Zukunftslobby.de

Startseite


(frei nach Jupp Wolter (+1993))

Die Website Zukunftslobby.de ist das Publikationsorgan des Vereins Zukunftslobby e.V.

Zukunftslobby setzt sich argumentativ für die Interessen der nachfolgenden Generationen ein.
Schwerpunkt ist die weitgehend ökonomische Analyse des gegenwärtig herrschenden Wirtschaftssystems und sein
er zerstörerischen Dynamik.
Diesem System wird ein neuer, überparteilicher, umfassend nachhaltiger Entwurf einer zukunftsfähigen Ökonomie entgegen gehalten, die Hypothese der Kategorischen Marktwirtschaft.

So, wie in der Karikatur links, stellt sich die Situation der gegenwärtigen Weltgesellschaft dar. Wir in Deutschland sind lediglich ein Teil dieses fatalen Schauspiels.
Alle machen mit beim Zersägen, Zerhacken und Verbrennen des Floßes unter unseren Füßen, des Fundaments der Menschheit, welches uns immer weniger davor bewahren kann, unterzugehen
.

 


Lesen Sie unser Essay.
"2010 - Wir müssen jetzt handeln!"
- Der ganz normale ökonomische Wahnsinn, oder: Wie wir uns selbst und unsere Kinder betrügen. Als PDF Hier

Zukunftslobby will eine umfangreiche Studie zur Ermittlung der kompletten Summe aller in Deutschland externalisierten Schadkosten bei mehreren wissenschaftlichen Institutionen in Auftrag geben.
Nach Hochrechnung entsprechender früherer Studien sind dies mindestens 400 Milliarden Euro jährlich.
Unsere Konsumgesellschaft sollte wissen, wie hoch der Preis für ihren zweifelhaften, sogenannten "Wohlstand" ist.

Zukunftslobby will, auch mit dem Ergebnis der Studie, eine umfangreiche Verfassungsklage gegen die herrschende ökonomische Ideologie und ihre fatalen Auswirkungen formulieren.
Ob diese angenommen wird oder nicht, ob die ökonomische Ordnung als verfassungswidrig erkannt wird oder nicht, zumindest hätten wir, die jetzt lebende Generation die Möglichkeit, den alltäglichen ökonomischen Irrtum öffentlich anzuklagen. Mehr dazu auch Hier

Bei der Bundestagswahl im Herbst 2009 ist die Wahlbeteiligung auf nur noch 70,8 % gesunken.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung wurde damit von nur 34,2 % der deutschen Wahlberechtigten gewählt!!!
Unser Demokratieverständnis toleriert diese Minderheitsregierung, indem die Nichtwähler unter den Tisch fallen. Dabei ist das wachsende Desinteresse an Politik allein das Verdienst der wählbaren politischen Parteien. Tun müssen diese dagegen nichts, denn ihre Regierungs-berechtigung wäre auch gesichert, wenn die Wahlbeteiligung auf unter 25 %, ja gar gegen Null, schrumpfen sollte.
(Mehr zur Diskrepanz aus veröffentlichten und tatsächlichen Wahlergebnissen: Hier)

Hier finden Sie noch die Kommentare zum aktuellen gesellschaftspolitischen Geschehen, Verweise auf ausgewählte, kritische Fremdbeiträge oder auch Details aus einem auf das Prinzip Footprint-One orientierten Lebensalltag, die bis Ende 2008 hier als tägliche Blogbeiträge erschienen waren. Auch diese verdeutlichen, mehr in Einzelbetrachtungen, unsere Hauptanliegen:
Es geht kein Weg an einer wahrlich Kopernikanischen Wende in der Ökonomie vorbei, um dem kommenden "Zeitalter der Krisen" noch zu entgehen.
Die Schwierigkeiten, resultierend aus ökologischen, sozialen, finanziellen und politischen Schadkosten, die das herrschende Wirtschaftssystem in zunehmendem Ausmaß eifrig externalisiert, werden den Alltag in der Zukunft empfindlich komplizierter und kostspieliger machen bis hin zur weitgehenden Lähmung elementarer Bereiche.
Deshalb: Kategorische Marktwirtschaft - jetzt!

