Dezember 2010:
--
Die Klimakonferenz in Cancun ist, wie alle bisherigen Treffen
zu diesem Anlass, gescheitert.
Der Grund ist äußerst simpel: Mit dem Ausstoß
von Treibhausgasen, bzw. mit Prozessen, welche diesen Ausstoß
als unvermeidlichen Nebeneffekt beinhalten, lässt sich viel
Geld verdienen. Mehr muss man nicht sagen, auch als Kommentar
genügt dies. Boliviens Nein zu den Beschlüssen wurde als
politisches Spielchen dargestellt. Dabei hat der Vertreter von Präsident
Morales mit seiner Kritik am Kapitalismus als einziger die Wahrheit
ausgesprochen.
Wir hier bei Zukunftslobby bezeichnen den Kapitalismus als
die menschenverachtende Pervertierung der Marktwirtschaft.
Weil er den größten Teil aller schädlichen Auswirkungen
in wirtschaftlichen Prozessen auf die Allgemeinheit und in die Zuständigkeit
der nachfolgenden Generationen externalisiert, kann die Destruktivität
des Kapitalismus auch mit noch so tollen Vorsätzen und Absichtserklärungen
nicht aufgehalten werden.
Aber auch der Sozialismus, und dies wäre eine begründete
Kritik an Boliviens Staatschef, ist keineswegs automatisch klimafreundlich.
Herr Morales sollte sich deshalb einmal mit der Kategorischen Marktwirtschaft
befassen. Auf der nächsten Konferenz in Durban hätte er
dann eine Argumentation, die sich nicht so einfach vom Tisch wischen
lässt.
--
Derweil braut sich in Deutschland die nächste Fatahmorgana-Veranstaltung
zusammen. Es wurde von 4 Bundestagsparteien (CDU/CSU, SPD, FDP und
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) die Einsetzung einer Enquete-Kommission
Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität Wege zu nachhaltigem
Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen
Marktwirtschaft beschlossen.
Der Antrag
enthält große Worte. Während der Sitzung
dazu im Deutschen Bundestag, der 77ten, hörte man von
den Sprechern der Altparteien schon
einige Relativierungen gegenüber der zunächst vermuteten
Entschlossenheit . Die spärliche Berichterstattung zum Thema
in den Medien war geprägt vom Ungefähren.
Im Interview
auf Dradio schließlich, wo Georg Nüßlein,
CSU-Bundestagsabgeordneter und Obmann der Union in der neuen Enquete-Kommission
Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität, zur Lösung der drängenden
Zukunftsprobleme allein und konsequent auf den technischen Fortschritt
setzen will, kündigt sich das Scheitern auch dieses
Versuchs zur Rettung der natürlichen Lebensgrundlagen unübersehbar
an. Schade um die verplemperten Ressourcen auch von dieser
Kommission.
--
Nüßleins Blindheit gegenüber dem Notwendigen
zur Bewahrung einer lebenswerten Zukunft findet sich bei allen
Politikern der Altparteien mit Rang und Namen.
Die universelle Analogie dahinter kam kürzlich
in einer Sendung auf Dradio gut zum Ausdruck. Der parlamentarische
Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag und Präsident
der Europaunion Peter Altmaier sowie der Politologe Peter
Grottian waren da am Samstag den 11. Dezember von 9 bis 11 Uhr
im Gespräch zu hören. Thema waren die Bürgerproteste
vor allem in Stuttgart und die Frage, ob es eine neue Protestkultur
in Deutschland gibt, bzw. ob wir diese brauchen.
Peter Grottian war wie gewohnt gut verständlich und logisch
in seiner Argumentation, während jedoch bei Peter Altmaier
die immer gleiche Argumentationsersatzrhetorik strukturkonservativer
Hüter der kapitalistischen Ökonomie mehr als deutlich
wurde. Altmaiers Demokratieverständnis kommt von oben herab,
ist mit seiner und der Unfehlbarkeit seiner Kollegen absolutistisch
legitimiert und verweist jeden Zweifel von unten in außergesetzliche
Graubereiche. Früher, ja früher habe es Zustände
gegeben, welche auch einen radikaleren Protest gegen die herrschende
Gewalt gerechtfertigt hätten. Heute aber, wo er und die anderen
treuen Diener der bestimmenden ökonomischen Ordnung das Sagen
hätten, sei jeder Widerstand gegen das staatliche Gewaltmonopol
illegal und nicht begründet.
Aus diesem Interview ließe sich ein längerer Artikel
verfassen, im welchem die Argumentationsstereotypen deutlich hervorgezeigt
werden könnten. Wer nicht so leicht aggressiv wird, kann
sich das Interview auf Dradio noch mal anhören, - wirklich
höchst interessant und spannend, auch angesichts der Hörer,
die telefonisch verschiedene Fragen und Meinungen durchgaben. (
Auch auf dieser
Seite, dort rechte Spalte unter -Audio on Demand- als mp3 zum
Herunterladen oder flash zum gleich hören, Teile 1 bis
4.)
--
Ebenfalls derweil kommt der Niedergang Europas immer näher.
Die EU, die Einhellig Unfähigen, wehren sich verzweifelt mit
immer neuen Notmaßnahmen.
Aus dem Rettungsschirm soll ein Rettungspavillon werden bis man
bald die Notwendigkeit eines Rettungsdachs, wahrscheinlich auch
einer Bunkerdecke erkennt und einzurichten versucht. Noch ist Deutschland
überheblich, weil ihm das Wasser nur bis zum Kinn, statt
bis zur Unterlippe steht.
Die Grünen enttäuschen auch in diesem Punkt und unterstützen
den Vorschlag Luxemburgs nach Eurobonds, gewissermaßen einer
Engrosverschuldung, welche die Zinsen etwas verbilligt.
Wer denkt aber an das Loch im Fass der gesamteuropäischen
Ökonomie und dass allem voran zuerst dieses geschlossen
werden müsste. Jeder Versuch des Nachgießens, geschweige
denn des Vollgießens, muss da vergeblich sein. Dieses Loch
im Fass der modernen Industriegesellschaft lässt langsam aber
sicher sämtliche finanziellen Mittel aus den öffentlichen
Kassen heraus in die Taschen der Banken, Konzerne und Investoren
fließen. (Lesenswert: Interview
mit dem Wiener Wirtschaftwissenschafter Franz Hörmann im
Standard.)
So gesehen sind die vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die
Finanzkrise, ob Eurobonds, Rettungsdächer oder die Kapitalerhöhung
für die Europäische Zentralbank, was im Prinzip das Drucken
neuen Geldes bedeutet, eigentlich Maßnahmen, um die Melkkuh
Europa für die Finanzmärkte aufrecht und möglichst
lange an deren Zapfanlage zu behalten.
