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Kommentare in der Sammlung waren ehemals Blogartikel aus dem Zeitraum
von Juni bis Oktober 2005, aus der Zeit vor und während der
vorletzten Bundestagswahl.
Damals erschienen sie auf der Website Restmuellnet.de als Bemerkungen
zum Tagesgeschehen aus kategorisch marktwirtschaftlicher Sicht.
Sie sind teilweise etwas provokant und scharf formuliert, verdeutlichen
aber ungeschminkt den paradoxen Abgrund zwischen dem, was so täglich
in der Politik passiert und dem, was nachhaltig betrachtet vernünftig
wäre.
Obwohl sie schon vier Jahre alt sind, haben die Texte keinesfalls
an Aktualität verloren. Ja gerade weil inzwischen einige Jahre
vergangen sind zeigt sich, dass so manche Befürchtung, dass
so manche Interpretation letztendlich der Realität entspricht.
Und es zeigt sich, dass Zukunftslobby einen mächtigen Verbündeten
hat:
Wenn auch mit bitterem Geschmack, die Zeit arbeitet für uns,
die längerfristig betrachtete politische und gesellschaftliche
Entwicklung gibt den Thesen der Kategorischen Marktwirtschaft Recht.
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Blogarchiv - Monat Oktober/Nov. 2005
1.November 2005: Gestern war Reformationstag.
Für das deutsche Fernsehen ein Anlass, den viel gepriesenen
Lutherfilm mit deutscher Starbesetzung auszustrahlen.
Vor kurzem erst lief er in den Kinos, wo ich ihn im Großen
und Ganzen schon gelungen fand. Nun, auf einem kleinen Fernsehbildschirm
zu zweiten Mal gesehen, wirkte er dann doch etwas sehr amerikanisch.
Heldenhafter Martin Luther, zu heldenhaft, hat der nicht
damals auch zur Synagogenzerstörung und Judenhass aufgerufen?
Das Elend des niederen Volkes sehr elendig (wenn auch nicht so überzeugend,
wie in "Der Name der Rose" beispielsweise), der Hauptdarsteller
zu pathetisch und ohne den historischen Luthercharakter.
Immerhin, dass dieser Mensch für damals unverzichtbar war,
angesichts der ach so antichristlichen Dekadenz in Papst- und Bischofsgewändern,
wurde deutlich.
Der Irrtum war allgegenwärtig, die Maske der Religion diente
ausschließlich zur Unterdrückung, zur Ausbeutung
und Versklavung ganzer Völker, denen man, von Lesen und Schreiben
keine Ahnung, alles erzählen konnte, was denn in der Bibel
stünde, was Wille Gottes sei und nunmal ihr unabänderliches
Schicksal.
Es bestand ein fest geknüpftes, ganz Europa überspannendes
Netz der Unterdrückung, unumstößlich gesichert
unter dem Zeichen des Kreuzes, dienlich einem ländergrenzenüberspannen
Syndikat von Verbrechern in goldbestickten Seidenroben. Sie nährten
sich vom Elend der Untertanen, indem sie ein Gottesbild pflegten,
das keinen Widerspruch duldete.
Gott der Strafende, der unbarmherzig zerschlug, was ihm nicht zu
Füßen liegen wollte, der eigentlich das verkörperte,
was der Mächtigen Natur und Absicht war. Gott, dessen neutestamentarische
Liebe ausgeschält worden war wie ein Halloween-Kürbis
um ihn mit der faschistischen Masse des eigenen Machterhaltungssystems
zu füllen.
Keiner merkte dies, keiner konnte die Bibel lesen um zu sehen was
wirklich darin stand. Vielleicht hielt dies auch niemand mehr für
nötig, da der unausgeprochene und hoch am Himmel hängende
Konsens für sich sprach und, so fest gefügt, mit so langem
Bestand, nur von Gott stammen konnte.
Die Fachleute dieser damals wichtigsten Wissenschaft, Papst, Kardinäle,
Bischöfe und die übrigen Glieder dieser Kette nach unten
hin, die Politiker von damals und andere Nutznießer, alle
standen sie mehr oder weniger eigeninteressiert hinter einem weltüberspannenden
Konsens, der sich am Ende dann doch als ein einziger großer
Betrug herausstellte.
Das System schien perfekt, so perfekt, dass es auch 1000 Jahre lang
funktionierte, es 1000 Jahre schaffte, jeden Widerspruch im Keim
zu ersticken, - bis dieser Martin Luther zur Feder griff und nicht
aufgeben wollte.
Sicherlich, Luther hatte auch Glück. Ohne den Beistand seines
Fürsten, der ihn schützte, als die Gewalt Roms ihn zu
zermalmen drohte, wäre es ihm ergangen wie allen "Ketzern"
davor. Ohne das Geld seines Sponsors, dessen Beziehungen, dessen
Burg und dessen Bibliothek, hätte er das Neue Testament nicht
ins Deutsche übersetzen können. Ohne diesen freidenkenden
Überflieger, den Kurfürst von Sachsen, (im Film grandios
dargestellt von Peter Ustinov,) hätte diese Mafia damals Luther
kurzerhand mit seinen Schriften verbrannt.
Und heute?
Fast 500 Jahre später ist ebenfalls ein gigantisches Unterdrückungssystem
installiert. Der einzige große Unterschied ist, dass es nicht
vom Klerus gesteuert wird, sondern von der triumphierenden Ökonomie.
Wie damals ist die herrschende Meinung die Meinung der Herrschenden.
Wie damals müssen die Beherrschten zahlen und bekommen weisgemacht,
dies wär sozusagen Gottes Wille. Wie damals steht ein goldenes
Kalb auf dem Altar.
Wie damals ist die religiöse Fassade mit etwas zutiefst Diktatorischem
gefüllt, welches sich niemand auf seine objektive Berechtigung
zu überprüfen traut. Wie damals schüchtert die Tatsache,
dass alle gesellschaftlichen Stimmen in den gleichen Chor einstimmen
und alle Nieschen des Alltags beschallen, jeden zweifelnden Freigeist
sofort ein, unterdrückt jede Ahnung im Keim, hier könne
etwas Grundsätzliches nicht stimmen.
Wie damals bringt das System subtielste Unterdrückung bis hin
zu Tod und Verderben, nur dass zweiteres heute eher in ferneren
Ländern geschieht, möglichst fern von den Augen der Menschen
in den Industriegesellschaften. Und, ein kleiner Unterschied zu
damals, die Mehrheit der Bevölkerung in den sogenannten "zivilisierten"
Ländern ist in den Kreis der Profitierenden aufgenommen, wenn
dies auch nur oberflächlich gilt, kurzfristig gesehen werden
muss und eher den Charakter einer Versorgung von drogensüchtig
Gemachten mit notwendigem Stoff hat.
Dafür jedoch, noch ein kleiner Unterschied zu damaligen Verhältnissen,
sind die nachfolgenden Generationen heute gleich mit geschädigt.
Den "Kardinälen der Gegenwart" ist es möglich,
für ihren Profit und ihre Macht nicht nur die heute lebenden
Menschen auszuplündern, sondern auch noch die gar nicht gebohrenen
nachfolgenden Generationen.
Insofern ist das Unterdrückungssystem der Gegenwart sehr viel
gründlicher und nachhaltiger, als das im Jahre 1500. Es fordert
sehr viel mehr Opfer, Tote und Verderbte, ist nicht mehr auf Europa
beschränkt, sondern weltumspannend und hat sehr viel mehr blinde
Unterstützer rekrutiert, von den Medien über die Wirtschaft
bis hin zum Militär.
Für die dringend überfällige Reformation wird im
21ten Jahrhundert ein Mann wie Martin Luther wohl nicht ausreichen.
CCR
26.Oktober 2005: Clement tobt. Schmolllippe
mit dem gestörten Realitätssinn hat einen gemeinen Haufen
von Betrügern unter den Hartz4-Empfängern ausgemacht.
Da ziehen doch tatsächlich hunderttausende von arbeitslosen
Jugendlichen von zu Hause aus, nur um mehr Sozialleistungen zu erhalten.
Doch Clement will handeln. Er will gesetzlich festschreiben
lassen, dass Langzeitarbeitslose nur dann ein Anrecht auf Übernahme
der Wohnkosten haben, wenn sie vor dem Erstbezug einer Wohnung die
Zustimmung der Behörden einholen. Der Nochminister will Prüfdienste
einführen.
Arbeitsagenturen und Kommunen sollen personell so ausgestatten werden,
dass sie bei Verdacht auf Leistungsmissbrauch auch Hausbesuche durchführen
können. Dabei soll vor allem kontrolliert werden, ob Leistungsbezieher
in eheähnlichen Verhältnissen wohnen und daher von ihrem
Partner unterstützt werden müssten. Außerdem sollen
die Behörden die Daten aller Arbeitslosengeld-II-Bezieher in
einer groß angelegten Telefonaktion überprüfen.
Wenn die Hartz4-Seuche auch keine Arbeitsplätze bringt, immerhin
sorgt sie für rege Beschäftigung in den für
Arbeitslose zuständigen Behörden. Damit ist auch
die Kostenexplosion auf das Doppelte der veranschlagten 14,6 Millarden
Euro für 2005 durchaus gerechtfertigt. Wir hams ja.
Was wird unser Wirtschaftsminister wohl nach seinem Abgang tun?
Sicherlich finden wir ihn bald, wie Exwirtschaftsminister Müller,
an der Spitze irgend eines mächtigen Konzerns, vorwiegend eines
Energieriesen, um dann ganz entspannt und ohne einen grünen
Gegner Trittin den Atomausstieg gründlich rückgängig
zu machen.
Den nötigen beschränkten Horizont und die selbstherrliche
Unverfrohrenheit dazu besitzt Clement ja. Er ist ein idealer Soldat
der Kapitalistischen Planwirtschaft und wird sich sicherlich rekrutieren
lassen.
CCR
23.Oktober2005: Jetzt funktioniert der Link unter 21.Oktober
zum Artikel von Andrea Teupke.
CCR
21.Oktober 2005: Ein Dauerthema, wie
bei vielen anderen Eltern auch, ist der Unmut meiner Kinder über
die Schule. Die nächsten zwei Wochen ist Ferienstimmung
angesagt, eine ausgiebige Entspannung unseres Familienlebens, ein
Mehr an Miteinander und Füreinander ist dann immer deutlich
spührbar. Als Eltern hat man keine Möglichkeiten, etwas
zur Abmilderung des Drucks an den Lehranstalten beizutragen.
Die meisten Lehrer reflektieren überhaupt nicht, dass ihre
gedankenlose Unterordnung unter den heiligen Leerplan/Lehrplan,
ihre steife autoritäre Art, ihre Unfähigkeit, individuell
mit den Kindern umzugehen, ihr übertriebener Respekt vor dem
selbstherrlichen Direktor und den Fantasmen der Kultusministerclique,
der größte Teil des Problems ist.
An dieser Stelle will ich auf einen sehr guten Artikel zum Thema
Bildung im Publik-Forum Nr 19/05 hinweisen ( Artikel
), geschrieben von Andrea Teupke.
Mir jedenfalls spricht die Autorin mehrmals aus der Seele. Nach
dem Artikel wird im betreffenden Heft auch noch ein Interview mit
einer Professorin für Arbeitssoziologie, Leiterin des Instituts
für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für
Arbeit geführt, welches für meinen Geschmack aber weit
weniger weitsichtig ausfällt, als der vorhergegangene Artikel.
Die Professorin ist mit ihrem Denken doch etwas in konvektionellen
Vorstellungen verhaftet, wenn ihre Sätze auch recht progressiv
wirken.
Im Artikel von Frau Teupke wird auch ein "kleines Häuflein
von Reformschulen" mit ihrem Netzwerk "Blick über
den Zaun" erwähnt, das versucht, neue und lebenspraktischere
Standarts zu formulieren. Man kann selber nachschauen unter http://www.blickueberdenzaun.de/
und sich etwas Mut holen, etwas Gewissheit, dass es gegenüber
den strukturkonservativen deutschen Lehranstalten und ihrem größtenteils
verkrusteten Personal auch erfrischende Alternativen gibt. Diese
Alternativen zum allgemeinen deutschen Schulalltag zu erheben, wäre
das Effizienteste zur Verbesserung der nationalen Bildungssituation.
CCR
20.Oktober 2005: Angela Merkel hat so
etwas Ähnliches gesagt, wie damals Gerhard Schröder:
Wenn sie es nicht schaffen sollte, in den nächsten 4 Jahren
die Arbeitslosigkeit spührbar zu senken, sei ihre Politik
keine Erfolgreiche gewesen. In ihrer Naivität schlägt
sie "Kombilöhne" vor, die vom Staat bezuschusst werden
sollen, schränkt aber gleichzeitig ein, dass dies der Staat
gar nicht finanzieren könne.
Merkel merkt leider nicht, dass sie mit ihren Vorstellungen
angesichts der Massenarbeitslosigkeit in einer gigantischen Sackgasse
der Kapitalistischen Planwirtschaft angekommen ist, und dass sie
jetzt gerade versucht, dort die senkrechten Wände hochzukriechen.
Allein ihr Festhalten an einer staatlichen Subventionierung von
Arbeit, eigentlich längst als Ding der Unmöglichkeit offensichtlich,
zeigt die gnadenlose Inkompetenz dieser sogenannten Politikerin
und ihrem dilletantischen Anhang auf.
Die Arbeitslosigkeit kann niemals durch Subventionierung von Arbeit
auch nur annähernd beseitigt werden. Die einzig logisch nachvollziehbare
Möglichkeit ist die Verteuerung des direkten Konkurrenten der
menschlichen Arbeitskraft, der technischen Arbeitsleistung in Form
von Maschinen, Produktionsanlagen und Transportmitteln, die fast
ausschließlich aus nicht regenerativen Energiequellen gespeist
werden. Die Verteuerung soll auf keinen Fall willkürlich beschlossen,
sondern aus einem fairen marktwirtschaftlichen Wettbewerb heraus
ermittelt werden.
Ich behaupte,
wenn alle externalisierten Kosten, durch den Energieverbrauch, den
Landschafts- und Rohstoffverbrauch, Mehrkosten wegen sozialer Probleme
usw. auf die Preise der produzierten Waren und Dienstleistungen
aufgeschlagen würden, bekämen wir wieder eine weitgehende
Vollbeschäftigung, weil die menschenliche Arbeitskraft dann
sehr viel günstiger käme, sich gegenüber ihrem Konkurrenten
kaum verteuerte.
Merkels Unfähigkeit zum unabhängigen Überblick gefällt
wohl den Krisengewinnlern aus der Wirtschaft und den eitlen Paradiesvögeln
der Ökonomenzunft, wird uns aber ganz sicher noch tiefer in
die Scheiße reiten.
Apropos: Die sogenannten 7 Zwerge, -Verzeihung-, die "fünf
Wirtschaftsweisen" haben in ihrem Herbstgutachten ihre Prognose
vom Frühjahr über ein Wachstum von 1,5 % auf nunmehr 1,2
% gesenkt.
Wann nimmt endlich jemand denen die Glaskugel weg oder streicht
die Gelder, die hier ständig fürs hochkarätige Orakelieren
aus dem Staatssäckel bezahlt werden?
CCR
18.Oktober 2005: "Der amerikanische
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich besorgt über
die Aufrüstung Chinas geäußert. Zu Beginn seines
ersten Besuches in Peking unterstellte Rumsfeld der chinesischen
Führung, ihre Militärausgaben nicht in vollem Umfang offen
zu legen. Dies nähre Misstrauen, wie Peking seine wachsende
militärische Stärke einsetzen wolle, wurde Rumsfeld von
amerikanischen Medien zitiert." Dies meldet heute abend
die Tagesschau.
Da schaut Rumsfeld irritiert aus der Wäsche.
Erst steigern die Konzerne in seinem Land ihren Profit durch Auslagerung
der Produktion in dieses größte Sklaven- und Arbeitslager
aller Zeiten, steigern damit die nationalen amerikanischen Wachstumszahlen
enorm, lassen die Zunft der ökonomischen Fachidioten jubeln,
scheren sich einen Dreck um die von ihnen externalisierten Kosten
ökologischer, wie sozialer Art, wälzen diese selbstverständlich
auf die nachfolgenden Generationen und die Allgemeinheit ab und
tragen mit ihren Gewinnen natürlich auch zur Fortführung
des größten Militärhaushalts der Geschichte, dem
der USA, bei.
Dann ist es ihm aber gar nicht recht, dass China seine Gewinne eben
nicht für zusätzliche Sahnetorten ausgibt, sondern für
mehr Rüstung.
Wenn China einmal zur Bedrohung werden sollte, dann ist die USA
daran nicht unschuldig. Vor allem aber ist es unser Wirtschaftssystem,
die Kapitalistische Planwirtschaft, welches den Billigimport aus
Ländern wie China erst profitabel macht.
Das falsche Wirtschaftssystem trägt immer auch zur Vorbereitung
des nächsten Konflikts bei, wenn dieser auch erst Jahre später
ausbricht.
Wenn China für uns einmal gefährlich werden sollte, haben
wir es mit einer weiteren Art von Folgen durch Externalisierung
innerhalb der gegenwärtigen ökonomischen Spielregeln zu
tun. Alles ist vernetzt, den Anfängen wehrt niemand, denn das
schadet dem Profit.
CCR
13.Oktober 2005: Zwei Details der neuen
Regierung für Deutschland scheinen nun festzustehen: Merkel
wird Kanzlerin und Müntefering Vizekanzler.
Damit steht ebenfalls fest, dass keine Probleme wirklich gelöst
werden. Wir werden uns mit eitler und umfassender Ahnungslosigkeit
weiterhin herumschlagen müssen.
Gestern war folgende Meldung in den Nachrichten: Vier Wochen
nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren zum Stichtag 30. September
bundesweit noch 40.900 Lehrstellenbewerber ohne Lehrstelle.
Die Zahl sei etwas geringer als im letzten Jahr, jedoch sind die
von Unternehmen und Verwaltungen angebotenen Lehrstellen erneut
deutlich zurückgegangen.
Die sich hinter dem sogenannten Ausbildungspakt versteckenden Institutionen,
Bundesregierung, Wirtschaftsverbände und die BA, konnten mal
wieder nicht anders, als die Entwicklung in ihrer Lehrstellenbilanz
2005 als überwiegend positiv herauszustellen. Wirtschaftsminister
Clement, diese Ausgeburt eines unverfrohrenen Schönredners
in eigener Sache, krönte seinen Abgang mit der höhnischen
Bemerkung: "Der Pakt hat nicht nur die in ihn gesetzten
Erwartungen bislang erfüllt, er hat auch vielen Jugendlichen
wieder eine konkrete Perspektive vermitteln können."
Die Gewerkschaft IG Metall sieht das anders. Bei der endgültigen
Bilanz im Dezember erwartet sie 8000 Lehrstellen weniger als im
Vorjahr.
Was hier nicht mehr übersehen werden darf, ist die Tatsache,
dass der Mangel an Lehrstellen mittlerweile ein festes Systemmerkmal
geworden ist. Wir haben es nicht mehr mit einer Ausnahme, sondern
mit der unangenehmen Regel zu tun.
Leider wird unsere neue Regierung die wirklichen Ursachen für
dieses wachsende Gesellschaftsproblem nicht erkennen, geschweige
denn sie beseitigen.
Die derzeit herrschende und von den Politikern hofierte Kapitalistische
Planwirtschaft kann ihren Plan zur Steigerung des quantitativen
Wachstums nur erfüllen, wenn immer mehr Menschen aus der Produktion
ausgeschlossen werden. Der Schwund an Lehrstellen ist von diesem
Trend nur ein Teil, die reale Massenarbeitslosigkeit aber das dominante
Merkmal.
Der vordergründige Mechanismus, wie ihn uns im Frühjahr
beispielsweise der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Dortmund
abermals weismachen wollte, stellt die tatsächliche Lage lobbyistendienlich
auf den Kopf: -"Wenn die Konjunktur lahmt, bilden die Unternehmen
weniger Lehrlinge aus. Laufen die Geschäfte schlecht, können
es sich viele Unternehmen nicht mehr leisten, einen Ausbildungsplatz
zu finanzieren"-.
In Wahrheit zwingt unsere Ökonomie die Unternehmen dazu, Ausbildungsplätze
abzubauen, um bessere Geschäfte machen zu können und das
Wachstum zu steigern.
Auch das Zweite Argument der Unternehmen, die schlechte Schulbildung
junger Menschen, muss umfassender betrachtet werden.
Es reicht nicht, wenn der DIHT erklärt: "Das Ausbildungsniveau
sinkt von Jahr zu Jahr - in jeder Schulform". Spätestens
seit der Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen
(KFN) von letztem Monat, gibt es eine logisch nachvollziehbare Ursache
für die Verschlechterungen der schulischen Leistungen deutscher
Schüler.
Das Institut befragte 23.000 Kinder und Jugendliche und fand heraus,
je mehr Zeit sie vor dem Fernseher oder der Playstation verbringen,
desto schlechter sind ihre Noten.
Die Ergebnisse der Studie liefern auch erstmals einen Erklärungsansatz
dafür, dass in der Pisa-Studie der Süden Deutschlands
besser abschnitt als der Norden, dass Mädchen besser waren
als Jungen und dass deutsche Kinder erfolgreicher in der Schule
sind als ausländische, als Kinder von Migranten.
In Bayern und Baden-Würtenberg haben viel weniger Kinder einen
eigenen Fernseher oder eigene Spielkonsole als in Nordrhein-Westfalen
beispielsweise, Mädchen viel seltener als Jungen und erst recht
deutsche Kinder weniger als Kinder von Ausländern und Eingewanderten.
Doch wer fördert denn den Konsum dieser Medien bei Kindern?
Wer hat etwas davon, dass möglichst viele Geräte verkauft
werden, dass möglichst viele Sendungen angeschaut, die dort
angepriesenen Konsumgewohnheiten übernommen werden?
Eindeutige Antwort: die Industrie, oder alle Institutionen, die
auf die Steigerung des quantitativen Wachstums scharf sind, ohne
einen Gedanken an die negativen gesellschaftlichen Folgen, an die
langfristigen, ja verhängnisvollen Schäden an unserem
Staat und seinen Menschen.
Wiedereinmal beklagt die Phanax der vereinigten Geschäftemacher
einen Zustand, der durch Umsetzung der eigenen menschenverachtenden
Wahnvorstellung, der kapitalistischen Wachstumsideologie, direkt
verursacht wurde.
Es wird Zeit, ernsthaft über die umfassenden Vernetzungen des
verhängnisvollen Wegs unserer Industriegesellschaft nachzudenken,
um ihn als fatale Sackgasse zu begreifen, und es wird Zeit, den
Übergang in die Kategorische Marktwirtschaft vorzubereiten,
auch wenn die kommende Regierung hier für die nächsten
4 Jahre wieder einen herben Rückschritt verspricht.
CCR
7.Oktober 2005: Was soll man schreiben
in diesen politisch leeren Zeiten? Selbst die deutschen Zeitungen
befinden sich seit nach der Wahl in einem kaltschweißigen
Wartezustand und spekulieren wild durch die Luft.
Die Leser erwarten Informationen, wollen wissen, zu welchen Ergebnissen
der Wahlausgang unser Land führt. Was soll man aber schreiben,
wenn nichts Verwertbares aus der Politik nach Außen dringt,
wenn gar absolut nichts passiert, was nach außen dringen könnte?
Sicher, die Seiten werden auch heuer voll. Drucken lässt sich
immer was, muss halt mehrmals ausgekocht werden was an spärlichen
Knochen noch aufgetrieben werden kann. Und dann vor allem Abwarten.
Warten bis sich die Eitelkeiten der beiden Wahlverlierer
geordnet haben, bis die Dominantesten dieser Dummschwätzerzirkel
in Nadelstreifenuniform die weniger Rücksichtslosen hintenan
postiert haben.
Heraus kommt zur Bekämpfung unserer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise
ja sowieso nichts. SPD und Union, beide Diener der Kapitalistischen
Planwirtschaft, werden, auch für 4 Jahre Zusammenarbeit aufeinandergepresst,
nichts zum Besseren wenden.
Dies mag sich nach Trotz des Machtlosen anhören. Am Ende wird
aber die Phalanx der Mächtigen abermals versagt haben, werden
sie den Niedergang abermals nicht aufgehalten haben, und werden
sie wegen ihrer unverrückbaren Scheuklappen abermals den Grund
dafür nicht erkennen.
Außerdem ist ein Verfechter der Kategorischen Marktwirtschaft
gar nicht machtlos. Die Zeit arbeitet für ihn, für die
Einsicht, dass seine These die derzeit einzig reale ist. Jeden Tag
lassen sich angesichts der Geschehnisse eine Reihe von Indizien
sammeln, dass die Kapitalistische Marktwirtschaft den Niedergang
der Industriestaaten verursacht, und dass wer mit den Scheinlogismen
dieser perversen Wirtschaftsordnung eine Besserung herbeiführen
will, alles nur verschlimmert.
Angesichts der Vorhaben einer großen Koalition kann man nur
erschaudern. Abermals haben wir 4 Jahre Herrschaft der Kurzsichtigen
vor uns, die Geld ausgeben, das sie nicht haben und welches sie
unseren Kindern stehlen.
Abermals wird die privilegierte Klientel der Konzerne und Wirtschaftsführer
bedient mit dem aberwitzigen Argument, dass was der Wirtschaft dient
auch dem Arbeitsmarkt zu gute käme.
Abermals werden die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen
verbraucht, entwertet und dezimiert um die Produktion von seelisch
und körperlich giftigem Müll für die Gattung Mensch
zu subventionieren.
Abermals werden zur Beschönigung der immer gleichen Statistiken
verhängnisvolle Quantitäten aufgepumpt und den Leuten
erzählt, es geschähe zu ihrem Nutzen.
Und abermals kann ich nur hinterherschreiben, versuchen die Enttäuschung
nicht ins Handeln eingreifen zu lassen, den Kopf hoch halten und
mich gegen meine Neigung, angesichts des Dramas zynisch zu werden,
zur Objektivität zwingen und die Chancen, die sich innerhalb
der Kategorischen Marktwirtschaft bieten, anhand möglichst
vielfältiger Details deutlich zu machen.
Zur Zeit ermöglicht mir, wie vielen Bloggern, so etwas wie
eine Herbstdepression angesichts der trüben Aussichten nurmehr
den Spott. An tägliche Beiträge ist gegenwärtig nicht
zu denken.
Am liebsten würde ich hineinschlagen. Doch was würde es
den Klüngel aus angegammeltem politischen Gummi kümmern?
CCR
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Blogarchiv - Monat September 2005
29.September 2005: Es läuft nicht
schlecht. Die beiden großen "Volksparteien"
sind dabei, ihre mittelfristige Selbstenttarnung vorzubereiten.
Momentan sind sie zwar noch auf der Suche nach personellen Details,
aber nach der Wahl in Dresden wird wohl bald ein Ergebnis sichtbar
werden.
Der Mehrwertsteuersatz wird großkoalitionär entsprechend
dem Abschneiden beider Parteien etwa in der Mitte, zwischen nicht
erhöhen und auf 18 erhöhen, eingependelt. Da CDU und SPD
nicht gleich viel Stimmen bekamen, wird er bei etwa 17,090372% festgelegt
werden.
Den Einwänden einiger Parlamentarier, dieser unrunde Wert könne
zu mehr Bürokratie führen, wird mit der Einführung
eines Mehrwertsteuersatzharmonisierungsabschlags begegnet, den Hartz4-Empfänger
mit unterdurchschnittlicher Konsumbeteiligung, Familien mit weniger
als einem halben Kind und Rentner über 70, die noch einen Führerschein
besitzen, aufzubringen haben. Um dabei soziale Härten zu vermeiden,
bekommen diese Gruppen zwei mal im Jahr einen kostenlosen Gutschein
zur Teilnahme an der Glücksspirale und freie Einkaufswagen
bei Lidl und Aldi.
Gesundheitsexperten beider Regierungsparteien sind schon
mit der Ausarbeitung einer Bürgerkopf-Versicherungspauschale
beauftragt worden. Gegenüber der Presse wollte der Kommissionsvorsitzende
Rührendhofer keine Angaben darüber machen, wie die Bürgerköpfe
letztendlich vermessen werden sollen.
Es sickerte lediglich durch, dass an eine Verkaufsaktion besonders
billiger Hüte über flächendeckend ansässige
Discounter gedacht wurde, wobei über ein vollflächig installiertes
Video-Überwachungssystem mit intelligenter Software-Verarbeitung
die persönliche Auswahl der Hutgröße eines jeden
Bürgers erfasst und die individuelle Höhe des Versicherungsbetrags
errechnet werden kann.
Aus den Reihen der CSU wurde laut, einige Bürger könnten
sich entschließen, gar keinen Hut zu kaufen, weil sie den
Schrank noch voller alter Exemplare von kurz vor der Wahl hätten.
Deshalb sei es nötig, den Besitz der Bürgerkopfumfang-Ermittlungshüte
zur Pflicht zu machen. Wenn man von Bürgern einen Führerschein
zur Teilnahme am Straßenverkehr verlange, könne man auch
einen Hut zur Teilnahme am Gesundheitssystem verlangen.
Der liberale Flügel der SPD um Video-Experte Schielauge zeigte
sich besorgt. Die Installation von Videokameras sei zur Terroristenabwehr
zwar an allen öffentlichen Plätzen vertretbar, nicht aber
zur Beobachtung der Bürger beim Hutkauf.
Es sei viel sinnvoller, nur zu registrieren, DASS die Bürger
die Hüte gekauft haben, nicht aber welche Größe
letztendlich ausgewählt wurde. Ein schlauer Gesundheitsteilnehmer
könne extra einen zu kleinen Hut kaufen um so seine Versicherung
klein zu rechnen. Wesentlich effektiver sei es, die Wahlkampfhelfer
beider Parteien nach Abhängen der Wahlplakate zum individuellen
Messen des Kopfumfangs an die deutschen Wohnungen zu schicken.
Wie aus dem ermittelten Umfang der mittlere Durchmesser, daraus
der Versicherungbetrag und hieraus schließlich die zu zahlende
Pauschale ermittelt werden soll, soll spätestens nach Weihnachten
mitgeteilt werden.
Unterdessen konnte ein Pressefotograf Kanzler Schröder beim
Ausprobieren einer Merkelperücke ablichten. Seiner Geistesgegenwart
war es anschließend zu verdanken, dass Schröders Leibwächter
seine Kamera nicht schnappen konnten und ihm die Flucht gelang.
Leider wurde ihm beim Versuch, das Foto zu verkaufen, unterstellt,
eine Fotomontage gebastelt zu haben, und sein Verlag kündigte
ihm mit dem Vorwurf, mit unseriösen Methoden gegenüber
Politikern berühmt werden zu wollen.
Über die Kanzlerfrage darf man also weiter gespannt bleiben.
CCR
20.September 2005: Jetzt ist in den
Parteien die Zeit der Selbstdarsteller, der Eigenentlarver,
die Zeit derer, die einen der über ihnen steht, schon lange
stürzen wollten, die Zeit der Obereitlen, der Nachrechner und
der Zweitreihentaktiker. Jetzt wird aller Blödsinn der vergangenen
Wochen noch mal ausgekocht, vielleicht hat man sich in der Brühe
getäuscht.
Sie müssen koalieren, auch wenn es ihnen sowas gegen
den Strich zieht. Sie müssen Kompromisse akzeptieren obwohl
sie lieber von Anderen Kompromisse erwarten.
Sie schwitzen insgeheim, weil eine Unverschämtheit,
was das Wahlvolk sich erlaubt hat.
Die Grünen sind noch am Besten dran. Sie werden hofiert, können
abwarten und dann abwägen. Zusammen mit schwarz-gelb würden
sie die geringste Gefahr laufen, sich bis zur nächsten Wahl
herunterzuregieren.
Schröder ist kurz vor seinem Abgang. Sein Auftritt als Klein-Gerdchen,
(- ich-will-aber-(motz) -) wird ihm den Rest bescheren. Ob Jamaika
oder große Ko., die SPD scheint vor dem Hauptwaschgang zu
sein.
Lafontaine, den die Altparteiler und vor allem eine große
Zahl von Journalisten vom Schlage geboren in Opportunististan zum
Fußabstreifer erklärt hatten, kann lächeln. Ihn
werden wir noch brauchen, so oder so. Hoffentlich kommt bald programmatisch
mal was Vernünftiges von ihm, sonst wird auch er als politischer
Charakter langsam verdunsten.
Merkel strampelt noch. Entgegen den Absonderungen der Demoskopennasen
ist sie vernachlässigbar. Dass Politstars inhaltlich nichts
drauf haben, ahnt das Volk. Bei Merkel sieht man es indessen.
Und die FDP, hat sie doch wieder massenhaft CDU-Wähler für
die Zweitstimme gewonnen. Sie verbucht es als erarbeiteter Stimmenzuwachs.
Möchte gern wissen, wieviele CDU-Anhänger sich nach der
Wahl in den Arsch beißen wollten, weil sie es mal wieder übertrieben
hatten mit dem Der-FDP-über-die-5-Prozent-Hürde-helfen.
Hah, -besauft euch nicht, das kostet noch mehr Gehirnzellen.
Lassen wir sie mal verhandeln, lassen wir sie mal überlegen,
wie ihr Schäfchen und die Schafherde ihres Anhangs aus dieser
Situation ins Trockene kommt. Vielleicht springt ja auch etwas Politik
dabei heraus, auch wenn die den Niedergang weiter schürt, man
soll ja nicht so undankbar sein.
CCR
19.September 2005: Die Bundestagswahl
hätte angesichts der Stimmenverteilung auf die sich stellenden
Parteien kaum besser ausfallen können.
Ich würde mir eine große Koalition wünschen, nicht
weil dies, wie es viele Kommentatoren darstellen, unsere Probleme
angeblich besser lösbar macht. Sicherlich, SPD und UNION behindern
sich in etlichen Entscheidungen gegenseitig. Eine erzwungene Zusammenarbeit
könnte hier für zügigeres Durchziehen von Maßnahmen
sorgen, nur, von was für Maßnahmen? Alle Rezepte dieser
halbrechten und halblinken Lobbyisten der Kapitalistischen Planwirtschaft
sind schlichtweg an der Realität vorbeigerichtet, seien es
die bisherigen oder die kommenden. Unsere Krise ist ein Produkt
der Politik dieser Leute.
Eine große Koalition hätte viel mehr folgenden Nutzen:
Der realpolitische Dilletantismus dieser Parteien würde am
eindrucksvollsten zur Schau gestellt. Es würde viel neues hirngespinstiges
erfunden und als Reformen gegen die Krise verkauft werden, und immer
tiefer würden wir in den Sumpf versinken, weil alle Maßnahmen
der beiden großen Parteien nicht im Bewusstsein der eigentlichen
Ursache für die Krise erdacht werden. Fatalerweise wäre
eine Koalition aus SPD und Union der beste Garant für die Fortsetzung
des Niedergangs.
Wir alle würden darunter leiden, aber die Amateurhaftigkeit
dieser Politiker könnte so richtig deutlich werden. Die kleinen
Parteien könnten dazugewinnen. Schlichtweg durch Unterlassung
ihrer Rezepte würden sie sich bescheiden profilieren können.
In der Opposition lässt es sich leicht meckern.
Vor allem aber, und dies ist das Entscheidende, könnte die
Notwendigkeit für eine ganz neue Kraft ins Bewusstsein dringen.
Den Menschen ließe sich angesichts der universellen Erfolglosigkeit
der etablierten Parteien ein anderes Konzept, basierend auf einem
weit umfassenderen Ansatz, nahebringen. Der Thesenkomplex der Kategorischen
Marktwirtschaft ist geeignet, einen Weg zwischen Kapitalismus und
Sozialismus sichtbar zu machen. Im Gegensatz zu allem, was bisher
unter einem "Dritten Weg" entworfen wurde, wäre
hiermit erstmals eine realistische Alternative aufgezeigt, sehr
viel realistischer, als die abwegigen Fantasien der bisherigen Niedergangsparteien.
Es klingt natürlich zynisch, dass erst durch eine weitere Verschärfung
der Problematik eine Besserung in Sicht kommen soll, aber ich denke,
dies ist der Lauf der Welt. Warum sollte ich in die Illusion verfallen,
die Verhältnisse würden sich rechtzeitig zum Guten ändern?
Zwar sind meine Versuche, mit den Thesen unter restmuellnet.de in
die öffentliche Diskussion zu kommen, bisher von wenig Erfolg
gekrönt gewesen. Ich bin gerade etwas ratlos, wie soll ich
die Kategorische Marktwirtschaft bekannt machen, wenn ich damit
nicht über diese Website hinaus komme?
Ob große Koalition, "Ampel-" oder "Jameikakoalition",
in jedem Fall braucht unsere Gesellschaft eine realistische Politik.
Egal welcher Zusammenschluss von Parteien nach dieser Wahl den Niedergang
fortsetzt, die Kraft der Zukunft muss jetzt heranreifen. Diese Kraft,
sei es eine neue Partei oder eine andere mächtige Art von Initiative
auf der Grundlage der Kategorischen Marktwirtschaft, ist der einzige
Lichtblick, der uns noch bleibt. Wenn wir auch noch völlig
machtlos sind, nach dieser Wahl uns klein vorkommen wie eine Maus,
arbeiten wir doch weiter an den Grundlagen für eine menschliche
Politik, die ohne Ausbeutung der Zukunft auskommt. Nur dieses braucht
die Welt wirklich.
CCR
15.September 2005: Je näher die
Wahl rückt, desto sarkastischer werde ich. Am liebsten würde
ich schnell noch ein paar Plakate malen und sie an der B41 aufhängen.
Richtig harte Sprüche müssten draufstehen, etwa "SPDCDUGRÜNEFDPLINKE
- welches Schweinerl hättens denn gerne?" Dieser Ausspruch
von Robert Lembke aus seiner Sendung "Was bin ich?", ist
nicht allzu böse, drückt aber ein wenig die Sinnlosigkeit
dieser bevorstehenden Staatszeremonie aus.
Vielleicht sollte man das Tier wechseln um nicht in den Verdacht
zu kommen, Politiker generell als Schweine zu betiteln. Immerhin
war es ja Robert Lembkes Idee, seinen Gästen Sparschweine anzubieten,
wo er die 5-Mark-Stücke reinwerfen konnte. Zugegeben, an die
Wahl hat Lemke nicht gedacht.
Gut passen würde aber auch der Bock, wenn ich ihn nicht erst
vor wenigen Tagen schon bemüht hätte. Aber der Bock
im Garten ist unübertreffbar. Jeder, der einen Garten hat
und ihn auch noch liebt, würde sich schütteln bei dem
Gedanken ein solch stures Vieh steht unbemerkt in den Beeten und
frisst gnaden- und unterschiedslos alles ab. Am Ende bleiben nur
Disteln, Bohnenstangen und Erbsenreiser übrig.
Ein Elefant oder ein Nilpferd würde auch passen. Die zarten
Pflänzchen würden hier halt mehr platt gemacht als weggefressen.
Ja, Wildschweine gehen natürlich auch. Die wühlen alles
auf und suchen erst mal die leckeren Knollen. Das Ergebnis für
unsere geliebten Gemüsepflänzchen ist dasselbe. Ich erinnere
mich noch an die eine Wiese vor unserem Ort, da, wo ich Brennholz
gemacht hatte im Februar. Der Angestellte der Jagdpächter war
hier 3 Tage beschäftigt, um die Fläche wieder einigermaßen
eben zu bekommen, damit der Besitzer wieder mähen konnte.
Oder die berühmte Büffelherde, wo ich doch gestern abend
erst die 4 Std-Version von Kostners "Der mit dem Wolf tanzt"
angeschaut habe. Eventuell kann man auf die Büffel verzichten,
wenn auch nicht auf dieses grandiose Bild mit der gigantischen Staubwolke
am Horizont, wenn die Herde unüberschaubar groß an der
Hütte vorbeidonnert und innen das Geschirr im Regal das Klappern
anfängt, und schließlich auf den Fußboden fällt.
Man stelle sich vor, sie trampeln alle heran. Merkel, Schröder,
Fischer, Lafontaine, Westerwelle, jeweils hinter sich sämtliche
Kompetenzteamisten, die Fernsehbekannten und die von der Reservebank,
dazu sämtliche Nachwuchspolitiker und führende Generäle
der Parteisoldaten, fortgeschrittene Plakataufhänger und Omaüberzeuger.
Sie drängeln heftig, schubsen sich, wollen erster sein und
achten nicht auf den Boden unter sich.
Und dann unser geschätzter Garten im Weg, - ich kann nicht
hinsehen!
Die Parteien der Kapitalistischen Planwirtschaft werden abermals
legitimiert werden, weitere 4 Jahre zu zerstören. Derzeit gibt
es kein Mittel, sie davon abzuhalten. Noch 3 Tage und wir werden
wissen, wer denn von ihnen die gründliche Demontage der Zukunft
hauptsächlich fortsetzen darf.
Es ändert sich nur die Farbe der Scheuklappen an den Figuren,
die Politik ändert sich nicht.
In unserem Garten wird kein Kraut Bestand haben. Es werden keine
wohlschmeckenden Früchte zu ernten sein. Lediglich Bilder von
ihnen wird man uns zeigen, und uns versprechen, was man uns immer
verspricht. Wenn dann nach einer Zeit eine weitere Politikerwelle
sich die Pensionen gesichert hat, kommt dann wieder Wahl, die Zeitungen
bringen wieder überflüssige Berichte, ernstguckende Fachleute
werden den Haufen Scheiße wieder als hochkomplexes Objekt
erklären, in dem einige Silberstücke zu finden seien und
es wird genauso sein, wie heute. - Wenn wir bis dahin nicht die
Kategorische Marktwirtschaft ins öffentliche Bewusstsein gebracht
haben.
CCR
13.September 2005: Die Überarbeitung
des Teils 3 ist fertig. Der Prozessverlauf ist nun vollständig
einsehbar.
Auch die Seite -Über RestmuellNet- wurde ganz neu geschrieben.
Einige Leser haben zu Recht kritisiert, dass hier eigentlich in
sachlicher Form der Zweck und das Anliegen von restmuellnet.de beschrieben
sein müsste. Ich hoffe, diesen Wunsch nun erfüllt zu haben.
Leider hat die Fortführung des Blogs wiedereinmal gelitten,
nicht weil es keine Themen gäbe, sondern, weil mir die Zeit
zum Schreiben nicht jeden Tag zur Verfügung steht.
PS.: Die neuesten Großplakate der CDU, mit einem Foto ihrer
Kandidatin, lassen sich wunderbar und mit einfachsten Mitteln ins
Lächerliche ziehen. Lediglich unter das rechte Auge von Angela
Merkel, die hier wirklich ziemlich treu-doof guckt, mit schwarzem
Stift eine Träne malen - Fertig!
CCR
8.September 2005: Deutschland schickt
nun Katastrophenhelfer vom Technischen Hilfswerk samt schwerem
Gerät nach New Orleans. Große leistungsfähige
Pumpen, die auch schon beim Oder-Hochwasser vor drei Jahren überflutete
Gebiete trocken legten, und andere technische Hilfsmittel, werden
zusammen mit den Männern mit US-Transportmaschinen in die gebeutelte
Region geflogen.
Die ganze Welt wundert sich, dass die starke Nation USA, die den
"Terror überall in der Welt bekämpft", die mit
enormen finanziellem Aufwand in den Irak einmarschiert ist und diesen
immer noch versucht zu kontrollieren, die sich als Retter der Welt
sieht, als Bringer der Demokratie, als muskelbepackter Actionman
gegen die Millionen Bin Ladens drum herum, als führende Kapitalmacht,
am Unglück von New Orleans derart scheitern konnte.
Präsident Bush, diese unsägliche Witzfigur, kann seinen
Landleuten ja erzählen, dass es ihm Leid tut, aber dass die
tapfersten Männer nun mal im Ausland gebunden seien, um die
glorreiche Nation vor den bösen Fundamentalisten zu schützen.
Er vermeidet dies, weil er offensichtlich die Überrennung seines
Landsitzes durch die immer mehr Ausgestoßenen von der schicken
amerikanischen Gesellschaft vermeiden will.
Ich glaube, ihm gehen dieser Tage zum ersten Mal gehörig die
Muffen. Nach der Hurrikan-Attacke wird es für die Welt richtig
deutlich, dass diese USA lediglich noch eine große Fassade
ist, hinter welcher der letzte Rest von Substanz unaufhörig
bröckelt. Jetzt ist schon von 25.000 Leichensäcken die
Rede, die in die Region geliefert werden.
Wie konnte es zu so vielen Toten kommen? Kann die Welt einem Staat,
der sich in punkto Krisenmanagement gegenüber der eigenen Bevölkerung
als Versager outet, noch länger irgend eine führende Rolle
in der Welt zugestehen?
Wie weit soll der Verfall des Roms der Gegenwart noch voranschreiten,
bis wir erkennen, dass unsere Abhängigkeiten und Verbindungen
zu Amerika auch uns langfristig schweren Schaden zufügen? Dieses
Musterland der Kapitalistischen Planwirtschaft, dieser auf Ökonomie
fixierte Koloss, der ohne Bedenken seine Profite durch Abwälzung
der größten Produktionskosten, auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen erzielt. Diese rücksichtloseste
und egoistischste aller derzeitigen Regierungen, die unsere Erde
ausplündert und Elend und Zerstörung hinterlässt
und die vor Vampirismus an den eigenen Leuten nicht zurückschreckt,
wir müssen uns abkoppeln, statt deren Ideologie in Form des
Neoliberalismusses allmählich zu übernehmen und uns irgendwann
genauso fern vom eigentlichen Leben wiederzufinden.