Sie können Zukunftslobby unterstützen, indem Sie spenden, Fördermitglied im Verein oder selbst aktiv werden. Wünschenswert wäre eine intensive und tägliche Aktualisierung unserer Website, was derzeit aus Zeit- und Autorenmangel nicht leistbar ist. Anders als jede andere Lobbygruppe vertritt Zukunftslobby Menschen, die noch sehr jung oder meist noch nicht geboren sind. Wer hilft mit, deren Anliegen jetzt eine Stimme zu geben?
Als eventuelle Entscheidungshilfe: Unser Selbstverständnis. Oder: aktuellen Flyer lesen.


Mai 2012:

Artikel vom April 2012 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel:

Über die eigentlich natürlichste Sache der Welt - oder: Plädoyer für die Rettung des Hebammenberufs

von Carl Rheinländer

Ein Merkmal unserer Gegenwart ist es, dass Verhältnisse, die eigentlich zur Natur von uns Menschen gehören, auf einmal nicht mehr gültig sind. Dies gilt mittlerweile auch für die "eigentlich" natürlichste Sache, die Geburt. Für das Zurweltkommen eines Menschen hat die Natur, die Evolution oder die Schöpfung, egal aus welcher Sicht aus betrachtet, einen eindeutigen Weg festgelegt. Zu diesem gehört in fast allen Weltkulturen das soziale Ritual der Geburtshilfe durch Hebammen. Der Beruf Hebamme ist deshalb einer der ältesten und elementarsten überhaupt. Dennoch ist er heute durch einäugige, gesellschaftspolitische Faktoren nahezu vom Aussterben bedroht.

1.) Faktor Sicherheit: Natürlich verläuft eine Geburt nicht bei jedem Menschen ohne Komplikationen. Sind ernstere davon zu erwarten, muss die Geburt ein Gynäkologe leiten, bzw. sollte sie dort stattfinden, wo jener schnell zur Stelle ist. In Deutschland, das zeigen Studien und Statistiken, gibt es im Vergleich unterschiedlicher Geburtsumstände, also bei Hausgeburt, Geburt im Geburtshaus, der im Krankenhaus oder jener mit einem Gynäkologen, keine Unterschiede in der Kindstodrate. In Holland (Hausgeburtenanteil über 25 %, Deutschland nur gut 1,5 %), liegt einzelnen Studien zu Folge die Kindssterblichkeit um einige Hundertstel Prozent höher, als in den meisten westeuropäischen Ländern. Ob man die Zustände aber so einfach vergleichen kann, ist fragwürdig. Holländische Mütter sind durchschnittlich älter als deutsche. Frauen ethnischer Minderheiten mit Gewohnheiten, wie Rauchen während der Schwangerschaft, sind zahlreicher. Ein Kindstod in Deutschland kann sich aus der perinatalen Phase (7 Tage) durch Intensivbehandlung in die neonatale (8 bis 28 Tage) oder spätere Phase verschieben, also in eine andere Statistik, oder findet durch frühe Abtreibung gar nicht statt. Oder wieso beispielsweise ist die Sterblichkeit in Österreich höher, wo Hebammen noch weniger dürfen als in Deutschland, und erst Recht in den USA, wo es praktisch keine Hebammen gibt? Letztendlich führt dieses bürokratisch-statistische Zahlengefecht zur Verunglimpfung der natürlichen Geburt mit Hebammen und zur immer stärkeren Verunsicherung deutscher Frauen.

2.) Faktor Kosten: In den letzten beiden Jahren stieg die Haftpflichtversicherung für Hebammen von 1300 auf 4600 Euro an und soll noch weiter erhöht werden. Heute schon muss eine freie Hebamme als Unternehmerin mit einem Nettostundenlohn um 7,50 Euro auskommen, weniger, als ein ungelernter Müllarbeiter verdient. Angesichts dessen, was sie für die Frauen neben der eigentlichen Geburt noch leistet, - Geburtsvorbereitung, Umgang mit Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, möglichen Angstzuständen und Wehen, Atemtechnik, Wochenbettbetreuung, Stillberatung, Rückbildungsgymnastik, usw., also Zeit, Zuwendung und Zwiesprache, ja die ganze psychosoziale Versorgung auch Feiertags und rund um die Uhr, - ist diese Entlohnung blanker Hohn. Gegenüber dieser gerade stattfindenden Zerstörung eines echten Frauenberufes klingt die moderne Diskussion für mehr Frauen im Berufsleben als pure Heuchelei. Seit etlichen Jahren schon arbeitet das Bundesgesundheitsministerium an einer Studie zur Arbeitssituation von Hebammen. Bald wird sich das Ergebnis erübrigt haben.