Doch selbst wenn das Loch im Fass geflickt werden könnte, das
Fass besteht aus Eisen und rostet schon lange vor sich hin. Die
Ökonomie Europas ist eine verzehrende Ökonomie, die positive
Bilanzen immer schon nur aus der Externalisierung von verursachten
Schadkosten bezog. Was hieraus resultiert kommt zum momentanen finanziellen
Desaster noch hinzu.
Der einzige Weg, um Europa wirklich zu retten, wäre also, ihm
ein zukunftsverträgliches Wirtschaftsystem als neues Behältnis
zu entwerfen, um den Inhalt des maroden Fasses endlich umzufüllen.
Und dieses, wie sollen meine Kommentare hier auf Zukunftslobby
auch anders enden, kann nur die Kategorische Marktwirtschaft sein.
PS:
Ab 2013 sollen nun die Rundfunkgebühren als Haushaltspauschale
erhoben werden. Dies haben sich die Lobbyisten der öffentlich-rechtlichen
Meinungsmache ausgedacht, um den Gebührenschwund zu stoppen.
Fast eine Million Haushalte in Deutschland haben keinen Fernseher,
die meisten davon mit vollem Bewusstsein, weil sie auf den überflüssigen
Unsinn in allen Kanälen verzichten wollen.
Wer behauptet, Fernsehen diene der Information, belügt die
Öffentlichkeit oder er stammt aus dem Lager derer, die Fernsehprogramme
machen. Er besitzt ein stark eingeschränktes Verständnis
von objektiver Information, gewissermaßen ein Bewusstsein
ähnlich dem von Peter Altmaier oben.
Im Gegenteil: Zur objektiven Information sind Bilder auf jeden Fall
nicht notwendig, ja sie verfälschen die Informationen im Sinne
des sie verbreitenden Informationsmachers. Das herrschende destruktive
Wirtschaftssystem mit all seinen Hoffnungslosigkeiten hat sich nicht
TROTZ der öffentlich-rechtlichen Institutionen so etabliert,
sondern WEGEN ihnen.
Bezahlt eure Radiogebühren, aber wehrt euch gegen die Pflicht
zur Bezahlung von Fernsehgebühren für alle. Schlimm
genug, dass das Fernsehen die Mehrheit der Bevölkerung verdummt.
Jetzt sollen diejenigen, die dies nicht gutheißen, es auch
noch mitfinanzieren!
Wenn die Herren Intendanten für ihre Programme Geld brauchen,
dann bitte aus Steuermitteln, denn wer gut verdient und viel Steuern
zahlt, profitiert auch am meisten vom Ergebnis der Verdummung durch
Fernsehen.
Widerstand gegen die neuen Rundfunkgebühren
ist ab sofort notwendig!
November 2010:
--
Ein "Wunder von Stuttgart" ist wie erwartet ausgeblieben.
Ob die kleinen Fortschritte der Schlichtung unter Heiner Geißler,
wie etwa das Versprechen, mit der im Stuttgarter Zentrum frei werdenden
Fläche nicht zu spekulieren, Bestand haben, wird sich erst
mal zeigen müssen.
Mittlerweile, die Grünen erleben gerade durch das Stuttgarter
Öffentlichkeitsspektakel ein neues Umfragehoch, haben
die Unionspolitiker ihren neuen Feind ausgemacht.
Wie abgesprochen schlagen sie, angeführt von Angela
Merkel mit ihrer Rede auf dem Unionsparteitag, auf die Grünen
ein. So sprach etwa David McAllister in Niedersachsen ihnen die
Glaubwürdigkeit beim Windkraftausbau ab. Überhaupt agierten
sie in der Sache diffus und bei den Themen populistisch. Julia Klöckner
in Rheinland-Pfalz wettert
in einem Interview zu einem anderen Thema ungefragt über
die Grünen. Auch aus Hessen und Bayern kommen vergleichbare
Töne, und die Gleichzeitigkeit, die ähnlichen halbwahren
Inhalte und die Rundumschlagsdimension der vorgebrachten Vorwürfe
ist unübersehbar.
Wenn dies für die Beobachter im Wahlvolk auch zu durchsichtig
ist und den Grünen die gegenwärtige Zustimmung nicht merklich
schmälern kann, es gibt durchaus auch begründete Kritik
an den Grünen. Gerade wer sich wie die Initiative Zukunftslobby
e.V. gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Nachkommen
einsetzen will, muss besonders diejenige Partei beäugen, die
vorgibt, eine Ökopartei zu sein.
Leider lässt sich feststellen: Unter den grünen Politikern
gibt es einfach zu viele, die meinen mit den alten grünen Schlagworten
und unvernetzten Einzelplänen könne man den globalen Niedergang
stoppen. Die Forderungen nach Elektroautos, Fotovoltaikanlagen
oder Beibehaltung und Ausweitung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes,
um nur drei Kernforderungen zu nennen, sind aus verschiedenen Gründen
heraus nur kosmetische Phrasen, denen eine schlüssige gesamtökonomische
Rechtfertigung bislang fehlt.
Elektroautos sind völlig ungeeignet, um unsere gegenwärtigen
Mobilitätsansprüche eins zu eins zu erfüllen. Die
Technologie ist in der benötigten Größenordnung
und bei Betrachtung wirklich aller Folgen und Aspekt fast ebenso
schädlich für den Globus, wie die gegenwärtige Verbrennungsmotorentechnik.
Die Rohstoffe zur Energiespeicherung, etwa seltene Metalle, wären
gar nicht vorhanden, oder man muss sie von den Chinesen kaufen,
die sich still, heimlich und skrupellos fast sämtliche Vorkommen
auf der Erde, vor allem in Afrika, gesichert haben. Ebenso ist es
bei Rohstoffen für Fotovoltaikanlagen, beispielsweise Lanthan.
Auch hier hält China fast alle Rohstoffzugänge und ist
bald Alleinhersteller der Anlagen, deren Absatz durch das EEG in
Deutschland und ähnlich fragwürdigen Gesetze in anderen
Ländern gesichert ist.
Die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien in
Deutschland erfordert viel mehr, als nur ein geändertes
Leitungsnetz. Im Prinzip ist nichts geringeres damit verbunden,
als eine völlig neue Struktur unserer Ökonomie,
geprägt durch Produktion und Vorhandensein von Arbeitsplätzen
unmittelbar an jenen Standorten, wo die regenerative Energie erzeugt
wird.
