den eigenen
Horizont geht. Die Formel "Wachstum schafft Arbeit" bleibt
goldenes Kalb, die vom "Okunschen Gesetz" abgeleitete
Behauptung, dass ab 2,5 Prozent Wachstum wieder Arbeit entsteht,
bleibt oberste Entscheidungsgrundlage und die eklatanten Widersprüche
der fatalen Gegenwartsökonomie werden hartnäckig ignoriert.
Immer noch routinemäßig wird die kapitalistische Ökonomie
als Marktwirtschaft bezeichnet, obwohl beide alles andere als dasselbe
sind. Auch das gängige Verständnis, wonach der Kapitalismus
eine Form von Marktwirtschaft sei, geht fehl. Er ist vielmehr eine
sich früher oder später einstellende Degeneration von
Marktwirtschaft. Hauptmerkmal der Marktwirtschaft ist neben dem
freien Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage die Notwendigkeit,
dass alle erdenklichen Kosten, die zur Herstellung eines Artikels,
bzw. zur Bereitstellung einer Dienstleistung, anfallen, in den Preis
einfließen.
Im Kapitalismus dagegen sind Unternehmer bestrebt, immer stärker
den heimlichen Produktionsfaktor -Externalisierung von ökologischen
und sozialen Schäden - für die Verbilligung ihrer Produkte
zu nutzen. Eigentlich handelt es sich hierbei um eine heimliche
und weitgehend unauffällige gigantische Wirtschaftssubventionierung
auf Kosten einer ungefragten Allgemeinheit und auf Kosten der nachfolgenden
Generationen. Subventionierungen sind aber kein marktwirtschaftliches
Instrument, ja sie machen ab einer gewissen Dimension sogar die
volkswirtschaftlich erwünschten Entwicklungen einer Marktwirtschaft
zunichte und verkehren diese ins Gegenteil.
Angesichts der ungeheuren Dimension der Subventionierungen durch
die Externalisierung von Produktionskosten heutzutage muss man eigentlich
aufhören diese unsere real existierende Ökonomie noch
als Marktwirtschaft zu bezeichnen. Ja in Wahrheit existiert diese
so wunderbar schlüssige Ökonomieform nirgendwo auf der
Welt. Wäre unsere Ökonomie eine Marktwirtschaft und zwar
eine im kategorischen Sinne, wo es ausgeschlossen ist, Kosten für
die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen auf Dritte
zu externalisieren, dann hätten wir nicht die gegenwärtige
Krise.
Wenn, wie bis hierher festgestellt, zum Schaden und auf Kosten Dritter
gewirtschaftet wird, ergibt sich daraus natürlich auch eine
umfassende juristische Frage: Ist die Externalisierung von ökologischen
und sozialen Kosten überhaupt rechtlich zulässig?
Man wird in den Gesetzesbüchern darauf keine direkte Antwort
finden, über die Frage wird bis heute gar nicht debattiert.
Wenn man aber die Auswirkungen der allgemein üblichen Schadkostenexternalisierung
näher betrachtet, zeigt sich, dass viele Auswirkungen unseres
Wirtschaftens direkt verfassungswidrig, gar verfassungsfeindlich
sind. Einige unserer wichtigsten Grundrechte werden direkt missachtet,
bzw. werden stillschweigend und ohne gesetzliche Grundlage eingeschränkt.
Das ganze Selbstverständnis unserer Verfassung, der große
Geist der Gerechtigkeit der hier wohnen sollte, wird zunehmend zweifelhaften
ökonomischen Notwendigkeiten geopfert.
Leider lässt sich mit diesen Erkenntnissen so leicht keine
Verfassungsklage erheben. Die erste Klagevoraussetzung, nämlich
die Betroffenheit in eigenen Rechten, ist kaum plausibel zu machen,
besonders wenn man für den Schutz der Lebensgrundlagen für
die nachfolgenden Generationen streiten wollte. Die Hauptbeeinträchtigten
sind nicht einmal geboren, ein absolutes Novum in der Rechtsgeschichte.
Auch geschieht die Schädigung Dritter meist nicht direkt und
einfach nachvollziehbar, sondern auf äußerst subtilen
Wegen.
Immerhin deutet sich ab hier ein wirklicher Ausweg für unsere
Industriegesellschaft aus dem verzwickten Dilemma an. Ohne Frage
muss die herrschende Ökonomie so bald als möglich durch
ein gesellschaftsverträgliches Wirtschaftssystem ersetzt werden.