Was muss geschehen? Die Haftpflichtversicherung, die ja auch in Kliniken zur Einsparung von Hebammen führt, muss aus Steuermitteln bezahlt werden. Ein Staat, der den Kindersegen als unverzichtbar für die Zukunft der Gesellschaft hält, kann nicht jene zur Kasse bitten, die beim Kinderkriegen umfangreichste Hilfe leisten. Die Krankenkassen müssen gezwungen werden, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und Hebammen "ihrer wirtschaftlichen Situation gemäß angemessen" zu entlohnen. Derzeit noch können sie sich, wie auch beim Thema Altenpflegeentlohnung, hinter unmenschlichen Effizienzfantasien verstecken. Jetzt, wo gerade die enormen Kassenüberschüsse verteilt werden sollen, wäre der ideale Zeitpunkt. Der Kaiserschnitt (Anteil derzeit schon bei 35 %) muss auf besonders schwierige Fälle beschränkt bleiben. Bei gesunden Frauen hat dieser überhaupt keine Vorteile, wohl aber oft Nachteile wie Verwachsungen im Bauch der Mutter oder Atemprobleme beim Kind, und er macht weitere medizinische Eingriffe wahrscheinlicher. Er verhindert den natürlichen Verlauf einer Geburt und behindert das Zustandekommen einer günstigen Mutter-Kind-Beziehung. Außerdem ist er enorm teuer. Geburt ist doch keine Krankheit, wie es die Weltgesundheitsorganisation ausdrückt und erst recht nicht ein Ernstfall, der in den OP gehört .
Ein vernünftiger Spagat zwischen Vertrauen in natürliche Vorgänge und Gerüstetsein für mögliche Komplikationen, ist in Deutschland bisher misslungen. Wir haben nie da gewesene Geburtskosten, traumatische Klinikerlebnisse für die meisten Frauen, eine steigende Unverzichtbarkeit medizinischer Spezialisten samt Apparaten und Medikamenten und auch immer mehr dauergeschädigte und lebenslang pflegebedürftige Kinder.

Statt Schwangere zu ermutigen, sich mit einer Hebamme als ausgebildeter Spezialistin in Ruhe auf das in Wahrheit freudige Ereignis vorzubereiten, wird die Hebammenversorgung in Deutschland immer alarmierender ausgedünnt. Immer unerreichbarer wird die WHO-Forderung, dass jede Frau so gebären können sollte, "wie und wo sie es will". Und immer ferner rückt der simple, natürliche Wunsch vieler Menschen, wie er stellvertretend von Gesundheitswissenschaftlerin Professorin Beate Schücking von der Uni Leipzig ausgesprochen wurde, dass "möglichst viele Frauen ihre Kinder mit möglichst wenigen Eingriffen bekommen sollen und sie diese Geburt als gute und sie stärkende Erfahrung erleben können". Auch als Mann weiß ich, was dies heißt. Zwei unserer Kinder kamen als Hausgeburt zur Welt, und dabei waren nur Mutter, Vater und eine der wunderbarsten Frauen der Welt: unsere Hebamme.