Diese potentiellen Standorte können auch nicht von jemandem
oder von einigen wenigen, etwa einer Regierung, einer Behörde,
einer Partei, etc. bestimmt werden. Insofern ist die Festlegung
auf Offshore-Anlagen für Windenergie draußen vor den
Küsten auf dem Meer schon an sich eine Fehlentscheidung. Wenn
auch dort ein stärkerer Wind weht, als sonst wo auf dem Festland,
bedeutet dies noch lange nicht den größtmöglichen
Vorteil für die Umwelt und unsere Volkswirtschaft.
Sehr viel besser wäre es, hier objektive marktwirtschaftliche
Bedingungen einzuführen, wie es das Konzept von der Kategorischen
Marktwirtschaft skizziert und die Sache sich dann von selbst in
die optimale Richtung entwickeln zu lassen.
Bezüglich des Ausbaus der Windkraft in Deutschland müssten
zwei zusammengehörige Maßnahmen sofort getroffen
werden:
Einerseits müssten die unsinnigen Verhinderungsbestimmungen
in den regionalen Raumordnungsplänen deutschlandweit gestrichen
werden, jene, mit denen man in den Anfängen der Windkraftförderung
die sogenannte Verspargelung der Republik verhindern wollte.
Andererseits müsste in jedem Landstrich die Bevölkerung
darüber abstimmen, ob auf den Flächen ihrer Gemeinde
Windkraftanlagen errichtet werden sollen. Vorher muss etwa in Bürgerversammlungen
objektiv informiert werden. Simulationen mit Gasballons könnten
das Größenverhältnis angedachter Anlagen am Standort
vermitteln. Regelmäßige Pachtzahlungen müssten
verhandelt und deren Nutzen für den Gemeindehaushalt verdeutlicht
werden. Durch eventuelle Zusatzregelungen zwischen Unternehmer
und Kommune im Falle deutlich steigender Strompreise auf dem Markt
könnte man die Kommunen mittels analog steigenden Pachtbeträgen
an den Gewinnen beteiligen.
Windkraft taugt nicht nur zur Vermeidung von Treibhausgasen
und anderen umweltschädlichen Effekten. Die regionalen Wirkungen
sind ebenso wichtig.
Zuschüsse und Förderungen, wie in den letzten Jahrzehnten,
haben immer weniger deutsche Gemeinden zu erwarten. Die früheren
Zuschussgeber, wie Kreis. Land und Bund sehen mittlerweile selbst
dem Bankrott entgegen. Als letzte und einzige Einnahmequelle,
dafür aber als sehr effektive, bietet sich die Verpachtung
exponierter Freiflächen an Windkraftanlagenbetreiber an,
ja sogar die Eigenfinanzierung der Anlagen durch die Bewohner
vor Ort. Dieses könnte der Mehrheit deutscher Kommunen die
absehbare finanzielle Ausblutung ersparen und auf viele Jahre
hinaus gesicherte Einnahmen bringen, und diese kämen über
Investitionen in alle Bereiche der Infrastruktur der ganzen Bevölkerung
unmittelbar zugute.
Die
Grünen sollten ihr gegenwärtiges Sympathiehoch, also
die erhöhte Bereitschaft in der Bevölkerung, ihnen zuzuhören,
nicht zur abermaligen Wiederholung abgekauter pseudoökologischer
Schlagbegriffe verschleudern, sondern sie sollten unbeirrt und vehement
eine Marktwirtschaft unter endlich fairen Bedingungen, also
ohne jegliche Möglichkeit zur Kostenexternalisierung bezüglich
ökologischer, finanzieller, sozialer und politischer Aspekte
fordern.
Wenn die Grünen dies nicht bald als ihre eigentliche Aufgabe
erkennen, muss das Ökoparteiprojekt endgültig als gescheitert
erklärt werden. Eine Ökopartei ist nur dann eine solche,
wenn sie sich vor anderen Parteien auch die erste Wirtschaftskompetenz
erarbeitet hat.
Oktober 2010:
-- Bestimmendes
Thema war in diesem Monat sicherlich der Streit um das Verkehrsprojekt
Stuttgart-21, bestimmend in dem Sinne, als dass hier zwei völlig
unvereinbar nebeneinanderstehende Vorstellungen unter der Bevölkerung
deutlicher werden, bezüglich dem, was für die Zukunft
gesellschaftspolitisch wichtig ist. Der Riss geht quer durch alle
Gruppen und Schichten. Altgewohnte Zuordnungen etwa als Wähler
dieser und jener Partei haben sich aufgelöst.
In der Politik bleibt alles, oberflächlich betrachtet,
noch einigermaßen in bekannten Lagern.
Da sind die ökonomisch strukturkonservativ denkenden in Union
und FDP, für die allein die Größe eines technischen
Projekts ausreicht, um dafür zu sein. Längerfristige Folgen
auf zweiten und dritten Ebenen bzw. die Gesamtheit der Auswirkungen
und Fehlsteuerungen infolge externalisierter Schäden durch
das Projekt auch in die weniger nahe Zukunft hinein, können
von den Köpfen dort intellektuell nicht überblickt, deshalb
nicht realisiert und letztendlich in der Bewertung auch nicht berücksichtigt
werden.
In der SPD ist es ähnlich. Hier herrscht jedoch momentan,
weil man in der Opposition ist und der Wind der Wählergunst
sich gedreht hat, die Neigung vor, verkehrspolitische Ansichten
von gestern lieber über Bord zu schmeißen.
Die Grünen lehnen das Großprojekt natürlich
ab, haben jedoch in den Jahren ihrer Regierungsbeteiligung gegen
Stuttgart-21 nichts unternommen. Man wird das Gefühl nicht
los, als dass die meisten in dieser Partei eher durch den anhaltenden
Protest der Bevölkerung als basisdemokratische Erscheinung
und durch vordere Ablehnungsgründe motiviert sind, wie Gefahren
für Grundwasser und Untergrund oder Verlust wertvoller alter
Bäume. Jedoch gibt es in den Reihen der Grünen immerhin
auch einzelne, die Stuttgart-21 kategorisch marktwirtschaftlich
betrachtet, als fatal einstufen und ihre Ablehnung ein Stück
weit auch ökonomisch begründen können.
Die Protestbewegung ist da offenbar schon weiter. Sicherlich
sind entscheidende Motive hier ebenfalls die ungewissen, massiven
Veränderungen im Boden dieses Stuttgarter Stadtteils oder der
Erhalt der für das seelische Wohlbefinden der Anwohner so wichtigen
alten Baumpersönlichkeiten.