Wir müssen der destruktiven anglo-amerikanischen Wirtschaftsform
ein menschliches Ökonomiemodell gegenüber stellen, sonst
wird diese abgehobene Dekadenz auch uns irgendwann sämtliche
Sinne für die Realität vernebeln, und bei dem geringsten
Knüppel zwischen den Beinen im Lauf des Alltags werden wir
ebenso stolpern, vielleicht auch gehörig auf die Fresse fallen.
Die Rettungskräfte in New Orleans werden jetzt davor gewarnt,
mit dem Überschwemmungswasser in Berührung zu kommen.
In ihm sind Unmengen von Bakterien, Chemikalien und Substanzen wie
Blei enthalten, so dass ein Spritzer auf der Haut schon zu ernsthafter
Erkrankung führen kann.
Das muss man sich mal vorstellen, ganz New Orleans ist praktisch
bedeckt von einem See aus Sondermüll. Wo wollen denn die
THW-Helfer mit ihren Hochleistungspumpen diesen Cocktail hinpumpen?
Sie werden wohl Anweisung erhalten, die giftige Suppe dorthin zu
befördern, wo der geringste Widerstand dagegen zu erwarten
ist, nämlich ins Meer.
Doch wer stellt die Frage, woher neben den Bakterien im Flutwasser
eigentlich diese Mengen an giftigen Chemikalien kommen? So entsorgt
die Kapitalistische Planwirtschaft wieder einmal ihre unliebsamen
Hinterlassenschaften auf Dritte. Die Hurrikan-Katastrophe wird neben
dem menschlichen Elend auch zum gigantischen Beispiel für die
Externalisierung von Produktionsfolgekosten auf die Weltgemeinschaft
und unsere eigenen Kinder.
Deshalb noch einmal und auch angesichts dieser Not in Amerika: Es
wird Zeit für die Kategorische Marktwirtschaft!
CCR
7.September 2005: Die große
Show kommt so langsam in ihre Endphase. Bis zum 18ten werden
wir wissen, wer von den beiden Schauspielern den ersehnten Freibrief
vom Volk erhällt, um ungestört mit seinen Anhängern
vier Jahre lang am gefüllten Euter der Mutter Staat
saugen zu dürfen.
Wer von den im Angebot stehenden Scheuklappenträgern, auch
Politiker genannt, nun die große Entscheidungsgewalt erhält,
ist eigentlich völlig zweitrangig. Keiner von ihnen hat bis
jetzt auch nur im Ansatz eine realistische Analyse für die
Gründe der gegenwärtig epidemierenden Wirtschafts- und
Gesellschaftskrise vorgelegt. Alle wissen sie sich lediglich aus
der mit Spinnweben übersähten Mottenkiste der veralteten
Ökonomie zu bedienen und merken noch immer nicht, dass die
Medizin der 1950er Jahre für die gegenwätige Lage blankes
Gift ist.
Mittlerweile fällt es mir sehr schwer, beim Beschreiben dieser
gnadenlosen Unfähigkeit der momentanen und der baldigen Strippenzieher
noch einigermaßen objektiv zu bleiben.
Alles ist schon gesagt. Deutschland wird aus dem Angebot dieser
hungrigen Selbstdarsteller mal wieder einen mit andersfarbigem
Gärtnerkostüm verkleideten Bock in unser aller
Garten schicken und wieder die vergebliche Illusion hegen, dieser
könnte dort endlich Gemüse und Blumen zum prächtigen
Gedeihen bringen.
Wieder wird Deutschland sehen, wie vier Jahre lang nur abgefressen
und verkotet wird, um sich dann, vor der nächsten Wahl, abermals
einen großen Korb voll Ausreden einerseits und einen solchen
voll Besserwisserei andererseits überschütten zu lassen.
Dann werden die Stühle getauscht und das Spiel geht von Neuem
los, usw.
Aber Moment mal, - wo bleibt eigentlich unser Volk, wo bleiben die
Menschen in Deutschland während dieser teuren aber nutzlosen
Dauerinszenierung, die auch Politik genannt wird.
Die Meisten im Lande glauben offenbar, dies müsste so sein.
In allen Medien wird das Thema, die Statements der Politikstars
mit voller Ernsthaftigkeit dargestellt. Das Beste allerdings, was
Deutschland passieren könnte wäre eine große
Koalition der Journalistinnen und Journalisten zu dem Zweck,
jegliche Ernsthaftigkeit aus der Parteipolitik abzuziehen und nur
noch belächelnd und ironisch darüber zu berichten.
Wann bekommt diese elende sich gnadenlos wiederholende Karussellfahrerei
endlich den angemessenen Stellenwert? Was geht in den Köpfen
dieser Männer und Frauen in den Redaktionen vor, wenn sie abermals
über Ergüsse aus Merkels oder Schröders Lager berichten
sollen, oder über diese aus den anderen drei relevanten Politlobbyzirkeln?
Früher stellte ich mir einmal vor, was in den Köpfen von
amtlichen Schuldeneintreibern so vor sich geht. Nach einem Fernsehbericht
über deren Arbeit, - sie klauben hauptsächlich bei den
ganz armen Leuten die letzten Euros zusammen, - konnte ich nicht
verstehen, wie diese abends beruhigt Feierabend machen können.
Den ganzen Tag mussten sie Schuldner in verwahrlosten Sozialwohnungen
aufsuchen um diese zum Herausrücken der letzten Scheine zu
überreden, alle arbeitslos, teilweise alkoholabhängig,
schlecht ernährt, keine Freude, Kinder werden nur kommandiert,
oder das letzte Geld für zeitgeistobligatorische Konsumartikel
ausgegeben, damit das Mobbing einigermaßen erträglich
bleibt. Da ziehen diese amtlich beauftragten Eintreiber tagtäglich
von Einzelelend zu Einzelelend und werden dafür bezahlt. Ihnen
bleibt keine Möglichkeit, sich gegen die Ursachen dieses Elends
zu stemmen. Dessen Existenz sichert sogar noch ihr Einkommen.
Ebenso muss es Menschen im Journalismusberuf geben, die sich abends
auch fragen, wieso sie eigentlich helfen, diesen in der Vorwahlzeit
besonders geruchsintensiven Mist am Kochen zu halten.
Ob es nicht gelingen kann, gemeinsam auszubrechen, im großen
Chor endlich einvernehmlich zu schreien: -"Es reicht jetzt!"-
und den Politikern samt ihren Zuarbeitern aus Wirtschaft und
Ökonomiewissenschaft Narrenkappe und rote Nase aufzusetzen
und ein Schild um den Hals wo drauf steht: "Ernst nehmen
gefährdet die Zukunft unseres Landes!"
CCR
5.September 2005: Wer hat sich gestern
nicht das TV-Duell zwischen den beiden Kanzlerkandidaten
angesehen.
Beide waren lässig, gepflegt aussehend und auf weiten Strecken
cool. Deutlich merkte man, dass Merkel und Schröder sich gut
vorbereitet hatten und dies auf die gleiche Art und Weise: Sie hatten
sich eine Reihe von Redeblöcken zurechtgelegt, die dann, mit
ein oder zwei frei gesprochenen Einführungs- und Überleitungssätzen,
zum besten gegeben wurden. Dies war auch der Hauptgrund für
den Eindruck, dass keiner der beiden auf die gestellten Fragen antwortete.
Die vier Journalisten bemühten sich geduldig ihre Fragen
vollständig zu stellen, wurden aber meist vom zu früh
einsetzenden Redeschwall der Kandidaten unterbrochen. Wie kann man
denn auf eine Frage antworten, die man sich gar nicht ganz angehört
hat? Beide Politiker klammerten sich derart streng an die vorgefertigten
Einzelstatements, dass der letzte Satz des ausgesprochenen Gedankens
oft unter die Räder des nächsten, sich vorschnell schon
ins Bewusstsein hineindrängenden Gedankens kam. Gesichtsausdruck,
Körperhaltung und Tonfall von jedem der beiden hatte meist,
nach glücklich zu Ende gebrachtem Redebeitrag, einen Ausdruck,
dass ich meinte, jetzt sind sie fest davon überzeugt, diese
Etappe gewonnen zu haben, jeden Moment müsste eigentlich tosender
Applaus einsetzen.
Merkel erzählte Privates von Paul Kirchhof, Schröder
punktete mit dem Bild von den Deutschen als Versuchskaninchen der
Vorschläge Kirchhofs. Den von Kirchhof geforderten vollständigen
Subventionsabbau zog er geschickt ins Düsterste, indem er nur
das anführte, was die Arbeitnehmer betrifft, - altbekannte
Taktik unter der Überschrift -Mit Halbwahrheiten zum Ziel -,
und sich demgegenüber dann als Retter positionierte.
Die Äußerungen Merkels zum Privaten machten Kirchhof
durchaus sympatisch, sie erzählte von seinen vier Töchtern
und dessen Kindern. Dies versprühte unausgesprochen eine gewisse
Alltagskompetenz Kirchhofs.
Schröder betonte, wie er seine Frau bewundere. Des Kanzlers
Liebesbekenntnis an sie, mit ernster Mine und nachdenklichem Blick
vorgetragen, war eher kitschig. "Das ist der Grund, warum
ich sie liebe", "weil sie lebt, was sie sagt".
Sofort danach obsiegte wie ein Rums für eine kurze Sekunde
lang eine gehörige Portion Peinlichkeit.
Merkel lobte sich als damalige Familienministerin. Schröder
führte wiederholt an, sie hätten 4 Millarden in die Kinderganztagsbetreuung
gesteckt, "wir waren die ersten". Immer wieder
werden die gestellten Fragen nicht beantwortet. Einmal jubelt Maybrit
Illner, weil Merkel nach langer Abschweifung die gestellte Frage
noch weiß. Merkel betont ständig, dass sie kämpfen
wird. "Wir haben ganz reale Chancen, dass wir es schaffen
können. Dann werden die Weichen gestellt, dass es mit Deutschland
wieder aufwärts geht."
Auf die Frage, wer denn nun den besseren Eindruck hinterlassen
hat, würde ich antworten: die vier Journalisten und Journalistinnen.
Sie stellten gute Fragen, wenn diese auch nie direkt beantwortet
wurden. Sie ließen sich auch nicht im vollständigen Ausformulieren
unterbrechen. Lieber akzeptierten sie, dass sie und einer der beiden
Politstars gleichzeitig redeten und man gar nichts mehr verstand,
als dass sie vor Ende ihrer Frage kapituliert hätten. Dies
gab den eigentlichen Fragen einen seriöseren Anstrich als den
scheinbaren Antworten.
Sofort nach dem Auftritt der beiden Politiker wurde die Statistik
veröffentlicht, in der Schröder zwar den besten Eindruck
hinterlassen habe, Merkel aber besser abgeschnitten hätte als
erwartet. So nahmen beide Stars ihren Grund mit nach Hause, sich
auf die Schulter klopfen zu können. Alle sind zufrieden, aber
nichts hat sich verändert.
Was bedeutet dieses "Fernsehduell" aber für die Politik
dieses Landes? Welche Aussichten eröffnen sich für die
nächsten Jahre?
Merkels Zauberwort hieß wie erwartet Wachstum. Überall
brachte sie es an. Schröders Botschaft war die gleiche,
wenn auch mit anderen Worten. Weil ich weiß, was von beiden
unter Wachstum verstanden wird, habe ich nicht die Spur einer
Hoffnung. Wirtschaftswachstum herkömmlicher Art vernichtet
neben den natürlichen Lebensgrundlagen direkt Arbeitsplätze
für Menschen. Deshalb ist Merkels Schwur, "Sozial ist,
was Arbeit schafft", als Disqualifikation, als Offenbarungseid
ihrer sozialer Kompetenz anzusehen. Ebenso hat auch Schröder
nicht begriffen, dass Wachstum Arbeit direkt abschafft.
Nicht die Spur der Einsicht in die Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft.
Beide Parteiführer fahren weiter dem Niedergang entgegen, weil
sie stur weiterpropagieren, was unsere Gesellschaft kaputt macht.
Meine Prognose wird sich bewahrheiten. Es herrscht weiter unnützes
Geschwätz, die ungebrochene Dominanz der falschen Berater und
die subtile Herrschaft der wenigen Nutznießer dieser Kapitalistischen
Planwirtschaft.
Und ich weiß immer noch nicht, wie die Thesen zur Kategorischen
Marktwirtschaft in die öffentliche Diskussion gebracht werden
können. Dann erst würde es interessant werden mit der
Diskussion um unsere Zukunft, wenn nicht immer nur die gleiche altbackene
Politik, lediglich in unterschiedlich gefärbten Parteikostümen
wiedergekäut werden würde.
CCR
2.September 2005: Vom Urlaub wieder
zu Hause schlittere ich schneller in die alten Alltagszwänge
hinein, als mir lieb ist.
Von den liegengebliebenen Ausgaben der Rhein-Zeitung lese ich nur
die letzten zwei vom 30. und 31. August. Ab September kommt keine
Tageszeitung mehr. Die Redaktion hat mich mit einem Standartbrief
gebeten, die Gründe für die Abokündigung über
eine kostenlose Telefonnummer mitzuteilen. Bis heute hab ich dort
noch nicht angerufen.
Allerdings bestätigen die beiden letzten August-Zeitungen meinen
Entschluss noch einmal deutlich.
Ich will keine täglichen Infos mehr von dieser strukturkonservativen
Journalistenclique, keine politischen Halbwahrheiten als Kommentar
verpackt, keine Werbestapel jeden Tag, keine lokalen Banalitäten
("Rentner säuberten Spielplatz"). Mehr Zeit fürs
übrige Papier.
Die beiden herausstechendsten Meldungen waren am 30. und 31. die
Katastrophe um New Orleans und die Berufung des Siemens-Chefs
zum Merkel-Berater.
Es hängt mir mittlerweile dermaßen zum Halse heraus,
immer diese Scheuklappenträger aus der Wirtschaft als Erneuerer
vorgestellt zu bekommen. Von Pierer ist nur ein weiterer
dieser kurzsichtigen Anhänger der Kapitalistischen Planwirtschaft,
zu denen mir in Anbetracht der Regeln einer Kategorischen Marktwirtschaft
nur einfällt: Wehe, wenn sie losgelassen!
Von Pierer will alle nutzlosen Grausamkeiten noch einmal aufwärmen
und die deutsche Bevölkerung zum Verzehr zwingen. Wir werden
uns teilweise abermals übergeben und am Ende noch mehr Arbeitslose
und Schulden akzeptieren müssen.
"Investitionsbremsen lösen", "klare
strategische Ausrichtung Deutschlands in Richtung Innovation und
Wachstum", "ein Rat aus zehn Wissenschaftlern und
Managern soll sich vier mal im Jahr treffen und Merkel Tipps geben,
wie man für mehr Innovation und Wachstum sorgen kann".
Der weitere Niedergang unserer Gesellschaft ist damit vorprogrammiert.
Dies wird jeder bestätigen, der sich mit den Thesen zur Kategorischen
Marktwirtschaft und den sich daraus ergebenden Regeln für unser
aller Zusammenleben beschäftigt hat.
Leider bewege ich mich mit meinen Apellen immer noch wie der einsame
Rufer in der Wüste. Sämtlicher Medienjournalismus stürzt
sich wohlwollend oder ablehnend auf die Eruptionen der etablierten
Parteien, statt eine neue, viel umfangreicher greifende Alternative
aufzunehmen und zu diskutieren.
Letzte Woche, als ich durch die Kölner Innenstadt ging, drückte
man mir eine kostenlose Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
in die Hand. Normalerweise lese ich dieses Blatt nicht, deren politischer
und wirtschaftlicher Teil gründlich von der Ideologie der Kapitalistischen
Planwirtschaft durchseucht ist.
Einmal kam ich dann doch ins Schmunzeln, als ich wieder mal eine
Momentaufnahme des unsäglichen Konjunkturprognosen-Auf-und
Abs las. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist mal wieder gefallen.
Ifo-Chef Hans-Werner (Un-)Sinn konnte es sich wieder mal nicht verkneifen,
der Öffentlichkeit von seinen neuesten Masturbationsergebnissen
zu berichten.
Ich frage mich echt, wieso keine der Redaktionen, die über
Untersuchungen von Wirtschaftswissenschaftler berichten merkt, wie
vollständig sinnlos deren Arbeit mittel- und langfristig eigentlich
ist. Auch kurzfristig taugt sie nur zum Bedrucken von Papier, welches
morgen im Abfall landet und selbstverständlich auch zur Rechtfertigung
der finanziellen Bezüge dieser sektendienlichen Orakelisten
und Glaskugelgucker mit erhobener Nasenspitze.
Naja, vielleicht spielen Wirtschaftsjournalisten und Wirtschaftswissenschaftler
nur gerne Ping-Pong und verkleiden dies mit Seriösität,
damit es keiner merkt.
CCR
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Blogarchiv - Monat August 2005
29.August 2005: Als einen absoluten
Kontrast zu den Geschäften mit ihren Waren und den sich durch
die Straße wälzenden Menschenmassen, empfand ich in der
Kölner Fußgängerzone den schweigenden Protest
einiger älterer Frauen, die ganz in schwarz gekleidet
waren.
Sie hielten neben einer Reihe kleinerer auch ein großes Tranparent
hoch, worauf auf schwarzem Grund mit weißer Schrift geschrieben
stand: Wir protestieren gegen 38 Jahre Besatzung. Ich ging auf sie
zu und fragte, welche Besatzung sie denn meinten, worauf ich mit
zweien der Frauen ins Gespräch kam. Ihr Protest richtete sich
gegen 38 Jahre Besetzung palästinensischen Landes durch
den Staat Israel.
Sie verstanden sich als deutsches Äquivalent zu jüdischen
Frauen in Israel, die seit vielen Jahren gegen die Gewaltherrschaft
ihrer eigenen Landsleute über das palästinensische Volk
protestieren, weil sie der Meinung sind, ohne vollständige
Rückgabe der besetzten Gebiete wird es niemals einen
echten Frieden geben.
Von solchen Protesten wird in Deutschland nicht berichtet. Dies
fügt sich nahtlos in meine eigene Erfahrung ein, dass jegliche
Kritik an der Politik der israelischen Regierung sofort mit Antisemitismus
auf eine Stufe gestellt wird.
Um die zweifelhafte Rolle der Schutzmacht USA zu verdeutlichen,
verteilten sie die Kopie eines Interviews mit Noam
Chomsky aus der Ausgabe von Publik-Forum Nummer 8/05, in welchem
schwere Vorwürfe gegen die Amerikaner und ihre Israelpolitik
erhoben werden. Im Archiv von Publik-Forum konnte ich das Interview
nicht finden, wohl aber auf einer Internetsite aus Österreich.
Dieses Interview
sollten alle lesen, die sich nicht mit der Berichterstattung nur
einer Kofliktpartei und dem weitgehend opportunistischen Verhalten
der deutschen Politiker zufrieden geben wollen. Aus Deutschland
gibt es so gut wie keinen Kommentar dazu, dass die Räumung
des Gaza-Streifens durch Israel eigentlich lediglich zur Blendung
der Weltöffentlichkeit geschieht, um das West-Jordanland mit
seinen Wasservorkommen, noch fester im Griff behalten zu können.
Unter dem Gesichtspunkt der Kernaussage meiner Website restmuellnet
betrachtet, stellt die israelische Palästinenserpolitik der
letzten Jahrzehnte eine besonders schwere Form von Schadensexternalisierung
dar.
Jeder Tag, der vergeht, ohne dass der Konflikt für beide Seiten
akzeptabel gelöst wird, verschiebt den Beginn eines langwierigen
Heilungsprozesses in die Zukunft, verlängert den quälenden
Kriegszustand für beide Parteien, erzeugt neuen Hass, neues
Leid, Angst, Tod und Verderben.
Jede Stunde, die ohne die Aussicht auf Frieden verstreicht, bedeutet
eine Stunde mehr Krieg für die nachfolgenden Generationen,
die nach einer ungewissen Normalisierungsperiode irgendwann einmal
ein Leben frei von ständiger Bedrohung und Ungewissheit führen
wollen und an welchen es schließlich hängenbleibt, diesen
Krieg mittels einer gewaltfreien Politik hinter sich zu bringen.
CCR
28.August 2005: Am Freitag bin ich
in der Kölner Innenstadt gewesen, durch die Hauptkonsummeile
Schildergasse hin zum Kölner Dom. Die vielen Eindrücke
dort ließen sich zu etlichen Artikeln verarbeiten.
Das ungeheure Angebot an bunten und aberbunten Dingen hat
mich nicht beeindruckt. Vielleicht ist es zu verallgemeinert und
klingt etwas arrogant, aber dieser Pomp verursacht in mir das gegenteilige
Gefühl von dem, was seine Produzenten und Verkäufer eigentlich
beabsichtigen. Es regt sich überhaupt kein Wunsch, irgend etwas
der Waren hinter Schaufenstern, auf Tischen und Regalen besitzen
zu wollen und mein Geld dafür auszugeben, mal abgesehen von
Dingen, die sich als Mittel zum Zweck eignen.
Die kritische Beschäftigung mit unserer konsumorientierten
Gegenwart, die Erkenntnis, dass wir von der Wirtschaft zu reinem
Konsumvieh erzogen werden mit der Nebenwirkung, mitverantwortlich
für die beiläufige Zerstörung der Lebensgrundlagen
unserer Nachkommen zu sein, hat mir eine stabile Immunität
verschafft, ein Bewusstsein, welches von der Wirtschaft auch mit
übelster Suggestion nicht mehr beseitigt werden kann.
Leider geht es der Masse anders. Man haue den Menschen sämtliche
Ideale aus dem Kopf oder verhindere deren Entstehung und schon sind
sie bereit, mit zweckdienlichen Metastasen aus Kaufbereitschaft
infiziert zu werden.
Der alles beherrschende Lobbyismus konzentriert sich auf zwei Aufgaben:
Zuerst macht man die Köpfe leer von Moral, Mitgefühl,
Religion und sonstigen menschlichen Idealen. Dann lassen sie sich
füllen mit Moden, Ängsten und auf lange Sicht funktionierenden
Zwängen. Kaufe ich, dann bin ich, soll die Parole sein.
Mittlerweile kann der erste Schritt oft schon weggelassen werden,
da es kaum noch zur Ausbildung einer zeitgeistunabhängigen
Persönlichkeit kommt. Selbst Lehrer und Erzieher unterliegen,
wie die meisten Eltern auch, der alles überkriechenden Suggestion
vermeintlicher Modernität.
Meine Botschaft ist eine Andere. Gegenwärtig muss sie lauten:
Wer kauft, zerstört, zumindest im gegenwärtigen
ökonomischen System. Er zerstört die Perspektiven seiner
eigenen Kinder, aber auch seine eigene Identität. Zumindest
beschädigt er sie und tauscht seine Individualität in
weiten Bereichen gegen die Uniformität, der Hauptvoraussetzung
für Quantitatives Wachstum. Die meisten Leute in der Schildergasse
tragen Masken, ohne es zu wissen. Vielleicht sind sie auch nur noch
Hülle ihres früheren Ichs, sofern sie überhaupt Gelegenheit
hatten, ein Ich zu entwickeln.
Was mich in diesem Zusammenhang seit längerem beschäftigt
ist die Überlegung, ob nicht auch eine große Chance aus
diesem, zunächst beklagenswerten, Ist-Zustand abgeleitet werden
kann.
Wenn die Köpfe der Menschen leer sind, sodass sie mit
konsumdienlichen Informationen gefüllt werden können,
diese Informationen aber sehr kurzlebig sind und der ständigen
Erneuerung bedürfen, entsteht dadurch nicht irgendwann die
unbewusste Sehnsucht nach einer neuen Stabilität? Wieso ist
das Interesse für Esoterik, die Anziehungskraft evangelikaler
Zirkel und Sekten, die Suche nach starken Autoritäten, wenn
auch oft zweifelhaften Charakters, so stark?
Ist hier der gleiche Mechanismus am Werk, der schon immer in der
Geschicht das Alte beendet und dem Neuen zum Durchbruch verholfen
hat? Ist es so undenkbar, wenn man den Suchenden statt fragwürdiger
neuzeitlicher Mentalmoden etwa die Philosophie Kants näher
bringt, speziell den Kategorischen Imperativ als Kernregel einer
neuen Form des Zusammenlebens, als Richtschnur für eine Ökonomie
mit menschlichem Antlitz?
Ist es so unrealistisch, dass mehr und mehr Menschen von der ungeheuer
positiven Zukunftsperspektive der Kategorischen Marktwirtschaft
angesteckt werden könnten, die weit mehr ist, als nur eine
Wirtschaftsform, die geeignet ist, auch tiefe Wunden, lange bestehende
Konflikte zu lindern und zu heilen?
Die Kategorische Marktwirtschaft ist keine Religion. Wenn aber eine
Religion, wie gegenwärtig die katholische Kirche, das Fehlen
von Gerechtigkeit nicht anprangert, sich im Gegenteil den Vertretern
dieser rein profitorientierten und auf Ungerechtigkeit fundamentierten
Wirtschaftsform auch noch anbiedert, ist sie bald nur noch eine
Ideologie.
Die Vertreter dieser Religion, wie aktuell der Papst, degenerieren
zur reinen Witzfigur, zum gelegentlichen Diskjockeyersatz und ihre
Worte zu reinen, unverbindlichen Floskeln. Als Anhänger bleiben
ihnen schließlich nur noch die Naivsten übrig.
Der große Rest wird zunehmend haltlos, zweifelt und begibt
sich innerlich auf die Suche. Doch was gibt es heute noch zu finden,
das sich in erster Linie durch Gerechtigkeit auszeichnen würde
und dadurch erst einen nennenswerten Bestand hat? Was lässt
sich denn noch als Fels bezeichnen, in einer Brandung aus egoistischen
Interessen, erdrückenden Eitelkeiten und kurzlebigen Scheinwahrheiten?
Das Vakuum ist da. Nur die Kategorische Marktwirtschaft könnte
es füllen. Auf die christliche Religion übertragen führt
sie zurück auf ursprüngliche Werte, auf die Philosophie
Jesus von Nazareths, die im Grunde nicht anderes war, als die Vorwegnahme
des Kategorischen Imperativs.
CCR
26.August 2005: Ab sofort gibt es im
restmuellnet-blog ein alphabetisches Stichwortverzeichnis, mit welchem
sich Artikel zu bestimmten Themen schneller finden lassen.
Außerdem habe ich die vergangenen Monate, bisher Juni und
July 2005, in ein Archiv ausgelagert.
CCR
24.August 2005: "Mehr Wachstum.
Mehr Arbeit." prangt es jetzt von den CDU-Plakaten.
Auch die anderen Parteien fordern diese Kombination in ihren Programmen,
wenn auch nicht auf den Plakaten.
Diese Website verdeutlicht den großen Irrtum, dem die
Verfasser des Slogans unterliegen. Fakt ist: Quantitatives Wirtschaftswachstum,
so wie wir es aus den Verlautbarungen unserer sogenannten "Wirtschaftsexperten"
kennen, ein rein statistisches Aufblähen ausgesuchter, isoliert
betrachteter Parameter in unserer Industriegesellschaft, zerstört
Arbeitsplätze.
Eine neue Studie
der Universität Bonn, des Instituts zur Zukunft der Arbeit
(IZA) und der Universität Zürich bestätigt einen
schon oft vermuteten, im Prinzip auch logischen Zusammenhang
zwischen Arbeitslosigkeit und Rechtsextremismus. Nicht dass
Arbeitslose verstärkt rechtsextreme Straftaten verüben
würden, aber sie werden empfänglicher für all zu
simple Erklärungsmuster über den Grund ihrer Arbeitslosigkeit.
Bei denen, die noch Arbeit haben, erhöht eine hohe Erwerbslosenquote
die Existenzangst, was den Verstand ebenfalls nach rechts kippen
lässt. Auch sinkt unter einem solchen Druck die Bereitschaft,
gegen rechtsextreme Ausschreitungen einzutreten.
Man kann von gering und durchschnittlich Qualifizierten unmöglich
verlangen, dass sie mehr Einsicht in die wahren Ursachen der Arbeitslosigkeit
haben, als die Politiker der etablierten Parteien und deren Plakateschreiber.
Diese hohen Damen und Herren verursachen mit ihrer Politik die Arbeitslosigkeit
selbst, die sie nachher öffentlich und krokodilstränenreich
beklagen.
Als einzige Entschuldigung mag gelten, dass die Politiker offenbar
nicht mit der umfassenden Kombinationsgabe gesegnet sind, um die
Zusammenhänge zu erkennen. Sie verlassen sich einfach auf ihre
Berater. Diese hängen der überalterten Schlagwortkombination
"Arbeit durch Wachstum" heute noch an, völlig erstarrt
im Verhältniszustand der 1960er und 1970er Jahre, wo unter
Ausblendung einer ganzen Reihe anderer Faktoren und Wirkungsketten,
und unter Missachtung umwelt- und sozialpolitischer Begleitprobleme
der Slogan für kurze Zeit plausibel erschien.
Die Plakate der SPD sind in unserer Region abermals aus
Kunststoff. ( mögliche Parole: "SPD-Wahlkampf erzeugt
immer mehr Müll" ) Was früher ein Papierplakat auf
einer Hartfaserplatte war, ist heute ein Stück wellpappeähnliches
Plastik mit direkt aufgedrucktem Konterfei irgend eines Parteistrohkopfs.
Das Schild lässt sich nicht so einfach mit richtigstellenden
Slogans überkleben. Die Oberfläche ist einfach zu glatt
und fühlt sich etwas speckich an. Allerdings lässt sich
eine solche neue Tafel sehr leicht herunterreißen. Das Brandverhalten
wurde von mir noch nicht getestet. Es reicht im Übrigen auch
aus, wenn jeder nur in seinem engen Umfeld gegen die optische Umweltverschmutzung
einschreitet und die Parolen der uniformierten Politikdilletanten
ihrer wirren Botschaft beraubt. Mehr können wir gegenwärtig
nicht gegen die großangelegte Volksverdummung mittels "Arbeit
durch Wachstum" unternehmen.
Und noch ein anderes Thema:
Ich frage mich, was jetzt intern bei den Gremien im Bundesverfassungsgericht
wohl los ist. Es braucht mittlerweile schon eine übermenschliche
Portion von Selbstbewusstsein, wollte das BVerfG die Wahl jetzt
noch abblasen. Wie gehen die Verfassungsrichter mit dem ungeheuren
Zugzwang um, in welchen sie die Politik gedrängt
hat.
Alle Weichen sind in Richtung Neuwahl gestellt worden, so als wäre
die Entscheidung des höchsten Gerichts von vorne herein klar.
Ihm bleibt nur, die gestellten Erwartungen auch zu erfüllen.
- Oder, - eigentlich ein völlig unrealistisches Denken, - die
Rechtsgelehrten in roten Roben machen der Politik doch noch einen
Strich durch die Rechnung. - Hei, wär das ein Spaß!
CCR
22.August 2005: Der Weltjugendtag
in Köln geht zu Ende. Was den neuen Papst angeht, so meinen
viele Kritiker, er hätte diesen ersten großen öffentlichen
Auftritt gut gemeistert. Doch hätte es überhaupt anders
laufen können?
Die gläubige katholische Jugend hatte ja nur ihn, dem sie zujubeln
konnte. Der Papst brauchte eigentlich gar nicht viel dazuzutun,
um den Geist Johannes Pauls des II wirken zu lassen. Wie von selbst
ist ein Stück dieser Aura nun auch an ihm kleben geblieben.
Da die Veranstaltung von der internationalen Jugend geprägt
war, wird man sagen, er habe die Jugend begeistert.
Auf mich wirkte Benedikt eher wie ein Kuscheltier.
Er gab sich betont flauschig in seiner weißen Tracht, winkte
und lächelte etwas unbeholfen, fast hätte man rufen müssen:
Gott ist der süß!
Benedetto absolvierte einige Pflichtübungen, gab Politikern
Privataudienzen, besuchte medienwirksam eine Synagoge. Es gab die
immer gleichen mahnenden Worte, nichts Neues. Immerhin konnte der
Eindruck vom Belanglosigkeit vermieden werden.
Es fehlte ein Feuer in seinen Worten, ein Hinweis auf die Notwendigkeit
von Veränderungen, eine Ahnung von einer ermutigenden Zukunftsperspektive.
Dieser Auftritt enthielt keine Botschaft, die geeignet wäre,
einen größeren Teil der Jugend für den christlichen
Glauben zu begeistern.
Allein die bloße Aufregung wird noch etwas nachwirken, wird
diejenigen Gläubigen für eine Zeit mit einem Lächeln
einschlafen lassen, die keinen Abgrund zwischen den Grausamkeiten
der alltäglichen wirtschaftspolitischen Realität und dem
Menschenbild Jesu`s, welchem auch der Papst zum Durchbruch zu verhelfen
hat, wahrnehmen.
Papst Benedikt stellt sich einerseits hin und ermahnt in völlig
unverbindlicher Weise die schrumpfende Gläubigenschar, doch
am Ball zu bleiben. Diejenigen, die völlig machtlos sind gegenüber
dem Elend der Welt, dem gigantischen Kollateralschaden an Gottes
globaler Kinderschar, sollen Buße tun. Andererseits fällt
kein Wort zum Tun der Mächtigen, die unsere Welt nach selbst
gemachten, eigenen Regeln für den Profit ausbeuten.
Die alte Tradition unter den katholischen Führern, sich nicht
mit den großen Frevlern aus Wirtschaft und Politik anzulegen,
wird unter Benedikt wohl fortgesetzt werden. Wenn hier nur Feigheit
die Ursache wäre, könnte man es den Würdenträgern
noch am ehesten verzeihen. Doch die Sache hat Methode.
Wer diesen Zwiespalt einmal bemerkt hat, wer in der Bibel die Worte
von Jesus, welche sich auf die damaligen Machtverhältnisse
bezogen mit unserer gegenwärtigen Situation vergleicht, muss
mit der bloßen Verwaltungsrolle der heutigen christlichen
Kirche unzufrieden sein. Jesus ist nicht da, und die, die vorgeben,
seine Stellvertreter zu sein, wenden seinen Geist nicht auf die
Gegenwart an.
Die Kirche von heute ist nur noch ein großes Museum, in welchem
man hauptsächlich gegen den Staub ankämpft. Auch Benedikt
der XVI wird nicht die Fenster aufreißen, um dem Wind Einlass
zu gewähren, der zwar einiges durcheinanderwirbeln, aber auch
den Staub verwehen würde, welcher den Gläubigen den Atem
und die klare Sicht nimmt.
Wie kann dieser Mann, den Einige als Intellektuellen bezeichnen,
eine "merkwürdige Gottvergessenheit" konstatieren?
Ist er wirklich derart beschränkt im Denken, dass der Zusammenhang
zwischen dem Glauben der Menschen und dem, was sie im Alltag erleben
unwichtig erscheint? Glauben muss auch im täglichen Handeln
erkennbar sein. Doch er ist zur blanken Theorie verkommen. Die Machtlosen
sollen sich an seine Regeln halten und sich nicht wundern, dass
die Mächtigen nach entgegengesetzten Regeln, nach den Regeln
des egoistischen Profits handeln. Auf diese Weise werden sich nur
die Allernaivsten noch mit der Kirche zufrieden geben.
Benedikt beklagt eine "Unzufriedenheit an allem und mit
allem". Seiner Meinung nach ist dieses Gefühl eine
Ursache von "wachsender Gottesferne und individualistischer
Selbstsucht". Wiederum vermeidet er es, die zu nennen, die
an den goldenen Kälbern der Gegenwart schmieden. Konsum hat
nun mal einen stärkeren Alltagsbezug als der Glaube, und wenn
man den Konsum nicht kritisch betrachtet, gewinnt das goldene Kalb
die Hoheit in immer mehr Köpfen, und der Glaube verliert an
Bedeutung.
Es ist ein altgehegter Wunsch von kritischen Christen, dass die
Kirchenoberen nicht nur die goldenen Kälber benennen, sondern
auch die Interessen und Gruppen, die dahinter stehen.
Doch auch Benedikt wird die Machthaber vor eindeutigen Worten verschonen,
wird sich auf Allgemeinplätze beschränken und nur das
Fußvolk ermahnen, den Pharisäern und Schriftgelehrten
der heutigen Zeit aber, für jeden Glaubenswilligen schmerzlich
erkennbar, völlig freie Hand lassen. Da aber die Diskrepanzen
in der Gesellschaft immer größer werden, verliehrt die
Kirche gerade wegen der Unterlassungen eines solchen Strukturkonservativen
im Papstamt, noch mehr an Bedeutung.
Was hällt uns davon ab, ein Wirtschaftssystem nach christlichen
Werten zu fordern?
Was hällt die Kirche davon ab, die festgestellte Gottvergessenheit
auch auf die massive Dauerberieselung durch die herrschende Kapitalistische
Planwirtschaft zurückzuführen?
Von höchster Stelle müsste die Kirche ein auf christlichen
Attributen aufbauendes Wirtschaftssystem fordern, ein Wirtschaftssystem,
in welchem Gerechtigkeit und ausschließlich qualitatives Wachstum,
welches erst zu echter innerer Zufriedenheit führt, an oberster
Stelle stehen. Und dieses Wirtschaftssystem ist die Kategorische
Marktwirtschaft, wie sie auf dieser Website beschrieben wird.
Auch der Papst sei hiermit eingeladen, das Konzept zu lesen, - wenn
ich nur eine E-Mail Adresse von ihm hätte.
CCR
18.August 2005: Der Verfassungsgerichtshof
Rheinland-Pfalz hat meine Verfassungsbeschwerde abgewiesen.
Wiederum waren formale Gründe und unwahre Behauptungen ausschlaggebend.
Urteil nachzulesen im Teil 3, Kapitel 10)A)VII).
Kommentar dazu folgt demnächst.
CCR
17.August 2005: Heut steht sogar eine
durchaus positive Nachricht in der Zeitung und das in Verbindung
mit der Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Paul Kirchhof, ehemaliger
Richter beim Bundesverfassungsgericht und Direktor des Instituts
für Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg,
soll in Merkels Regierungsteam den Bereich Steuern und Haushalt
übernehmen.
Der parteilose Kirchhof war im Jahr 2001 vor allem mit seinem ungewöhnlichen
Vorschlag für eine umfassende Steuerreform bekannt geworden.
Auch Friedrich Merzens Bierdeckelcoup basierte auf Konzepten Kirchhofs.
Schwerpunkte von Kirchhofs Plan waren der generelle Steuersatz von
25 %, der aber auf alle Arten von Einkommen erhoben werden sollte,
ein Freibetrag für Geringverdiener und Familien und die Abschaffung
jeglicher Subventionen in Deutschland. Kirchhof steht für die
Abschaffung des nicht mehr überschaubaren Dickichts aus fast
100.000 Steuervorschriften. Sie sollen durch eine Hand voll einfacher
Regeln ersetzt werden.
Kirchhof ist allerdings strikt gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.
Wie er dies mit den Vorstellungen der Union unter einen Hut bringen
will, verspricht spannend zu werden.
Zum ersten Mal wird bei Merkels Wahlkampfpolitik ein qualitativer
Zug sichtbar. Sie verpflichtet nicht die allgemein stark überschätzte
Kopie Friedrich Merz, sondern das Original Paul Kirchhof. Sie dürfte
damit zum ersten Mal auch umfassend informierte Wähler auf
sich aufmerksam machen.
Nur, eine Ankündigung, den Fachmann Kirchhof ab Ende des Jahres
an den Spieltisch zu lassen, heißt noch lange nicht, dass
er dort für uns etwas gewinnt. Gerade in der Union wird fortschrittliche
Politik traditionell von besitzstandswahrenden Lobbyinteressen verwässert,
werden wertkonservative Ansätze schnell von der strukturkonservativen
Allmacht plattgewalzt.
Eine freie Hand für Kirchhof wird es unter Unionseinfluss kaum
geben. Ebenso finden sich in der CDU/CSU sicherlich genügend
eifersüchtige Machtgeier in Warteschleifen, welche dem parteilosen
Quereinsteiger Kirchhof dessen Ehre der Berufung zum Minister nicht
gönnen wollen. Paul Kirchhof kann man jetzt schon prophezeien,
dass er ständig gegen die Verwässerung seiner ideen zu
kämpfen hat. Wenn er gar irgendwann feststellt, gegen den klammheimlichen
Widerstand der Hyänen in der Union nicht anzukommen und lieber
aufgibt, als sich selbst zu verleugnen, wird man ihm vorwerfen feige
zu sein und die Brocken hingeschmissen zu haben. Hoffentlich ist
ihm dies bewusst.
Schließlich aber hat auch Paul Kirchhof ein entscheidendes
Defizit in seinen haushaltspolitischen Vorstellungen. Auch er beachtet
nicht die Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten
in unserer Ökonomie und die hierraus resultierenden entscheidenden
Sachzwänge und Zukunftseinschnitte. Diese Sachzwänge haben
an unserer Krise sehr viel mehr schuld, als der kontraproduktive
Ozean aus aberwitzigen Steuervorschriften und Subventionen.
Hiermit sind Sie eingeladen, Herr Kirchhof. Entdecken Sie die Kategorische
Marktwirtschaft und bauen sie diese in ihr Steuerkonzept ein. Dann
erst wird die Sache rund und nachhaltig wirksam.
CCR
15.August 2005: Letzte Woche meldete
die Zeitung: "Immer mehr Zuckerkranke".
100 führende Medizinforscher nannten in ihrer Studie "Krankheiten
der Zukunft und Fortschritte in der Medizin" die alters-
und ernährungsbedingten Krankheiten als die neuen "Herausforderungen"
der nächsten Jahrzehnte. Diabetes könnte zur Todesursache
Nummer eins werden, aber auch Demenz-Erkrankungen werden uns verstärkt
beschäftigen. Darüber hinaus sollen den Prognosen nach
Übergewicht, Schlaganfälle, Gelenkserkrankungen, Osteoporose,
Herzmuskelschwäche, Depressionen, Allergien und Bluthochdruck
besonders stark zunehmen.
Mit sechs Millionen Diabeteskranken sind heute soviel Menschen
betroffen, wie noch vor 50 Jahren. Als Gründe für die
Erkrankung an Altersdiabetes werden in erster Linie falsche Ernährung
und Bewegungsmangel genannt.
Alle beiden Krankheitsgründe werden innerhalb
unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystem geradezu befördert:
1) Immer mehr unserer Lebensmittel stammen aus industrieller
Produktion und haben hohe Transportwege hinter sich. Je höher
der Energieeinsatz für die Weiterverarbeitung und Veredlung
des Endprodukts war, desto geringer ist im Allgemeinen sein Ernährungswert.
Manche Bestandteile, wie Zucker oder Weißmehl sind durch industrialisierte
Produktion derart billig geworden, dass sich ihr Anteil an der Gesamtnahrung
stark erhöht hat. Auch der Verzehr von Fleisch hat immens an
Bedeutung gewonnen. Die Fleischerzeugung rechnet sich nicht nur
durch Agrarsubventionen. Ohne die Externalisierung von ökologischen
Kosten wären Nahrungsmittel tierischen Ursprungs erheblich
teurer. Wie früher einmal gäbe es Fleisch nicht jeden
Tag zu essen.
Da mit diesen Nahrungsmitteln aber Geld verdient werden kann, bekommen
sie zunehmend Bedeutung. Die Werbung sorgt für den Absatz und
verschweigt den hohen Grad an externalisierten Kosten, die von dem
Produkt während des gesamten Herstellungswegs verursacht wurden.
Die Produzenten können innerhalb unserer Kapitalistischen Planwirtschaft
die Schadkosten für den Energieaufwand während der Produktion
industriell gefertigter Nahrungsmittel auf die Allgemeinheit und
die nachfolgenden Generationen abwälzen und erlangen so den
entscheidenden Preisvorteil vor traditionellem, regional erzeugtem
Essen.
Dazu kommt noch, dass die Umstände der Nahrungsaufnahme unter
den Spielregeln der herrschenden Ökonomie in eine ungesunde
Richtung befördert werden. Es bleibt immer weniger Zeit zum
Essen und zum Essen machen. Man will es schnell hinter sich bringen,
weil man nicht zu Hause ist oder weil man seinen Freizeitaktivitäten
nachgehen will. Hohe Mobilität zwingt oft zu schlechter Ernährung.
Aber auch die Verarmung von immer mehr Menschen lässt eine
ausgewogene Nahrung unwichtiger werden.
2) Der Bewegungsmangel als zweiter Grund für Diabeteserkrankung
setzt sich aus zwei Bereichen zusammen.
Im beruflichen Bereich hat in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung
weg von der körperlichen Arbeit stattgefunden. Handwerksberufe
wurden umstrukturiert oder industrialisiert, oder haben ihre Bedeutung
verloren. Der Anteil von Hilfsarbeitern oder Landwirtschaftshelfern
an der Beschäftigungsstruktur ist hauptsächlich durch
zunehmenden Einsatz technischer Energie auf ein Minimum geschrumpft.
Heute sitzen solche Menschen, neuerlich Geringqualifizierte genannt,
oft beim Arbeitsamt oder zu Hause vor dem Fernseher. Langeweile
und Schwermut befördern auch Bewegungsmangel und ungesunde
Ernährung bis hin zu erhöhtem Alkoholkonsum.
Im privaten Bereich hat der Wohlstand uns nicht nur Wohltaten beschert.
Konsumiert wird, was Arbeit spart und somit auch Bewegung. Wenn
auch im Haushalt oder beim Hobby der Einsatz von Muskelkraft oft
sinnvoll wäre, wird er lieber durch ein Gerät oder eine
Maschine ersetzt. Die Einsparung von Bewegung bringt der Industrie
Gewinne.
Nur wenige gehen regelmäßig Strecken noch zu Fuß
oder fahren Fahrrad. Das Auto befördert schneller und bequemer,
zumal die Wege oft zu weit geworden sind. Wenige Menschen betreiben
die beiden motorlosen Fortbewegungsarten noch in der Freizeit als
Sport, weil in ihrem Berufsleben zu wenig Gelegenheit dafür
bleibt, sie es aber für wichtig halten. Trotzdem: noch nie
hatte das Fortkommen mit Muskelkraft in der Gesellschaft eine solch
geringe Bedeutung, wie heute.