April 2012:

Artikel vom Januar 2012 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel:

Über den Begriff Wohlstand

Dem Volk Wohlstand zu versprechen, bzw. die Gefährdung des Wohlstands durch andere Parteien lautstark zu befürchten, erhöhte immer schon die Wiederwahlchancen für Politiker. Dabei ist Wohlstand doch ein recht schwammiger, ja sogar ein sehr zwiespältiger Begriff. In seiner grundlegendsten Bedeutung, also als Befriedigung der wichtigsten Lebensbedürfnisse eines jeden, wird Wohlstand von keinem in Frage gestellt. In der frühen Bundesrepublik beispielsweise strebten alle einen selbstverständlichen Mindeststandart an, etwa für jeden Obdach und genug zu essen, eine Verdienstmöglichkeit aus eigener Arbeitskraft, Alltagsstabilität, Rechtssicherheit, verlässliche Perspektiven für die Zukunft oder auch, sich etwas leisten zu können, was das Leben erleichterte und angenehmer machte.
Doch sehr früh schon wurde auch Kritik laut. Ludwig Erhard, Mitbegründer der sozialen Marktwirtschaft, sagte 1957: "Wir werden mit Sicherheit dahin gelangen, dass zu Recht die Frage gestellt wird, ob es noch immer richtig und nützlich ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen, oder ob es nicht sinnvoller ist, unter Verzichtsleistung auf diesen „Fortschritt" mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen."
Und was Erhard befürchtete, ist eingetroffen. Während heute nur noch der Konsum neuer Produkte und Bequemlichkeiten als Wohlstand gilt, ist Zufriedenheit ohne viele Dinge total uncool und verpönt und wird gar der Faulheit und der Erfolglosigkeit verdächtigt.
Vom Trend zu materiellem Wohlstand profitiert kurzfristig die ganze Wirtschaft. Unseren Alltag hat sie weitgehend in eine Dauerwerbeveranstaltung verwandelt. Massiv, und mit Billigung der Politik, zapft sie unser Unterbewusstsein an, um immer mehr Ersatzbefriedigungen für fehlendes Glück unters Volk zu bringen. Die Nachricht von Ende Dezember 2011, der private Konsum in Deutschland sei ungewöhnlich hoch gewesen und
hätte die Konjunktur im Plus gehalten, ist für Geschäftemacher und Anhänger der Wachstumsideologie eine gute Nachricht. Langfristig aber und genauer betrachtet sagt dies nichts anderes aus, als dass wieder einmal mehr Ressourcen verschwendet, mehr Umweltzerstörung verursacht und mehr Müll produziert wurde, und die Leute aus Mangel an Zufriedenheit, Lebensqualität und Zukunftshoffnung zunehmend in den Konsum flüchteten.
Die Parole heißt: „All you can eat!“, statt „Simplify your life!“, also, „Iss soviel du kannst!“, statt „Vereinfache dein Leben!“ Wer viel kaufen will braucht aber mehr Geld, muss also mehr arbeiten, hat weniger Zeit für sich und die Familie, für soziales Engagement und politische Einmischung, hat mehr Stress, mehr Gesundheitsrisiken und sonstige Folgeprobleme.
Reicht es nicht, unsere Wünsche und Bedürfnisse an den ökologischen Grenzen des Planeten zu orientieren? Heißt Freiheit im Wohlstand nicht eher, auf der Arbeit und gegenüber anderen Alltagszwängen öfter mal nein sagen zu können, ohne Nachteile befürchten zu müssen? Heißt Wohlstand nicht beispielsweise auch, dass unser Arzt uns durchaus auch mal eine Stunde zuhören kann und eine Schwester im Krankenhaus nicht 10 sondern nur 3 Patienten betreuen muss? Heißt Sicherheit im Wohlstand nicht auch, in Würde alt werden zu können und nicht
im Pflegenotstand irgendwo vertrocknen zu müssen? Ja ist als Wohlstand nicht auch zu verstehen, dass das Volk den Bundespräsidenten bestimmt, statt dass Regierungsparteien dort stets einen ungefährlichen Getreuen aus den eigenen Reihen installieren?
Momentan sind wir eher in der Rolle des Esels, dem an Stock und Schnur eine Möhre vor der Nase baumelt. So emsig wir auch weiter traben, um die Wohlstandsrübe zu erwischen, wir tragen nur den Reiter zu seinem Ziel. Dabei zertrampeln wir alles, was unter uns von selber wächst und womöglich viel besser schmeckt. Wir sollten überlegen, stehen zu bleiben, den Ballast abzuwerfen und uns nach unten zu den saftigen Kräutern zu bücken.
Die Blase aus –Wohlstand durch Konsum- wird, allem Politikergeschwafel zum Trotz, ohnehin bald platzen, sei es aus ökologischen oder aus finanziellen Gründen. „Blöd, wer“ bis da nur fürs Einkaufen gelebt hat.