Darüber hinaus aber macht sich offenbar auch eine fundamentale
Ahnung breit, dass all das, was uns aus den Lagern der sogenannten
Volksvertreter erzählt wird lediglich bezüglich kurzfristiger
Wirkungen durchdacht ist, langfristig gesehen jedoch einer Katastrophe
für die Gesamtgesellschaft gleichkommt.
Immer mehr Menschen empfinden die Äußerungen von Parlamentariern
als eine Unverschämtheit. Unsere Bundeskanzlerin
beispielsweise lässt sich bedenkenlos zu angstschürenden
Nötigungsäußerungen hinreißen, ohne Stuttgart-21
wäre Baden-Württemberg dauerhaft vom gesamtökonomischen
europäischen Geschehen abgehängt.
Ein Wissenschaftler, der die im Fernsehen übertragenen
Gesprächrunden mit Schlichter Geißler betrachtet, äußert
im Radio die kindlich naive Begründung für seine Pro-Stuttgart-21
Haltung, er fände es spannend, was man für Möglichkeiten
auf der angeblich frei werdenden Neufläche von 100 Hektar bekäme.
Drei mal darf er raten. Außer Parklandschaften mit Jungbäumen,
die erst in hundert Jahren - wenn nichts dazwischen kommt! -, den
Wert der jetzt gefällten Altbäume bekommen, gibt es wieder
nur Flächen für Investoren, Großunternehmen und
finanzkräftige Wohnungskäufer; - Hallo!
Der Stuttgarter OB Schuster zeigt im Interview
sehr deutlich, mit welcher Arroganz die Politiker und Initiatoren
mit den Projektgegnern umgehen. Da wird väterliches Verständnis
geheuchelt, die Gegner wären lediglich nicht ausreichend informiert,
und man müsse dies in einem "kritischen Dialog aufarbeiten".
"Einige Gruppen" hätten jede Diskussion gestört
beziehungsweise blockiert, eine Art Glaubenskampf inszeniert. Hier
wolle man eine neue "Dialogkultur" entwickeln.
Kurz: Alle Gegner sind blöd oder böswillig, nur
Schusters Gleichgesinnte wissen Bescheid und blicken durch. Parole:
Sich von Schusters Glaubenskollegen an der Hand nehmen und sich
blind führen lassen führt zum ökonomischen Heil!
- Oder?!
Die Umweltministerin von Baden-Württemberg, Gönner,
diesmal zum Thema Atomkraft, äußert die gleiche Arroganz,
diesmal eher zwischen den Zeilen eines Interviews.
Das Thema wäre "natürlich emotional sehr stark
besetzt", man nehme aber wahr, "dass die Menschen
erwarten, dass Politik auch klar Stellung bezieht und dass wir eben
nicht immer zuerst schauen, wie sind Stimmungslagen, sondern die
Frage ist, was ist eigentlich notwendig." Es gäbe
ja ein Gutachten, und man müsse nur "versuchen es unvoreingenommen
zu lesen", um zur richtigen Entscheidung, jener der CDU
natürlich, zu kommen. Oder: Gönner ist "der festen
Überzeugung, dass die Menschen in Deutschland erwarten, dass
eine Regierung Entscheidungen fällt." Man könne
nur über die Abschöpfung von Gewinnen aus Laufzeitverlängerung
die erneuerbaren Energien voran bringen. Gönner droht in ähnlicher
Art wie Merkel zu Stuttgart-21: Als Verbraucher hätte man ja
ganz gern, "wenn ich den Lichtschalter betätige, Licht
hätte und nicht das Problem habe, dass man mir mitteilt, gerade
jetzt ist Stromausfall." Oder anderes beliebtes Schreckgespenst:
Wirtschaftlichkeit, "kann sich im Übrigen auch der
Hartz-IV-Empfänger dauerhaft die Energiepreise leisten?"
- Gut gebrüllt in Manier der kapitalistischen Externalisierungswirtschaft.
Also Fazit Gönner: Notwendig ist nur das, was die Befürworter
wollen, die Gegner sind lediglich emotional verwirrt. Wichtiger
für die Gesellschaft ist, dass Entscheidungen gefällt
werden, statt darauf zu schauen, dass diese auch umfassend richtig
sind. Gute Energieformen können nur mit der Weiterbetreibung
schädlicher Energien finanziert werden, statt mittels Kategorischer
Marktwirtschaft möglichst schnell die ersteren wachsen und
die anderen absterben zu lassen.
Vielleicht besitzt die neue Protestkultur in Deutschland
wirklich ganz neue Beweggründe.
Die Menschen sind diese abfällige Ignoranz von Politikern,
wie sie aus den Beispielen oben deutlich wird, satt. Sie wollen
sich nicht mehr mit deren immer gleichen raffinierten Versuchen
abfertigen lassen, die eigene Unkenntnis zu überspielen.
Sie erkennen, dass die Politiker trotz allerlei rhetorischer
Fähigkeiten, einen dramatisch beschränkten Horizont
besitzen, das Gute also gar nicht sehen und es deshalb nicht verwirklichen
können.
Ja sie verspüren, dass sie in entscheidenden Punkten schlichtweg
belogen und mit Halbwahrheiten in Schach gehalten werden. (Als
Beispiel für die Kosten des Stuttgarter Bahnhofsprojekts, ein
Zitat
des Chefs des Bundesrechnungshofs Dieter Engels: "In
einem sehr frühen Stadium haben wir die Kostenberechnungen
überprüft. Und wir sind dabei zu dem Ergebnis gekommen
dass sie deutlich über jenen Beträgen liegt, die das Bundesverkehrsministerium,
aber auch die Bahn vorher vertreten haben. ... das Ziel unserer
beratenden, begleitenden Prüfung besteht schlicht darin, dass
diejenigen die es zu entscheiden haben wissen, was sie tun. Wenn
man die wahre Zahl auf den Tisch legt, glaube ich, ist es viel,
viel schwerer, positiv für Stuttgart 21 zu sein, als wenn man,
wie geschehen, sehr viel niedrigere Zahlen einsetzt."
Und so, wie die Kostenrechnungen falsch sind, sind auch die anderen
angeblich positiven Auswirkungen des neuen Bahnhofs in Stuttgart
weit übertrieben oder erfunden. Außer Gewinnen für
die beteiligten Baufirmen und Profite für Priviligierte aus
Spekulationsgeschäften mit den frei werdenden Flächen,
bleibt für die Bevölkerung nur weitere Verschuldung, Schädigung
natürlicher Lebensgrundlagen und Zerstörung gewachsener
städtischer Strukturen.