Für den Wandel der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten
in den letzten drei Jahrzehnten innerhalb der westlichen Bevölkerung
gäbe es viele Beispiele zu nennen. Zusammengefasst ist die
durchgehende Tendenz deutlich:
Ein Wirtschaftssystem wie das gegenwärtige, in welchem eine
künstlich aufrecht erhaltene Wertigkeit profitable Geschäfte
garantiert, Geschäfte, die unter Ausnutzung von breiten Externalisierungseffekten
auf Kosten der Allgemeinheit möglich werden, zerstört
irgendwann auch natürliche, zur über Jahrmillionen gewachsenen
biologischen Spezifität gehörende Ernährungs- und
Bewegungsgewohnheiten der Menschen, und züchtet hauptsächlich
solche heran, die mehr Gewinn und höhere quantitative Wachstumszahlen
bringen. Dass diese den Menschen schließlich krank machen,
ist ebenfalls als externalisierte Folge der herrschenden kapitalistischen
Planwirtschaft anzusehen, und hier dürfen wir uns nicht nur
auf die Zuckerkrankheit beschränken, sondern müssen alle
modernen Krankheiten, auch Zivilisationskrankheiten genannt, im
Zusammenhang mit unserer Ökonomie betrachten.
Insofern wäre die Kategorische Marktwirtschaft, in welcher
regional organisierte Ernährung und menschliche Arbeitskraft
in Beruf und Freizeit wieder ihren eigentlichen Kostenvorteil vor
den modernen Konkurrenten zurückerhalten auch ein Mittel gegen
einen großen Teil unserer Zivilisationskrankheiten. (Weitere
Betrachtungen dieser Zusammenhänge findet man auch im Teil
2 unter Kapitel 8) E),
unter anderem zu den externalisierten Kosten des Rauchens und des
Alkoholkonsums)
CCR
13.August 2005: Gegenwärtig weiß
ich noch nicht, an was es liegt, aber einige E-Mails kommen bei
mir nicht an. Ab heute steht oben eine neue E-Mail-Adresse speziell
für die Veröffentlichungen im Blog. Wenn es sehr wichtig
ist, bitte ich die Leser/innen, zusätzlich zur Mail einen Brief
per Post zu schicken. Adresse findet man unter Kontakt.
CCR
12.August 2005: Es gibt einiges zu
kommentieren über den latenten Stoiber-Rassismus hinaus.
Zum neuesten Eklat dieses verhärmten, elitären Dummschwätzers
folkloristisch volksdümmlicher Biermentalität, meinte
ein Parteienforscher im Radio, die einzige Erklärung wäre
der Wunsch Stoibers, an westlichen Stammtischen die Hoheit zu erringen
mit der Suggestion, die Ossis wären diesmal schuld. Die hohle
deutsche Zuprosterfraktion müsse jetzt wieder die Hebel erkämpfen.
Am 10ten stand in der Zeitung, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber
Fraport gegenüber dem Vorjahr über 10% Gewinnsteigerung
erwartet, dass der Zementhersteller Heidelberger, mittlerweile
der viertgrößte Zementhersteller weltweit, die Gewinn-und
Umsatzprognosen von Beobachtern weit übertroffen hat, und dass
die US-Genkonzerne Monsanto und Pioneer beim Verwaltungsgericht
Hannover Klage gegen das Bundessortenamt eingereicht haben.
Alle drei Konzerne machen ihre Gewinne hauptsächlich
mit der Externalisierung von ökologischen und sozialen
Kosten, also mit der Abwälzung von Schadkosten, welche
durch ihr wirtschaftliches Treiben Tag für Tag so nebenbei
verursacht werden, auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden Generationen.
Sie sind typische Schmarotzerbetriebe neuzeitlicher Prägung,
die es ohne die Möglichkeit von legalen, breit angelegten Schadkostenexternalisierungen
in einer Marktwirtschaft gar nicht gäbe. Ihr Nährboden
sind die Bedingungen der Kapitalistischen Planwirtschaft, in welcher
sie schwimmen, gedeien und vernichten, wie der Nilbarsch im Victoriasee.
In einer Kategorischen Marktwirtschaft würde ihnen das Wasser
abgelassen, bis sie vertrocknet wären und nach ihnen wieder
eine lebendige Vielfalt entstehen könnte.
Ebenfalls am 10ten wurde gemeldet, dass die fürs Arbeitslosengeld
II eingeplanten 14,6 Millarden Euro nahezu aufgezehrt sind.
Hartz IV bringt nicht nur nix, es macht uns auch noch ärmer.
Wie lange werden wir uns mit diesen politischen Dilletanten, egal
welcher Farbe, herumärgern müssen, die Maßnahmen
gegen die Arbeitslosigkeit versprechen, dann aber nur die Kapitalistische
Planwirtschaft stärken, welche Arbeitsplätze vernichtet?
Auch am 10ten : Die Enddarmexpedition der Union rückseitig
unter die Gesäßtaschen der Energiekonzerne, hatte nicht
den gewünschten Erfolg. Auch mit einer Laufzeitverlängerung
für Atomkraftwerke werden die Strompreise nicht gesenkt.
Der Union ist jedes Mittel recht, um an die Drücker zu kommen,
auch die gnadenlose Ausbeutung der nachfolgenden Generationen durch
strahlende Hinterlassenschaften oder weil es unterlassen wird, rechtzeitig
eine nachhaltige, umweltverträgliche und autarke Energiewirtschaft
in Deutschland aufzubauen. Würde man die Bedingungen der Kategorischen
Marktwirtschaft einführen, würde eine gesellschaftsverträgliche
Energiewirtschaft ganz von selbst entstehen.
Der BUND beklagte (10.8.), die Politik hätte keine Lehre aus
der Jahrhundertflut an der Elbe im Jahr 2002 gezogen. Lediglich
Deiche seien verstärkt worden, was zu einem noch schnelleren
Abfluss und noch höheren Pegelständen führte. Nennenswerte
Retentionsräume fehlten nach wie vor. BUND-Experte Ernst-Paul
Dörfler meinte, "Der Elbe fehlen natürliche Überschwemmungsflächen."
Anlässlich der Hochwasser in unserer Region sah mein damaliges
Hochwasserkonzept weniger die Schaffung von Überschwemmungsflächen
am Hauptfluss vor, als vielmehr an den tausend Zuflüssen im
Einzugsbereich. 1988 klagte ich gegen die Eindeichung eines Retentionsraums
von fast 20 Hektar an der Nahe, direkt vor meiner Heimatstadt. Vom
VG wie vom OVG wurde ich als Kläger nicht zugelassen. 1995
und 1997 soff dann die Innenstadt von Kirn gnadenlos ab. - Auch
diese Ereignisse wären eine schöne Geschichte für
sich. Vielleicht bei Gelegenheit später mehr -.
CCR
10.August 2005: Gestern habe ich unsere
Tageszeitung abbestellt. Nach über fünf Jahren
Abonnement will ich die Rhein-Zeitung des Koblenzer Verlags nicht
mehr sehen. Ursprünglich für meinen pflegebedürftigen
Vater angeschafft wurde sie die letzten anderthalb Jahre nur noch
von mir gelesen.
Wenn auch immer mal wieder brauchbare Berichte dazwischen waren,
bestand das tägliche Papierbündel doch zu 95 % aus
überflüssigem Füllmaterial. Die Werbebeilagen
in Hochglanz machten manchmal die Hälfte des Gewichts aus und
wanderten bei mir unbesehen auf den Altpapierstapel. Insgesamt erspare
ich der Industrie die Produktion von annähernd 100 Kilogramm
Papier jährlich und meinem Konto den Betrag von 240 Euro.
Darüberhinaus aber verschone ich mein Gehirn vor insgesamt
gesehen unbrauchbarem Informationsmüll, den ich mir täglich
meinte, hereinziehen zu müssen. Auf der Suche nach Anregungen
für die Artikelschreiberei bin ich mit einer Tageszeitung gezwungen,
auch das Irrelevante durchzuarbeiten.
In Tageszeitungen stehen zwar die neuesten Nachrichten ganz aktuell
geschrieben, doch wie oft ist die Meldung am nächsten Tag nur
noch die Hälfte wert, weil etwas dazugekommen ist, weil ein
Teil der Meldung falsch war, weil die Entwicklung über mehr
als einen Tag die enthaltene Botschaft herumdreht, oder ganz einfach,
weil die Redakteure aus Mangel an Geschehen das Banale aufkochen,
um die Seiten voll zu kriegen.
Immer schwieriger wird es, aus traditionell strukturkonservativen
Blättern, wie die Rhein-Zeitung, eine wirklich objektive
Einschätzung herauszulesen. Gerade jetzt, wo unverhofft
eine Wahl angesetzt wurde, wird die politische Heimat der Koblenzer
Redaktion zwischen den Zeilen offensichtlich. Auf dumme und unüberlegte
Weise wird immer den selben aktuell-öffentlichen Personen das
Forum geboten. Landespolitiker, Wirtschafts- und Verbandsvertreter
dürfen wieder und wieder ihre aberwitzige Ideologie ausführen,
ganz einfach deshalb, weil es für eine Windfähnchenjournalistik
eben sehr schick ist, den gerade modernen Absonderlichkeiten des
Zeitgeistes in den Hintern zu kriechen.
Chefredakteur und Verleger sehen sich gerne neben Kasperlefiguren
wie Landeschef Kurt Beck, Oppositionskandidat Böhr oder dem
"liberalen" Heißluftballon Rainer Brüderle
abgelichtet. Jeder, der etwas von Wachstum fantasieren kann, kommt
zu Wort. Auch die kleinste Kritik an dieser überholten Ideologie
wird vermieden.
Ständig und mit den Worten einer jeden etablierten Partei wird
der große Irrtum, dass quantitatives Wirtschaftswachstum zu
mehr Beschäftigung führt wiederholt. Bis zum Erbrechen
wird dieser Unsinn auch in Kommentaren oder Gastbeiträgen aufgekocht.
Wie bei vielen solcher Art Zeitungen in Deutschland, lässt
die Berichterstattung vor allem auf ein gehöriges Maß
kaltem Beton in den Köpfen der Redakteure schließen,
oder auf die sklavenhafte Bereitschaft der Artikelschreiber, das
Lied ihrer Brotgeber zu singen.
Ob sture Dummköpfe oder bereitwillige Opportunisten, sie alle
schaden unserer Gesellschaft, weil sie ihren Auftrag, objektiv und
unabhängig von den jeweiligen Tonangebern zu berichten, nicht
nachkommen. Dabei sind diese Phänomene auch in Wochenzeitungen
und Magazinen präsent. Wie die Anhänger einer Sekte, die
den Wahrheitsgehalt der Worte ihrer Führer nie anzweifeln,
verhindern diese Wichtigtuer manche objektive Kritik und
die Findung neuartiger Perspektiven.
Worum es der Rhein-Zeitung geht, verdeutlichte in der letzten Wochenendausgabe
der Redakteur Hagen Strauß. Sein Kommentar zum Konzept der
Linkspartei und sein Bericht über Lafontaine und Gysi, die
ihr Wahlprogramm vorstellten, ist an Unsachlichkeit und üblen
Beinahebeleidigungen nicht mehr zu überbieten. Fast hat man
den Eindruck, als hätte er von der SPD einen Schmähauftrag
angenommen.
Ich bin keineswegs ein Anhänger dieser neuen Partei. Auch die
Linkspartei orientiert ihre Politik an der Struktur der herrschenden
Kapitalistischen Planwirtschaft. Auch sie hat die eigentlichen Gründe
für die Krise nicht erkannt. Aber ein solches Ausmaß
an Unfairness in der Berichterstattung stößt mir übel
auf.
Strauß äußert sich verächtlich über potenzielle
Wähler dieser Partei, - "Wer möchte, dass über
ihm das soziale Füllhorn ausgeschüttet wird, und wer dabei
nicht viel Wert auf profunde Gegenrechnungen legt, ist ganz links
genau richtig." Wieso will er plötzlich profunde
Gegenrechnungen bei der Linkspartei und lässt jeden wahltaktischen
Verbalblödsinn der etablierten Parteien unreflektiert stehen?
Nirgendwo gibt es solide Gegenrechnungen für Wahlversprechen.
Nur bei der Linkspartei kritisiert er dies und macht sich über
die möglichen Wähler verächtlich. "Wer...die
Globalisierung nur verdammt und die Chancen lieber verschweigt,
der muss zur Linkspartei aufbrechen." Nach Strauß
gibt es also Wähler, die Globalisierung ablehnen, obwohl sie
um eventuelle Chancen wissen, denn verschweigen kann man nur etwas,
das man weiß. Ich kann mich nicht erinnern, von Strauß
irgendetwas Konstruktives über Chancen der Globalisierung gelesen
zu haben. Eventuell vermeidet er dies, weil lediglich die Chancen
für die mächtige Wirtschaft oder die neokoloniale Politik
offenbar würden. Schon gar nicht wäre ein Simple-Mind
wie Strauß zur Reflexion über die gewaltigen externalisierten
Kosten der sich aufbauenden Globalwirtschaft in der Lage, ganz zu
schweigen vom Betrachten der immer aussichtloseren Perspektive für
die nachfolgenden Generationen. "Wer Schweißausbrüche
bekommt, wenn nur der Begriff Neoliberalismus fällt, ohne vielleicht
zu wissen, was sich dahinter verbirgt, der gehört zu "Oskar"
und "Gregor" ". Strauß weiß offenbar
nicht so genau, was sich dahinter verbirgt oder es lohnt sich für
ihn, dies nicht anzuprangern. Seine naive Vorstellung über
die scheinbaren Segnungen des Neoliberalismusses ist mehr als fahrlässig,
die Kritik darüber aber nur den Linken zu überlassen,
grenzt an schnöder Dummheit. Seinen Artikel überschreibt
Strauß mit den Worten: "Lafontaine und Gysi schier
unzertrennbar." Ich kenne nur untrennbar oder unzertrennlich.
Unzertrennbar ist ein willkürliches Konstrukt ohne vernünftigen
Inhalt, genau wie der Bericht voll blinden Hasses, der dann folgt.
Strauß bezeichnet die Linken als "große Vereinfacher".
Doch ist es nicht der Gipfel der Vereinfachung, als Lösung
unserer Probleme schlicht die herkömmliche Art von Wirtschaftswachstum
zu proklamieren, wie es die Altparteien tun?
Ist es nicht ein eindeutiges Indiz für die gnadenlose Einfachheit
in den Denkapparaten unserer Verantwortlichen, dass ihnen der Zusammenhang
zwischen Wachstum der Wirtschaft einerseits und dem Wachstum von
Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung andererseits nicht auffällt?
Immerhin kritisiert Strauß die etablierten Parteien, wenn
er deren Unterlassung, sich inhaltlich mit der Linkspartei auseinander
zu setzen als "grandiosen Fehler" bezeichnet. Ihm
entgeht dabei aber völlig, dass jede inhaltliche Auseinandersetzung
in der Politik längst gestorben ist.
Kein politisches Konzept, welches in der gegenwärtigen Vorwahlzeit
hochgehalten wird, würde einer inhaltlichen Auseinandersetzung
mit den Thesen der Kategorischen Marktwirtschaft widerstehen. Alle
Parteienkonzepte würden sich als Weg aus der herrschenden Krise
schlichtweg als kontraproduktiv erweisen, als Politik, die nur einer
kleinen Klientel für kurze Zeit nützlich sein kann, um
schließlich der Gesamtgesellschaft noch mehr zu schaden.
CCR
7.August 2005: In Deutschland
fehlen laut Bundesagentur für Arbeit derzeit 169.000
Lehrstellen. Das sind angeblich 8.000 mehr als im Vorjahr.
Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften kommentieren
die Zahlen unterschiedlich. Die Beteiligten am sogenannten "Ausbildungspakt",
Regierung und Wirtschaftsvertreter beschwichtigen und verharmlosen
die allgemeine Ausbildungssituation für junge Menschen im Lande.
Müntefering gibt sich kleinlaut: "Wir haben den Ausbildungspakt
für drei Jahre vereinbart. Er hat 2004 funktioniert. Es wurden
30.000 neue Ausbildungsplätze geschaffen. In diesem Jahr liegen
wir etwas zurück. Es fehlen bis zu 9.000 Plätze mehr."
Von den Gewerkschaften, den Dritten im Pakt-Bunde, kommt zwar Kritik.
IG-Metall-Chef Peters spricht aus, was aufmerksamen Beobachtern
schon von Anfang an klar war: "Der Ausbildungspakt
der Wirtschaft hat sich als Mogelpackung erwiesen."
Doch man wird auch angesicht dem völligen Fehlen ernsthafter
und konsequenter Bemühungen den Eindruck nicht los, als sei
den Beteiligten die Sache ziemlich egal, als würden die Gefechte
nur für die eigene Profilierung in der Öffentlichkeit
abgehalten, anstatt tatsächlich für ein dauerhaftes und
ausreichendes Lehrstellenangebot sorgen zu wollen.
Vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK kam diese
Woche gar der Vorschlag, die monatliche Ausbildungsvergütung
auf allgemein 270 Euro abzusenken. Auch wenn die Spitzenlöhne
für Lehrlinge gegenwärtig tatsächlich zu hoch sind,
braucht ein junger Mensch in Ausbildung heutzutage ganz einfach
mindestens 500 Euro, um einigermaßen über den Monat zu
kommen. Hier können schon mal locker die Hälfte des Betrags
nur für Unkosten weggehen.
Dies ist den bräsigen hohen Herrn wohl nicht klar in ihrer
eingeschränkten Managersichtweise. Zudem sorgt eine solche
Kostensenkung höchstens für einem höheren Profit,
anstatt für mehr Lehrstellen oder die gesteigerte Motivation
von Ausbildungswilligen. Ein solches Denken dokumentiert die unterschwellige
Geringschätzung unseres Nachwuchses. Vielleicht soll dadurch
sogar das Problem gelöst werden, nicht im vernünftigen
Sinne durch Steigerung des Lehrstellenangebots, sondern durch Absenkung
der Nachfrage mit Hilfe von Abschreckung und Herunterfahren der
Attraktivität einer Lehrstelle.
Alles was derzeit zur Lösung des Problems Lehrstellenmangel
unternommen und diskutiert wird, dringt nicht zur wirklichen Ursache
dieses Ausbildungsnotstands vor. Wieder wird lediglich versucht,
das Fehlende herbeizusubventionieren. Alle Pakte, Appelle und Anreize,
sowie angedrohte Gesetze sind nur die übliche Art von Sysiphosarbeit,
die den Verantwortlichen ausschließlich in den Sinn kommt,
ein ewiges Hinterherlaufen, rein defensiv, hinter den Fakten, die
ein destruktiver Zeitgeist unangefochten vorgibt.
Solange genügend Lehrstellen nicht von allein zur Verfügung
stehen, etwa weil der jeweilige Beruf durch geänderte Ramenbedingungen
sehr viel notwendiger für unseren gesellschaftlichen Alltag
würde, als dies heute der Fall ist, stimmt in unserem Wirtschaftssystem
etwas nicht.
Wenn wir wirklich eine marktwirtschaftliche Nachfrage nach Lehrlingen
erzeugen könnten, eine Struktur in unserem Wirtschaftssystem,
dass es für einen beruflichen Erfahrungsträger, wie einen
Handwerksmeister beispielsweise, eindeutig von Vorteil ist, einen
jungen Menschen auszubilden, bräuchten wir keine Subventionierung.
Wenn der Handwerksmeister den Betrieb nun auch durch verbesserte
und vor allem langfristig stabilisierte Nachfrage nach seinem Fach
erfolgreich führen kann und Aufträge erhält, und
die geänderten Ramenbedingungen auch jegliche finanziellen
Nachteile für den Betrieb der ausbildet ausschließt,
könnte wieder ein anhaltendes und reiches Angebot für
Ausbildungswillige entstehen.
Doch wie könnte unsere Gesellschaft aus der gegenwärtigen
Situation heraus, in welcher menschliche Arbeitskraft immer unwichtiger
wird, weiterentwickelt werden? Wie bekommen wir den Schwenk hin,
dass unsere ökonomische Gemeinschaft den jungen Menschen, die
in ihr nachwachsen, jederzeit auch eine sinnvolle und zukunftssichere
Aufgabe zuweisen kann, ja dass sie ihr Humankapital wirklich vollständig
benötigt, statt es mit Ausbildungspakten notdürftig irgendwo
unterbringen zu müssen? Wie bringen wir die Wirtschaft dazu,
dass sie von vorneherein auf keinerlei Ausbildung junger Leute verzichten
kann?
Gegenwärtig fährt der Zug in die entgegengesetzte Richtung.
Die momentan alles beherrschende Wirtschaftsform der Kapitalistischen
Planwirtschaft setzt immer mehr Menschen auf das Abstellgleis.
Da ihr erstes Ziel, die Erwirtschaftung von Profiten, immer stärker
mit Hilfe der Externalisierung von sozialen und ökologischen
Kosten erreicht wird, lohnt es sich zunehmend, die menschliche Arbeitskraft
durch andere Produktionsfaktoren zu ersetzen: - Industrielle vor
handwerklicher Fertigung, - zentrale statt regionale Produktion,
- Import von Waren statt Herstellung im Land, - Ersatz traditioneller
Grundmaterialien durch neue, unter Umweltbelastung bereitgestellter,
aber mit geringem Arbeitskräftebedarf verarbeitbarer Stoffe,
oder Austausch von früher unbedingt notwendigem handwerklichen
Know-How durch qualitativ oft ungenügende Industrielle Lösungen.
Auffällig ist, dass dieses stille, unausweichliche Zurückdrängen
arbeitskraftintensiver Bereiche, wie vor allem im Handwerk, auch
in anderen Tätigkeitsbereichen geschieht, wo aber der Ersatz
durch industrielle oder zentrale Lösungen gar nicht gelingen
kann. Hiermit meine ich Berufe, in denen hauptsächlich mit
Menschen umgegangen wird, wie im Bereich Gesundheitsversorgung,
Pflege oder soziale wie pädagogische Arbeitsbereiche.
Anders als im Handwerk besteht dort ein krasses Missverhältnis
zwischen zunehmender gesellschaftlicher Notwendigkeit einerseits
und der wachsenden Unbezahlbarkeit und Verbürokratisierung
dieser Tätigkeitsfelder andererseits, verbunden mit einem rapidem
Abbau jeglicher Attraktivität als Berufswunsch für junge
Leute. Hier zeigt sich die Dynamik unseres Wirtschaftssystems, auch
diejenige Arbeit verschwinden zu lassen, die nicht mit Hilfe abstrakter
Rationalisierung überflüssig geworden ist, sondern auch
Arbeit, die eigentlich dringend gebraucht wird. Wir haben hier ein
weiteres Indiz für die generelle Menschenfeindlichkeit der
Kapitalistischen Planwirtschaft und der aus ihr resultierenden Konsequenzen.
Auch im Lehrstellenmangel wird deutlich, dass die Menschen für
die Wirtschaft da sind, statt umgekehrt.
Die mangelhafte Lehrstellensituation mitsamt der ganzen Summe von
Folgeproblemen für die Gesellschaft lässt sich nur mit
Hilfe einer neuen Wertigkeit innerhalb unserer Ökonomie abbauen.
Nur innerhalb der Kategorische Marktwirtschaft entstünde genügend
Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft und somit ein Drang
nach ständiger Ausbildung benötigter Fachkräfte.
Nur innerhalb dieser einzig nachhaltigen Wirtschaftsform werden
auf den Preis der heute üblichen Ersatzmöglichkeiten für
Menschenenergie auch alle erdenklichen gesellschaftliche Folgekosten
vollständig aufgeschlagen. Nur so wird die menschliche Arbeitskraft
im Wettbewerb wieder ihren großen Vorteil ausspielen können,
den Vorteil, dass ihr Einsatz so gut wie keinen sozialen und ökologischen
Schaden hervorruft, und im Gegenteil, diesen sogar weitgehend verhindert.
Und nur auf die Steigerung des Bedarfs nach fachlicher Arbeitskraft
entsteht eine selbsttragende Selbstverständlichkeit nach kontinuierlicher
und hochwertiger Ausbildung dieser Fachkräfte.
CCR
6.August 2005: Der Artikel
über meinen Müllboykott ist jetzt auch im Archiv des
Greenpeace-Magazins einsehbar.
CCR
4.August 2005: Nach den Anschlägen
in London werden in Großbritannien die Kontrollen verschärft.
Die Reaktionen angegriffener Länder tendieren mit einer merkwürdigen
Logik hin zu den Verhältnissen, wie sie in den USA schon weitgehend
umgesetzt worden sind. Die großen Töne von den demokratischen
Freiheiten, die es gegen Extremisten zu verteidigen gilt, verlieren
allmählich ihre Entsprechung in den demokratischen Staaten
des Westens, - und gesteuert wird dieser Prozess eben von diesen
Terror isten.
In England ist die Situation ohnehin fragwürdig, weil zunächst
nur an Kontrollen der Reisedokumente gedacht werden kann, die Attentäter
aber Briten waren, die sich innerhalb des Landes auf völlig
alltägliche Weise bewegt haben. Wird Großbritannien seine
demokratischen Freiheiten so weit aufschmelzen, wie es die US-Amerikaner
in ausuferndem Aktionismus getan haben?
Auch für die bürgerlichen Rechte in der Bundesrepublik
sieht es nicht gut aus. Nach einer Umfrage von Emnid plädieren
59% der Deutschen für eine grundsätzliche Videoüberwachung
in der Öffentlichkeit. 40% lehnen dies ab. Dabei ist es hierzulande
noch gar nicht zu solch grausamen Anschlägen wie in London,
oder auch Madrid gekommen. Die Panikmache unserer Hardliner zeigt
besonders bei Frauen und älteren Menschen jetzt schon Wirkung.
Von ihnen sind 61% bzw. 67% für die Überwachung.
Wieso wird nicht das Wirken bestimmter islamischer Prediger und
antidemokratische Geschehnisse in einigen Koranschulen stärker
unter die Lupe genommen und entsprechend konsequent und schnell
reagiert? Und wieso bringen wir es nicht fertig, die ursprünglichen
Gründe für den Terror zu analysieren um
so die Wurzeln dieses Übels zum Vertrocknen zu bringen?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach wenngleich für die
Anhänger unserer herrschenden Wirtschaftsideologie in höchstem
Maße unangenehm:
Unsere Kapitalistische Planwirtschaft, die sich bis heute erfolgreich
mit der Maske der Marktwirtschaft zu tarnen versteht, funktioniert
nur, wenn Dritte für den Profit ausgebeutet werden können.
Hierzu zählen neben der Allgemeinheit im Inland und den Nachfolgenden
Generationen, zu denen auch unsere eigenen Kinder gehören,
eben auch die Menschen in Ländern, wo es Rohstoffe und Energieträger
zu holen gibt.
Um den ständigen Zufluss dieser Stoffe in die Industrieländer
zu sichern, ist eine gewisse Einflussnahme in die inneren Angelegenheiten
dieser Rohstoffländer unabdingbar, genauso, wie für die
Nutzung dieser Länder als Absatzmärkte für westliche
Waren. Die abstruseste Konstellation besteht zwischen der USA und
Saudiarabien. Der Weltölliferant Nummer eins unterstützt
den Islamismus, braucht aber die USA als Schutzmacht, Hauptabnehmer
des Öls und als Waffenlieferant. Die USA hingegen braucht mit
ihrer Fixierung auf die Kapitalistische Planwirtschaft das saudische
Öl, und das dortige, dagobertische Vermögensausmaß
zum kräftigen Warenabsatz.
Jede Einflussnahme mindert aber die Souveränität dieser
Länder oder deren individuelle Entwicklungschancen, beeinflusst
die kulturellen Eigenheiten und vernichtet nicht unwesentlich stückchenweise
die dortige Identität. Diese jahrzehntelange Bevormundung zum
Wohle westlichen Profits, mag sie auch noch so subtil gestaltet
und mit vordergründigem Wohlwollen tapeziert sein, hat, in
Verbindung mit der wörtlichen Auslegung bestimmter Textstellen
im Koran, den Terrorismus islamistischer Prägung erst hervorgebracht.
Weil die Mächtigen aber zur Weiterführung ihrer Geschäfte
diese Zusammenhänge nicht als grundsätzlichen Lösungsansatz
akzeptieren können, fällt der sogenannte "Kampf gegen
den Terror" eben hauptsächlich als Beseitigung unserer
eigenen Freiheiten und vorbeugende Erschießung verdächtiger
Personen aus.
In einer Kategorischen Marktwirtschaft wird die Wirtschaft weitgehend
von der Abhängigkeit von importierten Rohstoffen und Energieträgern
befreit. Jegliche neokoloniale Einflussnahme in Drittstaaten wird
überflüssig, Aktionen gewaltbereiter Paranoiker verlieren
ihre scheinbare Berechtigung und die Grundlagen für einen ausgewogenen
und partnerschaftlichen internationalen Handel werden damit erst
gelegt.
CCR
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Blogarchiv - Monat Juli 2005
1.August 2005: Mein Arbeitsurlaub ist
vorbei. Wenn viele es auch nicht nachvollziehen können, so
habe ich mich dennoch mit dem Bau einer Bruchsteinmauer und einer
Treppe aus Bergischer Grauwacke erholt (wen es interessiert: Foto).
Während der Zeit aus Arbeiten und Faulenzen hatte ich den alten
Herrn in einem Kurzzeitpflegeheim untergebracht und konnte ganz
entspannt vom mittlerweile über 5 Jahre dauernden Pflegezwang,
vom Dasein eines Sklaven, zuständig für die rein körperliche
Erhaltung eines apathischen, willen- und sprachlosen 91-jährigen
Mannes, welcher einmal mein Vater war, drastisch gesagt, als Beauftragter
für die Verlängerung seines Leids und seines Sterbens,
etwas Abstand nehmen.
CCR
Nun will ich die Tagebucheintragungen fortführen.
Im Schnelldurchgang habe ich die Ausgaben unserer Tageszeitung der
letzten beiden Wochen durchgesehen, um die relevanten Meldungen
an dieser Stelle verwursten zu können.
Siehe da: Es passierte eigentlich immer das Gleiche, das Vorhersehbare,
das Bekannte in neuer Verpackung, und mein erster Impuls war die
Überlegung, dieses Zeitungsabo zu kündigen. Ursprünglich
war es eh das Abo meines Vaters, der seit einem Jahr nichts mehr
liest, - ich könnte genausogut darauf verzichten. Viel überflüssiges
Papier ließe sich einsparen, und die Abokosten. Wichtige Nachrichten
stehen auch im Internet, in der Wochenzeitung oder im Nachrichtenmagazin,
und dies bekomme ich kostenlos von einem Bekannten. Ich hätte
auch nicht mehr das Gefühl, die in unsäglicher Überzahl
vorhandenen, scheuklappenbehafteten Allerweltsjournalisten zu subventionieren,
die es nicht fertigbringen, endlich einmal über Alternativen
zur herrschenden Kapitalistischen Planwirtschaft zu berichten, die
Tag für Tag nur den selben Mist wiederkäuen, denselben
Politik-Dilletanten die Füße küssen, indem sie deren
verbal Erbrochenes wieder und wieder aufgreifen, und ihm so erst
den Anschein von Relevanz verleihen. Könnte man nicht einmal
gemeinsam ignorieren, was Merkel, Schröder, Fischer, Westerwelle,
Stoiber, Lafontaine und alle anderen Narrenkappen aus Politik und
auch aus der Industrie so täglich von sich geben? Wie einen
autofreien Sonntag könnten wir auch einen Tag, frei von politischem
Gesabbel einführen und genießen, oder besser eine Woche.
Wie wäre dies so angenehm! Allerdings könnten sich viele
Journalisten um ihren Job bringen, wenn die Leser bemerkten, wie
entbehrlich die Zeitungsberichte oft sind, in welchen wieder und
wieder Leute zu Wort kommen, die streng auf Linie mit dem herrschenden
Zeitgeist ihre widersinnigen und destruktiven Rezepte beschwören.
Was stand denn in der Zeitung in den letzten beiden Wochen?
18.07: "Schily hält Attentate
in Deutschland für möglich." - Typisch Schily.
Wichtigtuerei ist sein erstes Arbeitsfeld. Lieber schafft er der
Großen Bruder fürs Volk, dieser Beckstein der SPD, als
vernünftig die reale, ja minimale Dimension des Problems zu
erkennen. Er ist für Videoüberwachung fürs Volk und
macht sich damit zum Terrorismuskomplitzen. Wenn diese Mörder
mit ihren Taten eins erreichen, dann ist es die Aushöhlung
der persönlichen Freiheiten in den westlichen Ländern,
siehe besonders im Polizeistaat USA. Doch dafür brauchen sie
solche politische Übereiferer in den Feindländern wie
unseren Innenminister.
"Verheugen lehnt EU-Bundesstaat ab". Allerlei Blahblah
im Interview mit dem EU-Industriekommissar. Einerseits beteuert
er, es endlich schaffen zu wollen, dass Europa ein Projekt der Menschen
wird. - Klasse, nach so vielen Jahren -. Brüssel solle stark
sein und doch den Menschen ihre nationalen Wurzeln lassen. - Im
Liegen pinkeln und nicht nass werden -. Das übliche Geschwafel
von starken Institutionen, um im "Sog der Globalisierung wettbewerbsfähig
zu werden und das Wohlstandsniveau zu halten". Verheugen will
ein Europa unter dem Diktat der Kapitalistischen Planwirtschaft,
der früher oder später jegliche Souveränität
geopfert werden muss. Auch er hat vor dem Wettbewerb der Weltwirtschaft
schon kapituliert und sieht nur die Möglichkeit, diesem lebensfeindlichen
Mechanismus in den Hintern zu kriechen. Wieder nur ein Schmalspurdenker
im falschen Amt.
"Reichensteuer kann Milionäre verjagen". Wirtschaftsforscher
warnen vor zusätzlicher Belastung der Reichen. Nicht dass dieses
SPD-Instrument zu begrüßen wäre. Doch hier sehen
wir wieder die Blindheit, besser die Einäugigkeit der ökonomischen
Elite, diesmal des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle.
Es empfielt, den 60.000 Topverdienern das Geld lieber zu lassen.
Sie könnten sonst ihren Wohnsitz ins Ausland verdienen. Doch
wieso hängt die Steuerpflicht immer noch von dem jeweiligen
Wohnsitz ab? Wieso muss einer nicht dort zahlen, wo er sein Geld
verdient und die Infrastruktur nutzt? Und wieso kann jemand reich
werden, indem er die Schäden seines tuns auf Dritte abwälzt?
Wieso kommen die hochwohlgeborenen Wirtschaftsproffs nicht auf die
Notwendigkeit zur Internalisierung externer Kosten für jegliche
Unternehmung dieser Topverdiener, wie es innerhalb der Kategorischen
Marktwirtschaft unabdingbar wäre? Wo bleibt hier die Souveränität
des Staates?
CCR
19.07: Bund steigt bei der Post aus
und gibt seine letzten Anteile an die KfW ab. Weg mit dem Tafelsilber
und Butter bei die Kreditanstalt für Wiederaufbau.
CCR
20.07: "Körper: Unser Land
steht im Fadenkreuz". Fritz Rudolf Körper statt Geist,
parlamentarischer Innenstaatssekretär, käut im Interview
die Paranoia seines Chefs Otto Schily wieder. Der Mann ist hier
besonders unerträglich, weil er aus einem Dorf ganz in der
Nähe stammt, was die örtlichen Zeitungen immer wieder
zur Berichterstattung und zum Gespräch mit ihm treibt. Wenn
Körper statt Geist den Mund aufmacht, kommt besonders viel
retorisch verpackter Käse heraus.
"Steuer soll gerechter sein". Die "parteiunabhängige"
Stiftung Marktwirtschaft hat das Konzept einer umfassenden Steuerreform
vorgelegt. - Mal sehen was davon übrig bleibt, wenn die Parteien
damit fertig sind.
"Merkel überzeugt Führungskräfte".
Die sogenannten Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung
sprechen sich zu 68 % für Merkel als Kanzlerin aus. Allensbach
ermittelte, dass die Führer gern diejenige Person an der Spitze
sähen, unter welcher sie möglichst ungehindert der Geschäftemacherei
auf Kosten der Allgemeinheit und der nachfolgenden Generationen
frönen können. Was würden diese erst sagen, wenn
es einen Kandidaten gäbe, der ihnen die Kapitalistische Planwirtschaft
als Grundlage ihres Erfolgs fortnehmen wollte und sie unter den
Bedingungen der Kategorischen Marktwirtschaft ebenfalls erfolgreich
sein sollten?
CCR
21.07: "Experten äußern
verfassungsrechtliche Bedenken". Staatsrechtler urteilen
unterschiedlich über den vom Bundeskanzler eingeleiteten Weg
zu Neuwahlen.
CCR
22.07: Köhler lässt die Katze,
die gar nicht drin war, aus dem Sack.
"Deutschland holt im Standortwettbewerb stark auf".
Wieder eine Studie. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung
WHU in Vallendar, ebenfalls nach den Regeln der Kapitalistischen
Planwirtschaft denkend, betreibt mit allerlei Zahlenwerk für
das "Manager Magazin" Kaffeesatzleserei. In der Schrift
"Deutschland 2010" sehen die Wissenschaftler das
Land in fünf Jahren wieder in Europas Spitzengruppe.
"Bauern wollen mehr Marktwirtschaft". Leo Blum, Präsident
des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, einem regionalen
Ableger des Deutschen Brunnenvergifter Verbands DBV, spricht sich
im Interview für die Beibehaltung massiver Schadens- und Kostenexternalisierung
in der Landwirtschaft zum Nachteil der Allgemeinheit und der Nachfolgenden
Generationen aus.
CCR
25.07: "Immer mehr Verbraucher
pleite". Vor allem die Verbraucherpleiten (29200) lassen
die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
ansteigen.
CCR
26.07: "Alles läuft wie
geschmiert". Die Korruption in Deutschland wird mal wieder
sehr auffällig. Ob beim Mercedes-Vertrieb, bei Betriebsräten
im VW-Konzern, bei Infineon Motorsponsoring, Schleichwerbung im
Fernsehen oder der Geldwäsche im Commerzbank-Vorstand, in der
Kapitalistischen Planwirtschaft ist so etwas möglich, weil
lohnend.
CCR
27.07: "Es geht wieder aufwärts
in Deutschland". Neuestes Ejakulat des Münchner Instituts
für Wirtschaftsforschung ifo. Ihr Geschäftsklimaindex
klettert deutlicher als erwartet. Ökonomenguru U.N.Sinn, pardon
H.W.Sinn, bringt sich wieder mit dem Satz "ein erster Silberstreif
am Konjunkturhorizont ist zu sehen", ins Gespräch.
Der eifrige Denker innerhalb der Grenzen der Kapitalistischen Planwirtschaft
will sich mit dieser hochkarätigen Äußerung wohl
eine neuerliche Existenzberechtigung zur Erlangung öffentlicher
Gelder um den Hals hängen.
"Rentenkassen droht der Kollaps". Die Lage der
Rentenkassen wird immer kritischer. Ab September wird ein finanzieller
Zuschuss des Bundes wohl nötig sein. Natürlich kommen
nun von allen Seiten Vorschläge, wie das Problem zu lösen
sei. Der Rentenbeitrag solle erhöht werden. Der Hundt der Arbeitgeber
und die Versicherungsträger wollen ein höheres Renteneintrittsalter
einführen. Weiter soll es mehr Null- und sogar Minusrunden
geben. Alle halten sich an ihrer Milchmädchenvorstellung fest,
dass einen bessere Konjunktur dauerhaft Entspannung bringt. Doch
die leeren Rentenkassen sind eine logische Folge der Kapitalistischen
Planwirtschaft und der Politik ihrer Agitatoren. Zum Thema Rente
in Krisenzeiten siehe auch Beitrag unter 14.Juni 2005.
CCR
28.07: "Verbraucher wollen nicht
konsumieren". Sie wollen nicht das tun, was der Konjunktur
angeblich hilft. Zwar geschieht es aus Sorge um die eigenen Finanzen
und aus Angst vor der Zukunft. Doch unbewusst sorgen die Menschen
mit ihrer Kaufabstinenz angesichts des hohen Externalisierungsanteils
bei jeglicher Warenproduktion für eine leicht verminderte Vernichtung
der Lebensgrundlagen unserer Nachkommen. So gesehen, nämlich
unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft, ist der Ausfall
des "Wachstumsmotors" privater Konsum gut für unsere
Gesellschaft, wenngleich schlecht für den Profit in der Kapitalistischen
Planwirtschaft.
CCR
29.07: "Schlingensief schimpft
mit Parteien". Deutliche Worte vom Chaosregiseur "Alle
führenden Parteien haben ihren Volksauftrag verraten. Keiner
hat für Deutschland gehandelt, sondern nur aus parteipolitischen
Interessen"
"Wieder mehr Arbeitslose". Die Parteien schlachten
dies in altgewohnter Form für sich aus
"Schröder und Merkel-beide reklamieren den Aufschwung
für sich". Kaum interpretiert ein hochbezahlter Ökonom
wie Medienstar Sinn vom ifo-Institut die Schlieren auf seiner Windschutzscheibe
als Silberstreifen am Horizont, sind die jeweiligen Spitzen der
politischen Parteien sehr eifrig aus dem Häuschen. Klein-Gerhard
zetert. "Mein Silberstreif!" Klein-Angela entgegnet: "Nein,
das ist mein Silberstreif!" Bald wird sich zeigen, dass die
Momentaufnahme nur das Hin beim Hin-und-Her eines Pendels war. Aber
wer meint, dass es ihm nützt, beklatscht es eifrig. Das Volk
ist ja anscheinend zu blöde, um dieses alte Spielchen zu durchschauen.
CCR
30.07: "Kosten für Arzneien
explodieren". Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen
Krankenversicherungen sind im ersten Halbjahr deutlich gestiegen.
Komisch, woher das wohl kommt.
CCR
16.Juli 2005: Zum gestrigen Beitrag
kann man natürlich auch die Verbindung zwischen Spritverbrauch
und Terrorismus betrachten, Die Außen- und Verteidigungspolitik
der USA dient in erster Linie der Sicherung unverzichtbarer Rohstoffe.
Diese jahrzehnte lange Präsenz in aller Welt, dort, wo es was
zu holen gibt und das teilweise rücksichtslose Vorgehn beim
Erreichen der entsprechenden Ziele, hat erst den Hass entstehen
lassen, aus dem der Terrorismus sich entwickeln kann.
Wäre Benzin und Diesel, wie in der Kategorischen Marktwirtschaft,
als Treibstoff einfach zu teuer, wegen seiner Schädlichkeit
noch teurer als alternative Treibstoffe, würde die Nachfrage
rapide sinken. Damit verlöre der Rohstoff Erdöl auch politisch
teiweise seine Bedeutung und Wichtigkeit, womit wir neokoloniale
Präsenzen, Kriege und Elend einsparen könnten. Der Terrorismus
käme bei weitem nicht auf dieses Hasspotential, das er braucht,
wie die Pflanze das Sonnenlicht.
Morgen mache ich Urlaub.
Deshalb wird in der nächsten Woche hier etwas weniger zu lesen
sein. Ende Juli dann vielleicht auf der neuen Site.
CCR
15.Juli 2005: Die Spritpreise steigen
und steigen. Pünktlich zu den Sommerferien wird bei der wichtigsten
Voraussetzung für viele Leute, in Urlaub fahren zu können
kräftig abkassiert. Die Mineralölgesellschaften sind jetzt
so richtig in Schwung gekommen. Der Staat freut sich über die
unverhofften Mehreinnahmen über die Mehrwertsteuer für
Benzin und Diesel, muss aber den Eindruck verbreiten, es täte
ihm Leid für die armen geschröpften Bürger. Die Steuereinnahmen
von durchschnittlich 80 Cent pro Liter Treibstoff bescheren ihm
jährlich 52 Millarden Euro.
Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernd Gottschalk,
findet populäre Worte: "Die hohen Kraftstoffpreise
sind fatal für Konjunktur und Beschäftigung."
Dabei ist es gerade die Autoindustrie von der wir uns seit vielen
Jahren wünschen, dass sie endlich sparsame Automobile auf den
Markt bringt. Immer noch vergeblich warten wir auf das 2- bis 3-Liter-Auto
in mehreren Ausführungen und von jeder Fahrzeugmarke ins Angebot
genommen. Jeder Konzern hat die fertigen Pläne dazu in den
Schubladen liegen. Doch weder von den Verbrauchern noch von den
Regierungen sind die Autobauer jemals ernsthaft zur Umsetzung der
Sparautokonzepte gezwungen worden.
Jetzt jammern die Leute, weil sie und ihre Volksvertreter sich nicht
früh genug um dieses absehbare Problem gekümmert
haben. Wenn der Urlaub bevorsteht fällt ihnen auf, dass der
Wagen zu viel säuft. Dumm gelaufen. Aber es gibt ja noch Sündenböcke.
Gottschalk: "Allein im vergangenen Jahr sind durch die Ökosteuer
3,6 Milliarden Euro an Kaufkraft zusätzlich an der Zapfsäule
entzogen worden." Sein mächtiger Verein ist also völlig
unschuldig.
Autokonzerne verdienen an größeren PKWs natürlich
mehr, als an kleinen, sparsamen mit wenig Ausstattung. Mineralölkonzerne
haben ebenfalls mehr Interesse an hohem Spritverbrauch. Und auch
für den Staat bedeutet die Halbierung des Verbrauchs,
die Halbierung der Steuereinnahmen. Eine mächtige Troika
gegen die Interessen der Bürger, aber immer mit Krokodilstränen
zur Stelle, wenn die Dauerdiskussion wieder aufflammt.