Carl Rheinländer

März 2012:

Artikel vom Dezember 2011 veröffentlicht im Saarhunsrückspiegel

Über die Nebenwirkungen des Wirtschaftssystems

Nicht nur wenn die Wirtschaft wächst, sondern unaufhörlich und untrennbar, verursacht sie im Rahmen der momentan geltenden ökonomisch-politischen Regelungen enorme Schäden an der Allgemeinheit und schwere Probleme für die Lebensbedingungen in der Zukunft.
Gegenüber den unmittelbarsten und offensichtlichsten Nebenwirkungen jeder wirtschaftlichen Unternehmung gibt es zwar Gesetze und Regeln, welche die Entstehung möglicher Schäden verhindern sollen. Beispielsweise: Emissionsauflagen für Fabriken, soziale Mindeststandards für Beschäftigte, Wasserrichtlinien, Abfallgesetze, Gesundheits- und Hygienevorschriften, Kartell-, Finanz- und Insolvenzgesetze, Waffenexportverbote, usw.. Diese werden meist angenommen und befolgt, weil es den Unternehmer anderenfalls teuer zu stehen käme. Die Kosten dafür rechnet er jeweils in seine Gesamtbilanz, bzw. in den Warenpreis ein.

Darüber hinaus aber gibt es schädliche Nebenwirkungen, die erst über größere Zeiträume oder Entfernungen spürbar werden, bzw. sich über andere unübersichtliche Umwege auswirken. Hier lassen sich Zusammenhänge abstreiten und angemessene Regulierungen verhindern.
Ganz grob kann man diese in vier Gruppen einteilen, in ökologische, finanzielle, soziale und in politische Schäden. Ökologischen Schäden (1) sind die immer dramatischer werdenden Umweltprobleme, also die Entwertung und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen von uns Menschen. Die finanziellen Schäden (2) sind das reale Ergebnis davon, dass unser Wirtschaftssystem nur mit Schuldenmachen funktioniert und Geld immer zu Geld fließt. Die sozialen Schäden (3) sind alle negativen Alltagsveränderungen für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft. Die politischen Schäden (4), bisher wenig beachtet weil nur sehr indirekt wirkend, sind alle innen- und außenpolitischen Verschärfungen unserer Lebenswirklichkeit.

Ein jegliches Produkt, welches wir konsumieren, ob Ware, ob Dienstleistung, ob im Inland oder im Ausland hergestellt, verursacht zwangsläufig über den gesamten Bereitstellungsweg hinweg mehr oder weniger Schäden dieser vier Kategorien. Die Erklärung für diese, zunächst befremdend wirkende Feststellung, ist ganz einfach: Wenn ein Produzent zur Herstellung eines Produkts durch die Verursachung eines Schadens einen Wettbewerbsvorteil bekommen kann, und er für diesen Schaden NICHT haften muss, dann wird er diesen Schaden auch verursachen. Alle seine Mitkonkurrenten tun das Gleiche. So ist im gegenwärtigen Wirtschaftsystem die Verursachung von Schäden, die auf die Allgemeinheit oder in die Zukunft abgewälzt, also externalisiert werden können, stillschweigend zum bedeutendsten Produktionsfaktor geworden.

Einige Problembeispiele und Stichworte hierzu:
(1): Klimaerwärmung, Meeresverschmutzung, Bodenverseuchung, Trinkwasserverknappung Landschaftsverbrauch, radioaktiver Abfall, Artensterben, usw.
(2): Geldfluss einspurig von arm zu reich, von Region zu Metropole, von Staatseigentum zu Finanzmarktbesitz, von öffentlicher Daseinfürsorge zu Zins- und Gläubigerdienst,
(3): Massenhafter Mangel an guten und vernünftig bezahlten Arbeitsplätzen, Pflegenotstand, Erosion des Gesundheitssystems, Zunahme von Zivilisations- und psychischen Krankheiten, Verarmung und ökonomische Fixierung im Bildungssystem, Degradierung unserer Kinder zu folgsamen Konsumenten überflüssiger Industrieprodukte, Ausgrenzung ökonomisch nicht brauchbarer Mitbürger, usw.
(4): zunehmende Gewalt, Korruption, Zerfall von Moral, Solidarität und Demokratie, Verblödung durch Medien- und Konsumberieselung, Terrorismus, Flüchtlinge, Piraterie, usw.