Immer mehr Menschen erkennen: Was die Politik samt den wirtschaftslobbyistischen
Einflüsterern will, ist eben nicht zum Wohle der Gesellschaft
von morgen, sondern zu deren Schaden! Nicht eine technische
Moderne, überwiegend quantitativ, teuer und dominierend mit
großspurigen Fantasien von zukünftiger Mobilität
sind segensreich für die Menschen, sondern das noch zu suchende
intelligent Angepasste, das, allumfassend, auch für die nachfolgenden
Generationen unschädlichste.
Dieses zu finden und auf den Weg zu bringen trauen immer weniger
Menschen den Politikern der Altparteien zu. Mit den Thesen von der
Kategorischen Marktwirtschaft bekommen diese Menschen eine ökonomisch
fundierte Grundlage und werden von Protestierern auch zu Gestaltern
der Zukunft.
| PS:
Was die Bevölkerung von den Parteien hält, wurde auch
bei der Bundestagswahl vor genau einem Jahr deutlich.
Das Ergebnis
dieser Wahl unter
Berücksichtigung des Nichtwähleranteils, verdeutlicht
auch mit verschiedenen
Grafiken, zeigt: Den Protest im Stillen gibt es schon sehr
viel länger. |
|
September 2010:
-- Einerseits
ist es sehr erfreulich, dass bei der Demo in Berlin, gestern
am 18ten, Hunderttausend Leute gekommen waren, um gegen
die geplante AKW-Laufzeitverlängerung zu demonstrieren.
Andererseits bleibt alles beim Alten, und die Notwendigkeit
zur nächsten Demo ist jetzt schon festgelegt.
Es hilft nichts: Der finanzkräftigen Atomkraftlobby und ihrem
opportunistischen Anhang in Politik und Wissenschaft muss mit entscheidenden
Argumenten endgültig ein Strich durch die äußerst
lukrative Rechnung gemacht werden.
Hierzu sind harte ökonomische Argumente wesentlich besser geeignet,
als etwa Sicherheitsbedenken in den Vordergrund zu stellen oder
auf Empörung in der Bevölkerung wegen des mafiös
riechenden Deals zwischen Stromkonzernen und Regierungspolitikern
zu hoffen. Hier allerdings hapert es bei Atomgegnern immer noch
sehr. Besonderes Augenmerk muss auf die externalisierten
Kosten der Atomkraftnutzung gelegt werden, nicht auf wenige
vage formulierte Schadkosten, wie sie einigen Teilnehmern in Themendiskussionen
etwa in Radio und Fernsehen einfallen und auf welche die Atombefürworter
gewöhnlich ausweichend reagieren.
Am effektivsten wäre es, dass sich endlich einmal alle Gruppen,
die Atomkraftwerke ablehnen, sich auf einen gemeinsamen umfangreichen
Konsens von Fakten einigten, bzw. darauf, noch fehlende oder
zu dünne Fakten zu erarbeiten und zu erhärten.
Als Gründe gegen Atomkraft werden hauptsächlich Sicherheitsrisiken
genannt, mögliche Gesundheitsgefahren durch den Betrieb der
AKWs und solche durch die nicht entsorgbaren nuklearen Abfälle.
Auch würde der Ausbau regenerativer Energien behindert und
verzögert.
Bis heute schaffen es die Atomlobbyisten, diesen Argumenten mit
Beschwichtigungen, Halbwahrheiten und Darstellung unzulässiger
Zusammenhänge zu entkommen. Die deutschen Atomkraftwerke wären
die sichersten, heißt es; - dies ist kein Argument sondern
eine Wunschvorstellung, denn hier verschiebt sich nur die Unfallwahrscheinlichkeit
im untersten Prozentbereich. Die Entsorgung wäre geklärt,
- eine glatte Lüge bezüglich aller Faktoren. Mit dem Weiterlaufen
der AKWs würde "der Umstieg in regenerative Energie finanziert."
(FDP-Lindner). Ebenfalls Unsinn, denn der entscheidende Impuls zum
Umstieg kommt nur mittels eines marktwirtschaftlichen Prozesses
nach Abschaltung der AKWs, d.h., hier ist kein schnöder Eintausch
des Bestehenden gegen das Neue möglich, denn es geht um nicht
weniger als um den Übergang aus der stumpfsinnig zentralistischen
Energieversorgung zur intelligent regionalen Versorgung, in welcher
Großkonzerne weniger wichtig sind.
Weitere Fakten müssen dauerhaft auf den Tisch und samt ihrem
Schadenspotential in unübersehbaren Zahlen ausgedrückt
sein.
-- Die mit Abstand schlimmsten Gegenwartsfolgen der Atomkraftnutzung,
nämlich die gigantischen Schäden
infolge Uranbergbaus in den Ländern mit Erzvorkommen,
werden derzeit kaum thematisiert. Die Zahl der Menschen, die dabei
jährlich kontaminiert werden und sterben, ist vierstellig,
genaue Zahlen werden konsequent verschwiegen oder nicht erhoben.
Gleichzeitig verseucht der Hunger nach Brennstoffen für
AKWs riesige Flächen in Afrika, Australien und anderswo
mit Radioaktivität und macht sie auf tausende von Jahren
hinaus unbetretbar. Vorher werden dort ansässige Menschen,
wie derzeit gerade in Falea
im Süden von Mali, enteignet und vertrieben. (Ippnw,
Oekosmos,
forumcivique,
taz,
Spiegel,)
-- Durch die Klimaerwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit von
Wassermangel in großen Flüssen während trockener
Sommer. Dadurch kann es immer häufiger zu Kühlwassermangel
für Reaktoren kommen und damit zum Zwang zur Abschaltung großer
Kraftwerke. Hiermit steigt nicht nur die Bereitschaft zur Aufheizung
der Flüsse sondern auch die Risikofreudigkeit der Betreiber
und die Wahrscheinlichkeit von Unfällen. Ebenso kommt
das Risiko eines möglichen Anschlags von Terroristen
auf Kraftwerke als neue Bedrohung hinzu. Beide Punkte werfen
alle GAU-Wahrscheinlichkeitsrechnungen, welche noch auf relativ
stabilen Verhältnissen von vor 40 Jahren basierten, über
den Haufen. Auch die 2 Euro für die Kilowattstunde Atomstrom,
die sich bei Einrechnung einer vollen Haftpflichtversicherung für
Atomkraftwerke ergäben (siehe Prognos-Studie
auf dieser Website), würden sich erhöhen.
-- Der Einwand Robert Jungs in seinem Buch "Der Atomstaat",
dass ein Land mit Atomkraftnutzung aus Gründen vermeintlicher
Sicherheit viel restriktiver Freiheitsrechte beschneiden und Polizeistrukturen
pflegen muss, sollte öffentlich wieder beachtet werden.