Jedes Kurieren an den Symptomen, und nichts anderes ist die gegenwärtig
praktizierte Politik, führt nur tiefer in die Krise. Die einzige
Möglichkeit bietet der Übergang in eine Form von Marktwirtschaft,
in welcher jeglicher Anreiz zur Externalisierung irgendwelcher Produktionskosten
dauerhaft ausgeschlossen ist.
Zur Wahrung von Gerechtigkeit unter den Menschen und zur Erhaltung
dieser Marktwirtschaft ist die Zugrundelegung einer weitgehenden
Ethik für das ökonomische Handeln eine unabdingbare Notwendigkeit.
Anderenfalls ist die Degeneration in den Kapitalismus nur eine Frage
der Zeit.
Wenn wir nun einen Namen suchen, in welchem auch der ethische Anspruch
erkennbar sein soll, werden wir bei dem Philosophen Immanuel Kant
und seiner Formulierung des Kategorischen Imperativs fündig.
Er lautet: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du
zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde!"
Oder: "Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung zum allgemeinen
Naturgesetze werden sollte!" Oder: "Handle so, dass die
Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen
Gesetzgebung gelten könne!"
Hier steht genau das, was von der Wirtschaft verlangt werden muss.
Kein Unternehmer kann, auch entsprechend dem Geist unserer Verfassung,
jemals das Recht bekommen, sich auf Kosten oder zum Schaden anderer
zu bereichern. Niemand würde wirklich wollen, dass die Maxime
der Ausbeutung oder der Zerstörung der Lebensgrundlagen Dritter
allgemeines Naturgesetz werden sollte, nicht einmal die Funktionäre
in der Wirtschaft. Deshalb sei hiermit vorgeschlagen, das gesuchte
Wirtschaftssystem, welches jegliche Kostenexternalisierungen bei
der Produktion nicht zulässt, Kategorische Marktwirtschaft
zu nennen.
Doch wie kann die Gesellschaft aber aus der jetzigen Situation in
eine Kategorische Marktwirtschaft gelangen? Das entscheidende Instrument
dabei ist die Internalisierung aller bisher externalisierten Kosten
in den Endpreis jedes Produkts, jeder Dienstleistung.
Eine echte vierte verfassungsmäßige Gewalt muss geschaffen
werden, die ausschließlich über die Erhaltung der Lebensgrundlagen
wacht und die, ebenso wie das Bundesverfassungsgericht, der Politik
gegenüber weisungsberechtigt ist. Zusammengesetzt werden könnte
diese Gewalt aus allen wissenschaftlichen Instituten und den Universitäten
im Land, also aus den Institutionen, die zur Berechnung der Externalisierungssumme
in der Lage sind und unterstellt einem Gremium aus unparteiischen,
demokratisch gewählten Wahlmännern und -frauen, die ehrenamtlich
tätig und in allen Regionen regelmäßig, parallel
zu den Parlamenten, zu wählen sind.
Ohne großen bürokratischen Aufwand könnten die berechneten
voraussichtlichen Schadkosten vom Staat immer dort erhoben werden,
wo sie das erste Mal auftreten, angefangen beim Import von Energieträgern
und Rohstoffen, über alle Zwischenproduzenten, bis zum Endverbraucher.
Alle Waren würden sich individuell ganz unterschiedlich verteuern,
einige um 10 % andere aber um 500 %. Es würde ein Mechanismus
angestoßen, in welchem sich ganz automatisch das gesellschaftlich
Verträglichste herausbildet, bzw. verträglichere Alternativen
zu problematischen Produkten und Produktionsmethoden entstehen.
Der Preis und die geänderte Nachfrage würden zielsicher
den Wandel bewirken.
Hier taucht natürlich die Frage auf, wie die Bürger die
teils sehr empfindlichen Verteuerungen des Konsums in der Umstellungsphase
denn bezahlen sollten.
Bei einer geschätzten Verteuerung der Waren um mindestens 400
Milliarden Euro pro Jahr, käme man für jeden der 80 Millionen
Menschen in Deutschland rechnerisch auf Mehrkosten in Höhe
von rund 400 Euro monatlich. Demgegenüber stehen aber auch
Einnahmen des Staates in der gleichen Höhe. Dieser Betrag muss
eingesetzt werden, um sozusagen den Grund für seine Erhebung
abzuschaffen. Wenn der Staat das Geld also wieder an die Bevölkerung
auszahlt, schmiert er damit den marktwirtschaftlichen Mechanismus,
der die Gesellschaft in die Kategorische Marktwirtschaft führt.