Manche Leute steigen auf Gas um und begeben sich in neue Abhängigkeiten.
Andere tanken Pflanzenöl, was für die breite Masse auch
nicht die Lösung sein kann. Elektro- und Wasserstoffantriebe
werden angeblich weiterentwickelt, ohne dass in den letzten Jahren
daraus irgend ein greifbarer Schub in der Antriebstechnik als kostensparende
Änderung für die breite Masse spürbar geworden wäre.
Das große Manko bei der Mobilität in unserer Industriegesellschaft
allerdings, von dem wir gegenwärtig mit den steigenden Spritpreisen
nur einen Aspekt zu spüren bekommen, ist die dramatische Fehlentwicklung
über Jahrzehnte im gesamten Bereich der unterschiedlichen
Fahrmöglichkeiten jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers.
Der Autoverkehr verursacht durch das Anrichten von vielfältigen
gesellschaftlichen Schäden nebenbei enorme Kosten, die nicht
vom Fahrzeugbesitzer oder -nutzer bezahlt werden. Nach einer Studie
des Umwelt- und Prognose- Instituts Heidelberg von 1991 kommen auf
einen Liter Treibstoff im Kfz -Verkehr externe Kosten in Höhe
von 4,50 DM. Für das Jahr 2005 kann eine Untergrenze von 3
bis 4 Euro angenommen werden, da heute sicherlich mehr Faktoren
berechnet werden können, als vor 14 Jahren.
Hätte es diesen Aufschlag zum Benzinpreis ganz von Anfang an
gegeben, etwa schon ab den 1950er Jahren, wäre die Entwicklung
zum Individual-PKW und zur LKW-Schwemme, wie wir sie heute gewohnt
sind, womöglich ganz anders verlaufen.
Das Pendeln Vieler zum Arbeitsplatz über 100 km täglich
wäre von vorneherein unrentabel gewesen. Es hätten sich
wahrscheinlich ganz andere Beschäftigungsstrukturen herausgebildet,
mehr regional vorhandene Arbeitsplätze, weniger Zentralisierung
der Betriebe, mehr und besser nutzbare öffentliche Verkehrsmittel.
PS-starke Spritschleudern gäbe es kaum, alternative Antriebe
wären ausgereift und voll im Einsatz, und abgesehen von der
Abgasbelastung wären auch alle anderen Auswirkungen der Mobilität
weniger dominant, wenn überhaupt spürbar. Es gäbe
vielleicht gar keine Staus, weil viel mehr Leute nahe ihrem Wohnort
Arbeit fänden, und weil sie mit dem Sammeltaxi beispielsweise
viel billiger zur Arbeit kämen. Die gesamte Versorgung der
Bevölkerung wäre vorwiegend dezentral organisiert, die
Regionen hätten eine ganz andere Bedeutung, als in den heutigen
Zeiten des allgemeinen Transportwahnsinns.
Der Straßenbau müsste nicht ständig gesteigert werden,
weil die Anzahl der Fahrzeuge, PKW wie LKW, stagnieren würde.
Landschafts- und umweltschädliche Neubauprojekte wären
überflüssig. Die Finanzen dafür müssten nicht
eingenommen, bzw. könnten für wichtigeres verwendet werden.
(In einer solchen Mobilitätsstruktur gäbe es für
Auto- und Ölkonzerne allerdings sehr viel weniger zu verdienen,
und für die Politiker sehr viel weniger abzukassieren).
Ja sogar die gesamte Struktur internationaler Handelsbeziehungen
hätte sich in ganz anderer Art und Weise entwickelt, hätte
man die externalisierten Kosten des Verkehrs von Anfang an auf die
Nutzung der Verkehrsmitteln aufgeschlagen, also von jedem Verkehrsteilnehmer
individuell zusätzlich zu den bisherigen Fahrtkosten eingefordert.
Und das Schönste: wir würden uns darüber gar nicht
aufregen, weil wir es nicht anders wüssten, weil unser Marktwirtschaftliches
System die Entwicklung wegen der von Anfang an immens hohen Transportkosten
eben unter Vermeidung dieses Transportaufwands genommen hätte
und entsprechende Entwicklungen in andere Richtungen gefördert
hätte.
Doch leider leben wir nicht unter den Regeln der Kategorischen Marktwirtschaft.
Unsere gegenwärtige Ökonomie fördert nicht die Interessen
der Menschen und den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen, sondern zerstört
diese, um den Profit der Unternehmen zu steigern. Diese Steigerung
des Profits ist der unausgesproche Plan aller Unternehmungen. Diesem
Plan müssen sich alle anderen Interessen unterordnen. Um ihn
zu erfüllen gibt es die offiziellen und die verdeckten Subventionen
in Form von Steuervergünstigungen, Abbau sozialer Verpflichtungen
und Schaffung der Verkehrsinfrastruktur auf Kosten der Bevölkerung,
statt auf Kosten der Fahrzeugbauer und -nutzer, und es gibt schließlich
das gewaltige Subventionspaket in Form der Möglichkeit, Schadkosten
durch die Produktion oder durch die Produkte auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen abwälzen zu können.
Deshalb muss die gegenwärtige Ökonomieform als Kapitalistische
Planwirtschaft bezeichnet werden.
Gegenwärtig sorgt sie nur für die Erhöhung unserer
Fahrtkosten. Langfristig wird sie unsere demokratische Gesellschaft
jedoch kaputt machen.
CCR
14.Juli 2005: Es ist wahr, dieser Blog
ist respektlos und frech. Doch dies ist nur konsequent, angesichts
der hochnäsigen Dilletanten, ignorant bis in die Schlipsspitze,
die vorgeben uns zu regieren und uns in Wahrheit alles nehmen, wenn
man sie nur lange genug an der Macht lässt.
Das größte Problem ist die Unfähigkeit der breiten
Masse, sich einen wirklichen Wandel unseres gesellschaftlichen
Lebens vorstellen zu können, eine grundlegende Veränderung,
die uns zwar quantitative Einbußen aber einen Gewinn an Lebensqualität
bringt. Auch gibt es keinerlei beachtete Publikationen, die Lebensalternativen
beschreiben, keine Medien, die ernsthafte Visionen ausbreiten und
so eine Diskussion erst ermöglichen, keine Autoritäten
mit öffentlichem Gewicht, die sich dieses Themas annehmen.
Alle scheinen nur völlig bedopt zu sein vom herrschenden
Muss, bloß nichts Außergewöhnliches denken,
bloß nicht darüber philosophieren, dass die Staatslenker
durch die Bank nicht mehr alle Tassen im Schrank haben könnten,
dass sie nicht mehr regieren, sondern sich nur noch selbst darstellen.
Nach der neuesten Forsa-Umfrage nimmt die Glaubwürdigkeit der
Politiker in den Augen der Wähler weiter ab. 84% der Deutschen
sind überzeugt, dass die Parteien ihre Wahlversprechen nach
der Bundestagswahl nicht umsetzen werden. Nur 13% glauben, die Parteien
würden sich an ihre Programme halten.
Welch eine Schitzophrenie, welch eine betonharte Ausblendung der
Realitäten, denn mit Sicherheit gehen mehr als 13% der Bundesbürger
zur Wahl. Die Tagesmeldungen scheinen für die meisten Menschen
wirklich nur noch Unterhaltung zu sein, ohne jeglichen Glauben an
eine tatsächliche Relevanz für das eigene Leben.
Spaß-Meldung von Dienstag: WM 2006 schafft 50.000 neue Arbeitsplätze,
davon "möglicherweise" 20.000 langfristige
Jobs. - Ho-Ho-Ha-Ha-. DFB-Präsihälfte Zwanziger unterschrieb
schon mal einen Vertrag mit der Bundes-Agentur-Anstalt für
Arbeit.
Oder von gestern: EU will für Menschen, die im Freien arbeiten,
in Deutschland sind das 2,5 Millionen, Sonnenschutz vorschreiben.
-Ha-Ha-Ho-Ho-. Die FCKW-Problematik wurde 20 Jahre lang verbummelt,
damit wir heute was zu lachen haben.
Alles nur noch Bild-Zeitung.
Wir sind eigentlich kurz davor, jegliche Nachrichten ebensogut abschaffen
zu können. Die übliche Rede der Boulevard-Blatt-Leser,
"ich lese die Bild-Zeitung ja nur wegen dem Sportteil",
können wir ab sofort auf alle anderen Medien übertragen.
Von wegen, seriöse Wochenzeitung, aktuelle Tageszeitung, über
Hintergründe berichtende Nachrichtenmagazine. Fast alle käuen
sie nur die kurzlebigen Ergüsse der Volksvertreterkaste wieder
und präsentieren sich als ebenso blinde Ideologen ohne Nähe
zum allgemeinen Tellerrand.
Berichtet endlich über Lichtblicke. Jegliche Veränderung
beginnt mit der Diskussion über die Loslösung vom Vertrauten,
aber destruktiv gewordenen. Habt keine Angst, ein neues Gericht
zu probieren, vielleicht schmeckt es besser als das vertraute, aber
angeschimmelte der Gegenwart.
PS.: Der RestmuellNet-Blog hat keinen Sportteil.
CCR
13.Juli 2005: Wem ist nicht schon aufgefallen,
wie sehr das Eigenlob in den letzten Jahren gesellschaftsfähig
geworden ist. Von dem alten Spruch, "Eigenlob stinkt",
scheint nichts mehr übrig zu sein. Mittlerweile ist der Gestank
in den Medien so allgegenwärtig, wie die Helligkeit am Tage.
Es kam so allmählich, dass man kaum zusammenbekommt, wie es
anfing. Die Radiosender in Deutschland haben damit angefangen.
Ob sie sich von etwas anderem haben inspirieren lassen, etwa von
der Politik, lässt sich nicht mehr feststellen. Ihre Werbestrategen
müssen jedenfalls irgend ein Antitranspirant entdeckt haben
mit welchem der Übergang von "Eigenlob stinkt" zu
"Eigenlob bringt Vorteile" möglich wurde.
Der Sender SWR3, den ich manchmal früh morgens einschalte,
schlägt hier alle Rekorde. Mit dem Slogan "Mehr Hits,
mehr Kicks", an Dämlichkeit kaum noch zu überbieten,
sind die Baden-Badener zu den höchsten Einschaltquoten gekommen.
Nach Ansicht der Macher werden hier also mehr Hits als bei der Konkurrenz
gespielt, was überhaupt nicht wahr ist. Jeder "Hit"
sorgt demnach für einen "Kick", ein ebensolcher Blödsinn.
Ja, und natürlich die versteckte Suggestion, dass "Kicks"
notwendig sind im Leben, dass diese durch Hits erbracht werden können
und dass also SWR3 dieses Bedürfnis am besten befriedigt. Denn
los: Je mehr SWR3 wir hören, desto besser kommen wir durchs
Leben.
Andere Sender sind natürlich ebenfalls kreativ, wenn die Hemmungen
erst mal abgelegt wurden. "Die größten Hits",
hören wir, "Nur die Superhits", macht man den Hörern
weis, "Die größten Hits aller Zeiten", noch
mal gesteigert, und dann kommt oft altbackener Dudelkram. Dann,
nach jedem Song das Jingle mit dem Sendernamen, bloß keine
Missverständnisse aufkommen lassen, "Die beste Comedie,
der meiste Spass", wenn das Leben immer beschissener wird,
dann wenigstens mit mehr Spaß.
Wenn die Radiosender im überregionalen Konsens jede ernstzunehmende
Kritik gestrichen haben, somit deutlich dokumentieren, wie egal
ihnen das Leben der Hörer außerhalb des Hörens ist,
sich dagegen aber um so eifriger um das Lametta des Alltags kümmern
und sich dafür auch noch im Minutentakt rühmen, stellt
dies in meinen Augen eine weitere Verarmung der öffentlichen
Meinungsvielfalt dar.
Viele im Südwesten werden sich noch an die erfrischenden Kommentare
von Uli Becker im SWF3 erinnern. Wenn es irgendwie passte hatte
ich pünktlich um 16.40 Uhr die Kiste eingeschaltet. Uli Becker
war Kult, war Seelenmassage, Offenlegung des Verborgenen, Herausschälen
des Kerns und oft Beschämung allzu stumpfsinnig daherquatschender
Politiker.
Stillschweigend wurde Uli Becker entfernt, und sein Platz ist bis
heute leer geblieben.
Natürlich kann man sagen, das System reinigt sich von seinen
Kritikern. Auch die Sender werden von Ignoranten mit Parteizugehörigkeit
geleitet. Die Mär vom unabhängigen Hörfunk wollen
wir begraben, wie die vom unabhängigen Journalismus. Kleine
Ausnahmen, wie die "Morningshow" mit Wirbitzki und Zeus
alle 14 Tage in SWR3 , wo immerhin noch ein Rest von Geist und Zeitkritik
enthalten ist, bestätigen eher die Regel.
An dieser Stelle will ich natürlich auch die Politik
nicht vergessen. Hier sorgt eine wahre Inflation von Eigenlob
dafür, dass schon das Zeitungsaufschlagen nur mit Wäscheklammer
auf der Nase möglich ist. Gern wird hier das Eigenlob geschickt
mit der gnadenlosen Unfähigkeit verwoben, und das Volk scheint
den Coup gar nicht zu bemerken.
Angela Merkel: "Wenn wir die Leistung erbringen, die Lohnzusatzkosten
zu senken, dann ist es auch gerechtfertigt, eine Indirekte Steuer
zu erhöhen." Eigentlich kann man hierzu überhaupt
nichts mehr sagen außer: ab in den Kindergarten, Angela! Doch
wir haben es hier mit der alltäglichen Realität zu tun.
Sie wollen die Mehrwertsteuer erhöhen, um die Lohnnebenkosten
zu senken. Ihre Ideologie meint allen Ernstes, dadurch mehr Wachstum
und Beschäftigung zu bekommen. Die Tatsache, dass Wachstum
der herkömmlichen quantitativen Art aber in Wahrheit Arbeitsplätze
vernichtet, wird sich bei der Union so schnell nicht ins Bewusstsein
integrieren lassen. Die gehen jetzt erst mal im Stechschritt in
die falsche Richtung, um irgendwann ihren Irrtum und seine Folgen
wieder mit Eigenlob zu übertünchen.
Angela Merkel hällt es für eine Leistung, das beschäftigungspolitisch
Irrelevante zu tun. Diese Fehleinschätzung dient dann wiederum
der Rechtfertigung des wirtschaftspolitisch Widersinnigen. "Wenn
ich die Leistung erbringe, meinem Nachbarkind einen Zuckerlolli
zu schenken, ist es auch gerechtfertigt, ihm vorher auf die Backe
zu schlagen!"- Ho-Ho, Ha-Ha lernt man im Lachuntericht.-
Papageien-Kauder, ("Sozial ist, was Arbeit schafft!"),
setzt noch eins drauf. "Denn es ist schon außergewöhnlich,
wenn eine Partei aus der Opposition heraus ankündigt, dass
sie Steuern erhöhen muss, um tatsächlich Lohnzusatzkosten
senken zu können. Das finde ich mutig." (Rhein-Zeitung
von heute) -Auch Ha-Ha, Ho-Ho ist eine Variante.- Kauder findet
sich ja so mutig, wenn er den Blödsinn, den er vorhat, auch
noch vorher ankündigt. "Sozial ist, was Arbeit schafft!"
Allen Ernstes verkündet er, die von der Mehrwertsteuererhöhung
am stärksten betroffenen Gruppen wie Rentner, Arbeitslose,
Studenten, Familien usw. würden in Wahrheit davon profitieren.
Ich mach jetzt Schluss, es ist unerträglich. Diese Kappen werden
von der blinden Masse auch noch gewählt werden. - Ach ja, Friedrich
"Bierdeckel" Merz kriegt den Orden "Wider den tierischen
Ernst" vom Aachener Karnevalsverein. In der Begründung
dieser Institution für die medienwirksame Dekoration strukturkonservativer
Dummschwätzer heißt es: "Wer wie Friedrich Merz
aus griesgrämigen Steuerpflichtigen fröhliche Steuerberechtigte
macht, dene das Zahlen runtergeht wie ein frisches Pils, ist ein
würdiger Ritter wider den tierischen Ernst." Dies
soll jetzt jeder selber kommentieren. hhhgdgfdstrewtzjpo86d87543b76ewopk
CCR
12.Juli 2005: Zugegeben, das Meisner-Papier
von gestern war erfunden. Es wäre auch zu schön
um wahr zu sein, wenn es in des Kardinals Umfeld jemanden gäbe,
der mittels einer treffenden Parabel, mittels eines von Jesus Worten
abgeleiteten Bildes, den inneren Zustand von Unionsparteien und
Kreisen kirchlicher Würdenträger analysieren könnte
und dies gegen den Willen seines Chefs auch täte. Eher schon
schlägt sich ein Mann wie Kardinal Lehmann verbal auf die neoliberalistische
Seite.
Doch wo kämen wir denn hin, wenn die Kirche die eigentlichen
Gründe für fortdauernden Bedeutungsverlust und Anhängerschwund
herausfinden würde und gegensteuerte.
Die christlichen Kirchen müssten ja politisch werden, nicht
parteipolitisch aber sie müssten den Menschen gegen den Allparteienkonsens
und die Alltagsauswirkungen der Politik eine Perspektive anbieten.
Sie müssten die Weichenstellungen unserer "Volksvertreter"
als Weg in die Sackgasse anprangern und geschlossen die Gefahren
für die menschlichen Seelen aus Wettbewerbszwang, Wachstumsideologie
und Wohlstandsideal aufzeigen.
Sie müssten Alternativen entwickeln gegen den eingeschliffenen
Konsens, wie die Kategorische Marktwirtschaft, Alternativen, die
auf qualitatives Wachstum ausgerichtet sind, statt auf quantitatives
Immer-Mehr und auf den vollständigen Ersatz des Seins durch
das Haben, Alternativen, die den Profit auf Kosten der Allgemeinheit
und auf Kosten unserer eigenen Nachkommen unmöglich machen.
Sie müssten klarstellen, dass die Philosophie des Jesus von
Nazareth nicht nur eine kleine Ecke im Alltag betrifft, sondern
das ganze Leben bestimmen soll, egal was der gesellschaftliche oder
wirtschaftspolitische Zeitgeist gerade vorschreibt. Kirche müsste
sich vom inneren Selbst heraus äußern, ihre Urprinzipien
auf moderne Verhältnisse interpretieren ohne in Konservativismus
und blinden Papstgehorsam zu verfallen. Sie würde auch der
Jugend gegenüber wieder interessant, könnte den anhaftenden
Flair eines trockenen Brötchens abschütteln.
Doch die Kirchen scheinen lieber weiter dahindümpeln zu wollen,
bewegungslos gegenüber ihrer Finanzmisere, die immer mehr Aktivitäten
lähmt, einzig die herkömmlichen Maßnahmen wie alle
anderen verschuldeten Institutionen im Kopf, die statt einen neuen
Aufbruch zu wagen sich auf Restemanagement beschränken. Wehrlos
gegenüber dem schwindenden Interesse der breiten Masse. Ohne
die treuen alten Mitglieder wären sie schon heute bewegungsunfähig.
Im Kommunalteil unserer Tageszeitung findet sich heute ein Bericht
über die Versammlung der evangelischen Kirchengemeinde in meiner
früheren Heimatstadt. Symptomatisch für wohl die allermeisten
Kirchengemeinden in Deutschland sind die dargestellten Probleme.
Weniger Mitglieder als früher auf der Versammlung, düstere
finanzielle Entwicklung ohne Lichtblick, Infragestellung der Kirchenmusik
aus Kostengründen, Personalabbau, Weiterwursteln durch Schuldenmachen,
Reduzierung der Arbeit an Jugendprojekten, abermaliges Verschieben
der notwendigen Kirchensanierung, usw.
Die christliche Kirche muss begreifen, dass die Zeiten, wo "Pharisäer
und Schriftgelehrte" angeprangert wurden, wo deren Verhalten
und ihr Wirken schonungslos als menschen- besser seelenfeindlich
bloßgestellt worden ist, eben nicht vorbei sind, dass im Gegenteil
aus den trostlosen und bleiernen Verhältnissen eine Pflicht
für die Kirche entsteht, sich einzumischen und allen
Parteien bei deren Marsch hin zur Alleinherrschaft einer umfassenden
Wirtschaftsreligion entgegenzutreten haben.
Doch lassen wir das. Der Weltjugendtag in Köln wird wieder
eine Mischung aus bravem Pop-Konzert und Junge-Union-Versammlung
mit wenigen, kurz aufblitzenden Ungehorsamkeiten Meisners Linie
gegenüber, bzw Gehorsamkeiten der Urbotschaft Jesus gegenüber.
Jesus war hochpolitisch, ohne ins Politikergehabe abzurutschen.
Die heutige Kirche, ob katholisch oder evangelisch ist feige, mit
sich selbst beschäftigt, weinerlich gegenüber der Anhängerstatistik
und massiv opportunistisch gegenüber den vereinigten Großmäulern
des öffentlichen Lebens in unserer Industriegesellschaft.
Die Oberhäupter der deutschen Kirchen, -oder soll ich realistischerweise
sagen: die offeneren Mitglieder weiter unten-, seien hiermit eingeladen,
sich mit den Prinzipien der Kategorischen Martwirtschaft vertraut
zu machen. Diese ist nicht nur aus ökonomischer, arbeitsmarkt-
und umweltpolitischer Sicht die einzige Alternative zur derzeit
herrschenden und die Welt in jeder Beziehung verheerenden Kapitalistischen
Planwirtschaft. Sie ist auch die Garantie für die Dominanz
christlicher Maxime in der großen Ökonomie
Wenn die Kirchen dem destruktiven Zeitgeist nicht entgegensteuern,
werden sie mit ihm untergehen.
CCR
11.Juli 2005: Nicht nur die CDU, auch
der Kölner Kardinal Meisner hat in den letzten Wochen
viel zu tun. Wider jede Tradition forderte Meisner Anfang Juni CDU
und CSU auf, das C aus ihren Namen zu streichen. Meisner: "Was
christlich ist, kann nicht die CDU definieren. Das machen wir,"
erklärte er damals in der "Westdeutschen Zeitung".
Mit Blick auf die Rolle von Angela Merkel in der früheren Kohl-Regierung
fragte er: "Wie konnte eine Frau Familienministerin werden,
die selbst geschieden ist und mit einem geschiedenen Mann zusammenlebt?"
Dem RestmuellNet-Blog wurden jetzt vertrauliche Informationen zugespielt,
wonach Meisner sich bei den Unions-Parteien für seine Äußerungen
entschuldigt hat.
Eigentlich hat der Kardinal derzeit viel Arbeit mit dem anstehenden
Weltjugendtag in Köln. Meisner musste für ein Pressefoto
so tun, als trage er mit Jugendlichen das Weltjugendtagskreuz vom
Rhein zum Messeplatz. Er muss peinlich genau darauf achten, nur
wirklich linientreue kirchliche Gruppen für dieses große
PR-Event zuzulassen. Keine Kritiker sollen dieses sündhaft
teure Kölner Pope-Festival stören, (Motto: "Wir sind
gekommen, um ihn (?) anzubeten.")
Niemand soll etwa fragen, warum statt Transfair-Kaffee das Produkt
des Unternehmens Tchibo ausgeschenkt wird, welches durch Ausbeutung
der Kaffeebauern in der dritten Welt für die katholische Kirche
billiger kommt.
Trotzdem fand Meisner Zeit für ein Friedensangebot an die Union.
Um die Ausarbeitung des lange angekündigten Wahlprogramms
der CDU/CSU zu erleichtern, ließ er der Union ein von
seinem Sekretariat angefertigtes Positionspapier zukommen,
worauf die christliche Partei ihr Programm aufbauen könne.
Hierin sah Meisner eine verlässlichere Unterstützung für
die C-Parteien als die in den letzten Jahren immer spärlicher
ausfallenden Kanzeltipps an Wahlsonntagen.
Allerdings scheint der zuständige Mitarbeiter im Büro
des Kardinals die ihm gestellte Aufgabe missverstanden und
nicht im Sinne des Kardinals bearbeitet zu haben. Meisner bemerkte
den abermaligen Eklat gegenüber der Union erst, als die jeweiligen
Generalsekretäre seine gut gemeinten Unterlagen empört
zurückschickten. Sie verwahrten sich gegen die versuchte Einflussnahme
und fragten Meisner, ob er überhaupt wisse, in welcher Welt
man heute lebe. Sein Papier könne er einmotten. Solche Gedanken
hätten in Zeiten von Wirtschaftswachstum und Wettbewerb auch
für eine christliche Partei ausgedient.
Bevor das Schriftstück nun stillschweigend und endgültig
ins päpstliche Archiv verbannt wird, seien hier einige Passagen
daraus zusammengefasst wiedergegeben.
Grundlage des Papiers ist eine Bibelstelle im Neuen Testament, Matthäus-Evangelium
23, Vers 13 bis 33. Jesus redet hier gegen die Pharisäer
und Schriftgelehrten, und das Papier des Kardinals spekuliert zunächst
darüber, wer heute die Rolle der damaligen Pharisäer und
Schriftgelehrten innehat. Es kommt zu dem Schluss, dass hier alle,
die sich an das Volk wenden mit Reden und Überreden, mit Regeln
und Gesetzen, mit Vorbild und Anspruch auf Richtungsfindung, also
auch Politiker und Geistliche gemeint sind. Da die CDU/CSU und die
katholische Kirche nach christlichen Regeln handeln, würden
sie sich beide den Geist dieser Bibelverse aneignen und als Richtschnur
für ihr aktives Handeln umsetzen können.
Dann geht das Papier ins Detail.
In der Bibel bei Matthäus 23 heißt es im Original (Vers
13):"Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler,
die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht
nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen."
Die Aktualisierung aus dem Büro Meisners lautet: "Weh
euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler, die ihr den Menschen
erzählt, glücklich werden sie nur durch Wohlstand, wie
ihr ihn versteht, mit dem Verbrauch vieler Dinge, die nur euch reich
machen, und denjenigen, die es versuchen wollen mit Liebe, Vertrauen
und ohne Geld, ihr es gründlich verderbet."
Vers 14 lautet: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
die ihr der Witwen Häuser fresset und verrichtet zum Schein
lange Gebete. Darum werdet ihr ein desto schwereres Urteil empfangen."
Und die Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer,
die ihr euch nähret von den Schulden der Schwachen und Machtlosen,
derer, die nicht so erfolgreich wie ihr das Leben durchschreiten,
und ihr entschuldigt euch mit der Verkündung, dies sei nun
mal manchmal die Natur des Marktes."
Vers 15 lautet:" Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht, damit ihr einen
Judengenossen gewinnt; und wenn er's geworden ist, macht ihr aus
ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr."
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler,
die ihr werbet um junge Menschen auf jede Art und an jeder Ecke,
dass sie übernehmen eure Art zu leben und Dinge zu kaufen,
und wenn sie es tun, werden sie die Schöpfung noch rücksichtsloser
verbrauchen, als ihr."
Vers 16 bis 19: "Weh euch, ihr verblendeten Führer,
die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel, das gilt nicht;
wenn aber einer schwört bei dem Gold des Tempels, der ist gebunden.
Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das Gold oder der Tempel,
der das Gold heilig macht? Oder: Wenn einer schwört bei dem
Altar, das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem Opfer,
das darauf liegt, der ist gebunden. Ihr Blinden! Was ist mehr: das
Opfer oder der Altar, der das Opfer heilig macht?"
Aktualisierung: "Weh euch, ihr verblendeten Führer, die
ihr sagt: Wenn einer handelt nach reinem Gewissen und fordert der
Gerechtigkeit Sinn, das gilt nicht. Wenn aber einer findet den passenden
Paragraphen im Gesetz, das bindet. Ihr Blinden! Was ist größer?
Euer Gesetz oder die Gerechtigkeit, der das Gesetz zu dienen hat?"
Oder Vers 23 und 24: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel
und laßt das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das
Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben! Doch dies sollte man
tun und jenes nicht lassen. Ihr verblendeten Führer, die ihr
Mücken aussiebt, aber Kamele verschluckt!"
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr Heuchler,
die ihr alles dem Handel und der Wirtschaft unterordnet und vergesst,
dass die Menschen wichtiger sind, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
unter ihnen herrschen soll und Glaube an Gott, und nicht nach Profit.
Denn beides ist wichtig, Handel und Handeln nach christlichen Werten.
Ihr verblendeten Vorbilder, die ihr jeden Krümel bei anderen
kritisiert, eure eigenen Verbrechen aber überseht."
Vers 25 bis 28: "Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, ldie ihr die Becher und Schüsseln außen
reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du mblinder Pharisäer,
reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere
rein wird! n Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler,
die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von
außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine
und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den
Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht."
Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer, ihr
Heuchler, die ihr euch christlich gebet und rechtschaffend. Ihr
findet immer den passenden Schein und die ehrbaren Worte. Innwendig
aber seid ihr Lügner und Betrüger für eure eigene
Sache. Ihr gebet an, erst mal an der Macht, den Menschen Glück
und Wohlstand zu verschaffen. Doch in Wahrheit führt ihr sie
in eine düstere Zukunft."
Oder auch Vers 29 bis 33: "Weh euch, Schriftgelehrte und
Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler
baut und die Gräber der Gerechten schmückt und sprecht:
Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären
wir nicht mit ihnen schuldig geworden am Blut der Propheten! Damit
bezeugt ihr von euch selbst, daß ihr Kinder derer seid, die
die Propheten getötet haben. Wohlan, macht auch ihr das Maß
eurer Väter voll! Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt
ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?"
Und die Aktualisierung: "Weh euch, ihr Menschenführer,
ihr Heuchler, die ihr ehret den Widerstand unter vergangener Gewaltherrschaft
und bauet Mahnmäler und Gedenkstätten und sprecht: wir
sind wachsamer, als unsere Väter und dulden nie wieder Unterdrückung
und Barbarei, denn wir haben den Staat der Freiheit, und wehe dem,
der daran rüttelt. Dabei zerstört ihr was euren Nachkommen
gehört und euer heutiges Handeln wird abermals großes
Leid bringen. So beweist ihr, dass ihr in modernerer Form nur abermals
so handelt wie eure Väter damals. Auch ihr werdet einmal verdammt
werden für eure heutigen Taten." Usw.
Im Büro des Kardinals konnte der Autor dieses Papiers bisher
nicht ausfindig gemacht werden. Bei den Unions-Parteien weiß
man offiziell nichts von dem Text. Zu deutlich wäre auch die
Diskrepanz seiner Aussage gegenüber dem Inhalt des heute veröffentlichten
Wahlprogramms.
CCR
10.Juli 2005: In eigener Sache: Es
ist jetzt schon öfter vorgekommen, dass Leute an restmuellnet.de
gemailt haben und diese Mails nie ankamen. Als PC-Laie weiß
ich nicht woran dies liegt. Alle meine Einstellungen sind in Ordnung.
Wer kann da helfen?
CCR
9.Juli 2005: Nach den Attentaten von
London, mittlerweile über 50 Tote, gibt es die erwarteten Reaktionen.
Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer bekundete, dass die Nato-Mitgliedsländer
"unerschütterlich am gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus"
festhalten.
Japan erhöht seine Sicherheitsvorkehrungen. In den USA entdeckt
und beklagt man "Sicherheitslöcher". Ein demokratischer
Senator dort meint, mit Ausnahme des Luftverkehrs sei "das
öffentliche Transportsystem völlig unzureichend geschützt".
Amerikanische "Experten" weisen verstärkt auf viele
Defizite in der Terrorabwehr des Landes hin.
Unser Innenschily genießt den Rückenwind, geißelt
den zu laxen Umgang mit "Hasspredigern", (als wäre
dafür bisher jemand anderes zuständig gewesen), will eine
neue Kronzeugenregelung, mehr Wurst für die Ermittler und überhaupt
... Unionsfraktionsvize Bosbach fordert besseren Informationsaustausch
zwischen Geheimdienst und Polizei, organisch geformte Funksprechgeräte
und mehr bunte Kugelschreiber.
Die Kölner Behörden stellen das Sicherheitskonzept für
den Weltjugendtag auf den Prüfstand. Journalisten befürchten
Anschläge zur Fußballweltmeisterschaft 2006.
"Terrorismusforscher" wollen abermals "Ergänzung"
der bestehenden "Anti-Terror-Gesetze". Langfristige Speicherung
von Telefongesprächen, zentrale "Islamistendatei",
ohne friedliche Moslems unter "Generalverdacht" zu stellen,
bessere "Erfassung der Gewaltbereiten".
Was ist, wenn irgendwann Nichtmoslems für Al-Kaida bomben?
Wird dann die Datei zur "Islamisten- und Nichtislamistendatei"?
Der Bund verlängert die staatliche Haftungsgarantie für
den deutschen Terrorversicherer "Extremus" bis Ende 2007.
Rund 1100 Unternehmen sind dort versichert. Der Bundesrat beschloss
für Deutschland als erstes EU-Land die Einführung des
so genannten E-Passes mit Chip und digital eingespeichertem Gesichtsbild.
Ein Leserbriefschreiber in der aktuellen "Rhein-Zeitung"
sieht einen "abgrundtiefen Hass" auf das westliche
System, und er darf exklusiv auf Seite 2 der Wochenendausgabe
konstatieren, dieser speise sich "sicher irgendwie aus
dem Islam". Weiter lässt die Redaktion ihn erklären,
der Hass speise sich "ebenso sicher auch durch die Krawalle
der Linken, die breit gestreuten Anti-Globalisierungs-Kundgebungen
der "Gutmenschen" ". All das sei "ein
Unterpfand für die El-Kaida-Ideologen. All die verwirrten Ankläger
gegen "Die USA" und "George W. Bush", gegen
das Weltwirtschaftssystem und den "Westen" wollten vielleicht
nicht Sympatisanten von El-Kaida sein, aber ganz sicher werden sie
von den Islam-Terroristen mit großer Sympathie als
"Menschen auf dem richtigen Wege" gesehen, deren
"Argumente" und Hasstiraden als konkrete Belege für
die Richtigkeit der islamischen Attacken genommen wird."
Was nützt es da, wenn die europäischen Moslems sich von
den Anschlägen distanzieren, wenn sie Angst vor Racheakten
tumber Einäugiger hegen und immer wieder zu Recht die Unvereinbarkeit
dieser Mordanschläge mit den Grundzügen ihrer Religion
beteuern (Bericht auf Seite 6 unten). Prompt und ohne Feingefühl
bringt die "Rhein-Zeitung" eine solche Deppen-Eruption
auf die zweite Seite ("Leserbriefe sind keine Meinungsäußerung
der Redaktion", na da sind die Redakteure ja fein aus dem
Schneider). Das bringt uns auch ein gewaltiges Stück weiter,
wenn wir lesen können: "Jeder von uns sollte den Mut
haben, nicht nur die islamistischen Bombenleger aufs Schärfste
zu verurteilen, sondern auch all die westlichen Irrgeister,
die gewaltsam, niederträchtig und primitiv ihre "linke"
Meinung kundtun."
Zum Teufel mit den "kleinen" Unterschieden zwischen
islamisch und islamistisch oder zwischen Kampf gegen Terroristen
und Kampf gegen Terror, oder auch zwischen gerechtem Welthandel
unter Achtung aller Beteiligter und sogenannter "Globalisierung",
wie sie Neoliberalisten verstehen.
Packen wir doch einfacherweise ebenfalls die große Keule und
schwingen sie wild herum. Gewiss werden wir uns damit selbst treffen,
aber das wäre nicht so schlimm, hauptsache das Problem und
seine Analyse bleibt einfach.
Heute kann man die Ausgabe der "Rhein-Zeitung" getrost
auf dem Klo hinter sich bringen!!!!!
Ein westlicher Irrgeist - CCR
8.Juli 2005: Anlässlich der gestrigen
Terroranschläge in London mit 40 Toten und vielen Schwerverletzten,
häufen sich wieder die Kommentare zum Thema Terrorismus. Wohl
alle können wir die Äußerung des Papstes unterschreiben,
dass die Anschläge "barbarische Akte gegen die Menschlichkeit"
seien, dass sie feige Aktionen hinterhältiger Verbrecher auf
Kosten unschuldiger und wahllos dahingemetzelter Menschen sind.
Danach gehen die Ansichten allerdings stark auseinander.
Unser aktueller Bundespräsident, der ebenfalls die "barbarischen
Anschläge" verurteilt, sagte im Beileidstelegramm
an die britische Königin: "Wir werden den Terrorismus
gemeinsam und entschlossen bekämpfen." So ähnlich
hörte es sich auch von Russlands Präsident Putin an: "...müssen
wir alle zivilisierten Staaten im Kampf gegen den internationalen
Terrorismus vereinen."
Ob zum gestrigen Ereignis oder zum Bombenterror von Jakarta
im September 2004, oder zum schrecklichen Gemetzel von Madrid im
März 2004 und den Anschlägen davor, immer wird der Kampf
gegen den Terrorismus beschworen.
Was danach dann kommt, ist ein Kampf gegen Terroristen, besser
gesagt potentielle Terroristen, in Verbindung mit der langsamen
aber stetigen Aushöhlung unserer Freiheitsrechte.
Der Kampf gegen den Terrorismus wird in Wahrheit gar nicht
geführt. Ein solcher Kampf bestünde darin, die Gründe
für diesen Terror ohne Rücksicht auf westliche Wirtschaftsinteressen
zu analysieren und durch eine entsprechende Politik aufzulösen.
Dieser Kampf ist ungleich schwerer als die Bekämpfung von Personen,
die Terrorakte verüben. Gegen diese Mörder kann die Ermittlungsarbeit
intensiviert und internationalisiert werden. Telefongespräche
und E-Mails können überprüft, öffentliche Plätze
mit Videokameras überwacht, neue Arten von Pässen eingeführt,
Reisekontrollen verschärft werden, usw.
In den USA hat diese Politik der Freiheitseinschränkung den
Flair vom "freisten Land der Welt" längst abgeschafft.
Ein Land, das nicht bereit ist den Terrorismus zu bekämpfen,
verlegt sich zwangsläufig im Bekämpfen der Terroristen
auch auf das Bekämpfen der eigenen Freiheitsideale.
Auch in Europa ist die Bereitschaft unter den Politikern groß,
statt der Ursache die Symptome zum Feind zu erklären. Würde
man in Deutschland etwa Schily oder Beckstein machen lassen, wie
sie wollten, unsere Demokratie wäre im Handumdrehen der ausgehöhlten
amerikanischen ähnlich.
Ich möchte behaupten, hier liegen die Hauptziele der Terroristen.
Ihre Motive sind in Wahrheit nicht religiös begründbar.
Die Berufung auf den Islam dient nur dazu, die breite Masse für
ihre Rache zu instrumentalisieren. Genausowenig führen ihre
Anschläge direkt zu einer Destabilisierung der angegriffenen
Länder.
Dies besorgen wohlkalkuliert die Politiker dieser Staaten anschließend
selbst. Ihr eigentliches Ziel, die als Todfeinde angesehenen Industriestaaten
innerlich zu destabilisieren, ihnen die viel gerühmte Freiheit
und Demokratie mit einer Welle von Gewaltakten auszutreiben, erreichen
die Terrorführer nur mit unfreiwilliger, aber verlässlicher
Hilfe entsprechender Volksvertreter in den angegriffenen Staaten.
Auf deren Neigung zu Überreaktionen und auf deren wirtschaftsideologisch
begründeter Blindheit den wirklichen Ursachen des Terrorismusses
gegenüber, können sich die Koordinatoren im Hintergrund
der Terrororganisationen blind verlassen. Sie führen der Welt
unmissverständlich vor Augen, wie es mit dem edlen Ziel "Frieden
und Freiheit", offizieller Grund einer jeden Intervention in
den letzten Jahren, im eigenen Hause der westlichen Staaten bestellt
ist. Und damit entzaubern sie unsere wichtigsten gesellschaftlichen
Werte als nachrangig hinter globalen Wirtschaftsinteressen.
Und hier findet sich die Ursache für den Terrorismus überhaupt.
Ohne die Bombenverbrechen und Bluttaten an Unschuldigen irgendwie
rechtfertigen zu wollen, wurde schon von vielen unabhängigen
Kommentatoren darauf hingewiesen, dass die Industriestaaten mit
ihrer internationalen Politik dieses Monster Terror selbst geschaffen
haben, bzw. deren Politik einer Eindämmung der Ursache direkt
zuwider läuft. Rücksichtslos werden weltweit Bodenschätze
ausgebeutet und mithilfe politischer Einflussnahme Rohstoffquellen
langfristig gesichert. Parallel dazu werden ausländische Märkte
mit westlichen Waren und der zugehörigen Konsumkultur überschwemmt.
Jegliche eigene Identität und gewachsene Tradition stört
die Geschäfte der Wirtschaftsinvasoren und verkümmert
stetig. Regionale Strukturen, religiöse Identitäten und
bescheidene Besonderheiten werden belächelt und zweckdienlich
unterbewertet. Und da wundert man sich, dass gewisse Ungestüme
und hart Beschämte vor Ort den Großen Zorn bekommen und
wohl organisierte Vergeltung das Ergebnis ist?!
Wenn man dieses umfassende Problem mit der Maßgabe der Kategorischen
Marktwirtschaft betrachtet, wird eine wirkliche Lösung erkennbar.
Jegliche, der Ökonomie dienlichen, Aktivitäten in Ländern,
in denen der Terrorismus gedeiht, sind nur innerhalb des Weltwirtschaftssystems
der kapitalistischen Planwirtschaft für die aktiven westlichen
Staaten rentabel.
Der Energieträger Erdöl beispielsweise, würde man
auf seinen Preis auch alle gegenwärtig noch externalisierten
Kosten aufschlagen, würde auf dem freien Markt gegenüber
seinen regenerativen Alternativen völlig unrentabel werden.
Dadurch entfielen aber die Hauptgründe für die Präsens
und die Rohstoffsicherungspolitik von Industriestaaten in ölreichen
Staaten. Auch die Struktur der global gehandelten Konsumprodukte
würde sich stark verkleinern und umgestalten. Insgesamt würde
sich die empfundene Einflussnahme von außen für die Kulturen
vor Ort verringern und somit auch die Motivation, sich zu wehren.
Würde dann noch mit Hilfe eines globalen Sozialsystems und
unter Vermeidung von Profitinteressen ein menschlicher Dialog aufgebaut,
würden die heutigen Gründe des Terrorismusses eintrocknen
und verschwinden.
CCR
7.Juli 2005: Eins der hektisch gestrickten
Netze, womit die SPD kurz vor Ladenschluss noch ein paar links orientierte
Wähler/Innen einzufangen versucht heißt Reichensteuer.
In Form eines 3%igen Steuerzuschlags sollen diejenigen belastet
werden, die im Jahr von 250.000 Euro an aufwärts verdienen.
Vor Monaten war auch mal wieder die Vermögensteuer im
Gespräch.
Alle Pläne, das Geld dort zu kassieren, wo es vermehrt anzutreffen
ist, egal wie man die Steuer oder Abgabe nun nennt und wie sie berechnet
wird, finden in den Reihen linker Politiker und deren Anhang immer
offene Ohren. Linke sind in der Regel nicht reich und somit kaum
betroffen.
Obwohl es zunächst richtig erscheint, dass innerhalb eines
Gemeinwesens die Wohlhabenden und Gutverdienenden einen höheren
Beitrag beizusteuern haben, muss differenziert und genauer
hingeschaut werden. Einerseits ist zu klären, wie stark
der derzeitige Beitrag dieser Besserverdienenden der Gemeinschaft
jetzt schon zugute kommt, und andererseits gilt es festzustellen,
in welchem Maße deren Gewinn die Gemeinschaft belastet, bzw.
auf Kosten der Gemeinschaft entsteht.
Ein typisches Beispiel für den ersteren Fall wäre
etwa ein Unternehmer, dessen Unternehmung mehreren Leuten der Region
einen sicheren Arbeitsplatz bietet, dessen Abgaben auf seinen Gewinn
den kommunalen und staatlichen Stellen die Handlungsfähigkeit
zum Wohle der Gemeinschaft ermöglicht und, dieser Aspekt wird
heute vernachlässigt, dessen Gewinn nicht oder kaum mit der
Externalisierung von gesellschaftlichen Kosten erkauft wird.
Seinen Gewinn investiert dieser Unternehmer in die Sicherung und
Vermehrung der Arbeitsplätze und in nachhaltige Technologien
innerhalb seines Betriebs, sowie privat beispielsweise in die Umstellung
der Energieversorgung seines eigenen Hauses, also raus aus der Abhängigkeit
von konventionellen Energieträgern und rein in regionale Lösungen,
wie Hackschnitzelheizung, Biogasanlage oder Solarenergienutzung.
Als Beispiel für den zweiten Fall sei ein Unternehmer
betrachtet, der zügig Arbeitsplätze abbaut und durch Mechanisierung
ersetzt. Die Maschinen und Anlagen, einerseits schon mittels erheblicher
Schadkostenabwälzung auf die Allgemeinheit hergestellt (Umweltschäden
durch Energie- und Rohstoffverbrauch, zusammengesetzt aus Rohstoffgewinnung,
-transport und -veredlung, fossile Energieträger zur Stahlherstellung
und -verarbeitung, Fertigung des Endprodukts, Transportsummen bis
zur Nutzung, Abfallproblem nach Ende der Nutzung, usw.), verbrauchen
Unmengen von, zum Nachteil der Gesamtgesellschaft bereitgestellter,
Energie (Förderung der Energieträger, Transport, Abgase,
Schäden durch die Summe der Beilogistik, usw.), bezahlen keine
Steuern, Arbeitslosen- und Rentenbeiträge, keine Versicherungen,
nehmen nicht am Konsum teil, leisten keinen Beitrag zur Inlandsnachfrage,
usw.