-- Politikern, welche bewusst die Unwahrheit sagen, wie der
Unionspolitiker Michael Fuchs, welcher behauptet hat, die
Mehrheit der Bevölkerung habe die jetzige Regierung gewählt
und damit auch die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken
abgesegnet, muss man entschieden und sofort entgegen treten. Nur
34,2 % der deutschen Wahlberechtigten und bzw. etwa 25
% der Bevölkerung haben den Regierungsparteien 2009 die
Stimme gegeben. Wenn neuere Umfragen eine stärkere Zustimmung
der Bevölkerung zu Laufzeitverlängerungen ergeben, dann
spricht dies lediglich für einen Erfolg der Halbwahrheitenkampagnen
der Atomlobby, bzw. für eine bestellte Antwort durch falsch
gestellte Fragen.
-- Der vielleicht größte gesellschaftliche Schaden
durch die Atomkraftnutzung, - zugegeben, auch durch andere zentralistische
Formen der Energieerzeugung wie mittels Kohlekraftwerken -. ist
die grundsätzlich falsche ökonomische Weichenstellung
in den Industriestaaten, welche vor Jahrzehnten eingeleitet wurde.
Die derzeitig übliche Struktur der Wirtschaft ist am Vorhandensein
von Großkraftwerken gewachsen und passt nur bedingt zu einer
vollständig regenerativen Energieerzeugung. Insofern wird es
sehr viel schwieriger werden, sich vom nichtregenerativen Wirtschaften
zu verabschieden.
Heute regieren noch die Forderungen nach Grundlastfähigkeit
von Kraftwerken und die Bedenken, Strom aus Wind und Sonne beispielsweise,
wären zu unsicher, weil manchmal je nach Wetter nicht vorhanden.
Eine solche Problemformulierung kann nur aus den Köpfen kurzsichtiger
Wirtschaftslobbyisten kommen, die Schadkostenexternalisierung als
zulässiges Profitmittel ansehen und keinerlei Mut zu kategorisch
marktwirtschaftlicher Fantasie aufbringen können. Hätten
wir die Schadkosten einer jeden Art von Energieerzeugung von Anfang
an in den Preisen gehabt, hätte sich eine vollständig
andere Art zu Wirtschaften entwickelt und wir bräuchten uns
heute weder mit Atomkraft, noch mit den hierfür agierenden
Betonköpfen herum zu schlagen.
August 2010:
-- Seit
Anfang des Monats freuen sich Regierungspolitiker über einen
kleinen Aufschwung unserer Wirtschaft. Unverhofft und plötzlich
sei er gekommen, Wirtschaftsforschungsinstitute korrigieren ihre
Prognosen nach oben, ähnlich seriös einem Wetterbericht,
welcher Regen ansagt, wenn es schon schüttet. Kommentatoren
großer Zeitungen outen sich als strikte Anhänger des
herrschenden ökonomischen Systems, indem sie ebenfalls ihre
Freude bekunden und entsprechend dem schulökonomischen Lehrbuch
aus den vorliegenden Zahlen allerlei Segnungen für die Gesellschaft
ableiten.
Wir von Zukunftslobby betrachten lieber die Realität.
Erstens gibt es allein vom jetzigen ökonomischen Verständnis
her eine Reihe von Einwänden. So ist das statistische Wachstum
der letzten Wochen allein dem Export in unserer industrielastigen
Volkswirtschaft zuzuschreiben. Wohlhabende und Produzenten im Ausland
ordern mehr deutsche Luxusgüter und Maschinen. Innerwirtschaftlich
ist überhaupt nichts besser geworden. Alle Zeitbomben für
die zukünftige Entwicklung ticken weiter, ob Schulden, Mangel
an unsubventionierten Vollzeitjobs, qualitativer Bildungsnotstand,
etc.
Zweitens, und dies ist vielfach entscheidender, bedeutet
verstärktes Wirtschaftswachstum, welches nach herkömmlichen
quantitativ-ökonomischen Kriterien ermittelt
ist, ein stärkeres Wachstum bei der Zerstörung der Welt.
Was kurzsichtige Politiker und Kommentatoren jetzt bejubeln ist
mit immensen externalisierten Schädigungen in ökologischen,
sozialen, finanziellen und politischen Themenfeldern erkauft. Ausführlich
sind diese Zusammenhänge in unseren Texten zur Kategorischen
Marktwirtschaft erklärt, aktuell vor allem im Essay "2010
- Wir müssen jetzt handeln!" (siehe linke Spalte)
Realistische Politik müsste jetzt erkennen,
gerade auch nach dem Öldesaster des Multis BP und dem schamlosen
Lauterwerden der Atomstromgewinnler, dass unsere gesamte ökonomische
Realität weltweit auf einer kurzen Epoche billiger, aus der
Zukunft subventionierter Energie fußt und bald zusammenbrechen
wird. Realistische Politik hätte keine Zeit zu verlieren, um
sich schnellstmöglich einer völlig neuen Energie- und
Rohstoffversorgung zuzuwenden. Diese nachhaltig zu organisieren
kann nur mittels der Kategorischen Marktwirtschaft gelingen.
Juli 2010:
--
Spannende Frage: Kommt in den USA jetzt, nachdem das Loch im Golf
von Mexiko angeblich verschlossen wurde, ein Sinneswandel in Gang?
Gelangt der Präsident zu der Erkenntnis, dass ein konsequentes
Umsteuern auf regenerative Energieträger in Verbindung mit
radikalen Energiesparmaßnahmen für sein Land, den weltgrößten
Energieverschwender, erste Priorität besitzt?
Die Gefahr ist groß, dass die globale Energiewirtschaftslobby,
nicht nur in den USA, wieder einmal mit den altbekannten Schlaftabletten,
wie bessere Tiefbohrtechnik, verstärkte Sicherheitsvorkehrungen,
höhere internationale Standards, Zurschaustellung vernachlässigbarer
Alibiprojekte im Bereich erneuerbare Energie, usw. die Politik erfolgreich
beeinflusst und, im Erscheinungsbild etwas auffrisiert, weiter machen
kann, wie bisher.
Genauso war es bei der internationalen Finanzwirtschaft nach deren
Desaster 2008/09, und ebenso ist es in allen anderen mächtigen
Sparten bei ähnlichen Anlässen gelaufen, ob Pharmaindustrie,
Chemiewirtschaft, ob mit Nahrungsmittelkonzernen, der Autoindustrie,
der Fischereiindustrie, Bergbaukonzernen, Waffenherstellern und
etlichen anderen.