Allerdings, und dies ist ein entscheidender Punkt, darf er nicht
so auszahlen, wie erhoben wurde, sondern in Form eines garantierten
Mindesteinkommens für alle Staatsbürger in gleicher Höhe,
egal ob Spitzenverdiener oder Arbeitsloser, Kleinkind oder Greis.
Jeder bekommt pro Monat 400 Euro, für die er nichts weiter
tun muss.
Profitieren würde davon der größte Teil der Bevölkerung,
für welchen die Verteuerung ihrer Lebenshaltungskosten durch
die Internalisierungsaufschläge weit unter den 400 Euro pro
Monat läge. Besonders die unteren Einkommensgruppen, Alte und
Familien mit Kindern würden finanziell erheblich gestärkt,
ohne dass die Rente, das Kindergeld oder die Sozialhilfe erhöht
werden muss.
Neben der Neustrukturierung ganzer Produktionsmethoden wäre
die Rückbesinnung auf die umwelt- und sozialfreundliche menschliche
Arbeitskraft der deutlichste Effekt der Kategorischen Marktwirtschaft.
Der Globalisierungsdruck auf die deutschen Betriebe würde erheblich
und dauerhaft abnehmen, weil alle Importwarenpreise nun auch durch
umfangreiche Transportaufschläge und sonstige ökologische
Ausgleichskomponenten in die Höhe stiegen.
Unternehmer, die unter den Bedingungen der Kategorischen Marktwirtschaft
ihren Betrieb mit Erfolg führen könnten, stiegen zu den
neuen und wahren Leistungsträgern auf, zu solchen, die das
Wort auch verdient hätten. Neuentwicklungen in Technik und
Verfahren würden aus dem Ausland immer stärker nachgefragt,
weil bald alle Länder das fatale Ende ihres bisherigen Wegs
erkennen.
Logischerweise würde natürlich im Lauf der Zeit auch die
Summe der Abgaben für Externalisierungseffekte zurückgehen,
damit die Internalisierungseinnahmen des Staates und die Summe des
auf die Bevölkerung verteilbaren Geldes. Das garantierte Mindesteinkommen,
ohnehin nur ein Übergangsinstrument, würde entsprechend
den Erfolgen im Abbau der Schadkostenexternalisierung immer weiter
absinken.
Parallel dazu entstünden Millionen neuer und dauerhafter Arbeitsplätze
ohne dass der Staat einen Cent dafür ausgeben müsste.
Es gäbe immer noch große Industriebranchen mit einem
nun stark erhöhten Personalbedarf, doch vor allem wären
unzählige kleinbetriebliche Geschäftsideen auf einmal
erfolgversprechend, vornehmlich in der regionalen Produktion und
Dienstleistung. Die Regionen hätten eine wirtschaftliche Erholung
durchgemacht, das Land wäre weitgehend energie- und rohstoffautark,
der Anreiz für Unternehmen, Teile der Produktion in Niedriglohnländer
auszulagern, würde verkümmern.
Die Komponenten des sozialen Netzes würden wieder greifen und
hetzten nicht, wie gegenwärtig, den Problemen nur hinterher.
Allerdings, und dies ist der größte Wermutstropfen an
der Kategorischen Marktwirtschaft, kann die nachhaltige Ökonomie
aus der Gegenwartssituation heraus nicht inselartig in einem Land
existieren. Die Profitaussichten durch Schmuggel wären verlockend,
und deshalb muss die Kategorische Marktwirtschaft mindestens ein
Europamodell sein.
Ohnehin hat Europa, geprägt von blinder Durchwurstelei, derzeit
alles andere als ein ernsthaftes Konzept für die Zukunft, alles
andere, als einen ernsthaften Grund für eine gemeinsame Verfassung.
Es sollte aufhören, dem Wirtschaftsliberalismus angelsächsischer
Prägung hinterherzulaufen und sich darauf besinnen, dass es
selbst der Welt die Richtung vorgeben kann, und die Welt würde
diese Richtung bald übernehmen, ganz einfach, weil die dramatische
Weltsituation sie unausweichlich dazu zwingt.