Privat wird sich dieser zweite Unternehmertyp, -zugegeben, das klingt
jetzt klischeehaft-, beispielsweise einen größeren Wagen
mit höherem Spritverbrauch und stärkerer Abgasbelastung
leisten, oder ein Schwimmbad, das mit Strom oder Mineralöl
beheizt wird. Er investiert seine Gewinne nicht in den gesellschaftlichen
Nutzen seines Betriebs, sondern in Maßnahmen zu Steigerung
seines Gewinns und seines quantitativen Wohlstands. Und dies wird
in der herrschenden Kapitalistischen Planwirtschaft immer mehr zur
Regel. Selbst Unternehmer, die sich eher dem ersteren Beispiel zugehörig
fühlen, werden durch machtvolle Sachzwänge zu gesellschaftsfeindlichem
Handeln gezwungen, doch dies ist nochmal ein anderes Thema.
Wenn wir also darüber nachdenken, die Reichen zu schröpfen,
müssen wir von Willkürregelungen wie Reichen- und Vermögensteuer
die Finger lassen, sonst wird die Sache kontraproduktiv. Die Möglichkeit
in unserem demokratischen Staat, durch wirkliche Leistung reich
werden zu können darf nicht beschnitten werden. Dies sage ich
selbst als armer Schlucker, der öfter mal beim Thema Geld Sorgenfalten
bekommt.
Der Grund dafür, dass unser Geld, ähnlich wie die Kugel
in einem Flipperautomat zwar eine Zeit lang in Bewegung bleibt,
hin und her zischt, dort verweilt und hier, um bald wieder in den
Markt geschossen zu werden, runter und wieder hoch und von einer
Seite zur anderen rollt, um dann am Ende schließlich doch,
vorbei an den letzten, für Bewegung sorgenden Hebeln, zum Leidwesen
des Marktes und seiner schwächeren Teilnehmer im schwarzen
Loch zu verschwinden, sind ja nicht die Reichen. Sie sind nicht
aktiv verantwortlich dafür, dass bei den Armen nichts dauerhaft
hängen bleibt. Es ist die Struktur des Gewinnmachens innerhalb
unserer herrschenden Ökonomie, die einseitigen und ungerechten
Spielregeln innerhalb der Kapitalistischen Planwirtschaft, oder,
um beim Flipperautomaten zu bleiben, es ist die eingestellte Neigung
der Spielfläche.
Würde man die Reichen konsequent in das Gemeinwesen integrieren,
indem man sie zur Einzahlung in den allgemeinen Teil der Rentenversicherung,
der Kranken- und Pflegeversicherung und der sonstigen Solidarkassen
verpflichtet, würde man ihnen alle Subventionen streichen,
würde man über die Zinspolitik für dauerhafte Umlaufsicherung
sorgen, und würde man vor allem unter der Maßgabe der
Kategorischen Marktwirtschaft jegliche Möglichkeit zur
Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten innerhalb
ihrer Unternehmungen von vorne herein unterbinden, könnten
wir auf jegliche Sonderabgaben für Besserverdienende verzichten.
Ja man könnte, weil so die Spreu vom Weizen der sogenannten
"Leistungsträger" getrennt wird, die unternehmerisch
Talentierten von den schmarotzerischen Rücksichtslosen, den
Spitzensteuersatz auf 25% absenken, und die Gesamtgesellschaft
würde davon profitieren.
(Vielleicht ist dies eine Gelegenheit, die Wohlhabenden unter meinen
Lesern an mein Spendenkonto unter Unterstützung
zu erinnern und sie zu bitten mir etwas zukommen zu lassen.)
CCR
6.Juli 2005: Heute gibt es keine verwertbare
Meldung. Die "Sozialdemokraten" verblüffen uns, -oder
langweilen sie uns?- mit Programmpunkten quer durchs Beet. Finanzierbarkeit
nachrangig. Wer weiß, dass er in der Opposition bleibt, kann
dicker auftragen.
Die anderen, die wissen, ab September die neuen Macher zu sein,
winden sich noch, verteilen Halbgares, probehalber, Versuchsballons
für die Zukunft, alle mit Blähungen gefüllt, nur
nicht aufstechen.
Union will die "Ökosteuer" nicht streichen, wird
noch gebraucht, bzw. ist unverzichtbar. Generalsekretär Kauder
will sie "langfristig" abschaffen, sagt er. Neulich bei
"Christiansen" saß er da und sagte immer wieder
"sozial ist, was Arbeit schafft." - immer wieder, "sozial
ist, was Arbeit schafft." Eigentlich hätte man einen dressierten
Papageien auf Kauders Stuhl setzen können. Doch Sabinepüppchens
Oberflächlichkeitskonzept hats lieber mit Originaldilletanten.
Dieser Cheftaktiker schreibt ja auch am, Wahlprogramm genannten
und für Mitte Juli angekündigten, Unions-Kauderwelsch,
zusammen mit seinem CSU-Kollegen. Bin überhaupt nicht gespannt,
was da rauskommt. Ist eh` nur eine durchgequirlte und frisch parfümierte
Kacke dazu, wie die nachfolgenden Generationen weiter von uns ausgebeutet
werden können. Die schwarzgelben Extremisten verwenden im großen
Dönerstand der politischen Macht nur ein längeres Messer
als die rotgrünen Extremisten vor ihnen, um die Fleischstücke
von unserer aller Lebensgrundlagen abzusäbeln. Die Wirtschaft
wird dann davor stehen und sich "hmmm, schmeckt viel besser"
zunicken.
Die FDP ist wohl eingeschlafen in ihrer Deckung. Als letzten
Kalauer hörte ich was von ihrer Uraltplatte "Steuersenkung".
Kratzt schon stark. 19 Millarden wollen sie verschenken, wem wohl,
und aus welchem Topf? Auch Grün ist in der Versenkung,
nun gut, Fischers Soufleevergleich über CDU-Frontfrau Merkel
hat uns wenigstens einen halben Tag lang unterhalten.
Ansonsten bleibts weiterhin bedeckt mit dunklen Wolken. Das Risiko
für die Zuschauer, nass zu werden, bleibt zu 100 % wahrscheinlich.
CCR
5.Juli 2005: Beim verbalen Draufhauen
auf Oskar Lafontaine, wie es gegenwärtig Politiker
hauptsächlich der SPD und der Grünen, aber auch viele
Journalisten, wie gerade im "Spiegel" und in Kommentaren
anderer Medien, vollführen, könnte man schon richtig Mitleid
bekommen mit dem Mann. Wenn Jugendliche zu fünft einen Einzelnen
verprügeln regt man sich auf und ist zu Recht empört über
diese Ungerechtigkeit. Momentan gilt: Alle gegen Oskar.
Da ist die Rede vom "Napoleon von der Saar", der
versucht mit "Fremdarbeiter-Rhetorik" am rechten
Rand des Wählerspektrums nach Stimmen zu fischen. Lafontaine
hatte gesagt, der Staat sei "verpflichtet, zu verhindern,
dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter
zu niegrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen".
Das Problem, welches er hier anspricht, besteht ja tatsächlich.
Die neuesten EU-Regelungen erlauben beispielsweise Handwerkern aus
Polen ganz offiziell in Deutschland Geld zu verdienen. Sie können
sich sogar in die Handwerksrolle eintragen lassen, als Fliesenleger,
Monteur oder Verputzer, ohne dies jemals gelernt zu haben und können
so bei jeder Kontrolle einen Gewerbeschein vorzeigen. Dabei treten
allerlei Merkwürdigkeiten auf, etwa, dass eine große
Baufirma plötzlich nur noch ausländische Subunternehmer
beschäftigt, lauter einzelne Selbstständige mit ordentlichen
Papieren, die auch noch alle dieselbe Adresse einer Massenunterkunft
angeben.
Im Osten gibt es schon Orte, in denen auf einmal 70 selbstständige
Fliesenleger angemeldet sind, wo früher lediglich 3 Fachbetriebe
bestanden. Denen gehen natürlich langsam die Aufträge
aus, zumal einige der neuen Handwerker zu günstigen Stundenlöhnen
auch noch saubere Arbeit abliefern.
Hätte Lafontaine nicht "Fremdarbeiter" gesagt, ein
Wort aus dem nationalsozialistischen Dunstkreis, sondern "fremde
Arbeiter und Handwerker", hätte er weniger Ärger
bekommen. So viel Geschick hätte er eigentlich besitzen müssen.
- Oder wollte er vielleicht doch die gegenwärtige Assoziation
erreichen, bewusst unklar verstanden werden, seine Gegner hineinschlittern
lassen in subjektive Interpretationen mit dem Zweck, bei einer bestimmten
Wählergruppe ins Bewusstsein zu gelangen? So brauchte Lafontaine
dies immerhin nicht selbst zu besorgen
Sein Nachhaken ist da etwas zwiespältiger. Einerseits wies
er auf dem WASG-Bundesparteitag in Kassel die Vorwürfe entschieden
zurück. Er habe wärend seiner kritisierten Rede in Chemnitz
"Hemmungen gehabt, Menschen, die in Container gezwängt
werden, als Gastarbeiter zu bezeichnen" , erklärt
er seine Wortwahl. Andererseits sagte er: "Die Nazis waren
nicht fremdenfeindlich, sondern in erster Linie rassistisch, denn
sie haben Fremde im Deutschen Reich beschäftigt." Mir
fallen hier erstmal die Zwangsarbeiter ein, die im sogenannten "Dritten
Reich" in der Kriegsindustrie und der Landwirtschaft wie Sklaven
eingesetzt wurden, und, das Wort "beschäftigt" ist
hier fehl am Platze.
So richtig braun war sein erster Ausspruch gar nicht, er wurde erst
dazu gemacht, nicht nur von denen, die Lafontaine fürchten
und hoffen, ihm so eins auswischen zu können, sondern auch
von anderen selbsternannten Hütern vor der faschistischen Bedrohung.
Dieser rhetorische Automatismus ist typisch Deutsch. Auf ihn kann
man sich immer verlassen, jeder Politiker kann ihn geschickt für
sich einsetzen, wie jetzt der Ex-SPD-Vorsitzende.
Die alltägliche Heuchelei wird aber auch angesichts dieses
Lafontaine-Zitats wieder mal nicht deutlich: Alle, die unsere herkömmliche
Ökonomie beführworten, sind ohne Bedenken für
einen Profit auf Kosten der nachfolgenden Menschengenerationen.
Unsere Wirtschaftsform, angeblich die Marktwirtschft, in Wahrheit
aber eine Kapitalistische Planwirtschaft, funktioniert ausschließlich
durch die Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten,
also in erster Linie durch Zerstörung der Lebensgrundlagen
junger und noch nicht geborener Erdenbürger.
Dies ist die moderne Form des Faschismus, ideologischer Radikalismus
gegen eine Minderheit, zur Vollendung entwickelt in der zweiten
Hälfte des 20ten Jahrhunderts. Wir alle erlangen unseren sogenannten
Wohlstand und das Wachstum der Wirtschaft durch rücksichtslose
Ausbeutung wehrloser Dritter. Das Bewusstsein über dieses unser
Tun, darüber, dass wir alle eigentlich ein großes Verbrechen
betreiben ist bis heute unreflektiert. Alle sind sie Nutznießer,
keiner sagt das erste Wort, man müsste sein eigenes jahrelanges
Wirken und Wirtschaften verurteilen. Keiner ist in Sicht der dies
offenlegt. Und es ist keine Macht von außen zu erwarten, die
den Spuk beendet und uns auf einen neuen Weg bringt.
CCR
4.Juli 2005: In der Zeit ist ein Artikel
von Bartholomäus Grill über die deutsche Kolonialzeit
1905 und die Jahre danach erschienen. Die Eingebohrenen wurden
damals gnadenlos gequält und ausgebeutet. Als es in der deutschen
Kolonie "Deutsch-Ostafrika" zu Aufständen kam, wurden
diese , wie es auch alle anderen Kolonialmächte in ihren Herrschaftsgebieten
taten, mit unvorstellbarer Brutalität niedergeschlagen. Grill
schreibt:
"Ihr Leben, (das der Eingeborenen), war immer unerträglicher
geworden, und das hing mit der verschärften Ausbeutung der
Kolonien seit Beginn des 20.Jahrhunderts zusammen. Nach der Berliner
Konferenz von 1884/85 hatten die Imperialmächte Afrika unter
sich aufgeteilt und die neuen Territorien endgültig unterworfen.
Sodann begannen die Eroberer, die fruchtbaren Regionen des Kontinents
mit Pflanzungen zu überziehen. Sisal, Kautschuk, Zucker, Bananen,
Erdnüsse, Kakao, Tee, Kaffee, Tabak, Kopra, Baumwolle - der
Anbau dieser cash crops für die Märkte der "Mutterländer"
schuf nicht nur jene Monokulturen, von denen viele Staaten Afrikas
nach wie vor abhängig sind, sondern auch ein strukturelles
Nahrungsmitteldefizit, das in Dürrezeiten regelmäßig
zu Hungersnöten führte und immer noch führt. Denn
die kleinen Subsistenzbauern wurden ihres Landes beraubt und auf
unfruchtbare Flächen abgedrängt; sie waren nicht mehr
in der Lage, ihre Großfamilien zu ernähren, und daher
gezwungen, ihre Arbeitskraft auf den Plantagen zu verkaufen. Die
Menschen, gerade erst dem arabisch-islamischen Sklavenhandel entkommen,
wurden so zu Lohnsklaven der europäisch-christlichen Ökonomie."
Man muss sich einmal vorstellen, Europa wäre vor gut 100 Jahren
an der Stelle Afrikas gewesen:
Von über dem Meer kommen weit überlegen bewaffnete und
gut organisierte Eindringlinge, zwingen die Europäer ohne jede
Gnade in ihre Dienste, ermorden Millionen von ihnen, verändern
oder zerstören jede gewachsene Struktur, heben Landesgrenzen
auf und legen sie nach eigenem Interesse völlig neu fest, rauben
den größten Teil der zur Ernährung wichtigen Ackerflächen,
um darauf Monokulturen für die Ausfuhr gedeien zu lassen und
nehmen in Kauf, dass viele Europäer im eigenen Land verhungern
müssen. Allein in Ostafrika starben zwischen 100000 und 300000
Menschen. In Europa, weil dichter besiedelt, wären die Opferzahlen
durch ein entsprechendes, jahrzehntelanges Wüten rücksichtloser
Eroberer wohl höher gewesen.
Grill schreibt: "Der Krieg, (der Stämme Ostafrikas gegen
die deutschen Besatzer), dauert zwei Jahre, dann kommt njaa, der
große Hunger, und mit ihm kommen die Seuchen. "Kein frohes
Leben ist zu beobachten", stellt das katholische Missionsblatt
anno 1907 fest. Die Mitteilungen der Seelenfischer geben eine Vorahnung
vom Massenelend, das Afrika im 20. Jahrhundert heimsuchen wird,
sie lesen sich wie Depeschen über die Katastrophen unserer
Tage. Von zu Skeletten abgemagerten Kindern berichten die Missionare,
von aufgequollenen Bäuchen, von der roten Ruhr, vom Leichengestank.
Abertausende sterben an Hunger und Krankheiten, am Ende sind ganze
Landstriche entvölkert."
Und so geht das Elend und der Hunger mit Unterbrechungen weiter,
bis heute. Auch die Ausbeutung existiert noch, moderner und subtiler
als vor 100 Jahren, und "bereichert" um die Rolle als
Zwangskonsumenten westlicher Waren, Überschüsse und Abfälle,
sowie Waffen und Herrschaftslogistik.
Dass Bob Geldof und seine Mitstreiter die Live-8-Konzerte
auf vier Kontinenten für Afrika und gegen Armut und Elend
dort organisieren, bringt auch das unvorstellbare Unrecht, begangen
von europäischen Agressoren an der afrikanischen Gesellschaft,
hoffentlich wieder ins Gespräch. Ob die G-8-Staaten sich
von den Live-8-Veranstaltungen am Wochenende zu einem entschlosseneren
Kampf gegen die Weltarmut bewegen lassen, bleibt dahingestellt.
Immerhin verdienen sie teilweise daran, und nichts ist heiliger
als Wirtschaftswachstum.
In Anbetracht der Dimension unserer Schuld, ist der ins Auge gefasste
Schuldenerlass für die ärmsten Staaten nur ein kleines
Pflaster, in seiner Wirkung auf die afrikanische Bevölkerung
nicht unumstritten. Wir müssten eher über umfangreiche
Schadenersatzleistungen reden und über die Pflicht zur besonderen
Förderung ehemaliger Kolonialländer und zur Wiedergutmachung
für dieses nachhaltige Verbrechen der westlichen Welt an Afrika.
CCR
2.Juli 2005: Die Inszenierung ist gelaufen
wie geplant. Schröder hat die Vertrauensfrage gestellt
und verloren. Der schwarze Peter liegt nun bei Bundespräsident
Köhler. Doch Schröder hat es ihm leicht gemacht mit seiner
im Bundestag präsentierten Begründung, und Köhler
wird den Bundestag auflösen.
Das Bundesverfassungsgericht wird die Sache wohl ebenfalls durchwinken.
Seine Entscheidung im Urteil vom Jahr 1983 ist durchaus auf den
jetzigen Fall übertragbar. Damals sagten die Karlsruher Richter,
eine inszenierte Vertrauensfrage könne zulässig sein,
wenn eine instabile politische Lage vorhanden sei oder der Kanzler
diese so sieht. Wenn des Kanzlers Entscheidung nicht völlig
abwegig sei, müsse man sie respektieren.
Meiner Ansicht nach wäre die sauberste Lösung,
um zu Neuwahlen zu kommen, die Aufkündigung der Koalition
durch die Grünen gewesen. Diese hätte schon Ende letzten
Jahres erfolgen müssen und auf keinen Fall anlässlich
einer Wahlniederlage. Die Grünen, die ja für sich in Anspruch
nehmen, ökologische Politik zu machen, hätten diesen Schritt
mit offensichtlichen und unüberbrückbaren Differenzen
zwischen der SPD-Politik und ihren eigenen Grundsätzen und
Zielen begründen können.
Nun jammern sie über das Geschehende, das sie nicht mehr beeinflussen
können. Sie waren immer die Hinterherlaufenden in der Regierungskoalition,
verschafften einerseits den "Sozialdemokraten" die Mehrheit
für die Perforation des sozialen Netzes, statt es zu modernisieren,
für die Bestrafung der Arbeitslosen, statt Arbeitsplätze
zu schaffen oder für die Förderung von Konzernen und Reichen,
statt diese in das Gemeinwesen zu integrieren.
Schröder ließ seinen Koalitionspartner dafür sich
in Ökoeckchen austoben. Die Windkraftsubventionierung erfolgte
ohne nachvollziehbares Konzept und gegen viele Kommunen vor Ort.
Der Ausstieg aus der Atomkraft ist ohne umfassende Gesamtbegründung
durchgedrückt worden und somit umkehrbar. Die Förderung
regenerativer Energiequellen hält sich in den Köpfen der
Bevölkerung und der Stromkunden als grüne Spinnerei und
Willkür. Hier hätte der gesamtgesellschaftliche Schaden
der konventionellen Energien inclusive der zugehörigen externalisierten
Kosten herausgestrichen werden müssen. Die Menschen sollen
doch verstehen, wie teuer uns allen die weitere Nutzung von Öl,
Kohle, Erdgas und Kernkraft noch kommen wird. Zum Thema Verpackungsmüll
hätte ich von den Grünen viel Konsequenteres erwartet,
etwas, das dieses unsägliche Müllproblem in seiner Gesamtheit
aufgegriffen hätte.
Jetzt haben die Grünenpromis nicht nur die Aussicht auf fette
Abgeordnetenrenten verloren. Auch sie werden bei der nächsten
Wahl kräftig Stimmen einbüßen, wenn sie die Stimmung
nicht noch durch Besinnung auf ihre Grundsätze gedreht bekommen.
Gerade ihre Wähler/Innen sind da wohl am aufmerksamsten.
CCR
1.Juli 2005: Die totale Konzeptlosigkeit
unserer nächsten Regierungspartei springt dem aufmerksamen
und unvoreingenommenen Beobachter beim Lesen der sich derzeit häufenden
Verlautbarungen förmlich ins Gesicht. Bis zur anstehenden Wahl,
voraussichtlich im September, muss die CDU den Menschen wenigstens
ansatzweise mitteilen, in welchem Teil des dunklen Sumpfs überholter
Politik sie die nächsten Jahre zu stochern gedenkt.
Wenn man schon keine erfolgversprechenden Visionen und gesamtgesellschaftlich
vernünftige Strategien anbieten kann, muss man wenigstens den
entsprechenden Eindruck erwecken. Bis heute hat anlässlich
jeder Wahl, ganz gleich für welche Partei, eine Mischung aus
Absichtserklärungen, Versprechungen und verbales Augenrollen
über die Politik der Vorgänger die beste Fassadentünche
abgegeben. Also bedienen sich die ahnungslosen Selbstdarsteller
der momentanen Oberwasserpartei auch diesmal dieses Mittels, um
die Stimmen der Durchschnittsbürger ins Netz zu bekommen.
In der "Rheinzeitung" erschien vorgestern ein Gastbeitrag
des agrarpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
und Tierschutzbeauftragten Peter Bleser. Er enthält keinerlei
definitive Konzepte, dafür aber wirre, rein populistische Aussagen,
die einzig darauf zielen, die Wut der "konventionell"
wirtschaftenden deutschen Landwirte zum "richtigen" Kreuzchenmachen
zu kanalisieren. Nachfolgend will ich einige Auszüge daraus
zitieren und betrachten.
Bleser verspricht "klare Akzente gegen die bisherige Politik
von Ministerin Künast" zu setzen, die sich "mit
tatenlosen, aber medienwirksamen Ankündigungen beim Verbraucher
auf Kosten der heimischen Agrawirtschaft in Szene" gesetzt
habe. Ministerin Künast hat, wenn auch ohne erkennbares
Gesamtkonzept, immerhin versucht, die ökologische Landwirtschaft
zu fördern. Bleser lässt keinen Zweifel daran, lieber
der rücksichtlosen Landwirtschaft, die nur durch Externalisierung
der meisten Produktionskosten auf die Allgemeinheit ihre Profite
macht, den Vorrang geben zu wollen.
Die "zukünftige Agrar- und Verbraucherschutzpolitik
muss sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und am Wettbewerb
orientieren, tier- artgerecht sein, und nachhaltig wirtschaften".
Abgesehen von der Wettbewerbsgeschichte kann ich dies sogar unterschreiben.
Wissenschaftlich erwiesen sind die langfristig wirkenden Schäden
an Boden und Grundwasser durch Nitratdüngereinsatz und Pestizide.
Die Schadenssummen für die Allgemeinheit liegen um ein vielfaches
höher, als der Preis dieser Stoffe. Laut einer Studie des Umwelt-und-Prognoseinstituts
Heidelberg betragen die ökologischen Kosten eines Kilos mineralischen
Stickstoffdüngers mehr als das 11-fache des Handelspreises
und die eines Kilos Pestizid etwa das 30-fache des Handelspreises.
Weil ein konventioneller Bauer diese Schadkosten auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen abwälzen kann, macht er
überhaupt Profit. Erst wenn er diese Schäden nicht mehr
verursacht, wirtschaftet er nachhaltig. Tierquälereien kommen
ausschließlich in der rationalisierten, auf Wettbewerb gedrillten
konventionellen Massentierhaltung vor, und Bleser ist ein Fan von
Wettbewerb.
Die Union stehe für "sachlich orientierte Agrar- und
Verbraucherschutzpolitik". Die Landwirte wüssten:
"Innovation und Produktions-Know-How bedeuten Wettbewerbsvorsprung",
und dies bräuchte "jedoch Rahmenbedingungen, die"
den Bauern "die Einführung neuer Technologien ermöglichten"
um auch im "internationalen Wettbewerb bestehen zu können".
Sie brauchen die "notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung".
Dafür müsse "immer wieder die große Bedeutung
hinsichtlich Wirtschaftsleistung und Bereitstellung von Arbeitsplätzen
ins Bewusstsein" gerufen werden. Die konventionelle Landwirtschaft
richtet durch ständig neue Mechanisierung und Rationalisierung
immer weitere Schädigungen der Lebensgrundlagen an und vernichtet
Arbeitsplätze. Die unverminderten Schadstoffbelastungen in
der von ihr produzierten Nahrung sorgt eher für das Gegenteil
von Akzeptanz in der Bevölkerung.
Bleser verteilt eifrig weiter Plätzchen an seine Zielgruppe,
spricht von großer "Leistungsbereitschaft"
und dem besten "Ausbildungsniveau" und dass eine
"ideologisch geprägte Politik unseren" Landwirten
"ständig Steine vor die Füße wirft".
Die Armen, jetzt ist raus, warum sie trotz ihrer fremdgesteuerten
Sysiphusarbeit auf keinen grünen Zweig kommen. Es sind die
"Ideologen" der Grünen die "immer mehr der
Arbeitsplätze im Agribusiness gefährden".
Von Rotgrün unbemerkt seien "gerade auf dem Land mehr
Arbeitsplätze bedroht, als man jemals über die zweite
Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union
(GAP) neu aufbauen " könne. Richtige Erkenntnis und
wahlkampftaktisch falsche Schuldzuschreibung. Die Agrarpolitik der
EU berücksichtigt in keinster Weise die gigantische Externalisierung
von ökologischen und sozialen Kosten im "Agribusiness".
Für diese verbrecherische EU-Ausbeutungspolitik ist die CDU
mindestens genauso verantwortlich, wie die SPD.
Bleser weiter: "Die Agrarpolitik auf Bundesebene bedarf,
selbstverständlich unter Beachtung von Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz
dringend einer grundsätzlichen Neuausrichtung - hin zu einem
klaren Bekenntnis für den Agrarstandort Deutschland."
-Wischiwaschi hoch drei-. Wenn ich nicht wüsste, was Bleser
dabei im Kopf hat, könnte ich auch dies unterschreiben. Toll,
dass er den Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz wenigstens "selbstverständlich"
beachten will, wenn seine Unionisten nach ergangener Wählerlegitimation
kräftig auf alles nicht "konventionelle" einprügeln
werden. Der "Agrarstandort Deutschland" ist damit allerdings
nicht zu halten. Wenn niemand die Notbremse zieht, wird der regionalen
Landwirtschaft in Deutschland mit Europäisierung und Globalisierung
schließlich endgültig der Garaus gemacht. Dieses gesamte
Spektakel um Weltmarktabhängigkeit, Wettbewerb und totaler
Komerzialisierung unserer Nahrungsmittelversorgung ist die eigentliche
zu verteufelnde Ideologie und der Tod derjenigen, die Bleser anspricht.
Bleser entschuldigt sich schon mal auf Anderer Kosten, wenn er sagt,
dass " aufgrund der völlig verfehlten Finanz- und Wirtschaftspolitik
der Schröderregierung" für "Maßnahmen,
die zusätzliche Finanzmittel erfordern zunächst kein Spielraum"
sei. Er sieht "ehrlicherweise(!) die ersten Schritte
zur Verbesserung der Situation nur über den Abbau von Wettbewerbsnachteilen",
was immer dies sein mag, und "der Verbesserung unternehmerischer
Rahmenbedingungen". Er nennt die Bürokratie, die "eindeutig
von der verschäften Umsetzung von EU-Recht" herrührt.
Und am EU-Recht, dem zweiten Schuldigen neben Rotgrün, ist
die CDU nun gar nicht, suggeriert Bleser, beteiligt.
Er hällt es für "wichtig, dass die Erzeugung und
Verarbeitung von Nahrungsmitteln im Lande bleibt." Bravo,
Herr Bleser, dann machen sie endlich auch die Politik, die dies
begünstigt. Bin gespannt, wie er mit seiner Partei "die
Rechte der Konsumenten stärken" will, vielleicht
mit der Totallegalisierung der grünen Gentechnik, "damit
sie auf Augenhöhe mit den Anbietern am Markt teilnehmen können",
und den Landwirten "Raum zur Selbstentfaltung"
geben, damit diese "somit wieder(!) Zuversicht und den
Mut für Investitionen in die Zukunft finden".
Bleser ist selbst Landwirtschaftsmeister.
Alle konventionellen Landwirte, die ich je getroffen habe, sind
unzufriedene, verbitterte Gesellen mit immer größeren
Agrotrucks. Sie schuften wie blöde und laufen zähneknirschend
immer absurderen Vorgaben hinterher. Die konventionelle und EU-gesteuerte
Landwirtschaft macht aus unseren Bauern Sklaven einer allmächtigen
Agrarindustrie und der Lebensmittelkonzerne, und produziert neben
umfassender Verseuchungen unserer Böden die meisten Frührentner.
Ihre Lobby ist hauptsächlich zur Feinderkennung da und reitet
mit ihrer Ignoranz und ihrer strohballengleichen wirtschaftspolitischen
Übersicht , die blinden armen Mitglieder nur ständig tiefer
in die Scheiße. Nicht dass die Landwirtschaftsvertreter sich
darauf beschränkten, nicht zu essen, was sie nicht kennen.
Sie verteufeln alles, was ihr Gehirn nicht versteht, oder machen
sich lustig darüber. Ihre Tragik ist, dass sie an ihrem zerstörerischen
Tun und ihrer pubertären und undurchdringlichen Sturheit selbst
am meisten leiden, - abgesehen natürlich von den zukünftigen
Generationen.
CCR
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Blogarchiv - Juni 2005
30.Juni 2005: Heute in eigener Sache:
Leider hat die Online-Redaktion der "Zeit" in der Vorentscheidung
zum diesjährigen Blogger-Wettbewerb mein Online-Tagebuch
nicht unter die 15 "besten" Blogs nominiert. Die ausgewählten
Sites sind nun die Grundlage für die Jurymitglieder, um den
endgültigen Sieger auszuwählen (http://preisbloggen.zeit.de/
).
Ich danke meinen Lesern für den Zuspruch und die Anstöße.
Wer Lust dazu hat, soll doch mal die 15 Blogs in der Kategorie "Politik
und Wirtschaft" anklicken und mir mitteilen, was an denen besser
ist. Am Inhalt kann es nicht gelegen haben, eher an der Form und
der Optik.
Ich werde, sobald ich Zeit habe, den Teil 4 "Anmerkungen"
aus der Veröffentlichung RestmuellNet.de auslagern und
ihn unter der neuen Adresse tarzanschrei.de neu aufbauen. Voraussichtlich
wird dies Ende Juli geschehen.
Einige Leser/Innen haben zu Recht bemängelt, dass ein neuer
Besucher, wenn er sich nicht die Arbeit macht, sich einzulesen,
eventuell den Zusammenhang des Themas Restmüll mit den Thesen
zur Erarbeitung eines nachhaltigen Wirtschaftssystems nicht gleich
versteht. Deshalb werde ich die beiden Teile getrennt darstellen,
und jede/r kann sich so weit einarbeiten, wie er/sie Lust dazu hat.
Ich bitte um Verständnis, wenn im Juli nicht an jedem Tag etwas
Neues im Blog steht. Ich habe im nächsten Monat viel Arbeit
und brauche dringend das Geld. Der Blog wird mit Sicherheit weitergehen,
auf jeden Fall bis zur Bundestagswahl. Schließlich ist er
momentan, in dieser Zeit der schwarzgelbrotgrünroten Einheitsparteien
eine der wenigen echten Oppositionsstimmen und tatsächlichen
politischen Alternativen im Land.
CCR
29.Juni 2005: Die Presse meldet, in
der Opposition steige die Nervosität, weil das halbgare Prozedere
zum Scheitern der Vertrauensfrage für Gerhard Schröder,
vom Bundespräsidenten und auch vom Bundesverfassungsgericht
nicht geduldet werden könnte. Sie haben die dunkle Befürchtung,
die Machtübernahme im Herbst könnte an Formalien noch
scheitern. Sie haben nicht die Befürchtung, ihre Konzeptlosigkeit,
bzw. die Einseitigkeit ihrer Konzepte könne, am Ruder angekommen,
entdeckt werden.
Schröders finaler Rückzieher resultiert vordergründig
aus den dramatischen Stimmenverlusten für seine Partei. Vielleicht
sind eher einige taktische Überlegungen über das Genesen
der SPD im Oppositionsurlaub und dem vollautomatischen, völlig
bar jeder Leistung funtionierenden Wiedererstarken dort, der eigentliche
Grund gewesen sein.
Immerhin klappt dieser Mechanismus seit man in der Politik zurückdenken
kann. Gerade profitiert die CDU/CSU davon auf Bundesebene, nachdem
sie sich in den meisten Ländern leistungsfrei nach oben populisiert
hat.
Das erste große Problem in unserer Demokratie ist die
Vergesslichkeit des Wahlvolks. Sie führt mit gnadenloser
Regelmäßigkeit zur Regentschaft der größten
Schwätzer und fantasievollsten Luftschlossbauer, der Worthülsenjongleure
und heißluftverströmenden Rhetorikakrobaten, der Nadelstreifenschauspieler
und selbstsicheren Egodarsteller, der Umdeuter und lagerfesten Zweckinterpretierer,
der Zukunftsblinden und Veränderungsbefürchter, derer,
denen ein Umgestimmtwerden gleich kommt mit einer Beinamputation,
die lieber ungerecht werden, als eine Tatsache außerhalb ihres
Horizonts anzuerkennen, die aber bereitwillig jede lobbyistische
Einflüsterung aus den gehobensten Kreisen als eigene Meinung
speichern, auch wenn sie der Mehrheit schadet.
Sie umgeben sich mit einem Schutzwall aus ökonomischen Fachidioten
ohne jede Fähigkeit zum Gesamtüberblick und auch ohne
jeden Willen, sich den zu erarbeiten, und aus speziell Entsendeten
aus der Industrie, die den Abgeordneten die Interessen der eigenen
Branche geschickt als gesellschaftliche Notwendigkeit verkaufen.
Leere Gehirne von Politikern sind leicht von denen mit Mist zu füllen,
die sich große Forken mit extralangen Stilen leisten können.
Das zweite große Problem ist der Schaden an der Zukunft,
welcher den Menschen aus den Folgen ihrer eigenen Vergesslichkeit
erwächst. Immer wieder wählen sie "Volksvertreter",
die kein Konzept gegen die Massenarbeitslosigkeit anbieten können.
Immer wieder erhalten Leute Zugang zu den Kassen, deren Unfähigkeit
zum Verzicht auf Neuverschuldung offensichtlich ist, bzw. denen
die ernsthafte Bearbeitung unseres Gesamtschuldenbergs von bald
1,5 Billionen Euro verschiebbar erscheint. Immer wieder erleben
wir Köpfe, die zwar Worte machen auf die sogar Taten folgen,
deren Früchte allerdings ungenießbar sind, wenn sie denn
überhaupt gedeien.
Und, das ist das Wichtigste, immer wieder regieren Ideologen, die
ein Wirtschaftswachstum auf Kosten und zum Schaden Dritter propagieren,
also ein Wachstum, welches sich aus dem Reichtum der Zukunft speist
und weit mehr Schäden anrichtet, als alles öffentlich
Beklagte zusammen. Derzeit richtet unser Wirtschaftssystem allein
in Deutschland jährliche Schäden an der Allgemeinheit
und den natürlichen Lebensgrundlagen in einer Höhe von
mindestens 400 Millarden Euro an. Dieser größte aller
Schuldenberge ist unerklärlicherweise in den Medien kein Thema.
Wielange muss dieses Jojospiel noch weiter gehen? Wenn es nicht
zu stoppen ist, muss man es als festen Bestandteil der Demokratie
ansehen. Bei aller Menschlichkeit dieses "besten aller Gesellschaftssysteme"
müsste man konstatieren, dass die Demokratie den Mechanismus
zur Einleitung des eigenen Untergangs fest eingebaut hat. Doch was,
- ja was kommt nach und statt der Demokratie?
Noch ist es nicht zu spät, auch wenn die angerichteten Schäden
der vergangenen Jahrzehnte gigantisch sind. Im Interesse einer lebbaren
Zukunft gilt es nicht, eine CDU-Regierung zu wählen und die
Noch-Regierung in die Pause zu schicken. Wir müssen alle Politiker,
egal von welcher Partei auf einen Rest moralischen Empfindens überprüfen,
der höher angesiedelt ist, als das Zeitgeistdiktat und das
der Partei. Den Unbelehrbaren müssen wir das Streichholz abnehmen
und sie in niedere Positionen verbannen.
Die sinkenden Chancen unserer Gesellschaft auf Qualitativen Wohlstand
können nur durch Entwicklung und Einführung der Kategorischen
Marktwirtschaft gewahrt werden. Davor steht ein schmerzlicher Übergangs-
und Reinigungsprozess, von dem schließlich aber die ganze
Bevölkerung und die Generationen nach uns profitieren werden.
Nur, wie kommt ein Gedanke in die Welt? Bis heute komme ich mir
vor, wie der Rufer in der Wüste. Immerwieder beklagen Publizisten
das Fehlen eines umfassenden und erfolgversprechenden Konzepts zur
Zukunftsgestaltung der Weltgesellschaft. Der "Spiegel"
schrieb noch Mitte Juni: "Noch hat die Welt kein wirkungsvolles
Instrument gefunden, um die schlimmsten wirtschaftlichen und ökologischen
Auswüchse der Globalisierung zu verhindern."
Ist man überhaupt bereit, danach zu suchen und, wenn es etwas
gibt, dieses zu diskutieren? Oder ist die schlimmste Krankheit unserer
Politiker, die überbordende Ignoranz und strikte Ablehnung
fremder Ideen auch bei denen dominant, die für die Publikation
neuer Konzepte zuständig sind? Oder verbietet der, des Brot
sie essen, das Singen neuer Lieder?
Gelobt sei die Unabhängigkeit meines Blogs und verdammt die
Brotlosigkeit! Also Kollegen:
Je länger wir schlafen, umso böser das Erwachen!
CCR
28.Juni 2005: Der Kommentator unserer
Tageszeitung beendete den letzten Satz seiner Gedanken über
die möglichen Perspektiven der Europäischen Union nach
den Rückschlägen der letzten Wochen mit den Worten "...ohne
in Protektionismus zurückzufallen". Das war eindeutig
eine Befürchtung. Wer zurückfällt, verliert, verpasst
den Anschluss und kann das vorgegebene Ziel nicht wie gehofft erreichen.
Das Wort Protektionismus ist in diesem Zusammenhang eindeutig
negativ charakterisiert. Protektionismus ist hier wie der zweite
Platz für Jan Ulrich hinter Lance Armstrong, - nicht fleißig
genug gestrampelt, unzufrieden mit dem Erreichten, es hagelt Kritik.
In der deutschen Presselandschaft der letzten Zeit findt man überhaupt
keine Publikation, in welcher Protektionismus nicht als etwas Stigmatisiertes
dargestellt wird, von dem es sich zu distanzieren gilt. Wo kommt
dieses Negativimage her und wie berechtigt ist es?
Protektionismus als das Gegenteil von Freihandel hat eine
lange Geschichte. Es gibt ihn, seit es Zölle gibt. Abraham
Lincoln sah ihn als Mittel, um von der Abhängigkeit von angelsächsischen
Waren loszukommen. Zwischen den beiden Weltkriegen bestimmte Protektionismus
den Welthandel, und manche sagen, er wäre schuld an den großen
Wirtschaftskrisen gewesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Protektionismus für die heutigen
Industrieländer ein erfolgreiches Rezept, ungestört ihre
eigene Wirtschaft entwickeln zu können. Die Ökonomie der
USA hätte ohne massiven Protektionismus nie so mächtig
und dominant werden können. Obwohl die Amerikaner, aber auch
alle anderen Industrieländer, noch heute protektionistische
Politik zum eigenen Nutzen betreiben, verlangen sie von den Entwicklungsländern
eine weite Öffnung ihres Marktes. Unter Anderem verwehren sie
damit diesen Ländern das, was sie für sich selbst in Anspruch
nahmen, nämlich den primären Aufbau einer eigenen Produktion
vor einer weitgehenden Marktöffnung.
Allen Idealisierungen zum Trotz, der Freihandel, wie die reichen
Staaten ihn verstehen, dient in erster Linie der Profitsteigerung
der weltweit stärksten Unternehmen. Dass er ein Motor der Entwicklung
sei und die einzige Chance für Fortschritt, ist nicht mal die
halbe Wahrheit, oder besser gesagt, eine zweckdienliche Lüge.
Alle Formen von wirtschaftlichen Subventionen sind ebenfalls protektionistische
Maßnahmen. Obwohl diese allerorten und gebetsmühlenhaft
angeprangert werden sind sie bis heute in Industrieländern
üblich. Höchstens tröpfchenweise ist man bereit,
sich davon zu trennen.
Gegenwärtig beherrschen die Freihandelsbefürworter die
öffentliche Szene. Liberalistische Ökonomen und Wirtschaftsvertreter
fordern anablässig die Abschaffung jeglicher Schranken und
ziehen damit, nicht etwa mit nachvollziebaren Argumenten, sondern
mit der Suggestion von Rückständigkeit, die gesamte Politikerkaste
auf ihre Seite. Diese kaut wie eine Kuhherde die hippen und coolen
Zeitgeistparolen begeistert wieder.
Für unsere zukünftige Entwicklung wäre es allerdings
besser, die vielen Bedeutungs- und Auswirkungsfacetten des weiten
Feldes Protektionismus genauer zu betrachten. Alles, was heute als
Protektionismus verstanden wird, Schutzzölle, Einfuhrbeschränkungen-
und verbote, Regulierungen, Schutz noch nicht konkurrenzfähiger
Unternehmungen, Subventionen, Besteuerungen, Kontingente und Quoten
oder sonstige Auflagen sind nur der eine Teil, gewissermaßen
der wirtschaftliche Aspekt des Protektionismus.
Über diesen lässt sich lebhaft diskutieren. Einerseits
sind die Argumente der Freihandelsbeführworter durchweg subjektiv,
wenn auch hartnäckig versucht wird, den gegenteiligen Eindruck
zu erwecken. Bereits jetzt ist absehbar, dass die Welt und vor allem
die armen Länder in der inneren, gewachsenen Struktur, nicht
in den ebenfalls subjektiven Finanz- und Wirtschaftsstatistiken,
nachhaltig eher geschädigt werden.
Die vordergründigen Nachteile des Protektionismus wie sie immer
wieder genannt werden: - billigere ausländische Produkte werden
"diskriminiert", - Palette des Güterangebots
wird eingeschränkt, - Effizienz steigernde Wirkungen internationaler
Arbeitsteilung wird nicht genutzt, - geringere Anreize für
geschützte Branchen, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen
zu verbessern, - verselbstständigtes Ignorieren komparativer
Kostenvorteile, usw., sind immer nur für einen Teil der Beteiligten
auch objektive Nachteile. Selbst unter dem wirtschaftlichen Aspekt
finden Varianten des Protektionismus heute noch ihre Berechtigung.
So denkt die EU weiterhin über Maßnahmen zur Marktabschottung
beim Import von Textilwaren, vor allem aus China, nach, und, wie
sollte es auch anders sein, der Bundesverband des Deutschen Groß-
und Außenhandels (BGA) kritisiert dies. Ungehemmter Freihandel
indes würde in diesem Fall zum weitgehenden Aussterben jeglicher
europäischer textilerzeugenden Industrie führen.
Aber es gibt neben dem wirtschaftliche Aspekt noch einen sozusagen
moralischen Aspekt des Protektionismus.
Die Kategorische Marktwirtschaft, unsere Wirtschaftform der Zukunft,
betrachtet sämliche Kosten, die ein Produkt im Gesamtlauf seiner
Planung, Produktion, der Auslieferung zum Endkunden und bei der
Entsorgung verursacht. Importierte Billigwaren aus Fernost beispielsweise,
verursachen eine Vielzahl an sozialen und ökologischen Kosten,
die keiner bezahlt, die also auf die Allgemeinheit und die nachfolgenden
Generationen abgewälzt werden. Selbst der Import billiger Agrarprodukte,
die ebenso im Inland produziert werden könnten, ist nur durch
die Abwälzung, also die Externalisierung gewaltiger Summen
profitabel.
Die Frage ist, ob angesichts der negativen Besetzung des Wortes
Protektionismus ein moralisch begründeter Protektionismus nicht
anders benannt werden soll. Ja es wäre sogar denkbar und würde
die Verwirrung komplett machen, wenn wir dem Freihandel aus überwiegend
egoistischen Motiven den Namen seines Gegenteils zuordneten. Freihandel
ist im Grunde nichts anderes, als der Versuch, die Profite der Akteure
vor der Internalisierung aller anfallenden Kosten, also vor dem
Aufschlag der sozialen und ökologischen Kosten auf den Preis
des verursachenden Produkts zu protektionieren.
CCR
27.Juni 2005: Ein kleiner Bericht im
"Spiegel"24/05. Die beiden Künstler Christoph Steinbrener
und Rainer Dempf haben Mitte Juni (6. bis 20.) in der Neubaugasse
in Wien für zwei Wochen sämtliche Werbetafeln, Reklamefotos
und Firmenlogos mit rapsgelber Folie überklebt.
Die Aktion soll zeigen, was passiert, wenn Werbung keine Macht mehr
hat, wenn sie ausgelöscht ist. Die Gasse, eine Querstraße
der großen Einkaufsmeile Mariahilfer Straße, sei nun
eine "soziale Skulptur". Viel Geduld mussten die Aktionisten
aufwenden, um alle Geschäftsleute zum Mitmachen zu überzeugen.
Die Sache kommt gut an in Wien. Der "Spiegel": "Man
bleibt jetzt stehen in der Neubaugasse, fotografiert die monochromen
Flächen, schweigt und fühlt sich seltsam erholt."
Das Künstlerduo plant jetzt weitere Aktionen, auch in Deutschland.