Wann denkt die Öffentlichkeit über eine Weltgesellschaft
nach, die ganz ohne mächtige wirtschaftliche Lager auskommt
und den Konsumbedarf, von allem zukunftsunverträglichen bereinigt,
in kleinen Einheiten und regional intelligent und hochflexibel decken
kann?
Wir müssen uns endlich die wichtigste aller Fragen stellen,
nicht der, wie wir das aktuell als schädlich erkannte eins
zu eins durch etwas weniger schädliches ersetzen können,
sondern wie wir eine Gesellschaft bauen, die auf alle Gefahren für
die natürliche Lebensgrundlagen verzichten und trotzdem einen
breiten qualitativen Wohlstand zu pflegen im Stande ist.
Momentan sind die Parlamentarier der Welt, wie auch die Instanzen
der etablierten Medien noch immer nicht mit genügend Weitsicht
ausgestattet, um sich obiger Frage zu widmen. Immer noch ist alles
Getue der Politik, wie auch die meiste journalistische Berichterstattung
bloße Niedergangsverwaltung.
Juni 2010:
-- Jetzt
hat man sich in den USA mittlerweile auf 10 Millionen Liter Rohöl
geeinigt, die täglich in den Golf von Mexiko strömen.
Obama, weil er inzwischen nicht mehr weiß, was er noch sagen
soll, denkt laut über das Ende des Zeitalters fossiler Energieträger
nach. In Wahrheit besteht aber kein Grund zur Hoffnung. Entweder
meint der US-Präsident eine verstärkte Hinwendung zur
Kernkraftnutzung oder er will Zeit schinden und öffentlichkeitswirksam
die Konzernmanager erschrecken, um nach Leerlaufen des Öllagers
in der Erdrinde unter dem Meer, langsam wieder zur profitablen Normalität
vor der Havarie zurückzukehren.
Allerdings, wenn es noch zwei Jahre weiter sprudelt, vielleicht
ist die Welt dann doch eine andere, und man ist eher fähig,
über das ökonomische Grundproblem fehlender kategorischer
Marktwirtschaft nachzudenken.
-- Es sieht so aus, als solle mal wieder ein Unionsparteipolitiker
zum neuen Bundespräsidenten gekürt werden. Mit
Vonderleyen, Schäuble oder Lammert bekommt das deutsche Volk
eine Personalienauswahl vorgesetzt, die es frei niemals wählen
würde.
Die Bundespräsidentenwahl wäre eine gute Chance, endlich
mal Demokratie walten zu lassen. Wenn der Präsident schon
nicht vom Volk gewählt werden kann, dann bitte aber von soviel
Parlamentariern, dass diese mindestens 50 % der deutschen Wahlberechtigten
repräsentieren. Weil die schwarzgelbe Regierung nur von gut
34 % gewählt worden ist, müsste mindestens noch die SPD
dem neuen Kandidaten zustimmen, dann erst wären knapp über
50 % der Wählerinnen und Wähler vertreten.
Wenn
wir die nachfolgenden Generationen noch etwas beteiligen wollen,
ist die Kandidatenentscheidung eindeutig: Klaus Töpfer,
der geistig und moralisch aus seiner ehemaligen Partei CDU ausgeschert
ist und seit Jahren für die Bewahrung der natürlichen
Lebensgrundlagen argumentiert, wäre derzeit der beste Mensch
für den Posten des Präsidenten Deutschlands.
Mai 2010:
-- Entgegen den Darstellungen des BP-Konzerns fließen aus
dem verlorenen Bohrloch, so meinen jetzt amerikanische Geologen,
mindestens 2 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Obama,
der doch als so mächtig bezeichnete US-Präsident, sieht
nur noch völlig hilflos und nackt aus.
Die ökonomischen Strukturen, so sieht man es zumindest im Störfall
überdeutlich, beherrschen die Staaten und Regierungen, statt
umgekehrt.
Ist dies nicht vergleichbar mit Europa, wo in den Haushalten der
Staaten ebenfalls Löcher bestehen, die nicht mehr geschlossen
werden können? Die internationale Finanzwirtschaft hat gemerkt,
dass man hier nur das geeignete Gefäß drunter halten
muss mit Schlauchverbindung in die eigene Tasche, Devise: Offenhalten!
Die Störfälle werden zur Regel. Die Löcher
in sämtlichen Etats, die Lecks im Bewusstsein verantwortlicher
Parlamentarier, die klaffenden Lücken in der Logik ihres
Handelns, der fadenscheinige Strukturopportunismus in so vielen
Berichten führender deutscher Medien oder welcher Art auch
immer, sind längst Normalität.
-- Den deutschen Kommunen geht es so schlecht wie nie. Sind
auch diese systemrelevant und verlangen zur Verhinderung
eines Bankrotts nach mehrstelligen Milliardenhilfen? Oder sollen
deutsche Städte und Gemeinden, wohl die bürgernächsten
Garanten elementarster Infrastruktur überhaupt, der Krise geopfert
werden?
-- Noch ein Fass ohne Boden: Auch
die europäische Währungsunion ist systemrelevant und muss
mit geborgten Hunderten von Milliarden Euro gesichert, letztendlich
bestimmt auch finanziert werden. Wann wird uns klar, dass wir dieses
System nicht beibehalten können und jeder in dieses miserabel
durchdachte Projekt EU investierte Cent nur rausgeschmissenes Geld
ist?
-- Mit dem Ergebnis der Wahl in NRW setzt sich das Desaster
für die deutschen Parteien fort. Ungeschönt und entgegen
der Darstellungen in den deutschen Medien bekamen CDU: 20,20%,
SPD: 20,16%, FDP: 3,93%, Grüne: 7,08%, Linke: 3,27%. Nackte
Zahlen dazu finden Sie: Hier
-- Die Gewerkschaften trommeln am ersten Mai für bessere Bezahlung
der Arbeitenden und mehr Sicherheit der Arbeitsplätze. Es wäre
zu wünschen, diese Vertreter der Arbeitskraftgeber kämen
bald auf die Idee, alle Fliegen und Sorgen ihrer Klientel mit einer
Klappe zu schlagen, also ein Wirtschaftssystem zu fordern, wo endlich
ein wirklich fairer Wettbewerb zwischen technischer und menschlicher
Arbeitskraft herrscht? (Mehr dazu hier,
Kap 1.4.)