Momentan sehen wir nur die Schuldenkrise, und wie nach Griechenland, Italien usw. auch Deutschland am Ende fällig ist. Der Bankrott auf den anderen drei Feldern, auf welchen wir uns ebenfalls immer stärker "verschulden", wird aber kein Knall sein, sondern ein allmählicher, bitterer Zerfall jeglicher Normalität. Hier wäre energisches Handeln wesentlich wichtiger. Doch die Politik ist weit davon entfernt, das Wirtschaftssystem so radikal neu zu regeln, dass keine Schäden mehr verursacht und externalisiert werden. Immerhin verdienen ja einige mächtige Leute daran prächtig, und - noch glaubt das Volk die Illusion von Wohlstand.

Carl Rheinländer

Februar 2012:

Angela Merkels Chinareise hat deutlich gezeigt, wo weltpolitisch der Hammer hängt. Eigentlich wollte man dort auch Regimekritiker treffen, doch die Staatsführung im wirtschaftlich bedeutendsten Land der Welt hatte dies eben mal abgewürgt.
So mussten sich Merkels Delegation und die mitgeflogenen Vertreter der deutschen Wirtschaft auf die anderen Gründe für die Reise beschränken, die da waren: Wirtschaftliche Gespräche und Verhandlungen und Beteiligung Chinas am europäischen "Rettungsschirm".
Mit anderen Worten: Gemeinsames Ausloten neuer Profitmöglichkeiten und Anpumpen des chinesischen Staates ("haste mal ne Milliarde?"), weil der im Gegensatz zu Europa noch etwas Patte hat.

China ist sich durchaus bewusst, dass seine Devisenreserven als Geld keinen längeren Bestand haben. Entweder investieren sie in die Schuldenvereinigung Europa auf die Gefahr hin, das Geld im Fass ohne Boden versickern zu sehen, oder sie investieren nicht und das Geld verrottet beim wahrscheinlichen Bankrott des Westens im Geldschrank zu Hause.
China wählt da lieber die dritte Möglichkeit: Man kauft weltweit alles auf, was zu haben ist und sicher bzw. irgendwie mal von Nutzen sein könnte. Ackerland, Wald, Berge, Sägewerke, Landwirtschaftliche Betriebe, Industrieanlagen, Immobilien, Schürfrechte und Liefergarantien, Wasservorkommen, Rebellengruppen und ganze Regierungen.

Chinas Aufschwung stützt sich auf zwei Hauptfaktoren, einmal auf eine schier unerschöpflichen Zahl billigster Arbeitskräfte und zum anderen auf der Abwesenheit "lästiger" Regulierungen demokratischer, sozialer und ökologischer Art. Auf clevere Weise ist dieses kommunistische Land, - mit so einem macht der Westen doch eigentlich gar nicht gerne Geschäfte -, über den Status als Werkbank der Welt zum reichsten Land geworden.
Man verausgabt sich nicht in teuren Kriegen, wie die Profilneurotiker in den USA, sondern man stützt sich auf Vitamin B und wirtschaftliches Sponsoring. Die in Afrika gebauten Straßen und das neue Kongresszentrum für die afrikanische Union beispielsweise heben nicht nur das Ansehen Chinas unter den weniger mächtigen Völker der Welt, sondern spülen über kalkulierbare Umwege dauerhaft Ressourcen und Versorgungsgüter in die chinesische Gesellschaft.

China muss eigentlich nur abwarten, denn Europa und die USA erledigen sich selbst mit ihrer Ignoranz und Blindheit gegenüber längerfristigen Entwicklungen, also mit ihrem Festhalten an der kapitalistischen Planwirtschaft. Wenn China demnächst auch militärisch am stärksten ist, den Weltraum beherrscht wie die Länder der dritten Welt, die wichtigsten Patente und die irdischen Bodenschätze, dann könnte auch Angela Merkel ins Grübeln kommen.
Herausreden wird sie sich mit der Frage: Ja was hätten wir denn machen sollen, die Wirtschaftspolitik und die Rettungsorgien waren doch "alternativlos".