Wir dürfen gespannt sein. (mehr, u.A. ein Interview mit den
Künstlern, unter
http://derstandard.at/?url=/?id=2067630 , oder http://wien.art49.com/art49/art49wien.nsf/0/8B1C668758C5E6EBC1256FEC004D6BB9?openDocument&lang=
)
Man stelle sich vor, wir könnten dies anlässlich der Bundestagswahl
umsetzen. Gelbe Folie scheidet zwar aus, aber hellblau ist noch
frei. Jeder Parteiname im Wahlkampf wird mit hellblauer Folie überklebt.
Alle Slogans und Schlagwörter wären plötzlich heimatlos.
Ihre Ähnlichkeit, ihre inhaltliche Übereinstimmung würde
heillose Verwirrung stiften und jede Aussage auslöschen. Wie
in der Neubaugasse die Passanten, müssten die Wähler erst
mal hinter die Scheiben schauen, um zu sehen, was es gibt. Die bequeme
Gewohnheit hilft einem nicht mehr, man muss hineingehen, um sich
zu orientieren. Man stellt fest, dass das tatsächliche Angebot
gar nicht dem erwarteten entspricht. Das neu Gefundene will mit
den eigenen Wünschen und Erwartungen neu verglichen werden.
Vielleicht fallen jetzt ganz andere Kaufentscheidungen. Vielleicht
findet man sogar verschollen geglaubtes oder geniale Neuentwicklungen,
die das Gewohnte durch verbesserte Alltagstauglichkeit in den Schatten
stellen.
Auf den Wahlzetteln gäbe es neben den Politikernamen nur blaue
Punkte. -Lauter Anonyme, alle gleich, alle die alten Rezepte, alle
für die Zukunftsgestaltung altbacken fad.
Für heute sei der Name dieser Website mit hellblauer Folie
überklebt.
CCR
26.Juni 2005: Sonntags ist es besonders
schwer mich aufzurappeln, um meinen Vater zu versorgen. Wie gern
liegt man an diesem Tag einfach länger im Bett herum, weil
der Ruf der Arbeit in diesen siebten Tag noch nicht vordringen konnte.
Am Wochenende kommt der Pflegedienst zwar später, doch irgendwann
sitzt der alte Herr mit Rollstuhl am Küchentisch und braucht
Frühstück. Seit gut 5 Jahren bin ich jeden Tag mindestens
3 Stunden lang Altenpfleger, ein Job, den ich mir nie freiwillig
ausgesucht hätte. Immerhin ist es ein Null-Euro-Job, 20-Stunden
Woche, über 1000 Stunden im Jahr, Urlaub sehr schwierig. Früher
war ich gewissermaßen Unternehmer. Heute muss ich jede Unternehmung
um die Pflegetätigkeit herum organisieren. Gut, dass ich zwischendurch
am Rechner sitzen kann. Ist zwar auch brotlose Kunst, aber macht
Spass und trainiert den Denkapparat.
Vor 3 Monaten habe ich alle Pillen meines Vaters eigenmächtig
abgesetzt. Unser Hausarzt war einverstanden. Der tägliche
Pillenmix war zuletzt vor drei Jahren im Krankenhaus verordnet
und bis heute beibehalten worden. Seitdem geht es dem alten Herrn
besser. Ohne Magen-Darm-Medikament hat er weniger Brechreiz, ohne
Herzmedikament schlägt seine Pumpe gleichmäßiger,
ohne Blutdrucksenker hat er normale Werte und kein Blut mehr im
Urin, ohne Eisenpräparat hat sein Blut auch genug rote Blutkörper,
ohne die Wassertabletten hat er auch nicht mehr Flüssigkeit
in den Beinen, als vorher, die Gummistrümpfe tun es alleine.
Jetzt warte ich auf die Antwort des Urologen, welcher dem Vater
seit dessen Prostataoperation alle 3 Monate ein sündhaft teures
Langzeitpräparat unter die Haut spritzt, um das Krebswachstum
zu verlangsamen. Ich glaube, es sind weibliche Hormone, die von
diesem Stäbchen unter der Bauchdecke kontinuierlich an den
Körper abgegeben werden. Anfang 2004 war die Harnröhre
trotzdem hoffnungslos abgedrückt. Seit dem ist der Kathether
mit Beutel obligatorisch. Dennoch kriegt dieser 91-Jährige
Mann alle viertel Jahr diese 500 Euro Spritze.
Ein älterer Mann aus der Nachbarschaft wäre beinahe gestorben,
weil er seit 15 Jahren immer wieder das gleiche Antidepressivum
eingenommen hat. Sein Körper war regelrecht vergiftet mit einer
Substanz, die er eigentlich gar nicht braucht. Sein Arzt kam in
all den Jahren nicht auf die Idee, die Medikamentierung zu ändern.
Heute geht es ihm ohne Psychopille richtig gut.
Ein anderer Bekannter benutzte den letzten Arztbesuch nicht nur
um seine Beschwerden zu schildern, sondern kippte kurzerhand und
spontan auch seine seelischen Probleme, all seine Alltagsschwierigkeiten
und Sorgen über den Mediziner aus. Das Medikament gegen Magenbeschwerden
vergaß er in der Apotheke abzuholen, und das Rezept blieb
uneingelöst. Trotzdem verschwanden seine Schmerzen, und das
Medikament blieb entbehrlich. Mein Bekannter ist nicht der Einzige,
der am eigenen Leib festgestellt hat, wie ein Ausheulen zur rechten
Zeit aus dem Bauch heraus, besser wirkt als ein Pharmaprodukt. Ich
habe es schon selbst erlebt und bekomme es von anderen öfter
bestätigt.
Warum erzähle ich das mit den Arzneien? Nun, hier gibt es einen
interessanten Aspekt zum Thema Gesundheitspolitik zu diskutieren.
Frau Ministerin Schmitt ist er auch schon aufgefallen. Es werden
in Deutschland viel zu viel Medikamente verschrieben und die Notwendigkeit
vieler Medikamente zu selten hinterfragt. Theoretisch ließen
sich Millarden von Euro einsparen. Die Debatte ist natürlich
sehr heikel. Bedenken der Mediziner, dem Patienten könnte die
Streichung eines Medikaments auch schaden, lassen sich durch entsprechende
Nachsorge ausräumen.
Der größte Feind einer verhältnismäßigen
Medikamentierung ist allerdings die Pharmabranche. Sie hat es bis
jetzt immer geschafft, bei jeder Reform im Gesundheitwesen unbeschadet,
also ohne Einschränkungen für den Absatz davonzukommen.
Die Pharmaindustrie kann für ihren nur rein wirtschaftlich
begründbaren Widerstand sicherlich auch jederzeit medizinisch
korrekte Gutachten vorlegen. Der Psychosomatische Ansatz, wonach
durch Gespräche über private Probleme von Patienten, durch
Beleuchten der individuellen seelischen Belastungen auch körperliche
Beschwerden abgemildert, ja behandelt werden können, muss von
der Pillenbranche im eigenen Interesse heruntergespielt werden.
Im Grunde ist dieses Beispiel einer Schlacht um Pfründebewahrung
nicht weniger unmoralisch, als der Kampf der amerikanischen Gefängnisaufsehergewerkschaft
und der Gefängnisbauindustrie für die Verschärfung
des Strafrechts, um so mehr Sträflinge und neue Zuchthäuser
zu bekommen. - Aber hoher Medikamentenabsatz ist gut für das
Wirtschaftswachstum, und da muss sich jede Vernunft unterordnen.
CCR
25.Juni 2005: Sie werden es tun. Sie
werden dort kassieren, wo sich niemand entziehen kann, weil sie
dringend Geld brauchen. Sie werden die Mehrwertsteuer erhöhen!
Noch halten sie sich zurück. Angela Merkel, offizielle Führerin
der herangaloppierenden Reiterscharen in schwarz und gelb hat die
Losung ausgegeben, vor dem 11.Juli, dem Tag, an welchem alle geplanten
Maßnahmen zur großen Umverteilung bekannt gemacht werden
sollen, nichts nach außen dringen zu lassen. Auch wenn einige
Unionisten mit schwacher Blase Disziplinschwierigkeiten zeigen,
es hier und da leicht tröpfelt, wird schnell weggewischt bevor
es zu riechen beginnt. Erst am 11.Juli kann gleichzeitig mit dem
Schlag ins Gesicht aller Verbraucher auch die Salbe gereicht werden,
welche entstandene Rötungen wieder zu kaschieren imstande ist.
Wahrscheinlich wird sie von der Marke -Steuerreform- sein, zwar
nur wenigen helfen, beim Rest der Wehrlosen mit dicker Backe aber
zuverlässig einen Anschein von Notwendigkeit, einen Anschein
von "was sollen wir denn sonst tun?" hinterlassen.
Man wird sagen :
Schaut doch einmal, in den Niederlanden liegt der Mehrwertsteuersatz
schon bei 19%, also jammert nicht. Dass damit die schlappe Konjunktur
weiter abgewürgt wird, ist doch gar nicht wahr, wieso hat denn
Österreich einen Satz von 20%, Finnland gar 22%. Dort seht
ihr, was der Bevölkerung ihre Regierung wert ist, dort geht
es aufwärts mit hoher Mehrwertsteuer, sind die Leute nicht
so quengelig drauf. Und erst Dänemark und Schweden. Die haben
schon 25 % Mehrwertsteuer. Was sagt ihr nun? Und, - beschweren die
sich? Haben die so viele Arbeitslose wie wir und so geringes Wachstum?
Na also! Und das Gerücht, wonach in Ländern mit hoher
Mehrwertsteuer die anderen Belastungen niedriger seien, soll erst
mal jemand beweisen.
Habt Vertauen, wenn wir nach kurzer Belagerung im September eure
Hauptstadt erobert haben, gehts euch richtig besser. Wartet
erst mal den 11.Juli ab. Da sagen wir euch, was wir anders machen
werden, als die jetzige Horde in rot und grün.
Das ist alte Tradition mit der Mehrwertsteuer, -glaubt ihr nicht?
Schaut doch mal in die Geschichtsbücher, mit dem Zehnten fing
es an. - Naja, die 10%-Marke haben wir ja schon hinter uns. Hat
halt nicht gereicht, um so eine Belagerung zu finanzieren. Schließlich
haben wir auch Ausgaben, und selbst ihr wisst: alles wird teurer.
Immerhin müssen wir euren Wirtschaftseliten auch etwas abgeben,
haben wir denen versprochen. Dafür rufen die so eifrig nach
uns. "Horde komm und lös die Horde ab!" Den Ökonomiewissenschaftlern
verschaft unser Reiten mehr Geltung. Dafür malen sie schöne
Gutachten über die heilsame Wirkung unserer Belagerung. Daraus
halten wir euch schwarz auf weiß Zahlen vor die Nase und ihr
seid sprachlos.
Eure Unternehmer werden sich freuen über die Zahlen. Sie müssen
ja immerhin im internationalen Wettbewerb einen fetten Unterbau
aufweisen, und die Reiterhorden in den anderen Ländern ermöglichen
ihren Unternehmern ja auch ein schönes finanzielles Polster.
Da müssen wir natürlich mithalten, besser noch einen Vorteil
erringen im weltweiten Wirtschaftswettrüsten. Was sind
schon Sozialleistungen angesichts dieser Wichtigkeit. Mit Sozialleistungen
werden wir das große Wettbewerbrüsten nicht gewinnen
können. Haha, ihr glaubtet, für ein Wettrüsten bräuchte
man den Kommunismus.
Tja, das ist kluge Haushaltspolitik. Außerdem haben wir viel
mehr Ahnung vom Haushalten, als jede andere Horde vor uns. Seht
unsere Fahne und was da drauf steht: "Wir werden Deutschland
aus dem Tal herausführen!" Habt ihr schon mal gehört?
Kann aber nicht sein. Immerhin glauben das die meisten von euch,
bis sie uns im September die Stadttore aufhalten, mit schwarzen
Taschentüchern winken und "Heil, Angelator!" rufen.
Unsere Rechnungen sind solide,- versprochen, - auch wenn ihr das
nicht so seht. Kämpft mit uns für mehr Wachstum, solange
die Presse noch bereitwillig das Märchen von "Arbeit durch
Wachstum" wiederkäut! Der Tumor eures Zeitgeistes muss
noch viel größer werden. Wollen wir ihm ein Denkmal bauen,
wollen wir ihn kräftig füttern, auch wenn das meiste Futter
verlorengeht zwischen den Zähnen der Futterträger. Zugegeben,
an ein Wachstum glauben wir ja bald selbst nicht mehr, doch das
merkt keiner. Das Füttern darf nicht aufgegeben werden. Füttern
ist der Lebenszweck einer jeden Nationenbelagerung, nicht nur in
eurem Staat. Füttern erhält die Laune eurer Wettkämpfereliten,
die uns den Einzug ebnen und Teile von euch ermuntern, weiterzuhoffen.
Und um dieses Futter auch in Zukunft bezahlen zu können, müssen
wir die Mehrwertsteuer erhöhen. - Denn nicht das Wachstum ist
das Ziel, sondern das große Füttern, dafür
werden wir eintreten, zu eurem Wohle, und dafür müsst
ihr weiterbluten.
CCR
24.Juni 2005: Gestern morgen um kurz
nach 11Uhr an einem deutschen Gymnasium. Mehr als die Hälfte
der Schüler/innen aus Unter- und Mittelstufe haben sich im
Foyer versammelt und rufen im Chor: Hitzefrei! Hitzefrei! Kurz davor
hat sie die Nachricht erreicht, dass die Schüler der Haupt-
und Realschule wegen der großen Hitze, 33 Grad im Schatten,
geschlossen ins Schwimmbad umziehen durften.
Doch sie haben keine Chance. Schweißnass und ohnmächtig
müssen sie erleben, wie der Herr Schuldirektor mit verschränkten
Armen vor ihnen steht und mit ruhiger Stimme erklärt, wer jetzt
nicht sofort in die Klasse zurückginge, bekäme einen schriftlichen
Tadel.
Diese Schule war noch nie mit vernünftigen Direktoren gesegnet.
Zu meiner Zeit war es ein groß gewachsener Intellektueller
mit grauem Schnurrbart und Pfeife. Er war Vorsitzender des Lionsclubs
und CDU-Mitglied, duldete keinerlei Spaß, außer seinem
eigenen, ungeliebte Schüler urplötzlich in die Scheiße
treten zu lassen. Meine mündliche Abiturprüfung vor 27
Jahren im Fach Deutsch war ein Paradebeispiel dafür. Der Mann,
eben auch Deutschlehrer, ließ mich 20 Minuten vor versammelter
Lehrerschaft detailiert in die völlig falsche Richtung referieren,
um mir am Ende zu eröffnen, ich hätte das Thema verfehlt
und bekäme 0 Punkte für diese Prüfung. Es war die
späte Rache für meine Neigung, auch im Unterricht des
hochwohlgebohrenen Herrn Direktor, die quälende Langeweile
des gnadenlos trockenen Stoffs gelegentlich durch witzige Bemerkungen
etwas bunt zu malen.
Der heutige Direktor ist Mitte fünfzig, trägt gerne schwarze
Rollkragenpullis und macht einen forschen, energischen Eindruck.
Er lobt sich gern selbst, natürlich über Umwege, dass
es nicht gleich auffällt. Er hällt sich für modern
und für so was von hipp, dass es kaum auszuhalten ist. Oberstes
Prinzip ist die Leistung. Schüler die "leistungswillig
und leistungsfähig" sind können in ein Fördermodell
kommen, welches das Überspringen einer Klasse ermöglicht.
An seinen Ausführungen über die Voraussetzungen für
eine Förderung wird deutlich, welche Art von Hochbegabten er
bevorzugt. Artig müssen sie sein, den Anweisungen müssen
sie folgen ohne diese zu hinterfragen. Wo käme man denn hin,
wenn Schüler den Sinn eines Lernstoffs erklärt haben wollen?
Wer auf Linie bleibt, kann gefördert werden.
Der Mann ist ein großer Rhetoriker, drückt sich sehr
gewählt aus, kann druckreif vor einer Versammlung reden, und
man sieht, dass er sich selbst gerne zuhört. - Nur der Inhalt
!!!?- In seiner letzten Abirede beleidigte er etliche Schüler.
Er lässt keine Zweifel daran, sich als ein Siebmeister der
Ellenbogengesellschaft zu verstehen. Wer es nicht schafft, im knappen
Zeitrahmen einer schriftlichen Arbeit, der eigentlich nur für
die reine Schreibtätigkeit ausreicht, auch noch vorher zu denken,
hat eben Pech gehabt. Wer hinter den Südfenstern im überhitzten
Klassenarbeitsraum die nötige Konzentration nicht findet, ebenso.
Immerhin sei es im späteren Leben genauso. Der Kampf in unserer
Leistungsgesellschaft sei zwar hart, für den Tüchtigen
aber aussichtsreich. Man könne sich nicht früh genug an
die späteren Bedingungen gewöhnen. Widerspruch wird nicht
geduldet, oder zum Anlass für weitere Belehrungen genutzt.
Als Eltern ist man im Zwiespalt. Soll man mit dem Mann reden? Ist
da überhaupt ein Durchkommen, und schadet man damit nicht letztendlich
den eigen Kindern?
Eine neue Studie, letzten Monat im Fachblatt "Pediatrics"
erschienen, kommt zu dem Schluss, dass ein Schulbeginn um acht Uhr
für die Leistungsfähigkeit unserer Kinder erheblich zu
früh ist. Ähnlich wie auch deutsche Wissenschaftler bestätigen
die Autoren, was auch Eltern immer wieder erleben. Nachmittags sind
Schüler wesentlich leistungsfähiger, als morgens. Der
Schulbeginn um Acht führt außerdem zu einem chronischen
Schlafmangel bei Heranwachsenden (Der Spiegel 23/05). Zur Schulzeit
schlafen die Schüler zwei Stunden weniger, als am Wochenende
oder in den Ferien. Leistungstests vor elf Uhr morgens fallen in
der Regel erheblich schlechter aus, als zu späterer Zeit. "Der
Stundenplan zwingt die Schüler, gerade dann akademische Leistungen
zu erbringen, wenn sie dazu am wenigsten in der Lage sind",
so eine Autorin der Studie.
Solche Erkenntnisse werden unseren Herrn Direktor nicht schocken.
Seine unausgesprochene Richtlatte ist eine andere, immerhin müssen
Kinder in der Schule auf das Leben vorbereitet werden, und das Leben
ist halt kein Zuckerschlecken.
Doch die Ideologie wird auch stillschweigend von außen gefüttert.
Wer macht sich schon bei der katastrophalen Haushaltslage für
die Bildungsfinanzierung die Mühe, kostenloses geliefertes
"Unterrichtsmaterial" von Firmen und Verbänden kritisch
zu bewerten. Vom Bundesverband deutscher Banken e.V. erhalten alle
Oberstufenschüler ein Buch mit dem Titel "Im Kreislauf
der Wirtschaft - Einführung in die Volkswirtschaft". Das
Werk ist zwar gut gemacht, verständlich geschrieben und übersichtlich
geordnet, sicherlich für das Fach, neben anderen Materialien,
durchaus brauchbar. Doch leider wird es, wohl kalkuliert von den
Initiatoren, zum trojanischen Pferd innerhalb eines objektiv zu
haltenden Unterrichts, wenn kein Lehrer, keine ergänzende Schrift
oder kein Elternteil die versteckten, massiv neoliberalen Tendenzen
relativiert.
Die Unterstufenschüler bekommen einen Film über die Verwertung
von Verpackungsmüll gezeigt. Offensichtlich wurde der im Auftrag
der Tetrapackindustrie und des DSD produziert.
Wo die Sache schließlich endet, dieses Drama der zunehmenden
Unfinanzierbarkeit des Bildungssystems und die Tendenz, unseren
Nachwuchs möglichst früh für wirtschaftliche Interessen
auszuschlachten und an die herrschenden Sachzwänge zu gewöhnen,
sowie spätere potentielle Gegner gleich in der Schule scheitern
zu lassen, kann man in den USA besichtigen.
Wir bekommen dann wohl das Allianzgymnasium, die Bitburgerfachhochschule
und die DeutscheBankUni, mit dem Mckinseybachelor und dem AdamSmithAbschluss.
Irgendwann vielleicht findet sich sogar ein Untersuchungssystem,
um die nicht anpassungsfähigen Schüler schon eine ganze
Zeit früher zu erkennen und auszusieben. Diese könnte
man dann, etwa an die Realschulen angegliedert, in einer Gymnasiumsersatzstufe
unterbringen. Unsere "richtigen"Gymnasien, endlich Eliteschulen,
hätten weniger Personal nötig, aufmüpfige Lehrer,
die Kindern auch eine Seele zubilligen können, wären entbehrlich.
Hitzefrei bliebe nur noch ein kleiner kurzer Gedanke, es auszusprechen
wäre undankbar den edlen Sponsoren gegenüber.
Wer noch denken kann und durchaus noch ganz bei Trost ist, dem will
ich hier die gleiche Buchempfehlung geben, wie jüngst Sloterdijk
am Ende seines Philosophischen Quartetts. Die glänzend gemachte
Dokumentation "Treibhäuser der Zukunft - wie in Deutschland
Schulen gelingen" von Reinhard Kahl ( siehe: http://www.beltz.de/catalog/einzelbuch.asp?ISBN=3-407-85830-2
) enthällt drei DVDs, die auch mit Bild und Ton verdeutlichen,
was ein menschengerechtes und der Gesellschaft dienendes Schulsystem
ausmacht. Mit Zitaten wie "Kinder dürfen in der Schule
nicht beschämt werden", "unsere Heranwachsenden
gehen heutzutage zur Schule, wie zum Zahnarzt", oder "
wer unter Angst lernt, lernt die Angst gleich mit" und
den entsprechenden Bildern dazu, werden anhand von Beispielen die
Merkmale einer erfolgreichen Schule überzeugend dargestellt.
CCR
23.Juni 2005: Zugegeben, ich habe auch
mal die Grünen gewählt.
Ganz früher war ich sogar mal in der Jungen Union, habe in
weißem T-Shirt mit dem Aufdruck "sicher, sozial und frei"
neben schwarzrotgoldener Raute und neben anderen naiv blickenden
Jugendlichen mit vollem Optimismus am Eingang des Gesellschaftshauses
Hochglanzflyer an Besucher der Wahlkampfveranstaltung des Weinmillionärs
Elmar Piroth verteilt. Sogar mit den Sozialdemokraten hatte ich
mal geliebäugelt, bis dieser Fiebertraum jäh platzte,
vor allem angesichts der Person unseres Stadtbürgermeisters,
einem Kohl-Typen, der mit seiner herrischen Ignoranz, seinen verletzenden
Ausfällen und bräsigen Unwissenheit noch heute jegliche
Veränderung blockiert. Für die Grünen saß ich
als Parteiloser sogar einmal vier Jahre lang im städtischen
Bau- und Umweltausschuss. Naja,-lang ists her, seit 14 Jahren wohne
ich nicht mehr dort.
Auch als überzeugter Parteiloser ertappe ich mich noch heute
dabei, wie ich die Entwicklung der Grünen beobachte, und, -sie
meist bedauere. Wir hatten uns Anfang der 1990er sogar eingebildet,
dieser Haufen könne nach dem Abgang des Kommunismusses aus
dem Wettkampfring der politischen Systeme eine dritte, menschenverträgliche
Alternative begründen, die das Beste der politischen Strömungen
zu einer lebenswerten Zukunftsperspektive vereint. Offensichtlich
ist aber mit dem Herausekeln der "Fundis" aus dem grünen
Personalbestand nicht nur ein lästiger Auswuchs, eine Fußsohlenwarze
oder der entzündete Blinddarm entfernt worden, sondern eher
auch Teile des Herzes, des Gehirns und des Bewegungsapparats.
Heute stehen wir wieder vor einer Wahl. Wie alle Parteien
beginnen auch die Grünen mit dem Klappern, doch es quietscht
dazu unüberhöhrbar. Nach jahrelangem Durchwinken von eher
kontraproduktiven Steuer- und Arbeitsmarkt"reformen" und
einer Politik der Vergrößerung der Schere zwischen Arm
und Reich, wollen die Möchtegern-Ökos sich nun wieder
als linke Strömung profilieren.
Die Grünen sind fett geworden, über den Leib hinaus, vor
allem in den Köpfen. Grüne Politik ist heuer nicht nur
selbstgefällig und opportunistisch, scheinbar darauf konzentriert,
möglichst lange die Hebel in Händen zu halten, auch wenn
damit schon lange keine nachhaltige ökologische Politik mehr
gehebelt wird. Es ist vor allem nichts mehr von einem roten Faden
zu erkennen.
Man komme mir nicht mit den schlappen Beispielen, wie grüne
Politik etwas Positives bewirkt habe. Das Minimalste ist schlecht
umgesetzt worden, schlecht in dem Sinne, als dass neue Gesetze von
Grünen in der Bevölkerung immer noch als etwas Lästiges,
als subjektiv von "grünen Spinnern" erdachte Wirtschaftsbehinderung
angesehen wird. Bis heute wurde der ursprüngliche Ansatz der
Ökologiebewegung, für die Erhaltung der natürlichen
Lebensgrundlagen und der Menschenrechte einzutreten, eher arg verwischt,
statt mit deutlichen Konturen versehen.
Trittin, fördert die regenerativen Energiequellen lediglich
auf die restriktive Art. Statt der Kernkraft und den fossilen Energieträgern
detailiert alle externalisierten Kosten anzurechnen und der Öffentlichkeit
damit zu verdeutlichen, dass billige Energie nur durch Beraubung
unserer Nachkommen zur Verfügung steht, bzw. welche langfristigen
Folgen die Menschen sich damit einhandeln, kommt sein Handeln lediglich
als bodenlose Eigenmächtigkeit rüber. Mit der Maßgabe
der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet, ist die Windkraftförderung
größtenteils überzogen worden.
Auch bezüglich der Landwirtschaft sind die Erfolge grüner
Politik mehr als mager. Selbst wenn Renate Künast gegenüber
den sturen Bauern einen schweren Stand besitzt, ständig gegen
die Regel "was der Bauer nicht kennt, isst er nicht" anzukämpfen
hat, muss ich ihr vorwerfen, dem Volk auch gegen den Koalitionspartner
die Notwendigkeit einer Ökologisierung der Landwirtschaft nicht
verdeutlicht zu haben. Dies wäre das Wichtigste gewesen. Hätte
das Verbraucherministerium zunächst ausführlich die Externalisierung
von ökologischen und sozialen Kosten durch die sogenannte konventionelle
Landwirtschaft vorgerechnet, die Folgen für unsere eigenen
Kinder verdeutlicht und dann nach einer entsprechenden öffentlichen
Diskussionsphase vorsichtige Lösungsmöglichkeiten eröffnet,
könnten rücksichtslose Scheuklappenträger, wie Landwirtschaftspräsident
Sonnleitner, nicht so unwidersprochen herumpöbeln. Hätte
man den Bauern klar gemacht, dass die Subventionen nicht wegen Geldmangel
der EU und auch nicht zur Erfüllung kapitalistischer GATT-Bestimmungen
abgeschafft werden müssen, sondern zur Erhaltung der bäuerlichen,
regional verwurzelten Landwirtschaft überhaupt, würde
Frau Künast vom Deutschen Bauerntag vielleicht nicht mehr ausgepfiffen
werden, wie gestern auf einem Forum in Rostock. Könnte man
den Landwirten vermitteln, dass die ökologische Landwirtschaft
nicht nur bessere Produkte und unbelastetere Böden erwirtschaftet,
sondern auch ein wesentlich angenehmeres Bauerndasein, mit Eigenproduktion
von Energie, höheren und dauerhafteren Gewinnen aus den angebauten
Agrarprodukten, geringerem Handlungsdruck von Seiten des Weltmarkts
und der EU-Bestimmungen, geförderte Direktvermarktung, usw.
wäre unserem ganzen Land geholfen.
Statt dessen machen die Grünen sogenannte "rotgrüne
Politik", nicht Fisch, nicht Fleisch, bar jedes ökologischen
Zusammenhangs und offensichtlich nur um oben zu bleiben, so lange
es geht.
Die Grünen, gerade sie, müssen die Zerstörung unserer
Lebensgrundlagen öffentlich sichtbar auf die Externalisierung
von Umweltkosten in unserer Ökonomie zurückführen.
Was haben wir gelacht, als damals nach dem berühmten 5,-DM-Beschluss
für Benzin der grüne Stern den Halt verlor. Hätten
die damals gesagt, wir wollen, dass alle Schäden an der Gesellschaft,
verursacht vom Benzinverbrauch von unabhängiger Seite berechnet
und auf den Preis aufgeschlagen werden müssen, ohne eine Zahl
selbst in den Mund zu nehmen, sie hätten sogar noch Verbündete
aus den Reihen der Kirchen gewonnen.
Heute ärgern wir uns mit reiner Besitzstandswahrung beschäftigten
grellen Grünenpromis herum. Trittin, der es nicht schafft,
beispielsweise ein gerechtes Abfallgebührensystem zu entwickeln.
Claudia Roth, die es jedesmal schafft, sich durch zielloses Gestammele
bei Christiansen selbst zu disqualifizieren, und natürlich
der unsägliche Fischer mit dem gequälten Gesicht, als
wolle er sagen: "seid froh, dass ich euch die Gnade biete,
mich für euch, das Volk einzusetzen". Köstlich treffend
fand ich den Kommentar vom Junggrünen Marek Dutschke über
den Mutanten im Außenamt. Man könne sich kaum vorstellen,
dass der vor mehr als dreißig Jahren mal ein idealistischer
junger Mann gewesen sei. Dass Fischer sich mit einem protzigen Siegelring
schmücke, sei geradezu "widerlich", befand Dutschke.
Alles in allem, die Grünen brauchen eine umfangreiche Erneuerung,
personell, aber in erster Linie programmatisch. Grüne Politik
muss heraus aus dem Elfenbeinturm und verständlich werden.
Sie braucht einen roten Faden, der auch in Koalitionen nicht verloren
geht, und der Bezug gegenüber der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen
muss an die erste Stelle, damit keine Lobbygruppe wieder eigendienliche
Missverständnisse aufbauen und das Notwendige verhindern kann.
Derzeit jedenfalls sind die Grünen nicht wählbar.
CCR
22.Juni 2005: Die Zeit vor einer großen
Wahl ist immer auch eine Gelegenheit für Vereine und Verbände,
mit sich mit Forderungen an die Politik in der Öffentlichkeit
zu melden. Leider kommen dabei wenig gesellschaftsdienliche, eher
spezifisch auf die eigene Klientel zugeschnittene Forderungen heraus,
die oftmals mit denen einer anderen Gruppe im direkten Widerspruch
stehen. Meist jedoch lässt sich keine dieser Verlautbarungen
in ein logisch aufgebautes Gesamtkonzept einfügen. Und ohne
ein solches hat jede neue Forderung nur eine sehr subjektive Berechtigung.
Das Verwertbarste kam gestern vom Sozialverband Deutschland (SoVD).
Er fordert eine Bürgerrente für alle. Die gesetzliche
Rentenkasse solle in eine "Erwerbstätigenversicherung"
umgebaut werden, in die ausnahmslos alle Erwerbstätigen, auch
Selbstständige, Beamte und Parlamentarier einbezahlen sollen.
Für Geringverdiener müsse eine Mindestsicherung eingeführt
werden, damit diese nicht auf Sozialhilfe oder andere Unterstützungen
angewiesen sind. Frühverrentung müsse gestoppt, Mini-
und Midi-Jobs wieder sozialversicherungspflichtig gemacht werden.
Eine Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 lehnt der Verband ab.
Die Forderungen des Sozialverbands sind gute Grundlagen für
den notwendigen Kurswechsel in der Rentenfrage.
Einiges müsste man noch ergänzen, etwa Folgerungen aus
der Erkenntnis, dass manche Menschen, je nach Beruf oder Konstitution
gerne viel länger arbeiten wollen, andere aber vorzeitig zum
Wrack geworden sind und aufhören möchten. Insofern ist
ein festes Rentenalter überhaupt nicht an den Menschen orientiert.
Hier braucht man eine Regelung zur gerechten Rentenhöhe etwa
für einen überdrüssigen 60 jährigen, gegenüber
einem 70 jährigen, der fit ist und noch arbeiten will. Das
Rentenproblem ist aber nur zu lösen, wenn man das brachliegende
Potential der 8 Millionen Arbeitslosen berücksichtigt, die
zwar keinen finanziellen aber einen Beitrag in fForm von Arbeit
leisten könnten (siehe Artikel vom 14.Juni).
Andere Verbandsforderungen dringen eher allzudeutlich zwischen starren
Scheuklappen hervor.
Die "Wirtschaftliche Vereinigung Zucker" bezeichnet es
als "Kahlschlag", spricht von "Existenzgefährdung
in dramatischem Umfang", weil im Zuge des notwendigen Subventionsabbaus
für die Landwirtschaft auch das Sponsoring für die Rübenbauern
gekürzt werden soll. Die betroffenen 320.000 Landwirte in EU
werden derzeit mit 1,4 Millarden Euro unterstützt.
Ebenso trommelte der Präsident des Deutschen Bauerntags, Gerd
Sonnleitner, wieder mal gegen die ach so schlimmen Zustände
und forderte mit Blick auf die anstehenden Wahlen eine "Bauernbefreiung".
Er kritisiert die "desolate Preispolitik" in der
Milch- und Zuckerwirtschaft, will also die Beibehaltung der Subventionen.
Er wendet sich gegen "deutsche Alleingänge"
beim Tier-, Natur- und Verbraucherschutz, was nicht anderes heißt,
als dass Tiere, Natur und Verbraucher gefälligst möglichst
lange die immensen externalisierten Kosten der Landwirtschaft und
die nachhaltigen Schäden durch konventionelle Bewirtschaftung
zu verkraften haben. FDP-Bauckhage zeigte natürlich volles
Verständnis für Sonnleitners Leid und mahnte die Wiedersubventionierung
des Agrardiesels an. Natürlich hällt er nichts von der
"staatlich verordneten Agrarwende" seiner Bundeskollegin
Künast und bezeichnet die Förderung für den Ökolandbau
als falschen Anreiz. Er will also lieber bei einer Landwirtschaft
bleiben, die von der Ausbeutung der Allgemeinheit und der Schädigung
der Lebensgrundlagen lebt.
Künasts Ansatz ist aber ebenso falsch. Ihre Entscheidungen
sind nicht der Erkenntnis von der Notwendigkeit des Abbaus von Externalisierungsgewohnheiten
abgeleitet worden. Deshalb erscheinen ihre Beschlüsse oft als
willkürlich und inkonsequent und sind es manchmal auch.
Auch Handwerkspräsident Otto Kentzler hatte sich Anfang der
Woche weit nach vorne gebeugt mit seinem Vorschlag, Krankheits-
mit Urlaubstagen zu verrechnen. Außer vom Nordrhein-Westfälischen
Handwerkstag erntete er aber nur Prügel, sogar Angela Merkel
wollte davon nichts wissen. Er sollte sich besser einmal überlegen,
wie das deutsche Handwerk in einer Kategorischen Marktwirtschaft
automatisch und marktbegünstigt völlig neue Perspektiven
bekommt und leicht dauerhafte Beschäftigungs- und Auftragsquoten
wie in den 1960er Jahren erreichen kann.
Der Deutsche Gemeinde- und Städtebund hat ein Papier zur Bundestagswahl
vorgelegt, in welchem er auch die Deutsche Post AG für die
Schließung immer weiterer Filialen kritisiert. Der Titel des
Papiers spricht wieder Bände, wenn es heißt: "Ohne
Wachstum und Arbeitsplätze in der Fläche kein Aufschwung".
Auhweiah kann man da nur sagen. Scheintote Dinosaurier mit mehr
als altbackenen Rezepten. Dass Wachstum Arbeitsplätze vernichtet,
muss ihnen erst noch unter den Panzer kriechen.
Ebenso zerstört undefinierter Aufschwung gewachsene Strukturen
in den Regionen. Den Städten und Gemeinden wird es weiter schlechter
gehen, wenn ihre Vertreter ständig nur Quantitätszuwächse
fordern. Nur mit der Kategorischen Marktwirtschaft lässt sich
in den Regionen, kleinen Städten und Gemeinden eine nachhaltige
Infrastruktur, eine dezentrale und arbeitplatzintensive Grund-,
Güter- und Energieversorgung aufbauen, welche sich gegenüber
Konkurrenz von außen als stabil erweist.
Fazit: Vereine und Verbände legen genausooft faule Eier, wie
unsere Politiker, wenn sie über die Zukunft nachdenken. Ebenso
wie bei letzteren sind sie nur fähig ihre kleine Nische zu
betrachten, statt das Ganze, welches vielfältig verflochten
ist miteinander.
CCR
21.Juni 2005: Der Ölpreis hat
wieder eine neue Rekordhöhe erreicht. Und, zur Urlaubszeit
könnte es noch dicker kommen. Der Grund für Preiserhöhungen
sind in letzter Zeit immer weniger marktwirtschaftliche Vorgänge,
etwa der Anstieg der Nachfrage. Die Sorge einiger Käufer, es
könnte, besonders im vierten Quartal, zu Versorgungsengpässen
kommen, erhöht zwar auch den Preis des begehrten Erdensafts,
doch zunehmend beeinflussen die Käufe von Spekulanten und
Fonds die Ölpreisänderungen. Börsianern ist dies
eigentlich gar nicht recht, kommt doch mit diesen, für die
Akteure sehr profitablen Seitengeschäften, ein höchst
unberechenbarer Faktor zu den Regeln von Aktiengeschäften hinzu.
Ebenso wird auch immer häufiger das weltweite Währungssystem
für Spekulationen missbraucht. Die Profitaussichten sind hier
besonders hoch. Wie einen entzündeten Blinddarm müssen
die Akteure in dieser Art von Geschäft sich den letzten Funken
an moralischen Bedenken haben amputieren lassen. Die Summe der hierbei
externalisierten Kosten, ist gigantisch. Ganze Volkswirtschaften
werden ins Elend gestürzt. Die Asien-Krise der 1990er Jahren
stürtzte Millionen Menschen in die Armut. Dabei geht es völlig
legal zu. Die Schäden aus socherart Transaktionen dürfen
auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, sie werden gewissermaßen
verweltgesellschaftlicht. In einer Kategorischen Marktwirtschaft
gäbe es so etwas nicht. Ebenso wie bei Produktion und Dienstleistung
müssten auch bei jeder Art von Geldgeschäften die Schadkosten
in den Preis integriert, bzw. vom Gewinn abgezogen werden. Die meisten
Spekulationsgeschäfte würden völlig unrentabel.
Auf Europa-Ebene, wo gerade die langfristige Finanzplanung gescheitert
ist, streiten sich die politischen Lagerführer über Entlastungen
der Nettozahler und die Höhe der Landwirtschaftssubventionen.
Völlig fahrlässig wird von ihnen das große Damoklesschwert
über der Weltwirtschaft, das Dollarproblem, ignoriert, das
bald fallen wird, fallen muss. Nicht nur diese EU-Kleinkrämer
werden sich dann darunter befinden, sondern auch die Menschen, für
die sie regieren sollen. Die gesamte globale Wirtschaft schaut wie
das Kaninchen auf die Schlange, weiß, dass sie irgendwann
totgebissen werden kann, hofft, dass es noch nicht Morgen sein wird,
frisst weiter Löwenzahn und denkt nicht daran, sich in Sicherheit
zu bringen.
Der durchschnittliche Tagesumsatz mit Devisen wuchs seit 2001 um
57 % auf 1,88 Billionen Dollar ( 1.880.000 Millionen !) Von diesen
Geschäften sind 86 % reine Währungsspekulation von Leuten,
die "Währungen zunehmend als eigene Anlageklasse, neben
Aktien und festverzinslichen Wertpapieren" betrachten (Bundesbankdirektor
Griep laut Spiegel 23/05).
Auch die Amerikaner profitieren von den währungspolitischen
Fehlentwicklungen. Die berühmtberüchtigte Dollarblase
darf nicht platzen und wird dennoch routinemäßig weiter
aufgepustet. Vor allem Japans und Chinas Dollarreserven verhindern
noch den Tag X, den Tag, an dem die Welt nicht mehr weiter die Amerikaner
subventionieren mag, diese größte Volkswirtschaft, die
täglich 2 Millarden Dollar ausländisches Kapital anlocken
muss um den american-way-of-life weiter zu finanzieren.
Die USA druckt munter Dollarscheine, um sie gegen Ware in der Welt
zu verteilen. Diese Welt, zumindest die großen Handelsnationen,
nehmen den Dollar weiterhin an, obwohl diese Währung im Grunde
nur noch einen Bruchteil seines tatsächlichen Werts hat. Nur
die Devisenreserven der Industrienationen, in Asien derzeit über
2,2 Billionen, halten das Zuviel an Dollars vom Markt zurück.
Jeder würde gerne etwas davon loswerden, weiß aber auch,
dass damit der Dollarpreis gefährlich in Bewegung kommen kann.
Alle Welt weiß vom Kommen des Tags X. Ob die Amerikaner es
schaffen, ihr Haushalts- und Handelsbilanzdefizit, zusammengenommen
über eine Billion Dollar in 2004, allmählich abzubauen,
oder ob das Ende des gegenwärtigen Paradoxons ein großer
Knall sein wird, der die Welt bis in kleinste Bereiche erschüttern
könnte, weiß niemand. Ebenso finden sich auch keinerlei
Bemühungen in der Pollitik und der Finanzwirtschaft, auf eine
weiche Landung hinzuarbeiten. Man darf also getrost annehmen, unausgesprochen
ist der Crash eingeplant.
Alle derzeitigen Aktivitäten der Beteiligten dienen nur dem
Vorhaben, eigene Schäfchen ins Trockene zu bringen, so lange
es geht. Unter Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet
passiert schließlich folgendes: Der größte Teil
der externalisierten Kosten des internationalen Finanzbetrugs, neben
dem Teil, der täglich wirkt, ist eigentlich mit den jeweiligen
Dollarreserven gebunkert und noch verschlossen. Wird dieser mit
einem Schlag wirksam, zerstört er mit dem monetären Weltgefüge
auch Millarden von Existenzen quasi nebenbei.
Wieso behandeln die Europapolitiker dieses Thema nicht? Sehn sie
nicht die Gefahr oder sind sie auch noch mit ihren Schäfchen
beschäftigt? Es existieren alle möglichen Katastrophenpläne,
doch von einem solch gewaltigen Crash will man sich erschlagen lassen?
Auch der Euro bietet keinen Schutz, da er international verflochten
ist.
In Japan hat die national begrenzte Finanzkrise der letzten Jahre
neben allerlei Schäden auch eine positive Entwicklung angestoßen.
Regional begrenzte Sekundärwährungen wurden geschaffen
und milderten für Teile der Bevölkerung die schlimmsten
Auswirkungen ab. Dies erinnert an das Beispiel der österreichischen
Gemeinde Wörgl, Anfang der 1930er Jahre, die es schafften,
durch Einführung ihres regionalen Schwundgeldes viele Auswirkungen
der Wirtschaftskrise um sie herum abprallen zu lassen. Durch Entscheidung
von oben wurde das Experiment dann jäh beendet. Nachlesen kann
man darüber unter http://www.inwo.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=39&mode=thread&order=0&thold=0
oder unter http://www.userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/
einem Bericht eines Zeitzeugen von damals.
Die EU muss loskommen von ihrer latent verhängnisvollen Verflechtung
mit dem Dollar. Dies geht nur mit einer konsequenten Abkehr vom
Ideal des quantitativen Wirtschaftswachstums, der Annahme der Kategorischen
Marktwirtschaft als Ökonomie der Zukunft, und mit einer weitgehenden
Entkoppelung vom weltweiten Finanzgeklüngele.
CCR
20.Juni 2005: -- Europa ist sauer auf
die Briten und Niederländer, liest man. Die Staatschefs regen
sich mordsmäßig auf und beerdigen schon mal plakativ
die nächste gemeinsame EU-Zeit. Doch das Leben wird weitergehen,
trotz des " Rückschlags für das große Friedens-
und Stabilitätsexperiments in Europa", -so äußerte
sich ein deutscher, sogenannter "Außenexperte".
Auch so kann man einen Haufen Stroh bezeichnen, wenn er hinter einer
Glasfassade sitzt und denkt, er sei für die Menschen gut.
-- Der neue SPD-Scheinlinksruck verursacht erste Kosten. Die von
der Regierung beschlossene längere Zahlung von Arbeitlosengeld
I für Arbeitslose ab 45 kostet einige Milliarden. Nunja, die
Ablehnung durch die CDU ist da wohl eingeplant und wirds richten.
-- Nach einer Emnid-Umfrage fühlen sich Deutschlands Arbeitnehmer
zunehmend unter Druck gesetzt. 84 % der Befragten gaben an, die
Belastungen seien in dieser Hinsicht gestiegen. 43 % sagten, nach
ihrer Beobachtung sei in den vergangenen Jahren immer mehr Arbeit
auf immer weniger Leute verteilt worden.
-- Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden sinkt die Zahl der
Beschäftigten im Handwerk immer weiter. Nach einem Rückgang
von 3,4 % in 2004 lag dieser für das erste Quartal 2005 bei
4,1 %.
-- Die Zahl der überschuldeten Privathaushalte hat, nach Angaben
der Bundesregierung, in den vergangenen vier Jahren um 400.000 auf
3,13 Millionen zugenommen. Das sind rund 8 % aller Haushalte. Die
Schuldnerberatungsstellen sind gnadenlos überlastet.
-- Und noch ein Schnipsel: Die Zahl der depressiven Menschen
in Deutschland nimmt offenbar ständig zu. Im Gesundheitsbericht
der Technikerkrankenkasse wird betätigt, dass die Ärzte
immer mehr Antidepressiva verschreiben. Arbeitslose sind hier fast
doppelt so häufig betroffen. Auch wurden ihnen 20 % mehr Medikamente
verschrieben als Berufstätigen. -"Das Volumen ist erschreckend
hoch."