April 2010:
Jetzt
bedroht das Öl aus dem Loch am Grunde des Golfs von Mexiko
die Südküste der USA. Obamas Statement dazu ist bezeichnend:
Man will nicht auf Öl aus dem Meer vor den Küsten verzichten,
denn dieses sei wichtig für die Unabhängigkeit der USA
und die Wirtschaft. Man müsse aber besser auf die Sicherheit
der Arbeiter und den Schutz der Umwelt achten. - Wunschdenken, leere
Worte, Ohnmachtsäußerungen des Obersten der Zauberlehrlinge.
Keine Spur eines Nachdenkens in den USA, dass eine Wirtschaftsweise,
die von solchen Spielen mit dem Feuer abhängig ist, eventuell
ganz in Frage gestellt und durch eine bessere Ökonomie ersetzt
werden könnte oder sollte. Nicht die Spur eines Ansatzes, über
solches auch nur einmal öffentlich nachzudenken. (Mehr dazu
hier, Kap 4.)
-- Der Vulkan
Eyjafjallajökull auf Island wird hiermit zum besonderen Ehrenmitglied
unseres Vereins ernannt. Mit seiner Tätigkeit leistet er
einen gewaltigen Beitrag zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen
der nachfolgenden Generationen. In nur wenigen Tagen erspart er
der Atmosphäre größere Schadstoffmengen, als alle
sogenannten Umweltschutzmaßnahmen der europäischen Staaten
im ganzen Jahr.
Von den täglich in Europa stattfindenden 28000 Flügen,
sind derzeit etwa 20000 abgesagt, weil die Vulkanasche über
dem Kontinent deren Triebwerke beschädigen würde und zum
Absturz der Maschinen führen könnte.
Nicht nur die riesigen CO2-Mengen, die seit einigen Tagen nicht
mehr verursacht werden können, bleiben erspart. Man muss auch
berücksichtigen, dass Abgase, wenn sie in größerer
Höhe eingebracht werden, weitaus reaktiver und gefährlicher
wirken, als direkt über dem Boden. So entspricht beispielsweise
der Schaden, den wir mit einem Flug nach Mallorca verursachen, etwa
dem, welcher ein PKW mit durchschnittlicher Fahrleistung in einem
ganzen Jahr anrichtet.
Gut, die Flugausfälle verursachen ungeahnte Behinderungen der
gewohnten Normalität und einen wirtschaftlichen Schaden im drei-
bis vierstelligen Millionenbereich.
Trotzdem haben wir hier bei Zukunftslobby ausschließlich
Grund zur Freude, weil dieses aktuelle Beispiel eindrucksvoll
belegt, wie sehr das Funktionieren unseres Wirtschaftssystems direkt
von der enormen Verursachung verschiedenartiger Schäden und
der Abwälzung der Schadkosten in den Zuständigkeitsbereich
der nachfolgenden Generationen abhängt und wie richtig wir
doch mit unseren ökonomischen Thesen liegen.
Zwei Bereiche unseres sogenannten Wohlstands, stehen diesmal besonders
im Rampenlicht: Der wahnsinnig aufgeblähte Mobilitätsbedarf,
ob von Geschäftsleuten, Urlaubern oder Trauergästen eines
verunglückten polnischen Präsidenten, und der widersinnige
Gütertransport verzichtbarer Produkte in Frachträumen
von Passagiermaschinen.
-- Apropos Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in katholischen
Einrichtungen und reformpädagogischen Schulen: Eine andere
Art von Misshandlungen, die wir an den Heranwachsenden anrichten,
sind die Unterlassungen oder zeitgeistkonformen Verzerrungen in
der bürgerlichen Erziehung, hohle Fixierungen auf oder Kapitulationen
vor den gerade angesagten ökonomischen Idealen und Moden. Mehr
dazu in einem
Kommentar auf Dradio von Erziehungswissenschaftlerin Astrid
von Friesen, oder auch in unserem letzten Essay
unter dem Stichpunkt soziale Schadkosten.
März 2010:
Das
Worldwatch Institut in Washington hat seinen "State
of the World Report 2010" vorgelegt (-auch unter diesem
Link) und die Reaktionen darauf sind Befremdlichkeit und Schweigen.
Einer der Vorschläge des Instituts, die angeblich helfen könnten
unsere Umwelt zu schützen, ist die Einführung der Vier-Tage-Woche.
Neben mehr Zeit für Freunde, Familie oder ein Ehrenamt hätten
wir dann auch weniger Geld, um dieses für Unnötiges auszugeben.
Überflüssiger Konsum ist nach Auffassung der Experten
des Instituts der Klimakiller Nummer Eins.
- Hört, hört, ist Worldwatch also von Radikalen unterwandert?
Wie sonst sollten die Wissenschaftler "nichts Geringeres
als die Umwälzung der herrschenden kulturellen Muster"
verlangen? Wie kommt Erik Assadourian, der Institutsleiter
zu seiner Aussage: "Noch ist Konsumismus das kulturelle Leitbild,
das Menschen Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz
in dem suchen lässt, was sie konsumieren. Doch wir sind in
der Lage umzudenken."?
Eine Reaktion kam vom Verbraucherzentrale Bundesverband, aber leider
nur in relativierender, bürokratisierender Art und Weise. Man
ist lieber für mehr Anreize bei nachhaltigen Produkten. Damit
allein, so meint Zukunftslobby, lässt sich jedoch die ökologische
Katastrophe nicht abwenden.
Worldwatch läge ja richtig, wenn da der wichtigste Einwand
nicht wäre, dass nämlich durch radikal gesenkten Konsum
die Arbeitslosenzahlen explodieren würden.
Und so möchten wir Worldwatch und dem Bundesverband Verbraucherzentralen
unser ökonomisches Konzept empfehlen
und unsere letzte
Veröffentlichung zum Thema , in welchem die offenen Fragen
zu einer nachkonsumistischen Gesellschaft grundsätzlich behandelt
werden.
| Februar
2010:
Das
"Völkerdomprojekt" ab sofort mit ausführlicher
Beschreibung hier zu
finden |
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Januar 2010:
Ende
Januar hat Zukunftslobby einen neuen Versuch gestartet, seine wirtschaftspolitischen
Grundthesen, die derzeit einzigen zukunftsfreundlichen im Netz,
ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen.
Mittels 75 E-Mails wurde an NGOs, wissenschaftliche Institute
und an überregionale Zeitungen ein ausführliches
Essay mit Anschreiben und unserem aktuellen Flyer geschickt,
in welchem wir eine Debatte darüber anregen, ob sich gegen
die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nicht besser unter
einem einzigen gemeinsamen Ziel vorgehen lässt, unter dem Ziel
eines neuen menschenverträglichen Wirtschaftssystems. - Mehr
Informationen dazu Hier