Letztlich aber wird auch China am Boden liegen, denn die ökologischen und sozialen Schadkosten, welche dort jede Sekunde zu Gunsten eines Turbowachstums externalisiert werden, holen das Land in naher Zukunft ein. Ihr Wirtschaftssystem ist das gleiche, wie jenes des Westens, nur noch in jeder Hinsicht eine Spur ätzender. Vielleicht will China ja das sinkende Heimatschiff dann aufgeben und mittels einer neuen Völkerwanderung ungeahnten Ausmaßes fremde Länder zur neuen Bleibe machen wie jetzt gerade im Tibet oder bei den Uiguren.

Wenn schon der Westen kaum von der Notwendigkeit einer allumfassend nachhaltigen Wirtschaftsform wie der Kategorischen Marktwirtschaft überzeugt werden kann, wie kann man da die Chinesen überzeugen, die sämtlichen Erfolg mit verbrauchenden, vergiftenden und zerstörenden Aktivitäten erzielen?

Wir sollten das Konzept von der Kategorischen Marktwirtschaft weniger als ein Mittel zur Weltrettung betrachten, sondern als überideologische und weltfreundliche Alternative wirtschaftlichen Handelns.
Vielleicht wird aus der Theorie ja doch noch eine Praxis, man weiß ja nie, was morgen an ungewöhnlichen Erschütterungen unserer industriezeitalterlichen Bräsigkeit passieren kann.
Halten wir die Sache am Köcheln und würzen sie weiter.

Januar 2012:

Es geht mir ebenso, wie vielen anderen Beobachtern:
Man kann es kaum fassen, wie bleiern die Entwicklung hin zu besseren Zuständen ökologischer, finanzieller, sozialer und globalpolitischer Art vor unseren Füßen auf dem Boden liegt und nicht in die Gänge kommt.
Dabei mangelt es eigentlich nicht an Hinweisen und Statements unabhängiger Köpfe mit wachem Bewusstsein in der Öffentlichkeit.
Wenn diese auch nicht in den Banalmedien zu finden sind, so bringen doch seriöse Zeitungen von FAZ bis TAZ immer wieder außerkonventionelle Beiträge bzw. Berichte über solche Beiträge von besorgten Zeitgenossen mit wesentlich mehr Überblick gegenüber dem politischen Treiben und seinen zukünftigen Auswirkungen.

Um dann, -nun ja, dies bleibt das Drama-, eher links wie eher rechts, wieder in altbekannten strukturkonservativen Rezeptismus und wachstumsideologische Realitätsverbiegung zu verfallen.
Da wird sämtlicher Käse eines jeden Politikers zu allen möglichen Themen wiedergekäut, als bestünde naturwissenschaftliche Gewissheit, und als seien Alternativen undenkbar und nur mit spitzen Fingern in Handschuhen aufgreifbar.
Wie sollen wir denn in ein besseres Management unserer Industriegesellschaft kommen, wenn die alten Kardinalfehler nicht endlich mal in den Medien als solche bezeichnet und politische Dummschwätzer und andere Bullshitter nicht konsequent als solche behandelt werden?

Nachfolgend will ich als Januarbeitrag einen Text von mir zum Thema Wachstum anbieten, den im letzten November der SaarHunsrückSpiegel veröffentlichte.