Arbeitslosigkeit macht krank, Angst vor Arbeitslosigkeit auch. Das
"Weiterso" und die Selbstüberschätzung der verantwortlichen
Volksvertreter macht wütend.
Durchhalten! Und: Lieber wütend als krank.
CCR
19.Juni 2005: Die Kritik am Kapitalismus
ist einerseits berechtigt andererseits jedoch mehr als schwammig
und unsachlich. Wie die Schriftstellerin Juli Zeh es Ende Mai im
"Spiegel" dargestellt hat, verlaufen die Grenzen der gegensätzlichen
Positionen oft unvermutet quer und sehr viel subtiler, als bloßes
Draufhauen dies vermuten lässt. Die "praktischen Konsequenzen"
einer Kapitalismuskritik nach sturem Recht-Links-Denken ergäben
für Juli Zeh ein merkwürdiges Bild: "Wir
bräuchten Einkommensregulierungsgesetze für Spitzengehälter,
ein Abwanderungsverbot für deutsche Firmen, ein Mitarbeiterentlassungsverbot,
vielleicht auch Importbeschränkungen für Billiggüter
aus China. Weiterhin Ordnungsgesetze für die Kreditpolitik
der Banken, ein Börsenspekulationsverbot sowie ein Verbot zur
Einstellung ausländischer Arbeitskräfte aus Lohnkostengründen."
Für Juli Zeh ist nicht Links oder Rechts der Gegensatz, sondern
der Widerstreit zwischen dem "Konzept individueller Freiheit"
auf der einen Seite und auf der anderen das "von staatlich
herbeigeführter Sicherheit und Kontrolle". Als Beispiele
nennt Juli "Anti-Terrorkampf versus Datenschutz, Software-Patente
versus Open-Source, physische Selbstbestimmtheit versus Gesundheitspolitik
oder Sterberecht versus Euthanasieverbot". Hier ließen
sich vielleicht bessere, alltagstauglichere Beispiele finden. Doch
selbst hier bewegt man sich auf uneindeutigem Terrain.
Der Begriff Freiheit kann unterschiedlich verstanden werden, denn
die Freiheit des Einen kann gleichzeitig die Unfreiheit des Anderen
bedeuten. Die Freiheit, mit agressiver Werbung mehr seiner Produkte
verkaufen zu können, beschneidet die Freiheit eines Durchschnittskonsumenten,
unbeeinflusst zu untersuchen, was er denn wirklich braucht. Die
Freiheit eines übernationalen Konzerns sich Betriebe kaufen
und verwerten zu können, schränkt die Freiheit der Region
ein, in welchem der Betrieb angesiedelt war. Die Freiheit eines
Konsumartikelherstellers, die Waren ab sofort in China produzieren
zu lassen, kappt die Individuelle Freiheit, wie die Sicherheit der
nun arbeitslosen Mitarbeiter im bisherigen Stammbetrieb.
Juli Zeh verneint, dass "der Mensch als Teil eines unmündigen,
von Verkaufsstrategien manipulierten, ausgebeuteten und entmenschten
Konsumentenkollektivs" unsere Epoche prägt. Wir lebten
viel eher "in einem Zeitalter, das durch ein hohes Maß
an allgemeiner Bildung und Aufgeklärtheit sowie durch eine
weitgehende Verwirklichung von Freiheitsidealen gekennzeichnet ist."
Hier will ich Zeh widersprechen: Sind es nicht die mittlerweile
in alle Lebensbereiche eingedrungenen Vorgaben und Erwartungen des
Wirtschaftssystems, welche den Alltag der Menschen, damit allmählich
den Menschen selbst und schließlich die ganze Epoche prägen?
Wie äußert sich denn die "weitgehende Verwirklichung
von Freiheitsidealen" im praktischen Alltag?
Was bleibt denn übrig, wenn man den Konsum über das tatsächlich
Notwendige hinaus, diese bemittleidenswerten Befriedigungsversuche
einer geziehlt ins Kollektiv infizierten, unstillbaren Sucht, die
wohlfeil herangezüchtete Hauptvoraussetzung zum Überleben
unserer real existierenden Kapitalistischen Planwirtschaft, aus
dem Dasein ausblendet?
Der Konsum armer und durchschnittlicher Bürger unterscheidet
sich vom Konsum gebildeter und aufgeklärter Bürger eigentlich
nur im Preis und der Qualität. Dass er sich aber in einer höheren
Berechtigung unterscheidet, können wir als Selbstbetrug abhaken.
Der "aus der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen"
folgende "breitangelegte Individualismus", wird
immer erst im Zusammenhang mit Konsum erkennbar. Der "lust-
und leistungsorientierte Typus" der das "Ideal
der Mobilität verkörpert", ohne welches "der
internationalisierte Kapitalismus nicht möglich wäre",
ist nichts anderes als auch ein Konsument innerhalb des herrschenden
Systems, nur dass er eben auch auf der Macherseite agieren kann
und "stark, schön und erfolgreich" sein will.
Einige sicherlich auffindbare wirklich individuelle Köpfe außerhalb
des Wirtschaftsgeschehens, können als Ausnahme von der Regel
gelten.
So ist schließlich auch das Schwinden der "ideellen
Grundlagen für Mitgefühl, Verzichtswillen und eine Philosophie
des Teilens" nicht auf eine wertfreie Individualisierung
zurückzuführen, sondern allein auf das Diktat des Wirtschaftssystems.
Natürlich ist es unmöglich, "verlorengegangene
Werte durch staatliche Zwangsmaßnahmen" zu ersetzen.
Eine Rückkehr zu moralischem Handeln, zum "edel, hilfreich,
gut", ist so keineswegs erreichbar.
Wenn das Wirtschaftsystem sich als der früher oder später
alles bestimmende Faktor erweist, seine spezifischen Notwendigkeiten
in den Alltag der Bewirtschafteten streut und damit sogar altbewährte,
menschlich und gesellschaftsdienliche Ideale verdrängt, wenn
die Menschen im Land zunehmend verunsichert sind und Angst haben,
die gegenwärtige Debatte "Ausdruck eines tief- und
weitgehenden Unbehagens gegenüber dem -Ob- und -Wie- unseres
wirtschaftlichen (und damit auch politischen) Systems ist",
müssen wir uns fragen, ob das gegenwärtige Wirtschaftssystem
nicht menschenfeindlich ist und ersetzt werden muss.
Juli Zeh meint, es gelte "die Wurzeln des Kapitalismusstreits
freizulegen, um ihn fruchtbar zu machen". Es würde
"nicht nur an konkreten Vorschlägen fehlen, sondern
auch an einer grundlegenden Idee".
Hier widerspreche ich abermals.
Mit der Kategorischen Marktwirtschaft, dem Wirtschaftsmodell dessen
Hauptmerkmal der Zwang zur Internalisierung aller sozialen und ökologischen
Kosten in den Preis der Produkte und Dienstleistungen ist, liegt
die gesuchte, grundlegende idee vor. Als derzeit einziges Modell
macht die Logik der Kategorischen Marktwirtschaft Vollbeschäftigung
wieder denkbar. Der Kapitalismus wird nicht abgeschafft, sondern
durch einen neugerichteten marktwirtschaftlichen Mechanismus zurechtgestutzt
und menschenfreundlicher. Die Reichen werden nicht abgeschafft,
sondern individuell in dem Maße zur Kasse gebeten, wie ihr
Tun und ihr Besitz an die Externalisierung von gesellschaftlichen
Kosten gekoppelt ist. Spekulationsgeschäfte verlören ihre
Attraktivität. Die politische Kaste wird teilweise überflüssig.
Auch in der Kategorischen Marktwirtschaft zählt Leistung, aber
nicht solche auf Kosten und zum Nachteil Dritter. Die Sozialsysteme
funktionieren nachhaltig und können auf Dauer finanziert werden.
Finanzielle Engpässe in der Übergangsphase werden durch
Auszahlung der Internalisierungseinnahmen an die Bevölkerung,
gleicher Betrag für jede/n Deutsche/n ob jung oder alt, arm
oder reich, ausgeglichen. Bei einer Einnahmenuntergrenze von 400
Millarden Euro, kämen auf jeden 400 Euro monatlich.
Die neuartigen Perspektiven dieses Wirtschaftssystems sind gigantisch.
Seine Notwendigkeit auch und gerade angesichts der laufenden Kapitalismusdebatte
unbetreitbar.
CCR
18.Juni 2005: Die Europäische
Union braucht eine neue Perspektive, ja sie braucht eine überzeugende
Daseinsberechtigung, welche, und dies ist das Wichtigste überhaupt,
von der europäischen Bevölkerung nachvollzogen werden
kann. Fragt man Durchschnittsbürger nach dem Sinn der Mammutorganisation
EU, sieht man ratlose, verlegene Gesichter, allenfalls kommt dem
Einen oder Anderen die Aufgabe der EU in den Sinn, für die
Organisation des gemeinsamen Handels und der Produktion, hauptsächlich
in der Landwirtschaft, zuständig zu sein. Fragt man nach, warum
eine solche Organisierung notwendig sei, erntet man Schulterzucken
und Kopfschütten. Politikern fallen vollmundig noch andere
Bereiche ein, für welche die große Dachorganisation gebraucht
werde etwa die Funktion als Bewahrer des Friedens, als Öffner
der Innereuropäischen Grenzen für mehr Reisefreiheit und
länderübergreifende Arbeitsmöglichkeiten, als Förderer
von Kultur und Tourismusangeboten von Wissenschaft, Forschung und
Demokratie, usw.
Was tut die EU tatsächlich für die kleinen Leute und die
schwachen Regionen? Selbst ein Politiker, wäre er auch im großen
Apparat kompetent, könnte diese Frage nur mit Allgemeinplätzen
und Absichtserklärungen beantworten. Wie notwendig ist die
EU in ihrer heutigen Form tatsächlich?
Der Friede in Europa geht wohl eher auf Initiativen und diplomatische
Geschicke einzelner Staatsmänner in den Nationen zurück,
als auf Bemühungen der EU. Auch haben die Menschen in allen
europäischen Ländern vom Krieg die Schnautze gestrichen
voll. Der Nationalismus als Hauptfaktor bewaffneter Konflikte, ist
weitgehend verwelkt. Meinugsverschiedenheiten zwischen Staaten reichen
allenfalls noch für polemische Wortgefechte in großen
Boulevarblättern. Allenfalls nachrangige Glättungsbemühungen
gehen hier von der EU aus.
Die Öffnung der Grenzen lässt sich eventuell als EU-Verdienst
ansehen. Doch auch hier sind einzelne Länderverträge mitverantwortlich
gewesen. Genau wie bei der Freiheit, in anderen Ländern arbeiten
zu können, legitimiert diese erfreuliche Neuerung keineswegs
die Beibehaltung des Brüsseler Monsters auf lange Sicht hin.
Als Institution für die Förderung von Kultur und Tourismus
ist die EU oft genug kontraproduktiv. Ihr "Leader-Plus"
Programm beispielsweise führt in unserer Region zur Verschandelung
kaum berührter Naturgebiete. Um an die Gelder zu kommen und
in Ermangelung sonstiger, der Region dienlicher Konzepte, entwickeln
Lokalpolitiker einen gefährlichen Aktionismus. Die so künstlich
erhöhte Zahl der Mitwettstreiter um die spärlichen Touristengrüppchen
macht die Aussicht auf Erfolg von Vorneherein zunichte. Touristen
sind weiter dort anzutreffen, wo es sie schon immer gab. Auch Wissenschaft
und Forschung sind in den Händen der Staaten besser aufgehoben,
vorausgesetzt sie erkennen deren Wert.
Eine effektivere Koordinierung gemeinsamer Außenpolitik wird
genannt, was aber angesichts der Weiterexistenz von nationalen Außenministern
wenig überzeugend klingt, und für die wenigen Anlässe,
wo eine gemeinsame außenpolitische Stimme notwendig ist, scheint
der Apparat etwas aufgebläht.
Weitgehend überflüssig ist die EU aber als Förderer
verträglicher Strukturen in der Landwirtschaft, als begünstigender
Faktor im Wettbewerb sowie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.
Sämtliche Agrarsubventionen der letzten Jahrzehnte haben sich
als kontraproduktiv erwiesen. EU-Politiker werden dies natürlich
verneinen. Dennoch: Regionale Strukturen werden nicht behutsam modernisiert
sondern zerstört, wie gerade im Zeitraffertempo in der polnischen
Landwirtschaft beispielsweise.
Anbaumethoden, welche die regionalen Lebensgrundlagen bewahren und
örtliche Kleinstrukturen opfert man der sogenannten konventionellen
Landwirtschaft und ihrem lobbyistischen Anhang und einer kleinen
Gruppe von Nutznießern. Betrug ist Gang und Gäbe. Überschüsse
zum Spottpreis zerstören über den Weltmarkt bäuerliche
Existenzen in fernen Ländern. Jeglicher Spaß am Beruf
des Landwirts ist durch überregionale Sachzwänge, unablässig
gesteigerte Bürokratie und paradoxe Rationalisierungsforderungen
zerstört worden. Der höchste Anteil unbesetzter Lehrstellen
existiert in der Landwirtschaft.
Schließlich wird die EU auch nicht wirklich für Wettbewerb
und Exportwirtschaft gebraucht. Dazu sind vor allem kluge ökonomische
Entscheidungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten von Nöten.
Wie wenig die EU in Zukunft gegen die Arbeitslosigkeit zu unternehmen
im Stande ist, lässt sich direkt aus den Verlautbarungen der
EU-Politiker zum Thema Wirtschaftswachstum ablesen. Wachstum der
bisherigen quantitativen Art zerstört Beschäftigung. Politiker
die Wachstum und Jobs in einem Atemzug als ertrebenswerte Ziele
nennen, haben die wichtigste Voraussetzung für eine Wende zum
Positiven nicht begriffen. Auch sie plappern nur selbstbewusst nach,
was die große Herde vorgibt und disqualifizieren sich damit
als europadienliche Entscheidungsträger.
Wenn die Europäische Union überleben will, kann sie dies
nur, wenn sie in erster Linie für die Menschen da ist. Sie
sollte zur Förderung einer wirklich demokratisch geprägten,
mal zurückhaltenden, mal entschiedenen Außenpolitik da
sein.
Sie sollte die Funktion einer Art europäischen Sozialbehörde
innehaben, zum Ausgleich besonderer Härten bei den unterschiedlich
strukturierten Regionen, ohne diese Strukturen aber zu zerstören.
Sehr viel mehr Akzeptanz würde die Europäische Union erfahren,
wenn sie eben nicht eine Gemeinschaft der Staaten in Europa,
sondern der Regionen wäre, gewissermaßen wie eine
Mischung aus Ländertag und Länderrat. Die Zahl der Abgeordneten
würde dadurch nicht steigen. Europa muss eine ausgleichende
und schützende Ausstrahlung bekommen, fast schon wie eine Mutter
aber auch wie ein entschiedener Anwalt der Interessen seiner Bevölkerung
gegen allgegenwärtigen Wettbewerb und gesellschaftsschädliche
Profitabsichten von Großunternehmen. Eine neue EU fördert
das Zusammenkommen und die gegenseitige Hilfe, ohne aufdringlich
zu sein, fördert die Landwirtschaft nur noch beratend, aber
schützt sie vor liberalistischen Märkten. Sie kann die
überregionale Polizei- und Justizarbeit koordinieren
Und sie muss als zukünftige Wirtschaftsform statt der gegenwärtig
herrschenden kapitalistischen Planwirtschaft die Marktwirtschaft
entwickeln und einführen, genauer gesagt die Kategorische Marktwirtschaft.
Nur damit ist nachhaltige Beschäftigung zu initiieren und die
Lebensgrundlagen in Europa zu erhalten. Mittel- und langfristig
würde sie damit eine ökonomische Vormachtstellung im Welthandel
bekommen und konsequent Auswüchse der Globalisierung abwehren.
Schließlich würde sie diese einzig zukunftsverträgliche
Wirtschaftsform in alle Welt exportieren. Selbst für diese,
wirklich wichtige Aufgabe wäre der derzeitige Umfang der EU-Behörden
und ihr finanzieller Etat bei weitem zu groß.
Der "Spiegel" 23/05 fragt: "Schwenkt die EU auf
ein anglo-amerikanisches Wirtschaftsmodell ein, bei dem die Rendite
höher bewertet wird als die Sicherung von Arbeitsplätzen?
Oder gibt es einen kontinentaleuropäischen Gegenentwurf, der
die Sozialsysteme sichert, ohne in Protektionismus zurückzufallen?"
Den gibt es unter Vorgabe der Kategorischen Marktwirtschaft.
CCR
17.Juni 2005: Die EU steckt in einer
Krise, sagen die Zeitungen. Diese müssen es von den Politikern
haben, denn jene sind nicht zufrieden mit den undankbaren Bürgern.
Sie sind aber auch nicht zufrieden mit ihren Kollegen. Die Briten
verteidigen hartnäckig ihren Beitragsrabatt, den ihnen Maggi
Thatcher vor vielen Jahren mit der Handtasche erstritten hat. Die
Franzosen dulden dagegen keinerlei Abstriche bei ihren astronomischen
Agrarsubventionen. Die Polen sind sauer auf die Einschränkungen
nach ihrem Beitritt und andere wollen die Erweiterung am liebsten
wieder rückgängig machen. Für die jüngsten Eintrübungen
der Konjunktur in Euroland macht man sich gegenseitg Vorwürfe.
Die Gemeinschaft ist dahin gekommen, wo eine Staatenvereinigung
hinkommen muss, wenn sie, wie die EU, nur aus wirtschaftlichen und
finanziellen Gründen existiert. Diese gigantische "Geldumwälz-
und Richtlinienmaschine"(Rheinzeitung) schafft ihre Daseinsberechtigung
mittlerweile ausschließlich selbst. Inzwischen reicht ihr
jährlicher Etat an die 100- Milliardengrenze heran. Der Traum
vom Europa der Regionen, wo einerseits jeder seine individuelle
Eigenständigkeit und Souveränität behalten kann,
überregionale Themen aber andererseits effektiver an eine große
Institution delegiert werden können, ist im Profitdenken
und in verselbstständigter Bürokratie untergegangen.
Alle Subventionen, einige vielleicht sogar gut gemeint, führen
lediglich zu noch mehr Regulierung und Entmachtung regionaler Strukturen.
Mit den Jahren wurde so viel Papier produziert, dass beim besten
Willen keiner mehr durchblickt. Gemeinschaftlicher Besitzstand (Acquis
communautaire) nennt man die Summe aller Verträge, Vorschriften,
Entscheidungen und Entschließungen auf mittlerweile 85.000
Seiten. Jedes Jahr kommen 2500 neue Rechtsakte dazu, 3000 Arbeitsgruppen
tagen regelmäßig in Brüssel. Warum wundert man sich
überhaupt über die Unzufriedenheit gegenüber diesem
bürokratistischen Apparat, dessen einziger, selbst erarbeiteter
Besitz hallenweise Regulierungen sind? Wie in den nationalen Regierungen
haben auch die EU-Delegierten jeden Bezug zu Problemen der Bevölkerung
verloren. Wie mit einem großen Einheitshobel soll alles standardisiert
und erfasst werden. Nicht umsonst wird die Europäische Verfassung
in der Kern-EU besonders deutlich abgelehnt, sei dies nun bei Staaten
mit Referendum oder bei solchen ohne. Hier fragen sich die Leute
schon besonders lange um eine nachvollziehbare Daseinsberechtigung
dieses Blähprodukts.
Europa hat als Gemeinschaft nur eine Chance, wenn die EU sich auf
die Bewahrung der vielen regionalen, wie auf die gemeinsamen
Werte konzentriert. Gerade für Europa sollte in Abwandlung
des Einsteinzitats am Kanzleramt gelten: Die EU ist für die
Europäer da, nicht die Europäer für die EU. Dies
kann nur bedeuten, von der rein quantitativen Wachstumsideologie,
die sogar in der Verfassung festgeschrieben werden sollte, Abschied
zu nehmen. Erst dann wird Europa zum Bollwerk gegen die Grausamkeiten
der Globalisierung und zum Motor für den Aufbau einer nachhaltigen
Witschaftsstruktur.
Betrachtet man das Regulierungs- und Vertragswerk der EU unter der
Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft, wird über
95% des Schriftwerks gegenstandslos, wie dessen Verfasser überflüssig.
Sämtliche nationalen wie europäischen Subventionen verlören
die Grundlage.
Regionale Produkte würden eher regionale Märkte versorgen.
Der Gesamttransportaufwandt in der EU würde rapide zurückgehen.
Pfälzer Kartoffeln wären in der Pfalz am billigsten, Allgäuer
Käse im Allgäu, Holsteinische Butter in Schleswig-Holstein,
Hunsrücker Wurst im Hunsrück, niedersächsisches Rindfleisch
in Niedersachsen, Seefisch an der Küste, Forelle und Karpfen
um ihren Zuchtteich im Inland, usw. Aber auch Waren außerhalb
des Agrarbereichs wie z.B. Baumaterialien und Konsumgüter wären
den weit transportierten Konkurrenzartikeln gegenüber günstiger.
Produkte, die von weiter her kommen würden teurer, aber auch
wertvoller. Der Aufbau regional orientierter Versorgungsstrukturen
wie Handwerksbetriebe, Kleinbauern oder Einmann/fraudienstleister
würde langfristige finanzielle Sicherheit bieten und eigendynamisch
endlich auch umgesetzt werden. Durch Abschaffung jeglicher Möglichkeiten
zur Kostenexternalisierung würde die europäische Wirtschaft
zunehmend arbeitsmarkt- und zukunftsverträgliche Technologien
entwickeln. In der Weltwirtschaft, wo die starken Länder derzeit
nur noch versuchen, so gut es geht die nationale Haut zu retten,
könnte die europäische Wirtschaft auf Jahrzehnte hinaus
zum alles dominierenden Faktor werden. Sie wäre Vorreiter für
eine Entwicklung, die sich weltweit durchsetzen muss, wenn wir den
großen Kollaps noch abwenden wollen.
CCR
16.Juni 2005: Der große Globalo
ist muskelbepackt mit breitem Ledergürtel unter dem nackten
Oberkörper. Drohend steht er vor der Weltwirtschaft
und unserer nationalen Wirtschaft und vor dem Volk, die Peitsche
in der Hand, sieht aus, wie ein brutaler Galeerenaufseher in Historienfilmen
über Roms Weltherrschaft vor 2000 Jahren.
Alle sind wir an die Ruder gekettet, einige schon zusammengebrochen
von der aufgezwungenen Anstrengung. Wer fleißig rudert, bekommt
besser zu essen, einige sogar einen Platz ganz oben, wo es fast
schon Spaß macht, sich den frischen Fahrtwind über das
verschwitzte Gesicht blasen zu lassen, verstärkt von der eigenen
Anstrengung beim Rudern, und vor allem durch die Anstrengungen der
vielen Namenlosen im dunklen Schiffsrumpf, von denen immer wieder
einige nach oben getragen, völlig ausgepowert, halbtot oder
ganz, blutige Hände und Peitschenwunden, auf der Strecke geblieben
im wahrsten Sinne, dort, wo man sie über Bord wirft.
Die AEG-Mitarbeiter in Nürnberg können rudern, so viel
sie wollen. Sie wurden zu Ballast erklärt auf der großen
Reise, und obwohl sie noch schwarze Zahlen schreiben, will der Mutterkonzern
Elektrolux sie loswerden, rein vorbeugend, um "einem weiteren
Preisverfall vorzubeugen".
Oben auf der Brücke sitzen welche, die nicht rudern müssen.
Die haben sogar zum Händewärmen ein Feuer angezündet.
Wo bloß das Brennholz herkommt?
Es wird für die Angeketteten immer schwieriger, an Essen zu
kommen. Es geht das Gerücht, am anderen Ende des Schiffs werde
immer mehr verbraucht. Die internationale Energieagentur will in
ihrem Monatsbericht keine Vorhersage zur Ölpreisentwicklung
abgeben:" Wie der Treibsand in der Wüste verändert
der Ölmarkt ständig seine Form und Struktur."
Die Meldungen der letzten Zeit, wonach an vielen Stellen in der
Galeere besser gerudert werde, als dort wo die Deutschen sitzen,
stellt sich immer mehr als eine Halbwahrheit heraus. Die skandinavischen
Ruderer lassen jetzt langsam auch nach. Die nordeuropäischen
Staaten haben kurz vor Einführung des Euro ihre Währungen
stark abgewertet, was ihrer Konjunktur für einige Jahre einen
Vorteil beschert hat. Aus dem Sektor der amerikanischen und der
englischen Ruderer hört man, sie seien in letzter Zeit nur
deshalb besonders gut gewesen, weil sie sich durch Vernachlässigung
ihrer Kinder besser auf das Rudern konzentrieren konnten. In den
Vereinigten Staaten gibt es immer mehr Arbeitende, die trotz Vollzeitjob
ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. Die tatsächliche
Arbeitslosenquote wird durch die eigentümliche Erhebungsart
in den USA stark verfälscht und liegt mindestens um 100% über
der offiziellen Zahl. Die Politik hat diesen größten
Bevölkerungsteil schon abgeschrieben und konzentriert sich
auf die Unterstützung der wirtschaftlich Stärksten. Manche
der amerikanischen Galeerensträflinge sind immer öfter
oben auf der Brücke am Feuer zu sehen. -Wo haben die bloß
das Brennholz her?-
Wie andere fleißige Ruderer aus Industriestaaten sitzen sie
ohnehin an den sonnigsten Ruderplätzen oben an der frischen
Luft. -Wie kommen die bloß an die Schlüssel, um die Ketten
abzulegen?- Man hört sogar, die besonders kräftigen chinesischen
Ruderer und die aus Indien könnten sich nur deshalb so ins
Zeug legen, weil sie das Essen für ihre Kinder selbst verbrauchen.
Die Umweltverschmutzung hat in China unvorstellbare Ausmaße
angenommen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Hochfahren der Produktion
ist unverkennbar. Ganze Landstriche sind mit Industrieabfällen
kontaminiert, sauberes Trinkwasser geht rapide zur Neige, Flüsse,
vor allem in Städten, werden zur Müllentsorgung missbraucht.
Fachleute befürchten, der chinesische Wirtschaftsaufschwung
wird bald ein jähes Ende finden, weil er sich rücksichtslos
selbst den Boden entzieht. Auch die Wachstumsstatistik in Indien
ist nichts als ein Zahlenspielertrick. Es werden nur enge Bereiche
wie die Computer-, Stahl- und Bekleidungsindustrie beachtet, während
indische Bauern in einer dreistelligen Millionenzahl hoffnungslos
verschuldet sind. Wenig privilegierte Regionen verzeichnen großes
Wachstum, während der große Rest verelendet. Nachts fällt
von dem Feuerschein oben etwas Licht auf die Rudernden darunter.
-Wo die bloß das Brennholz herhaben?-
Gestern erzählte man sich, jemand der Mutigsten habe den Aufseher
gefragt, wohin das Schiff denn eigentlich fahre. Die Antwort war
ausweichend, es hieß, der Weg sei das Ziel. Nunja, da wird
es wohl noch eine ausführlichere Antwort geben. Vielleicht
später noch einmal fragen. Einer neben mir will ein Gespräch
belauscht haben von einem derer, oben am Feuer mit dem Aufseher.
Er soll sich nach den Möglichkeiten zur Erhöhung des Rudertaktes
erkundigt haben, weil dann der Fahrtwind die Flammen so schön
anfache.
Und noch etwas hört man: Immer mehr Leute müssen die Ruderzeit
unterbrechen, werden hinunter geschickt, um eindringendes Wasser
rauszuschöpfen. Immer öfter sollen Stücke der Außenplanken
fehlen, das Schiff wird löchrig. Wer bloß diese Holzstücke
herausbricht?
CCR
15.Juni 2005: So langsam drängen
sich die Hardliner in der CDU ins vordere Rampenlicht. Je
näher der Termin für die Vorlage des angekündigten
Wahlprogramms rückt, desto weniger werden die eigentlichen
Strippenzieher unter den Unionisten ihre radikale Ideologie hinter
dem unsicheren Lächeln ihrer Frontfrau zurückhalten wollen.
Das prächtige demoskopische Feuerwerk scheint derzeit jeden
noch so wirklichkeitsfernen und der eigenen Tasche dienlichen Furz
dieser Partei zu begrüßen. Offensichtlich will man Angela
Merkel so früh wie möglich überrumpeln, bevor sie
eine Chance hat, auch den sozialen Flügel ihrer Partei in die
ausstehenden Programmpunkte mit einzubeziehen. Beobachter mit überdurchschnittlich
langem Gedächtnis wissen schon jetzt, dass hierbei abermals
eine "Mogelpackung" (Süddeutsche Zeitung)
herauskommen wird.
Unmissverständlich hat der Wirtschaftsrat der CDU Anfang
der Woche seine Forderungen auf den Tisch geknallt. Ihm gehören
über zehntausend Unternehmer und etliche prominente Politiker;
wie CSU-Landesgruppenchef Michael Glos oder der sogenannte Finanzexperte
Friedrich Merz (-Finanzexperte ist Merz natürlich nur zum Vorteil
seiner Klientel, nicht zum Wohl der Gesamtgesellschaft-), an.
Der Präsident dieser Radikalengruppe Kurt Lauk geht hart zur
Sache und wiederholt sämliche Forderungen, die das Herz jedes
Scheuklappenkapitalisten höher schlagen lässt. Der "linke"
Flügel und einige CDU-Landespolitiker haben Mühe, den
beißenden Qualm zu relativieren und zu vermitteln, dass dieser
nicht von einem Flächenbrand stamme, auch wenn man Edmund Stoiber
weiter zündeln sieht. "...den Sozialstaat nur umbauen,
nicht abbauen,...auf soziale Ausgewogenheit achten,...es geht nur
um Formulierungen,...bei mehr Wirtschaftswachstum und Beschäftigung
keine Einschränkungen bei Erfüllung sozialer Aufgaben,"
- usw., usf.
Was uns von dieser Chaostruppe droht, liegt irgendwo zwischen der
SPD-Politik aus der Zeit vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein
und der Inangriffnahme einer restlosen Ausschlachtung noch verbliebener
Recourcen der Durchschnittsbevölkerung. Und immer wieder ertönt
die gleiche Fanfare: "Für Wachstum und Beschäftigung!"
Dass Wachstum nicht zu Beschäftigung führt, spricht sich
langsam herum. Wie lange dauert es aber, bis wenigstens die deutschen
Journalisten quantitatives Wachstum als den eigentlichen Motor der
Arbeitslosigkeit erkennen und auch den Mut finden, gegen bräsige
Fachidioten aus der ökonomischen Premiumklasse, die sogenannten
Wirtschaftsweisen und ihren unsäglichen Anhang, anzuschreiben.
( - liebe Damen und Herren Publizistikkollegen, lesen Sie bitte
Teil 2, zumindest die Kapitel 6), 7) und 8) -). Wieso ist es für
Journalisten denn so völlig weltfremd, dass ein Stimulanzium
aus den 1960ern in heutigen Zeiten direkt giftig wirkt? Bekämen
wir nicht eine wesentlich erfolgversprechendere Diskussion zum Thema
-Wie schaffen wir dauerhafte Arbeitsplätze?-, wenn wir
nicht bei jeder neuen Idee gleichzeitig auch dem ach so gottverdammten
goldenen Kalb huldigen müssten?
Für den Wirtschaftsrat der CDU ist jegliche neue Erkenntnis
Feind. Die einzige Erklärung dafür ist überbordende
Ignoranz oder blanke Dummheit, oder vielleicht etwas mitfühlender
analysiert, Krankheit. Diese Leute müssen krank sein, infiziert
von Sucht, ähnlich den meisten Politikern. Aus ihnen wird erst
dann etwas Neues herauskommen, wenn es ihnen irgendwann selbst oben
herauskommt. Und, - sie machen ihre Profite, indem sie der Gesellschaft
langfristigen Schaden zufügen. Einzig die Externalisierung
von sozialen und ökologischen Kosten auf die Allgemeinheit
und die nachfolgenden Generationen, befähigt sie noch zum Einfahren
von Gewinnen.
Dass diese Externalisierungspraxis gegen mehrere Artikel der Verfassung
verstößt, habe ich in Teil 2 ausgeführt. Für
viele wird es zwar befremdlich klingen, aber der CDU-Wirtschaftsrat,
wie auch andere Unternehmerverbände, ist in Wahrheit eine verfassungsfeindliche
Organisation.
Schließlich frage ich mich: was ist eigentlich mit denjenigen
Unternehmern, die Zweifel haben? Wo organisieren sich Betriebseigner,
denen der außer Kontrolle geratene Wildwuchs ökonomischer
Sachzwänge schlaflose Nächte bereitet, die viel lieber
unter den bewährten Bedingungen vergangener Jahre wirtschaften
würden, mit den bekannten Beschäftigten ihrer Region,
statt sich über eine Betriebverlagerung Gedanken machen zu
müssen, denen bewusst ist, dass zur Produktion auch der Absatz
gehört, zum Absatz die Kunden und in die Tasche des Kunden
das nötige Geld, die einen Zusammenhang zwischen der Produktivität
ihres Betriebs und der Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter sehen und
zwischen dieser Zufriedenheit und einem gewissen Maß an Sicherheit.
Was ist mit Unternehmern, die beispielsweise in Verantwortung auch
für ihre eigenen Kinder den Betrieb gern auf regenerative Energieversorgung
umstellen, sich unter den herrschenden Bedingungen aber gegenüber
der Konkurrenz gefährlich benachteiligen würden? Wo stehen
die Chefs, die innerlich nicht akzeptieren wollen, wie unser Land
von der sogenannten Globalisierung überrollt wird, die das
Fünkchen Wahrheit in der Heuschreckenschwarmparabel durchaus
erkennen, aber konservativ sind? Was sagen diejenigen, deren Unternehmen
durch entsprechende Produktionsorganisation auf die Ausnutzung von
Externalisierungeffekten weitgehend verzichten können und trotzdem
Gewinne einfahren und Beschäftigung sichern? Sie sind die wahren
"Leistungsträger unserer Industriegesellschaft"(
FDP), und werden aber innerhalb unseres derzeitigen Wirtschaftssystems
mit den Schmarotzern in einen Topf geworfen.
Ich finde, wir brauchen eine neue Qualität von Unternehmerorganisation,
Leute mit Rückgrat und Mut, die auch den politischen Waschlappen
entgegentreten, solange Deutschland noch ein souveräner Staat
mit auch ungewöhnlicher Handlungsfähigkeit ist. Wir brauchen
die "Unternehmer für die Kategorische Marktwirtschaft".
CCR
14.Juni 2005: Urteil des Sozialgerichts
Dresden von gestern: Rentner müssen die Nullrunde
des vergangenen Jahres und auch die zusätzliche Belastung mit
Sozialbeiträgen hinnehmen. Begründung der Richter:
Beides war zulässig, um "die Funktionsfähigkeit
der gesetzlichen Rentenversicherung zu erhalten". Die Revision
beim Bundessozialgericht wurde zugelassen.
Meldung von Samstag: Alle Rentner erhalten in diesen Tagen die Anpassungsmitteilung
für ihre ab Juli zu erwartende Rente. Brutto ändert sich
nichts, -Nullrunde eben-, doch netto wird weniger ausbezahlt, weil
der neue Sonderbeitrag zur Krankenversicherung einbehalten wird.
Dies bedeutet für die Rentnerinnen und Rentner eine Kürzung
um 0,45 %.
Der Bockmist unserer Politiker wird zunehmend auch gerichtlich abgesegnet.
Die Opportunisten in Roben verkennen dabei, dass die Funktionsfähigkeit
der Rentenversicherung ja nicht erhalten, sondern der Zusammenbruch
nur um ein Paar Monate verschoben wird. Unbewusst segnen die Richter
von der Politik begangene, verhängnisvolle Fehler auch noch
ab, statt zur schnellstmöglichen Umsteuerung den Finger in
die Wunde zu legen. Ein solches Urteil, wie das aus Dresden, bestärkt
in Berlin die schlafenden Schlawiner hinter Schlipsen in ihrem gewohnten
Geschachere.
Bis heute gibt es keine nachhaltigen Konzepte, wie es mit der Rentenversicherung
weiter gehen soll. Es scheint unter Politikern in Einflusspositionen
niemanden zu geben, der das jeweilige Ende bedenkt und deshalb frühzeitig
statt Populärschüssen aus der Hüfte das langfristig
Richtige entscheidet. Wie ist es zu erklären, dass die Ostrenten
nach der "Deutschen Einheit" nicht aus Steuermitteln finanziert
wurden? Jedes Kind lernt in der Schule um die Eigenschaft einer
Kasse bald leer zu sein, wenn man mehr herausnimmt, als man einzahlt,
wie bei der Rentenkasse. - Nunja, Politiker ist eben kein Ausbildungsberuf.
Man braucht keine Lehrstelle, keinen Gesellen- oder Meisterbrief
und kein Diplom oder sonstiges Papier, außer der maßgeschneiderten
Uniform eben nur breite Ellenbogen und eine große Klappe.
Rentennullrunden, während notwendige Wahren sich verteuern
oder gar Kürzungen, sind auch angesichts des gestern kommentierten
Lohnerhöhungsgebrülle ein Skandal. Das Hauptargument,
die Kaufkraft zu verbessern, wird in der Rentendiskussion einfach
unterschlagen. Für die Erhaltung der Renten kann der Staat
schließlich keine lange Debatte anschließen. Die Forderung
ginge an sich selbst, worauf nur ein Nein oder ein Ja folgen kann.
Eventuelle Lohnerhöhungen jedoch, müssen andere bezahlen,
was endlose Diskussionen erlaubt, bis die Sache zerredet, zermahlen
allen resigniert zum Halse heraushängt. Dies ist moderne Politik
im Zeitalter der Pfründebewahrung.
Wie soll aber die Rentenversicherung der Zukunft aussehen?
Kann es angesichts der Tatsache, dass es immer mehr Rentner und
immer weniger Sozialversicherungspflichtige gibt, überhaupt
eine nachhaltige Lösung geben? Der Vorschlag, die Renten aus
Steuermitteln zu sponsorn ist eine Milchmädchenrechnung. Radikale
Kürzungen, während die Reichen noch reicher werden, bringen
den sozialen Frieden noch mehr ins Wanken, führen letztendlich
in die Radikalität. Außerdem wird die Summe der Marktteilnehmer
noch weiter reduziert.
Die Lösung liegt in zwei Erkenntnissen:
1) Die Hilfe, die ein Mensch im Alter braucht, besteht aus
zwei Säulen, der Hilfe in Form von Geld und der Hilfe
in Form von menschlicher Arbeit. Derzeit wird diese menschliche
Arbeit haupsächlich über die erste Säule, über
Geld gesichert. Rentner brauchen Geld um einkaufen zu können,
um ihre Miete zu bezahlen, um Urlaub machen zu können, um bei
Gebrechlichkeit eine Pflegeleistung bezahlen zu können, usw.
Nur das Erstere davon ist ausschließlich durch Geld zu bekommen.
Alles andere ist theoretisch auch ohne diesen Umweg sicherstellbar.
Die Miete entfällt, wenn der Mensch in seiner arbeitsfähigen
Zeit entweder eigenen Wohnraum geschaffen hat, oder ein Wohnrecht
in einer alternativen Wohnform, etwa einer Wohngemeinschaft, einem
Verein zur Schaffung von Wohnraum im Alter oder Ähnlichem.
Auch den Urlaub kann man an Orten machen, die man früher tatkräftig
mit aufbaute, oder, nach Tausch mit anderen früher in gleicher
Weise aktiven Rentnern, an neuen, unbekannten Orten. Pflegeleistungen
kann man kostenlos erhalten, wenn man entweder früher selbst
Pflegeleistungen an damaligen Rentnern direkt geleistet hat oder
indirekt durch Arbeitstausch diese Leistungen auf seinem individuellen
Zeitkonto verbuchen konnte (siehe Beispiel Japan).
2) Die Vorleistungen, die ein Mensch im Arbeitsleben zur
Alterssicherung aufbringen kann, besteht theoretisch ebenfalls aus
zwei Säulen, der finanziellen, in Form von üblichen
Rentenbeiträgen und, bisher von fast allen "Rentenfachleuten"
nicht erkannt, der tatkräftigen, in Form von Arbeitsleistungen.
In wirtschaftlich schweren Zeiten wie heute, gibt es immer weniger
Menschen, die diese erste Säule, bis heute auch weitgehend
die Einzige, aufbauen können. Dies führt bekanntlich zur
beständigen Abschwächung dieser Säule für die
Alten. Im privaten Bereich existiert die zweite Säule durchaus.
Mehr noch : Sie ist sogar vermischt mit anderen Bereichen sozialer
Arbeit wie: Kinder großziehen, Hausfrauenarbeit, Familie unterhalten,
Großeltern helfen, usw.
Wieso sollte sich dies nicht auf die Gesamtgesellschaft übertragen
lassen? Nicht auszudenken, wie viele Einzahlungen in Form von Arbeitsstunden
von den 8 Millionen Arbeitslosen für die Alterssicherung geleistet
werden könnten.
Jeder sollte sich aussuchen können, wieviel er jeweils in Form
von Geld oder in Form von Arbeitsleistung in seine Altersabsicherung
einbringt. Alle Bürger müssen in den gleichen Topf einzahlen.
Die durchschnittliche Arbeitsleistung, neben der Geldleistung, wird
schätzungsweise bei zwei Jahren liegen. Arbeitslose würden
mehr Arbeit, Gutverdienende mehr Geldleistung einbringen. Ein Manager
beispielsweise könnte sich freikaufen, indem er 2 Jahre lang
die Arbeit eines Anderen bezahlt. Dabei darf nicht unterstellt werden,
man bekäme im Alter nur dann kostenfrei die Windeln angezogen,
wenn man früher selbst alte Menschen in Windeln gebracht hat.
Die Arbeiten können getauscht werden, Stunde gegen Stunde.
Ein Maurer würde ohne Nettoverdienst am Bau eines Altenheims
mitarbeiten, ein Baustoffhändler das Material liefern, ein
Architekt kostenlos Pläne zeichnen. Sogar Überkreuzungen
wären denkbar. Der Maurer baut am Haus eines Altenpflegers,
dafür leistet der entsprechend mehr direkte Facharbeit, usw.
Die Rentenversicherer müssten neben den finanziellen Konten
auch Zeitkonten führen. Die Arbeitsleistungen müssten
angemeldet und bestätigt werden. Die mögliche Vermischung
mit anderen sozialen Bereichen, wie schon jetzt bei Tätigkeiten
im privaten Alltag sollte gleich mit berücksichtigt und eingebaut
werden, eventuell, teilweise Anrechnung der Kindererziehung, soziales
Pflichtjahr für Jugendliche, Ehrenämter, etc. Wem die
Leistungen dieses allgemeinen, für jeden Bürger pflichtigen
Grundsystems zu wenig sind, kann aus eigener Tasche eine zusätzliche
Privatrente finanzieren.
Wir bekämen ein zukunftssicheres, krisenfestes Sozialsystem
mit einem menschlicheren Antlitz. Doch leider hat dieser Vorschlag
einen entscheidenden Nachteil: Auf Arbeitsleistungen zur Altersicherung
kann der Staat natürlich nicht auch noch Steuern erheben. Unser
Bruttosozialprodukt würde erheblich sinken. Doch dieses ist
leider das goldene Kalb unserer "Volksvertreter".
CCR
13.Juni 2005: Deutschlands SPD-Führer
fordern jetzt höhere Löhne.
Nach der durchsichtigen Kapitalistenschelte vor wenigen Wochen vollführt
Müntefering die nächste Pflichtübung nach dem wieder
ausgegrabenen Handbuch für sozialistische Politik. Mal gucken,
ob unter dem klebrigen Agenda-Belag noch etwas rote Farbe freigeputzt
werden kann. Zumal jetzt, wo links von den sogenannten Sozialdemokraten
ein neues Lager aufgeschlagen wird.
Die Durchsichtigkeit dieser Wendemanöver ist zwar besonders
peinlich, doch scheinen die Strategen von ihren Wähleranalysten
grünes Licht bekommen zu haben. Immerhin ist das Gedächtnis
der Wähler wenig länger und beständiger, als eine
Bartstoppel. Erst kritisiert man die Gewerkschaften, dann nimmt
man deren Forderungen in den Mund. Es wird nicht lange dauern, bis
Sommer und Kollegen wieder die SPD empfehlen.
Die Schwammigkeit der neuen Taktik ist dabei der eigentliche Trick:
"Wo es wirtschaftlich vertretbar ist, sollten angemessene
Einkommensverbesserungen realisiert werden", sagt Minister
Clement. In diesem Satz sind gleich drei Aufweichungen enthalten,
- wo vertretbar, sollten und angemessen-, die,
sobald wahltaktisch nicht mehr nötig, das ganze Theater vollautomatisch
zu Grabe tragen.
Die Unionisten kontern voraussehbar. Merkel will Flexibilisierung
am Arbeitsmarkt, wobei man angesichts ihres kindlichen Verständnisses
dieses hochkomplexen Themas nur das Schlimmste erwarten kann. Zwar
ist es nicht gleich falsch, dass durch eine Lockerung der Bestimmungen
im Betriebsverfassungsgesetzes, die Betriebsräte in den einzelnen
Unternehmen individuelle Tarifverträge abschließen können.
Wenn man sicherstellen kann, dass die verhandelnden Betriebsräte
nicht über den Tisch gezogen werden, ist der Machtverlust der
Gewerkschaften nicht sehr tragisch. Eine solche Dezentralisierung
der Arbeitnehmervertretung brächte den Regionen Vorteile. Auch
wirkt eine verordnete Lohnerhöhung von oben mit Sicherheit
"arbeitsplatzvernichtend", wie vom Vorsitzenden der Mittelstandsunion
geäußert.
Allerdings existieren bei keiner Partei derzeit vernünftige
und logisch nachvollziehbare Strategien, mit welchen die
Massenarbeitslosigkeit tatsächlich beseitigt werden kann. Lohnerhöhungen,
also die Verteuerung menschlicher Arbeitskraft, müssen innerhalb
des herrschenden Wirtschaftssystems zwangsläufig kontraproduktiv
ausgehen. Sie vergrößern lediglich den Abstand zu den
Kosten für den einzigen Konkurrenten auf dem großen Marktplatz
für Arbeitskraft, der technischen Arbeitsenergie.
Diese ist mit vielfältigen Variationen, in Form von Maschinen,
Anlagen und Transportmitteln für jeden Unternehmer verfügbar,
will keine Sozialleistungen, Rentenbeiträge, oder Urlaub, streikt
kaum, hat keine Interessenvertretung und lässt sich ohne Murren
nach Tschechien verlagern.
- Hier müssen wir ansetzen, denn die Anwendung der technischen
Arbeitsenergie beschert uns einen gigantischen Berg von Folgeschäden,
die von den Anwendern, den Produzenten und Konsumenten, nicht bezahlt
werden. Wenn wir diese sozialen und ökologischen Kosten den
verursachenden Produkten und Dienstleistungen als Preisaufschlag
zuordneten, bekämen wir erst objektive und gerechte Verhältnisse,
unter denen menschliche und technische Arbeitskraft gesellschaftsverträglich
konkurrieren könnten.
Die in jeder Branche vorhandene, kalkulatorische Grenze, ab wo sich
der Einsatz menschlicher Arbeitskraft nicht mehr rechnet und technische
Arbeitsleistung günstiger wird, verschiebt sich je nach Gewerke
unterschiedlich weit in Richtung Arbeitskraft. Lohnerhöhungen
müssen die Gewerkschaften dann nicht mehr fordern und Politiker
nicht mehr verordnen, sondern sie werden von den Unternehmern im
eigenen Interesse beschlossen.
CCR
12.Juni 2005: Interview mit Buchautor
und "Spiegel"-Publizist Jürgen Leinemann in Publik-Forum
11/05 über Politik als Droge und Politiker als Süchtige.
Wie in seinem Buch "Höhenrausch" versteht Leinemann
den Begriff der Droge als Metapher, um das eigentümliche Gebahren
unserer "Volksvertreter" zu erklären. Er beschreibt
eindeutige Suchtsymptome, die bei fast allen Politikern zu Tage
treten.
"Beeinträchtigung der Wahrnehmung von Wirklichkeit",
"geradezu habituelles Verhalten um unbequeme Sachen zu unterdrücken
und wegzudrängen". "Macht ist nur ein Teil
der Doge Politik", süchtig sind diese Leute auch nach
"Arbeit, Erfolg, öffentlichem Applaus, Scheinwerferlicht,
Mikrofonen unter der Nase", usw.
Gesteuert wird diese Sucht auch von Angst. Angst vor Bedeutungsverlust,
- Heide Simonis:" Und was wird aus mir?",- Angst
vor Entlarvung, dass die Dürftigkeit des von ihnen Erreichten
ans Licht kommt, Angst vor der feindliche Übernahme ihrer Position
durch Mitsüchtige in der eigenen Partei, Angst davor, die sorgfältig
aufgebaute Fassade könnte einmal nicht halten.
Gegen die Ängste helfen "die Rituale der Bedeutung".
Leinemann: "Wolfgang Thierse nennt das Wichtigkeitsdrogen."-
Das hinterherlaufende Fernsehteam, extra abgestellte Sicherheitsleute,
Reisen, nie mehr am Telefon warten, "Vaclav Havel hat gesagt,
einer, der es gewohnt ist, dass andere ihm die Telefonverbindungen
herstellen, ist nicht mehr derselbe wie zuvor." Dabei liefern
die Journalisten oft die "Wichtigkeitsdrogen". Leinemann
kritisiert hier Vertreter seiner eigenen Zunft, "da wird
alles oft eine Nummer zu groß und morgen ist es dann wieder
vorbei. So wird Irrealität erzeugt."
In gewisser Weise sind Politiker tatsächlich Volksvertreter.
"Sie verkörpern eine Haltung, zu der wir alle neigen.
Wir leben in einer Suchtgesellschaft. Weil den meisten von uns das
Wichtigste fehlt, das, was wir am meisten brauchen - innere Sicherheit,
Glaube, Liebe, Zuversicht, Hoffnung - weil wir das nicht haben und
uns leer und unzufrieden fühlen, suchen wir Ersatz. Wir betäuben
uns mit Arbeit, mit Reisen, mit Schallplatten, Computern, Handys,
Sex." Für Leinemann sind Politiker nicht nur einsam,
sie haben "häufig nur noch verkümmerte Kenntnisse
von der Situation, wie Menschen im Alltag leben."
Nur wenige Ausnahmen sieht Leinemann unter unseren Politikern: "Besser
gewappnet sind alle, die etwas haben, was größer ist
als sie selbst". So haben Christen (offenbar nicht zu verwechseln
mit CDU/CSU-Mitgliedern), Humanisten oder auch Sozialisten etwas
mehr Widerstandskraft.
Meldung in der Zeitung vom 10.6. zum "Festival für junge
Politik - Berlin 05", veranstaltet von der Bundeszentrale für
politische Bildung, dem Familienministerium und dem Bundesjugendring.
Mehr als 10.000 Teilnehmer und ebenso viele Tagesgäste werden
zu 300 Workshops, Vorträgen und Diskussionen erwartet und sollen
politische Ideen austauschen.
Auf dem Foto über der Meldung sieht man Kanzler Schröder
neben einer jungen Frau, die die Rückseite ihres T-Shirts ins
Bild hällt. In der Meldung heißt es, darauf würde
stehen:"Politik macht sexy".
Doch das stimmt nicht ganz. Neben Schröder, der die Hände
geöffnet in Brusthöhe hällt und mit breitem Mund
herzlich lacht als würde er HEUREKA rufen, sieht man die Worte
und Zeichen: Politik. Macht. sexy. - wobei das Wort sexy
in Schreibschrift geschrieben wurde. Es handelt sich also nicht
um einen Satz, sondern deutlich erkennbar, -Macht ist groß
geschrieben-, um drei untereinander gedruckte Worte.
Und Schröder ist begeistert. Seine ganze Haltung gibt bekannt:
-Ich habe es gefunden!-, oder -Das ist es!-. Ob er
jetzt erleichtert ist? Das Hauptwort -Macht.- als wichtigster
Teil der Droge -Politik.- wird auf dem T-Shirt direkt darunter
abgedruckt und sogar ergänzt durch das Adjektiv -sexy.-.
Jetzt scheint jedes Leugnen sinnlos, es ist heraus, die Jugend bringt
es an den Tag! Macht und Sex stehen in direktem Zusammenhang. Da
dies bei den meisten Menschen aber nicht so ist, muss es sich hier
um eine Art Perversion handeln. Wie soll man dies verstehen?
Würde es sich nicht lohnen, hierzu eine Studie zu erstellen?
Ist für einige Leute Sex ohne Macht nicht möglich? Werden
viele Politiker eben dies, weil sie sonst keinen Sex bekämen?
Tragen Politiker deshalb Maßanzüge, weil diese besser
Ausbeulungen kaschieren können? Führt Machtgewinn bei
weiblichen Politikerinnen zu vermehrten Ausstoß von Ovulationskoppulinen?
Warum sind Angela Merkels Lippen seit der NRW-Wahl röter als
vorher? Oder was passiert gar hinter Rednerpulten wenn die Hände
nicht oben sind und geraten Vortragende eben nicht nur oben in Wallung?
- Fragen über Fragen.
Das beste wäre, wir würden die Politik der Politiker in
eine Nebennische, eine Art Reservat auslagern, raus aus dem Fokus
des Alltags und versorgt mit einem Minimaletat und einer wirklichkeitsgetreuen
Illusion von Macht. Dann könnten sie sich austoben, ohne unserer
Gesellschaft weiter zu schaden, und wir könnten endlich effektiv
zur eigentlichen Tagesordnung übergehen, die liegengelassenen
Probleme lösen und uns um die Aufarbeitung unserer Süchte,
unserer Unzufriedenheit, wie um eine längst überfällige
Perspektive ohne Ersatzbetäubungen kümmern.
CCR
11.Juni 2005: Seit gestern gibt es
offiziell ein neues Linksbündnis. Mit den beiden Gallionsfiguren
Oskar Lafontaine, "dem letzten Sozialdemokraten" und Gregor
Gysi, "dem wortgewandten Sozialisten", ist ein Erfolg
bei der Bundestagswahl im Herbst garantiert. Zusammen mit der neuen
Formation WASG wird dem Projekt bis zu 18% vorausgesagt.
Von den Pressejournalisten im Lande kommt leider immer noch keine
objektive Berichterstattung. In strenger Kontinuität des Dauerbeschusses
und der Häme gegen Lafontaine seit dessen Rücktritt, schmiegt
man sich lieber weiter an den hinter seriös scheinenden Fassaden
verborgenen politischen Dilletantismus der Altparteien. Streng nach
dem Motto: "was der Bauer nicht kennt, isst er nicht".
So hat auch Karrikaturist Haitzinger in der Rhein-Zeitung, ansonsten
von mir sehr geschätzt, wieder mal einen Aussetzer. Er zeichnet
Schröder und Müntefering romantisch als Ehepaar im Mondschein
sitzend, während von hinten Lafontaine und Gysi als Vampire
mit langen Eckzähnen heranfliegen und Müntefering sich
sorgenvoll den Hals hällt. - Nunja, die Stimmen von Teilen
der SPD-Wähler fliegen den neuen Linken allerdings von alleine
zu. Da braucht man weder flattern, beißen, noch saugen.
SPD-Generalsekretär Benneter geht schon mal die Muffe, wenn
er den saarländischen Sturkopf zum "Selbstdarsteller"
und "Schönwetterpolitiker" reduziert, nur weil dieser
damals den historischen Schwenk seiner Partei hin zu einer Politik
gegen die Schwachen im Lande nicht mitmachen wollte.
In einer anderen Aussage Benneters liegt aber doch ein Stück
Wahrheit: "Die Vereinigung weiß eigentlich nur, wogegen
sie ist - das wird nicht ausreichen." Konzeptlosigkeit ist
zwar kein Hinderungsgrund, um an die Macht zu kommen; das beweist
schon der Aufschwung der CDU in den Umfragen. Und, für das
Falsche zu sein, kann tragischer für unsere Gesellschaft enden,
als gegen es. Jedoch muss gerade eine neue politische Bewegung sich
die Existenzberechtigung erst einmal erkämpfen, und dafür
wollen wir Alternativen zur Politik des Zeitgeistes sehen. HartzIV
nur wieder abschaffen zu wollen, ist kein dauerhaftes Programm.
Die neue Partei wird die Katze bald aus dem Sack lassen müssen,
vorausgesetzt, es ist eine drin.
Die derzeit einzige Alternative zur weltweit unangefochtenen
kapitalistischen Planwirtschaft und deren goldenem Kalb -Wirtschaftswachstum-
ist die Kategorische Marktwirtschaft, wie sie auf dieser Website
skizziert wird. Sie bringt nicht nur den Schwachen im Lande ein
dauerhaft sicheres Mindestmaß an Sicherheit und Würde,
sondern stutzt auch alle anderen bedenklichen Auswüchse der
Industriegesellschaft langfristig auf ein gesellschaftsverträgliches
Maß zurück. Man darf gespannt sein, was die neue Linkspartei
demgegenüber anzubieten hat.
CCR
10.Juni 2005: Drei Meldungen in der
gestrigen Zeitung: 1) Eine positive Zwischenbilanz des "Ausbildungspaktes"
für das laufende Jahr haben Politik und Wirtschaft gezogen.
Die Gewerkschaften sehen das Erreichte allerdings sehr kritisch.
2) Die Verbraucherinsolvenzen in Deutschland sind im ersten
Quartal 2005 um 35,7 Prozent gestiegen. 3) Ein neues Forschungsprojekt
soll die Armutsentwicklung in Ostdeutschland untersuchen.
Dabei soll sich der Blick auf die ländlichen Gebiete konzentrieren,
die der Öffentlichkeit gegenüber den Situationen in den
Städten bisher eher verborgen geblieben sind.
Allen drei Nachrichten gemeinsam ist die Wiederspiegelung des unaufhaltsamen
Niedergangs unserer Gesellschaftssubstanz. Da gibt es die Einen,
die Gesundbeter in der Politik, völlig machtlos und inkompetent,
die nicht sehen wollen, dass eine Wirtschaft, die immer weniger
menschliche Arbeitskraft braucht auch auf die Ausbildung dieser
Arbeitskräfte zunehmend verzichten kann.
Dann gibt es die Anderen, am langen Hebel, denen die angedachte
Ausbildungsplatzabgabe schlecht in den Kram passen würde und
deshalb abermals medienwirksam den Schafspelz anlegen und mit "Volksvertretern"
in Armanianzügen einen, Ausbildungspakt genannten, Heißluftballon
steigen lassen.
So gewinnt man wieder ein paar Monate, bis die Wirkungslosigkeit
wie immer offensichtlich wird. Vielleicht folgt dann der "Ausbildungsschwur",
und danach die "Ausbildungsblutsbrüderschaft" mit
Winnetoulike Pulsadern ritzen und zusammendrücken. Selbstverständlich
Lagerfeuer mit Mehlhäufchen in die Flammen schmeißen,
damit es blitzartig auflodert und das Publikum "Ohhhhhh"
sagt und "Ahhhhhh" und brav wieder Kreuzchen macht, einmal
hier, einmal da. - Naja, wäre wohl zu heftig. Die Wirtschaftler
könnten sich zwar nicht mit Machtgeilheit anstecken, wohl aber
mit niedrigerer Halbwertszeit und Abhängigkeit von demokratischer
Legitimation.
Fairerweise muss man sagen, dass es auch Unternehmer gibt, eher
Chefs von kleinen und mittelständigen Unternehmen, denen die
Entwicklung zunehmend Sorge bereitet, die gerne mehr ausbilden würden
sich damit aber gegenüber der gnadenlosen Konkurrenz benachteiligen
würden, denen die Zukunftsaussichten des nationalen Standorts
angesichts der dünner werdenden Decke qualifizierten Nachwuchses
nur noch Kopfschütteln entlocken. Doch auch sie machen den
verhängnisvollen Fehler, behaftet mit gefärbten Scheuklappen,
nicht nach der wahren Ursache für die Entbehrlichkeit von menschlicher
Arbeit zu suchen.
Und die Gewerkschaften? Sie begnügen sich damit hier Gegenpol
zu sein, statt als solcher zu agieren. Sommer sonnt sich in seinen
Allerweltsanalysen und stellt Forderungen, die innerhalb des Systems
keinerlei nachhaltige Wirkung zeigen würden. Das dynamisch
destruktive und alles beherrschende Netz von wirtschafts- und gesellschaftspolitischen
Sachzwängen lässt sich nur durch die Umsetzung der Kategorischen
Marktwirtschaft zerreißen. Doch bräuchten wir dann noch
Gewerkschaften?
Und dann diese Zahl, 185.000 Lehrstellen würden fehlen. - Hat
sich schon einmal jemand die Mühe gemacht, zu überlegen,
wie viele Jugendliche mit Ausbildungsplatz diesen nur annahmen,
weil ihr Traumjob nicht mehr im Angebot war? Appeliert wird, "berufliche
Mobilität" zu zeigen, "Vermittlungsangebote der Arbeitsagenturen
und der Kammern" zu nutzen. Wenn das Mittagessen wieder mal
ausfällt, sollen sie doch wenigstens trocken Brot fressen.
Die beste Leistung bringt man in der Arbeit, die einem Spass macht.
- Ich weiß: -sollen doch froh sein, dass überhaupt; -wir
konnten früher auch nicht; -wenn jeder machen könnte,
was er..., -wo kämen wir denn hin und so, -Arbeit ist Arbeit
und Spaß ist Spaß.
-- Wie gesagt und trotz aller Dementi: Der Mensch ist ausschließlich
für die Wirtschaft da! Und die pfeift auf den Menschen, erst
recht auf seine Natur! Genauso tut es das Bildungssystem. Abschreckend
bis ins Mark tötet es frühzeitig jede Begeisterung. Und
dann kann die Wirtschaft klagen: mangelhafte Ausbildungsreife der
Schulabgänger, schwaches mündliches und schriftliches
Ausdrucksvermögen und unzureichende Rechenfertigkeiten.
Und: Unsichere wirtschaftliche Perspektive. Da wären wir bei
den anderen zwei Meldungen. Ohne gesellschaftliche Notwendigkeit,
Verlust der Arbeit, bzw. ohne Ausbildung schon gar keine Arbeit.
Die Folgen nennt man dann Verbraucherinsolvenz. Die Armut auf dem
Land kann man natürlich untersuchen, auch wenn das Ergebnis
schon grob feststeht: Zentralisierung und Verlagerung ins Ausland
lassen grüßen. Keine Perspektive, Suff, Geisterorte,
Liebäugeln mit dem Letzten, - wie 1933.
CCR
9.Juni 2005: Hartz-IV wird immer klebriger.
Ein gewaltiges Millardenloch droht beim Arbeitslosengeld II. Bis
Ende Mai wurden bereits 10 Millarden Euro dafür ausgegeben,
obwohl für das Gesamtjahr nur 14,6 Millarden veranschlagt wurden.
Damit sind nach 5 Monaten bereits 2 Drittel des vorgesehenen Geldes
ausgegeben. Wolfgang "Schmolllippe" Clement wird wieder
schöne Worte finden, da kann man sicher sein.
Ich frage mich, wie Herrn Peter Hartz, der seinen Namen hergab,
letztendlich für eine Totgeburt, mittlerweile zu Mute ist.
Es bleibt doch nur Zorn übrig für sein Werk. Soll mir
doch keiner erzählen, es bräuchte Zeit bis die Sache wirkt.
Sie kann gar nicht wirken, weil sie auf unlogischen Annahmen beruht.
Hartz IV ist der deutlichste Beweis für die unüberbietbare
Inkompetenz ihrer Verfechter. Wenn in unserem Wirtschaftssystem
einfach keine Arbeit für Menschen da ist, kann man so viel
umverteilen, kann man so viel Druck ausüben wie man will, es
werden keine sinnvolle, neue Arbeitsplätze entstehen. Der Fehler
liegt im System; doch dieses darf nicht angetastet werden.
So ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
in den letzten 3 Jahren um fast 1,5 Millionen zurück, mit entsprechenden
Folgen für die Sozialkassen. Die "Personal-Service-Agenturen",
veranschlagt für 700.000 neue Arbeitsplätze, vermittelten
gut 20.000 Menschen. Wieviele davon jetzt noch übrig sind,
weiß kein Schwein. Die "Ich-AGs", auch auf Sand
gebaut, waren immerhin gut dafür, kurzzeitig Geld vom Staat
zu kriegen. Für die versprochenen 1 Million neuen Selbstständigen
wären auch die gleiche Zahl erfolgversprechender Geschäftsideen
notwendig gewesen. Doch, wie gesagt, das System darf nicht angetastet
werden; und in dem ist menschliche Arbeitskraft gegenwärtig
so nachgefragt, wie die von Ochsen zum Pflügen. Von den gut
200.000 gegründeten "Ich-AGs" sind ein Großteil
so auch wieder in sich zusammengefallen. - Zu viel Hefe, zu wenig
Teig-. Ebenso ist der "Job-Floater"-Versuchsballon abgestürzt,
die Investitionen blieben oben in alle Winde.
Ob cduspdgrünefdppdswasgetc, nirgendwo ist derzeit der
richtige Ansatz erkennbar. Die frühere Diskussion um die Maschinensteuer
war wegen ideologischer Einseitigkeiten gescheitert. Ihr Ansatz
bleibt jedoch bis heute aktuell. Unter den Bedingungen einer Kategorischen
Marktwirtschaft muss die Externalisierung sozialer und ökologischer
Kosten des direkten Konkurrenten der menschlichen Arbeitskraft,
nämlich des Einsatzes von Maschinen, Anlagen und Transportmitteln
voll in Rechnung gestellt werden. Die Subventionierung von Menschenkraft,
PSAs, IchAGs, zinsarme Kredite, die Beraubung älterer Arbeitsloser,
die 30 Jahre gearbeitet und eingezahlt haben, wird überflüssig,
die meisten Importe, Auslagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohngebiete,
Spekulantenunwesen und Kapitalkonzentrationen werden unrentabel
etc., kurz gesagt, die Gesellschaft könnte gesunden.
- Doch leider: Dummheit erkennt sich nicht selbst!
CCR
8.Juni 2005: Kurze Meldung mit Foto
in der Zeitung: In Berlin haben uniformierte Erfüllungsgehilfen
wieder Wohnungen geräumt, 60 Menschen, davon zehn Kinder. Eigentlich
wollten die Leute das von Ihnen seit 16 Jahren gemietete Haus kaufen.
Doch die Bank veräußerte es lieber an einen Privatinvestor,
der nun die doppelte Miete verlangt und welche die Mieter nicht
zahlen wollen. - Das ist, ungeschminkt dargestellt, praktische Sozial-,
Familien- und Kinderpolitik in Deutschland. - Streng nach dem Motto:
Mehr Profit durch Externalisierung sozialer Folgekosten und Abwälzung
auf die Allgemeinheit.
Und noch ein Artikel vom Vortag: Die deutsche Industrie hat im Vormonat
deutlich weniger Aufträge aus dem Ausland erhalten. Der Rückgang
bei den Invstitionsgütern war dabei besonders stark. Wohin
dieses Jojospiel letztendlich führt, mal gute Exportzahlen,
mal schlechte, wird immer deutlicher: Das berühmte letzte Standbein
der deutschen Wirtschaft leidet unter Muskelschwund.
Würde unsere herrschende Kaste mit Weitblick ausgestattet sein,
könnte sie folgendes feststellen:
Bald haben die Investoren außerhalb unseres Landes alle Investitionsgüter,
Maschinen und Anlagen, beisammen, um jegliche Kunsumgüter und
am Ende auch die zukünftigen Investitionsgüter sonstwo
produzieren zu können. Neben der Industriespionage, der Übernahme
und anschließender Ausschlachtung unserer Betriebe, ist dies
die dritte blutende Wunde, aus welcher absehbar der letzte Lebenssaft
den Körper unserer Industriegesellschaft verlässt.
Was merken wir?: Ob das sogenannte Wirtschaftswachstum nun durch
die Bevorzugung der Interessen von Wohnungsspekulanten vor denen
der Bevölkerung, oder ob es durch den spärlicher werdenden
Verkauf der eigenen Substanz der Industrie gesteigert wird, wir
sind zu Kannibalen unseres eigenen Fleisches geworden, nähren
unsere letzten Zuckungen vom Bewegungsapparat, von den Muskeln und
von der Gehirnmasse unserer nationalen Gemeinschaft bis, - ja bis
zum Ende; oder bis zur Erkenntnis, dass Wirtschaftswachstum nach
üblichem Verständnis nicht die Messzahl unseres Erfolgs,
sondern nur das Ticken an der Bombe zu unserer letztendlichen, eigenen
Implosion sein kann. Nun ja, unter Westermerkel wird alles besser.
- Nur, für wen?
CCR
7.Juni 2005: Leider habe ich am Sonntag
das philosophische Quartett verpasst. Rene meint, Sloterdijk wäre
mal wieder Spitze gewesen, seine Gäste nicht minder. Es ging
um das Elend der deutschen Schule.
Wie ich da ein Lied singen kann, als Vater von drei hellwachen Jungs.
Seit nunmehr 27 Jahren habe ich die Seuche hinter mir, und es hat
sich bis heute nichts geändert: Pädagogische Dilletanten
herrschen über unseren Nachwuchs, weitgehend unangefochten.
Die Grundschullehrerin unseres Jüngsten, eine emotionale Schlaftablette,
kam nie mit seiner Schlauheit zurecht. Von wegen Fördern, ständig
wurde der Kleine ausgebremst, zurückgezerrt in den Kreis der
Durchschnittlichen. Er langweilte sich zu Tode, machte natürlich
seine Sprüche, erntete Strafarbeiten.
Ich erinnere mich noch gut an die "erzieherischen Gespräche".
Auf der einen Seite meine Frau und ich, gegenüber dieses Frauentrio
über 50, deren größte Sorge die Störung ihres
allmorgendlichen Arbeitsablaufs war. Was hielt die Direktorin sich
für ach so liberal, weil sie dem Bub erlaubt hatten, im Kunstunterricht
eben nicht diesen an alle verteilten Schwarzweißvordruck eines
Schuhs mit Buntstiften ausmalen zu müssen, sondern seinen Protesten
nachgaben, einen eigenen Schuh ohne Vorgabe aufs Blatt zu bringen.
Und dann auch noch, welche Gnade, diesen Schuh im Gang an die Wand
pinnten,-es fehlte noch, sich gegenseitig auf die gepolsterten Schultern
zu klopfen.
Sie hatten ihn nicht auf die Abschlussfahrt mitfahren lassen, diese
beamteten Seelenverheizer, nur weil er sich gewehrt hat gegen eine
herbe Eskapade seiner Klassenlehrerin. Es war an Fastnacht, der
Bub hatte das originellste Kostüm, Räuber Hotzenplotz,
Kleider von meiner Frau, sieben Messer und einen Säbel von
mir, hergestellt aus alten, dicken Lederriemen und Schäften
aus Holz. Wie stolz war er an diesem Morgen aus dem Haus gegangen,
schwarzer Bart, spitzer Hut, im Gürtel um sich herum die Lederwaffen.
Bis er dann irgendwann in der Schule sein Geld verloren hatte und
keiner sein Leid anhören wollte. "Reg dich nicht so auf",
hieß es. Keine Mamma zum trösten, kein Papa in der Nähe,
der ihn anhörte. "Reg dich nicht so auf", bis dann
der Fotograf erschien, der Bub sich aus Protest weigerte, auf Bild
zu kommen, sich nicht aufstellen wollte, die Lehrerin sein Kostüm
aber brauchte für das Foto, vielleicht eher für sich selbst,
meinte, ihn mit Gewalt ins Bild halten zu müssen, er ihr herunterfiel,
sie ihn von hinten erneut packte, sie grinsend, er schreiend, nicht
erfahren im Spühren von solcher Gewalt reflexartig sein Lederschwert
nach hinten schwang und die Frau an der Stirn traf, noch im Beisein
von zwei kopfschüttelnden Müttern, die mir erzählten,
deren Dabeisein im späteren Gespräch durch die Direktorin
untersagt wurde. Zum Kotzen!!! Die Frau Schuldirektor ging dann
ab wie ein Zäpfchen, als ich die pädagogischen Fähigkeiten
in Frage stellte. -- Gerächt haben wir uns im Kleinen: Während
die Anderen auf drei Tagen Klassenfahrt, drei Tage Schneckenzeit,
drei Tage lang diese Frau und die Jugendherberge ertrugen, fuhr
ich mit dem Bub nach Frankfurt in den Zoo, Staunen, Eis essen, Spielen,
Streicheln, Rennen, Bummeln, statt ihn in die Schule zu stecken.
Den Brief an die Schulrätin habe ich nie abgeschickt.
Nur einen einzigen Grundschullehrer habe ich erlebt, den hatte mein
Ältester vor 12 Jahren, ein begnadeter Künstler in Kinderpädagogik,
konnte selbst die Schwierigsten motivieren, tat das Richtige aus
dem Handgelenk, fand, dass die meisten seiner Kolleginnen besser
hätten Verkäuferinnen werden sollen, ließ sich versetzen
um woanders Schuldirektor zu sein, bis er schließlich an den
Fesseln des Lehrplans und der Kultusfuzzis fast verzweifelte. -
Was er heute macht, weiß ich nicht, nur dass er läuft,
Halbmaraton, um nicht zu verfaulen in diesem System der vollfassadierten
Bildungswüste. Ihn hätte ich mir als Bundeskultusminister
für Grundschulen gewünscht.
Das wichtigste Zitat, welches das ganze Drama unseres Bildungssystems
entblößt, die Inkompetenz der Politik, die Ignoranz der
meisten Lehrer, die Gleichgültigkeit der meisten Eltern, die
elenden Beinflussungsversuche der Wirtschaft, der Verlust und die
Verschleuderung wertvoller Potentiale für unsere Gesellschaft
und vor allem das alltägliche Leid unseres Nachwuchses in den
Lehranstalten lautet: "Kinder sind nicht Fässer die
gefüllt. sondern Feuer, die entfacht werden wollen"(
Francois Rabelais).
CCR
6.Juni 2005: Habe trotz verordneter
Abstinenz wieder Christiansen angeschaut. Diese Frau wird
es nie lernen, lädt immer die falschen Leute ein, stellt immer
die gleichen Fragen.
Gysi, frisch von der Intensivstation, aber in alter Souveränität.
Wieso bekam ich bei jedem der kleinen Wortgfechte Angst um sein
Herz? Mensch Gregor, reg dich nicht auf. Der Merz ist dein Bruder,
wenn er auch auf der Gegenseite steht und weniger Inhalt outputtet.
Immerhin hat der das beste Darstellungsvermögen unter allen
Unionskandidaten, wird wegen seiner Bierdeckelnummer sogar als Steuer-
und Wirtschaftsexperte bezeichnet.
Clement der Unsägliche. Mir ist es ein Rätsel, wie der,
permanent in der Defensive, morgens noch Lust zum Aufstehen findet.
Wahrscheinlich hat er gleich um sechsuhrdreißig seinen Termin
beim Darstellungsberater.
Und dann der obligatorische Mann der Industrie, Siemens von Pierer.
Will auch sagen, wie es ihm geht, dass er statt 80 Stunden nur noch
50 arbeitet, -wie ehrbar und deutschfleißig-. Bringt doch
tatsächlich den gleichen Patriotenschwank, wie kürzlich
Ackerman im Spiegel, dass man ja auch stolz sein könne, noch
eine Großbank im globalen Wettbewerb zu haben. Deutsche Bank
für Deutschland. Ackermann hält die schwarzrotgoldne Fahne
hoch, wo doch unsre Fußballnationalmannschaft seit Jahren
in der Peinlichkeit dümpelt, Schumi von Reifen- und Motorproblemen
geplagt wird, und auch im Tennis, Eishochey und Leichtathletik kein
Grund zur Schwellung der deutschen Brust aufkommt. ---Schlaf weiter
Sabine!!!---
CCR
5.Juni 2005: Werde nicht nach Bad Honnef
fahren, wo wieder eine Partei gegründet werden soll.
Erstens habe ich keinen Pflegeersatz für den alten Herrn aufgetrieben,
und dies wieder meinen Söhnen aufs Auge drücken,- nee,
die sollen ihr Wochenende haben. Und Zweitens ist die Direktkandidatenidee
etwas weniger aussichtslos.
Lieber wieder ins Bett und Kuscheln;- so werd ich nie Bundeskanzler.
CCR
4.Juni 2005: Zeitungsartikel in der
Rheinzeitung:"Dick sein ist teuer" - Auf dem 14ten
europäischen Kongress über Fettleibigkeit in Athen wurde
festgestellt: Die Folgen von Fettleibigkeit kosten die Gesundheitsbehörden
weltweit mindestens ebenso viel wie die Behandlung von Alkoholikern
und Rauchern. "In dem Maße, in dem Fettleibigkeit überhand
nimmt, steigen die Kosten für das Gesundheitswesen" warnten
die Experten. In Europa sind nach Schätzungen 10 bis 20 Prozent
der Männer und 10 bis 25 Prozent der Frauen fettleibig. In
den USA wurden 2003 insgesamt 96,7 Millarden Dollar zur Behandlung
der gesundheitlichen Folgen von Fettleibigkeit ausgegeben.
Ein anderer Bericht spricht davon, dass mittlerweile 30 % unserer
Gesundheitsausgaben für die Diabetesbehandlungen draufgehen.
Letzte Woche noch las ich beim Recherchieren Zahlen, die obige Meldung
vervollständigen:
Im Schnitt stehen pro Kopf der Weltbevölkerung 308
kg Getreide zur Verfügung (vgl. Brown 2001, 106). In unterentwickelten
Staaten wird sehr wenig Getreide verfüttert in Indien
4%, in China 27%, in den USA werden hingegen gar 68%. Nach Angaben
des World Watch Instituts werden auf der Welt etwa 1,2 Milliarden
Tonnen der Getreideernte direkt verzehrt, die übrigen 660 Millionen
Tonnen werden indirekt in Form von Fleisch und Produkten aus Aquakulturen
konsumiert. Dabei wirdAufgrund der immensen Fleischnachfrage verbrauchen
die Industriestaaten mit einem Viertel der Weltbevölkerung
drei Viertel der gesamten agrarischen Produktion. Die Folge: Den
800 Millionen hungernden Menschen stehen 1,2 Milliarden Übergewichtige
gegenüber (vgl. Sopper et al. 2000, 6)!
Durch eine Reduzierung des Fleischkonsums, durch den Umstieg auf
Biolandbau und durch die Bevorzugung regionaler und saisonaler Produkte
könnten bis zu 50% des Primärenergieeinsatzes und der
CO2-Äquivalente eingespart werden . Der energetische Vergleich
zwischen einem Fleischlaibchen und einem Getreidelaibchen (je 250
g) verdeutlicht dieses Faktum: Die Emissionen des Fleischlaibchens
liegen bei 796 Gramm CO2-Äquivalenten jene des Getreidelaibchens
hingegen bei nur 63 Gramm. Isst man also ein Fleischlaibchen, verursacht
man eine fast 13- mal stärkere Klimabelastung als beim Verzehr
eines Getreidelaibchens.(Aus 'Natur und Kultur: Transdisziplinäre
Zeitschrift für ökologische Nachhaltigkeit', Ausgabe 2/2
(2001), Seiten 60-81. www.natur-kultur.at)
Was sagt unsere deutsche, überparteiliche Doppelkinnfraktion
(-ist das schon diskriminierend?-)dazu? -Nun ja, für Antworten
ist schließlich Feigenblattministerin Frau Künast zuständig.
Was sagt RestmuellNet?: Dick sein schädigt nicht nur
unsere Volkswirtschaft sondern auch die Lebensgrundlagen der nachfolgenden
Generationen!
Was wäre mit dem Problem innerhalb der Kategorischen Marktwirtschaft?:
Durch Integration der gegenwärtig externalisierten gesellschaftlichen
Folgekosten in den Preis aller Lebensmittel (siehe auch im Teil
2 Kapitel 8)E)), käme das Problem gar nicht auf. Die Bevölkerung
würde sich gesünder ernähren, der Lebensmittelmangel
in der Welt würde reduziert, das Klima geschont.
CCR
3.Juni 2005: Habe interessante Website
gefunden: www.williweise.de,
eine Initiative des Kuratoriums Neue Demokratie in Berlin.
In den 300 Wahlkreisen Deutschlands sollen 300 parteilose Einzelkandidaten
aufgestellt werden. Textausschnitt:
"Wer oder was ist Willi Weise?
Willi Weise sehen und verstehen.
Willi Weise - das bist du und das bin ich. Das sind wir, wir die
Werteschaffenden - und wir die im Stich Gelassenen.
Willi Weise - ist Symbol, Banner, Etikett, Lichtstrahl, Sympathieträger,
Wächter, Held, Wegbahner nach Berlin.
Willi Weise ist Hoffnungsträger von 80 Millionen Deutschen,
die fleissig Werte schaffen, aber keinen Einfluss besitzen - verglichen
mit den 100.000 unter uns, die jedes Jahr 360 Milliarden Euro Geld-Ernte
einfahren.
Von den Parteien kam über Jahrzehnte keine Hilfe für die
Mehrheit. (Im Gegenteil: Parteiführer gehen bei den Geld-Erntern
ein und aus.)
Deshalb kommt jetzt Willi Weise und richtet es.
Keine Programme, keine Reden, sondern Willi. Auf hunderttausend
Fahnen soll stehen: "Wir wollen Willi". "Willi weiss
was wir wollen". 100.000 mal: "Ich heisse Willi".
Demokratie soll wieder Spaß machen - mit Willi Weise.
Ganz praktisch:
Willi Weise wird den von uns geschulten 300 Einzelkandidaten für
Berlin den Weg ebnen. Dieses Mal soll die Hälfte der Abgeordneten
tatsächlich direkt aus dem Volk kommen. Dank Willi und dank
der unermüdlichen pfiffigen - von uns geschulten - RegionalTeams
in den 300 Wahlkreisen!
Willi - das sagt alles.
Willi Weise wird all die Wünsche, Sorgen, Ideen und Hoffnungen
der Menschen auf sich vereinen. Ohne viele Worte schultert Willi
Weise die Fülle der Vorhaben der vielen aufrichtigen Initiativen
für mehr direkte Demokratie.
Und: Willi hat 80 Millionen Sympathisanten."
CCR
2.Juni 2005: Was für ein Blues:
Nichts geschafft gekriegt. Fast 4 Stunden den alten Herrn versorgt.
Die Urlaubsvertretung für die gewohnte Frau vom Pflegedienstes
nervt tierisch. Erzählt mir pausenlos von Privatproblemen.
Keinen Sinn für einen politischen Eintrag heute.
CCR
1.Juni 2005: Gestern in der Rheinzeitung:
Brüderle-Interview - FDP-Bundesvize und rheinland-pfälzischer
Ex-Weinköniginnenküsser in alter Manier: "Steuerpolitik
ist Freiheitspolitik", was immer das auch heißen
mag. "Die FDP hat die Oppositionszeit für eine programmatische
Erneuerung und Vertiefung genutzt". Dann lasst mal sehen.
RestmuellNet sagt: Freiheit allen Unternehmern nur dann, wenn jegliche
Möglichkeit zur Externalisierung von sozialen und ökologischen
Kosten in Produktion und Dienstleistung ausgeschlossen
ist. Leistungsträger sind Unternehmer nur dann, wenn sie unter
den Bedingungen der Kategorischen Marktwirtschaft und nicht auf
Kosten Dritter Gewinne machen.
CCR
31.Mai 2005: Danke ihr Franzosen. Das
Plädoyer in der europäischen Verfassung für
die Marktwirtschaft wäre ja nicht so tragisch, verbürge
sich dahinter nicht ein trojanisches Pferd. Auch wenn alle davon
reden, Wirtschaftswissenschaftler, Politiker, Unternehmer und Journalisten,
die Marktwirtschaft existiert nicht. Mit diesem Schein wird uns
nichts anderes verkauft als die kapitalistische Planwirtschaft.
Über wirkliche Marktwirtschaft, also kategorische Marktwirtschaft
siehe Teil 2, Kapitel 8.
CCR
30.Mai 2005: Ein Zeitungsartikel vom
letzten Monat geht mir nicht aus dem Kopf.
Auf einer Mitgliederversammlung des Bauern- und Winzerverbandes
sprach der Kreisvorsitzende davon, dass es bei den heutigen Getreidepreisen
lukrativer sei, das Getreide zu verbrennen, statt
es zu verkaufen. Die Recherche im Internet liefert dazu eindeutige
Berechnungen. 12,5 kg Getreide, Preis 1,-Euro, haben den gleichen
Heizwert wie 5 Liter Heizöl für mehr als 2,- Euro, oder
auch 10 kg Holzpellets für 1,80 Euro. Es werden schon spezielle
Öfen für die Getreideverbrennung angeboten. Ökonomisch
betrachtet scheint die Sache sinnvoll zu sein
Das mulmige Gefühl darüber, dass immerhin Nahrungsmittel
verbrannt werden, obwohl über 800 Millionen Menschen auf der
Erde Hunger leiden, spiegelt sich in heftigen und sehr kontroversen
Debatten wieder
Ein Landesbischof bemüht Martin Luther für eine überaus
weitschweifige Auslegung von "täglich Brot", so dass
auch Wärme darunter fällt. Brot sei für Luther "ein
Symbol für die Grundbedingungen, damit das Leben sich entfalten
und entwickeln kann". Schweren Herzens wird der Getreideverbrennung
zugestimmt, weil sie die Emission von CO2 aus fossilen Energieträgern
reduziert und angeblich ja nur anfallendes Restgetreide und minderwertige
Qualitäten zum Heizen verwandt werden, die bisher anderweitig
entsorgt wurden.
In der Rechnung oben wird allerdings der Preis für Brotgetreide
hergenommen. Ein Bauer, der sein Getreide als Nahrungsmittel verkauft,
muss tatsächlich erhebliche Einbußen hinnehmen. Wenn
er sein Korn verbrennt und somit Heizöl einspart, macht er
einen deutlichen Gewinn. Dem steht lediglich das in einigen Bundesländern
herrschende Verbot der Verbrennung von Brotgetreide gegenüber.
Im Ernstfall wird es für einige Produzenten aber leicht sein,
aus Brotgetreide minderwertige Qualität werden zu lassen.
Führt man diese Entwicklung gedanklich bis in die Zukunft fort,
könnte es bei gleichzeitiger Einsparung großer Mengen
Heizöl und Reduzierung der damit verbundenen Treibhausgase
irgendwann zu einem Mangel an Getreide kommen.
Um eine objektive Beurteilung zu bekommen, muss die Diskussion
möglichst umfassend geführt werden, sozusagen unter den
Bedingungen einer Kategorischen Marktwirtschaft.
Betrachtet man die Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller
Landwirtschaft, oder anders ausgedrückt zwischen der Form von
Landwirtschaft, die sehr wenig Kosten auf die Allgemeinheit und
die nachfolgenden Generationen abwälzt und der Form, bei welcher
die Externalisierung von ökologischen und sozialen Kosten den
wichtigsten Produktionsfaktor darstellt, wird Folgendes deutlich:
Die Mehrerträge in der zweiten Form sind ausschließlich
auf den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger zurückzuführen.
Der vollständige Energieeinsatz für die Herstellung dieser
Stoffe (z.B. für die Produktion eines Kilogramms Düngestickstoff
werden 1.5 Liter Heizöl verbraucht) liegt höher, als der
Energiegehalt des damit gewonnenen Mehrertrags. Durch die Umstellung
auf ökologischen Landbau ließen sich weit mehr Treibhausgase
einsparen, als durch Ersatz des Brennstoffs Heizöl durch die
Verbrennung von Getreide.
Die Umstellung würde die Getreideüberschüsse in der
EG verschwinden lassen (etwa 25 % der Gesamternte), da im ökologischen
Landbau die ha-Erträge geringer sind ( um etwa 30 %). Durch
Wiederbewirtschaftung stillgelegter Flächen wird die versorgung
vollständig gesichert. Die Getreidepreise würden um etwa
100 % steigen, weil ökologischer Anbau sehr viel arbeitsintensiver
ist als konventioneller Anbau, womit wir mit dem Getreidepreis schon
gleichauf mit dem Heizölpreis lägen.
Ab hier wäre die Getreideverbrennung schon kein Thema mehr.
Zwar würde rechnerisch durch Verfünffachung des Ölpreises
(Einberechnung der bisher externalisierten Kosten in den Endpreis,(-
Siehe Kapitel 7) und 8)) wieder ein deutlicher Preisunterschied
entstehen. Doch die regenerativen Energien, durch geringere Internalisierungsaufschläge
belastet, würden Mineralöl als Brennstoff bald voll ersetzen.
Dieses könnte dann seiner edelsten Form der Nutzung, der Kunststoffproduktion,
vorbehalten bleiben und noch tausend Jahre zur Verfügung stehen.
Die Weltmarktpreise für Getreide würden ebenfalls steigen,
je nach dem, wie viele Staaten ebenfalls die Kategorische Marktwirtschaft,
also flächendeckende ökologische Bewirtschaftung einführten
und keine Überschüsse mehr produzierten. Die regionalen
Nahrungsmittelmärkte in Ländern der sogenannten "Dritten
Welt" verlören den ärgsten Konkurrenten und könnten
sich vernünftig entwickeln. Deren Beeinträchtigung durch
Import von subventioniertem Billiggetreide aus Industrieländern,
ist, mit der Maßgabe der Kategorischen Marktwirtschaft betrachtet
nichts anderes, als die Externalisierung von gewaltigen sozialen
Kosten vor Ort, neben der von ökologischen Kosten hauptsächlich
durch den Transport.
Futtermittelimporte aus armen Ländern würden durch Internalisierung
von sozialen Kosten und ökologischer Kosten bei Anbau und Transport
unrentabel. Die fernen Ackerflächen blieben der Nahrungsmittelversorgung
der dortigen Bevölkerung vorbehalten.
Die Viehhaltung und Fleischproduktion in Deutschland ginge zurück.
Durch Internalisierung von gesellschaftlichen Kosten in die Fleischpreise,
in erster Linie Aufschläge für die Behandlung von Folgeerkrankungen
der Fettsucht (z.B. Diabetes), -Entlastung des Gesundheitssystems
und gleichzeitig Verminderung der Ursachen von Fettsucht-, währen
weit weniger Futtermittel nötig. Diese könnten, wie im
ökologischen Landbau die Regel, vor Ort geerntet werden.
Wären dann immer noch größere Mengen von minderqualitativem
Getreide übrig, könnte man noch einmal neu über die
energetische Verwertung desselben nachdenken. Neben der Verbrennung
käme auch noch die Produktion von Bioalkohol oder die Vergärung
in Biogasanlagen in Betracht.
Abschließend ist festzustellen: Unter den Bedingungen einer
Kategorischen Marktwirtschaft wird die Frage, ob Getreide allgemein
als Brennstoff eingesetzt werden darf, ebenso verneint, wie es dies
auch unser ethisches Gewissen tut.
CCR
29.Mai 2005: Der im aktuellen Greenpeace-Magazin
3/05 erschienene Artikel über meinen Widerstand
gegen die Müllgebühren und die RestmuellNet-Initiative
kann ab sofort unter http://www.littering.ch/modules.php?name=News&file=article&sid=123
nachgelesen werden.
CCR
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