Über Wirtschaftswachstum

Es vergeht wohl kaum ein Tag, an welchem Politiker nicht alle möglichen politischen Entscheidungen mit der Behauptung begründen, damit könne das Wirtschaftswachstum gesteigert werden. Der dickste Hammer kursiert derzeit bezüglich der Finanzkrise in Europa. Mit Wirtschaftswachstum, so erzählen Politiker unentwegt, könne die Gesellschaft aus diesem Schuldenschlamassel wieder heraus kommen. Und nur mit neuen Schulden bzw. Krediten ließe sich die Wirtschaft wieder ankurbeln. Auch käme mit hartem Sparkurs etwa Griechenlands Wirtschaft wieder auf die Beine, und man könne so dann irgendwann einmal die Hunderte von geliehenen Milliarden zurückzahlen. Um das Wachstum nicht zu gefährden, müssten für die armen Banken, die sich wieder verzockt haben, vor dem ersten Staatsbankrott noch schnell neue Schutzwälle aus Steuermilliarden her.
Ohne wirtschaftliches Wachstum, so erzählt man dem Volk außerdem, seien Wohlstand und Fortschritt in Gefahr, würden Arbeitsplätze verschwinden, wäre Umweltschutz nicht zu finanzieren, verarme die Bildung, hätten Drittweltländer keine Entwicklungschance, usw. Nur durch Wachstum mache die Wirtschaft mehr Gewinne und könne in neue Arbeitsplätze, wettbewerbsfähigere Anlagen und in die Entwicklung neuer Produkte investieren. Nur durch Wachstum könnten die Menschen mehr verdienen und mehr konsumieren, könnten die Staatseinnahmen steigen und gleichzeitig die krisenbedingten Ausgaben sinken, wie Arbeitslosengelder, Rentenzuschüsse und andere soziale Rettungssubventionen. Am Ende soll wohl dann das Paradies kommen aus einer sich selbst ständig befruchtenden Heilsspirale.
So weit die Ideologie, oder sagen wir, die Träumereien sämtlicher Anhänger des geltenden Wirtschaftssystems. In Wahrheit hat das Dogma vom Wirtschaftswachstum mindestens zwei entscheidende Haken:
Erstens werden die spürbaren Wachstumsphasen seit gut drei Jahrzehnten ständig kürzer und die Prozentpunkte mickriger. Die finanziellen Erträge in diesen Phasen sind angesichts der steil wachsenden Probleme auf allen gesellschaftlichen Ebenen winzig, ja wahrhaft Tropfen auf heiße Steine. Beispielsweise kann im Haushaltsjahr 2011 damit nur ein Bruchteil der trotz Aufschwungs notwendigen NEUverschuldung erübrigt werden.
Und zweitens: Alle Prozesse, die zu Wirtschaftswachstum führen, haben gewaltige Nebenwirkungen. Kein Gesetz zwingt die wirtschaftlich Handelnden, diese Nebenwirkungen in eine Gesamtrechnung einzubeziehen. Deshalb können sie ganz legal auf die Allgemeinheit abgewälzt und in die Verantwortung unserer Kinder und Kindeskinder verschoben werden. Fachleute sagen: Die Nebenwirkungen werden externalisiert. Was wir heute an Krisen haben, ist nichts anderes, als die Summe oder die unübersehbar gewordenen Zuspitzungen aller Nebenwirkungen aus der Vergangenheit unseres Wirtschaftssystems. Immer größer wurde der Haufen aus externalisierten Schäden, den wir vor uns her schieben. Nur mit größter Mühe und Kosten kommen wir überhaupt noch vorwärts. Irgendwann geht schließlich gar nichts mehr.
Wenn Politiker, Lobbyisten und Bankmanager, wenn sogenannte Wirtschaftsweise, viele Zeitungskommentatoren, Gewerkschaftssprecher und auch etliche Schlauberger an Stammtischen über die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum reden, sollten wir uns folgende Situation vorstellen: Unsere Volkswirtschaft ist wie ein schwerkranker Patient auf der Intensivstation im Krankenhaus. Er wurde vergiftet durch jahrelange Einnahme eines schädlichen Stoffes namens Wirtschaftswachstum. Als Ärzte stehen die Vertreter der oben genannten Interessengruppen um das Bett herum und empfehlen allen Ernstes, nur durch weitere und verstärkte Einnahme desselben Giftes, könne der Patient wieder gesund werden.
- So sieht es aus, deshalb muss die gegenwärtige Industriegesellschaft zwangsläufig scheitern, sofern wir nicht endlich Abschied nehmen vom Kapitalismus, und ein Wirtschaftssystem entwickeln, bei welchem Qualität, Bewahrung, Regionalität, echte Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit die obersten Rechengrößen sind.

Carl Rheinländer


ältere Blogbeiträge: 2011, 2010, 2009, 2008

 

 

 

Impressum/Kontakt/Copyright